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Nttlß sicher bewiesen werden: im Allgemeinen ist zu urtheilen, daßwo ein Stoff in heidnischem Sinne bearbeitet vorliegt, die herr-schende kirchliche Ansicht sich desselben noch nicht bemächtigt hatte.Dieser Fall ist bei dem Orendel vorhanden; so weit die Zeugnissereichen, lag vor 1512 die Helenalegende nur in den Abschriften derGesta und des Sylvesterbriefö in den Archiven, in den weiternKreisen war über den h. Rock nur Orendel bekannt, und erst 1512ist die Geschichte der h. Helena zu allgemeiner Herrschaft gelangt.
Es ist nach dem Bisherigen unnöthig, nachdem wir die christ-lichen Angaben über den Trierer Rock geprüft haben, noch einenbesondern Abschnitt der „Tradition" zu widmen. Jedermannweiß, daß der kirchliche Begriff der Tradition zwar im Allgemeinenbestimmbar ist, daß man darunter eine lange Zeit hindurch festste-hende, an richtige Voraussetzungen gelehnte, von den kirchlichenBehörden anerkannte mündliche Ueberlieferung versteht: ebenso be-kannt ist aber auch, wie leicht sich dieser Begriff verflüchtigt, sobaldman ihn auf einen einzelnen bestimmt abgegränzten Fall anzuwen-den versucht.
Der entscheidende Punkt liegt unmittelbar in der Natur allermündlichen Ueberlieferung. Sobald der Gegenstand derselben ineiner weitern Vergangenheit liegt, entsteht ganz nothwendig dieFrage: woher weiß man, daß schon damals eine mündliche Ueber-lieferung eristirt habe? Der Beweis dafür kann nur durch schrift-liche Aufzeichnung oder bildliche Darstellung gegeben werden, undwo dergleichen eristirt, hätte man wieder der Tradition nicht be-durft. So daß diese in den wichtigsten Fällen entweder so gut wienicht vorhanden oder ganz überflüssig erscheint.
Bei dem Trierer Nocke, haben wir gesehen, sind wir nun indem ersten Falle. Vor dem 12. Jahrhundert ist nicht die geringsteSpur, daß jemand an eine Tradition über ihn gedacht habe. Im 12.bezeugt der Brief Friedrichs I. und die Translation von 1136 dieAnerkennung desselben durch die Trierschen Bischöfe, seitdem ist biszum Jahre 1512 nicht die geringste Erwähnung mehr aufzutreibend)Im Gegentheil die Bulle des Papstes Nicolaus V., worin ein h.Potentian, anstatt des Agricius, als Erbauer des Trierer Doms
Die Berichte einiger fremden Chroniken, die nur aus den Gestenabschreiben, beweisen nichts für die Tradition. Das damals verbrei-tete Orendelgedicht kennt zwar den Trierer Nock; aber nicht die Tra-diton der Trierer Kirche.