Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
Seite
5
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Einleitung. g

fahrt, und wollte» die Bräute sich zur Hochzeit schönes Wetter sichern,so durften sie nicht versäumen, die Lieblinge der Göttin gut zu füttern.

Wodans gewaltigster Sohn war Donar oder Thor. Gr schützteHeimat, Haus, Familie und Eigentum, sandte den befruchtendenGewitterregen, aber auch Stürme, Blitz und Donner. S» seiner Handtrug er eincu gewaltigen Hammer den er segnend, aber auch zermalmend gebrauchte. Er war der stärkste aller Götter; kein Rieseund kein Unhold konnte ihm widerstehen Aus einem mit zweiBöcken bespannte» Wagen fuhr er durch das Land. Noch lieber aberwanderte er zu Fuß mit einem Tragkorb auf dem Rücken. Erund trank nnmäßig. Oft hören wir von seinem göttlichen Zorn, undwenn er zürnte, schnaubte er in seinen roten Bart, daß es wieDonner durch die Wolken drang, von den Wochentagen war ihmder Donnerstag geweiht, wie dem Wodan der Mittwoch, der früherWodanstag hieß, in manchen Gegenden, z. B. im Iülicherlande, heutenoch Gunstag heißt. Der Göttin Frepa galt der Freitag, demKriegsgotte Ziu oder ct.i»s der Dienstag Tinstag). Ziu, Tins,auch Sarnot genannt, stürzte sich selbst in das Gemetzel der Schlachtund half seinen Günstlinge». Als Beweis seiner Kühnheit wirderzählt, daß er seinen linken Arm in den Rachen des Wolfes Fenrirsteckte, dabei aber seine Hand eingebüßt habe. Die Erinnerung andiese Tat ist uns in der Sage von dem Löwenkampfe des KölnerBürgermeisters Gry» erhalten, die im Löwenhofc des Rathauses zuKöln bildlich dargestellt ist.

Um die genannten großen Gottheiten scharte sich eine stattlicheAnzahl untergeordneter Götter und Geister, die den Menschen baldlicht, mild und lockend, bald düster, zornig und verderblich entgegentraten. Zu ihnen zählen die Riesen oder Heroen, die Zwerge,Wichte, Wichtel-, Erd- oder Heinzelmännchen, Nircn,Kobolde usw.

Unsere vorfahren glaubten auch, daß bevorzugte Menschen,Priester nnd Priesterinncn, in geheimnisvollen Beziehungen zu denGöttern ständen und diese zu Offenbarungen veranlassen könnten.So bildete sich das Grakelwcsen ans. Heilige Wörter und Formelnwurden gemurmelt, später in Runenstäbchen geschnitten; Zaubertränkewurden bereitet aus Wurzeln und Kräutern, die bis heule noch imvolksaberglaubcn eine Rolle spielen. Sm Naturlcbcn waren es be-sonders die Vögel und vogelstimmen, die als Boten und Kundgebungender Götter gedeutet wurden. Sn heiligen Hainen hielt man schnee-weiße Rosse, ans deren Wiehern und Schnauben man den Wille»der Götter erfuhr. Durch Tier- nnd Menschenopfer, Llutentziehe»und Blutbcsprengen glaubte man die erzürnten Götter zu versöhnen,oder deren Gunst zu erlangen. Germanische priesterinnen verstandenes auch, ans der Bewegung des Ouellwassers zu weissagen.

Die aufgehende Sonne des Ehristentums hat den altheidnischcnGötterglauben zerspalten und aufgelöst und nur zerrissene Streifen,verschwommene Wölkchen übrig gelassen. Die geistigen EigenschaftenWodans und die freundlichen Aeußernngen seiner Macht gingen ausgewisse Heilige, besonders auf den mächtigsten Bekämpfer der abgesallenen Geister, den Erzengel Michael und ans den seinen Kriegs-