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Einleitung.
fehlen. Auf solche Weise ist das Wesen und die Tugend derdeutschen Volkssage zu verstehen, welche Angst und Warnung vordem Bösen und Freude an dem Guten mit gleichen Händen austeilt."
Die Poesie ist von jeher nnd überall bemüht gewesen, einen Ausgleich herbeizuführen zwischen der kahle» und kalten Wirklichkeit unddem volleren, heißeren Sehnen des Herzens. Sie trat auch da inTätigkeit, als die Menschheit, in Sünde verstrickt, die klare, dasMenschenherz beseligende Erkenntnis der Größe nnd Güte Gottesverloren hatte. Es fachten die Menschen sich auseinanderzusetzenmit der sie umschmeichelnden oder nmdräuendcn Natur. Die Poesiekam ihnen dabei z» Hülfe und verstrickte sie mehr nnd mehr noch infalschen über die Gedheit eines gottvcrlorenen Lebens hinwegtäuschendenIdeen. Der schaffende Drang poetischen Denkens äußerte sich zunächstdarin, daß die Menschen die sie umgebende Natur bildlich, als lebendignnd persönlich auffaßten. Die ihnen geläufigen Vorstellungen ihresmenschlichen Kreises übertrugen sie ans die nicht menschliche Außen-welt. So legten sie auch den Natnrkräften einen persönlichen Willenbei; die Naturerscheinungen betrachteten sie als Willensäußerungen.Als sie später sich nicht mehr dessen bewußt wurden, daß sie dieNaturkräste bildlich dargestellt, also Abbilder an Stelle der Ur-bilder gesetzt hatten, stellten sie sich die ursprünglich bildlich gedachtenKräfte als wirkliche Wesen, selbständige Personen, als Gottheiten vor.So entstanden die Göttermythen und Göttersagen. In derGöttersage liegen die Keime der Heldensage, bei der Göttlichesund Menschliches ineinandergreifen. Götter- nnd Heldensagen sind sorecht ans germanischem Boden groß geworden. Zu Tüsars Zeit vcrehrten die Germanen als Licht nnd Himmelsgott den Wodan.Ursprünglich war er Sturm- nnd Windgott, der sich an der Spitze deswilden Heeres der Sturmwinde in die vom Blitze zerrissenen Wolkenstürzte, viele Namen hatte ihm das Volk beigelegt, und doch war erihnen immer derselbe Schöpfer und Ordner. Man erzählte von seinemWissen, seinen Wanderungen, seiner Macht in Krieg und Fehde.Seine körperliche Erscheinung war nicht immer dieselbe; man legteihm die Fähigkeit bei, sich nach Bedarf zu oerwandeln. Am liebstensah ihn das Volk als uralten, großen, einäugigen Mann mit langemBart im dunklen Mantel nnd den Hut tief ins Gesicht gezogen. ImWasfcnschinnck trug er einen Helm nnd einen goldstrahlendeu Harnisch.Zwei Nabeii, zwei Wölfe nnd eine glänzende Schar von Helden be-gleitete ihn. Iii späterer Zeit, als Wodan ans der HerrlichkeitWalhallas verstoßen war, folgten ihm grauenhafte Gestalten. WodansGemahlin war Freya. Wohin sie kam, verbreitete sie Frieden nndFruchtbarkeit; die Erde schmückte sich mit Grün, und Halme entsprossendem Acker. Weil sie hold und srenndlich war, nannten die Menschensie auch Frau Hulda oder Holle Sie spann am Nocken, belohntedie fleißigen und bestraste die faulen Spinnerinnen nnd machte dieBetten, daß die Schneeflocken in der Lust umherflogen. A» manche»Orten erschien sie als schöne weiße Frau. Bald wohnte sie in ödenSchlössern, bald auf einsamen Teichen, von wo sie durch ihren Vogel,den Storch Adalbert, den Eheleute», denen sie hold war, die Kinder zu-tragen ließ. Auf einem mit Katzen bespannten Wagen hielt sie Ans