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2 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 2
Entstehung
Seite
61
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Schreiben eines Kornhandlcrs. 61

Gleichwohl kann ich mit Wahrheit sagen, daß ichdem arbeitsamen fleißigen Ackersmanne >'-ir der vorigenErndte einen reinen Vortheil von mehr als fünfzig tau-send Thaler zugewandt habe. Der arme Mann war vonEelde entblößt; und er mußte aus Noch verkaufen. DerPreiß des Korns wäre gleich nach der Erndte zu 6 Nthlr.das Malter gefallen, wenn ich meinen Vorrath losgeschla-gen und nicht vielmehr noch ein mehreres angekauft hätte.In was für eine Verlegenheit würden die Erringen, diezwischen Michael und Weihnachten losschlagen mußten,gefallen seyn, wenn ich damals gleich ihnen verkauft;wenn ich täglich nur ein Fuder zu Markte geschickt, unddie hämischen Käufer dadurch stutzig gemacht hätte! Wür-de nicht der arme Manu, der ein paar Scheffel sauer zuMarkte getragen, solche entweder mühsam haben zurücknehmen, oder zu jedem Preise verkaufen müssen?

Allein ich that es nicht; ich zahlte vielmehr selbst die-sen armen Leuten einen billigen Preiß für ihr Korn, umallen plötzlichen Fall zu verhüten und meinen eignen Vor-rath damit im Preise zu erhalten. Und solchergestalt kannich mit vollkommenster Wahrheit behaupten, daß ich allenund jeden, die zwischen Michael und Weihnachten ver-kaust, Zwey Thaler mehr für das Malter geschaht habe,als sie erhalten haben würden, wenn ich nach der unbe-sonnenen Forderung des gemeinen Geschreyes mir mei-nem Korn den Markt beschickt, und den Fleiß des Acker-baues zum Raube der Städter gemacht hätte.

Bon Weihnachten bis Ostern verkaufte schon der ver-mögende Landmann; der Preiß steng an zu sinken, undes fehlte nur noch an Einem Lothe, um den Ausschlagans der Waage zum Nachtheil der Kornhandlnng hervorz» bringen; meine Freunde riechen mir, ich sollte jetztauch verkaufen; ich sollte zeigen, daß ich ein Patriot undkein Kornjnde wäre; ich sollte mir diesen verhaßten Na-men nicht zuziehen. Nein, sagte ich, dies soll nicht ge-

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