Druckschrift 
1 (1909)
Entstehung
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Ginleitung.

^?l>,ie Lieb«! zum volkstümlichen: zu den heimischen Sitten und Ge^5/ brauchen, znr Volkssage und Legende, zum Volksmärchen nndzum Volkslieds, zu Kinderspielen und Rinderrcimen, zu Rätselnund Sprichwärtern und dergl,, ist ein Grnndzug deutschen Wesens.Ruf diesen Zug dürfen wir wahrlich stolz sein; denn die Erbstückeunserer deutschen vorfahren bergen in sich eine Fülle edelster Poesie,welche es verdient, der Nachwelt für alle Zeiten erhalten zu bleiben.Männer, wie Grimm, Simrock, pfarrius, Montan us,Wolfg. Müller, Uhland, V. Schell n, a, habe» uns in ihrenSammlungen manche Perlen der Volkspoesie herübergerettet.

Unvergleichlich schön sind die Worte, mit denen die GebrüderGrimm 1816 ihre deutschen Sagen in die Welt schicken. „Es wirddem Menschen", sagen sie, „von Heimatswegen ein guter Engel bci-gegeben, der ihn, wenn er in das Leben eintritt, unter der vertrau-lichen Gestalt eines Mitwanderuden begleitet; wer nicht ahnt, wasihm Gutes dadurch widerfährt, der mag es fühlen, wenn er dieGrenze seines Vaterlandes überschreitet, wo ihn jener verläßt. Diesewohltätige Begleitung ist das unerschöpfliche Gut der Märchen,Sagen und Geschichten, welche nebeneinander stehen und unsnacheinander die Vorzeit als einen frischen nnd lebendigen Geist nahezu bringen streben. Jedes hat seinen eigenen Kreis. Das Märchenist poetischer, die Sage historischer; jenes steht beinahe nur in sichselber fest, in seiner angeborenen Blüte nnd Vollendung; die Sagevon geringerer Mannigfaltigkeit der Farbe, hat noch das Besondere,daß sie an etwas Bekanntem nnd Bewußtem haftet, an einem Vrtoder einem durch die Geschichte gefeierten Namen. . . Um alles denmenschlichen Sinnen Ungewöhnliche, was die Natur eines Landstrichsbesitzt, sammelt sich ein Dunst von Sage nnd Lied, wie sich die Fernedes isimmels blau anläßt, nnd zarter seiner Staub um Gbst undBlnmen setzt. Vlns dem Zusammenleben nnd Znsammcnwohnen mitFelsen, Seen, Trümmern, Bäumen, Pflanzen entspringt bald eine Nrtvon Verbindung, die sich ans die Eigentümlichkeit jedes dieser Gegen-stände gründet, nnd zu gewissen Stunden ihre Wunder zu vermehrenberechtigt ist. Wie mächtig das dadurch entstandene Band sei, zeigtan natürlichen Menschen jenes herzzerreißende Iheimweh. Ghne diesesie begleitende Poesie »rußten edle Völker vertrauern und vergehen;Sprache, Sitte nnd Gewohnheit würden ihnen eitel nnd unbedecktdünken, ja unter allem, was sie besäße», eine gewisse Einfriedigung

* Benutzte Quellen: Grimm, Deutsche Vagen. ^8^6. — Linnig, Vorschule derPoetik und Literaturgeschichte. Paderborn, ^878.