genannt wird, setzt einen ganz andern Legendenkreis voraus, als dieTradition des Trierer Rocks, worin dem Agritius nothwcndig dieEinweihung des Pallastcs der Helena zugeschoben wird. Erst mitdem Jahre 1512 ist eine bleibende, officiell anerkannte Traditionvorhanden. —
Aber hüten wir uns vor übereilten Schlüssen. Noch einmalsprengt hier ein Kämpe auf uns ein, mit dem wir uns schon völligauseinandergesetzt zu haben glaubten, kein geringerer als der rüstige„Bilk-Pfarrer." Was ruft er, keine Zeugnisse für die Tradition?Sind geschriebene Bücher und Urkunden die einzig denkbaren Zeug-nisse?^ Haben wir nicht auch sonstige Denkmäler, führen die Hn.Professoren nicht selbst Bilder an? „Ja, schließt er, die BonnerHerren mögen wohl nicht gewittert haben, daß schon das ihrerUntersuchung vorgesetzte, überaus wohlgerathenc Bild der Helenasaus einem Buche von 1480) die Tradition bestätige: der vollstän-dige Text wird im Anhange geliefert." Der Hr. Ritter hat leiderin diesem Anhange nicht näher gesehn, daß das Bild zwar die He-lena, aber nicht den Rock Christi, sondern einen Rock der Mariavorstellt: daß wir es also nicht wegen der Trierer Tradition, son-dern aus andern dort angeführten Gründen mitgetheilt haben. Hr.Binterim beruft sich denn auch auf unsere Vorrede, wo ebenfallsalte Bilder erwähnt würden, und gibt uns darüber seinen Dankzu erkennen. Wir müssen uns den Dank verbitten: diese Bilderfind sämmtlich jünger als 1512, lehren also nichts als das längstBekannte.
Jndeß ein Hauptstück wird uns noch vorgeführt. Hr. Lavenist nicht zufrieden, Sage und Dichtkunst, hartmäulig wie sie sich ihm
Hr. Clemens S. 44 meint, der Papst sei hierin nicht unfehlbar.Aber es handelt sich nicht nm die Richtigkeit seiner Angabe, sondernnur darum, daß, wenn Trier dieselbe acceptirt hat, wie sie es hat,damals keine Tradition über Agricius dort existirt haben kau». Hr.Clemens meint weiter, Potentian habe den Dom gebaut, dann seier wieder verfallen, und von Agricius wieder eingeweiht worden.Recht schön, wenn es erweislich, wenn es etwas anderes wäre alseine freie Phantasie dem armen Rocke zn Liebe.
'->) Gut nimmt sich daneben aus, daß er kurz nachher ganz trutzig dieFrage aufwirst: wer in aller Welt daran gedacht habe, den Spl-vesterbrief als Zeugniß für die Traditio» zu benutzen <er mögeMarx Geschichte S. 24 nachsehn), und noch besser, daß er S. 59 bisl>9 einen Haufen schriftlicher Zeugnisse für die Tradition vom h.Rocke zusammenführt, die entweder spät aus dem 13. Jahrhundertsind, over alle denkbaren sonstigen Heiligthümer betreffen, nur denRock nicht.