Druckschrift 
3 (1845)
Entstehung
Seite
49
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die Verdrängung christlicher Tradition durch-heidnische Sage ist seltner,kommt aber vor bei alten und neuen Gegenständen, ohne daß sich dieleiseste Spur eines Wagnisses zeigte. Die Schöpfung Adams oderdie Hinrichtung des Täufers wird Hr. Clemens nicht zu densichselbst tibcrlassenen" Traditionen rechnen, und doch war Jahrhundertelangein Gedicht populär, ein NechtSbnch in Kraft, welches sie ganz inheidnischer Sagcnform darstellte.') Das Leben Sylvester II. und Gre-gor VII. wurde sicher nicht mit Gleichgültigkeit betrachtet, und dochcirculirtcn lange Zeiten hindurch Geschichten, worin es mit statt-lichem magischem Apparate geschmückt war.') Dingen dieser Artgegenüber verhielt sich der Clerus oft unthätig, zuweilen kritisch, wieer denn seit 1512 auch den Orendcl als eitel Flockmährc kritisirthat: aber dabei blieb es auch, und von einer verfolgenden Oppositionwar bei solchen Dingen keine Rede. Das Heidnische nur in poe-tischer, und für Dogma und Hierarchie ungefährlicher Gestalt rief beider Kirche um so weniger eine ernsthafte Rcaction hervor, als sie selbstdergleichen Elemente in größter Zahl in sich aufgenommen hatte.")So also steht es mit dem Wagnisse des OrcndeldichtcrS. Wärezu seiner Zeit die Ansicht des Sylvester-Diploms noch so verbreitetund von der herrschenden Kirchlichkcit adoptirt gewesen, er hätte ohneGefahr seine Dichtung in die Welt schicken können. Weiter aberist hier auch nicht zu gchn, und etwa deshalb der Schluß ganz zubeseitigen, nach welchem wir wegen der Verbreitung des Orcndel dieweitere Bckannthcit des Sylvcstcrdiploms und der schenkenden Helenagcläugnct haben. Denn, wie gesagt, verhältnißmäßig selten sinddie Fälle, in denen eine bekannte und dctaillirte Tradition, wie esim Orcndel geschchn sein mußte, ganz beseitigt wurde. Wo einesolche vorhanden war, begnügte man sich in den meisten Fällen,mit Beibehaltung ihres Zusammenhangs heidnische Elemente nurals Schmuck des Einzelnen einzufügen.^) Jede Ausnahme davon

'1 Müller altdeutsche Religion S. 113. Richthofen friesische Rcchtsquellen

«. 411. I. Grimm bei Haupt Zeitschrift >. 1.

2) Görres deutsche Volksbücher 217.

Der größte Theil des Rcliquiencultus überhaupt gehört auf diesesFeld. Ein schlagendes Beispiel bei Grimm deutsche Mpthol. 2.Auflage S. 113l das Aufhänge» der Bilder geheilter Gliedmaßenvor den wunderthätigen Reliquien und Bildern.

Beispiele anzuführen wäre eine unnöthige Weitläufigkeit. Es rciwthin an Andreas und Elene, an die Bearbeitungen des jüngste» Ge-richts, des St. Georg, an die lexemln uurea zu erinnern. Vgl.GervinuS d. Ltgsch. i. 1st2. ll.