Schreiben eines Kornhändlers. 6z
aber das Gegentheil, und das Korn ist so reichlich ge-wachsen; die Svmmerfl'ucht ist so vortreflich ausgefallen;die Buchmast ist dermaßen stark; das Heu ist so gut ein-gekommen; die Bohnen, Kartoffeln und Erbsen habenso wie das Obst so reichlich gesetzt, daß jene kleinen Aus-falle gar nicht in Betrachtung kommen können.
Hatte es indessen das Gluck oder Unglück gewollt,daß wir eine schlechte Erndte und einen abermaligenMangel erlebt hätten: wie groß würde nicht wiederummein Verdienst um das Vaterland geworden sepn l Sechstausend Malter, die ohne mein Aufschütten vielleicht znschlechtem Weine verbrannt, oder zum geringsten Preisteaußerhalb Landes gegangen seyn würden, hätte ich dannZur Erhaltung der Armuth vorräthig gehabt; hätte ichauch vierzig tausend Thaler darauf gewonnen, so wäredieses Geld doch im Staate geblieben: Ich hätte denganzen Kornhandel mit meinem Vorrathe in den Schran-ken der Billigkeit halten, und alle übrige zwingen kön-nen, in ihren Preisten sich nach den meinigen zu richten.Wir wären den Seestädten nicht zinsbar geworden, undmancher hätte bep mir auf einheimische Sicherheit Credithaben können, der das seinige sonst in der Noch für einhalbes Geld hätte losschlagen müssen, um in der Fremdeibaar zu bezahlen. Wie viele falsche Unkosten, wie vieleFuhren, wie viele Aufseher und Ansmesser hätte derStaat nicht ersparet; und wie ruhig hätte nicht jeder-mann sein Haupt niederlegen oder seiner Arbeit wartenkönnen, der sonst unter nächtlichen Sorgen seine Gesund-heit geschwächt, und seine Handthierung mit Mnthlostg-keit getrieben haben würde?
So viele, so große, so wesentliche Verdienste solltenmir in der That jetzt eine allgemeine Dankbarkeit, «ndeine hinlängliche Schadloshaltung zuwege bringen. Abernein, nichts als Spott und Undank ist mein Lohn; undwarum? weil die Triebfeder meiner Handlungen, wie
die