weniger nach ihrer Verbreitung als nach ihrem Inhalt zu bestim-men, und die Vertauschung eines Juden mit einem Herodcs nochnicht durchaus als Fortbildung zu betrachten ist.
Doch wir wollen ihn nicht weiter in diese lustigeren Regionenhineinbemühn. Wir fürchten ein für allemal, ihm hier doch nichtdeutlich zu werden: wir können ohne dies die Sache aus concrctcreWeise fassen. Hr. Laven meint, die Helenalegenden seien unmög-lich aus eine verfälschte Urkunde zurückzuführen, weil sie so verbreitetund, so zu sagen, fortgebildet seien: man müsse sie deshalb für altund volksmäßig halten. Ebenso wie seine Kenntniß von den all-gemeinen Gesetzen der Sage, erhellt daraus auch die Höhe seiner ge-schichtlichen Wissenschaft. Unmöglich kann er jemals eine Sylbe vonden zahllosen Erfindungen des Mittelalters gehört haben, die durchLänder und Generationen hindurch von Millionen geglaubt, undmit den buntesten Ausschmückungen verbreitet wurden — ganz wieseine Hclenalegendcn — die aber nachweislich keinen andern Ur-sprung haben als unglückliche Etymologien, mißverstandene Inschrif-ten, verfehlte Uebersetzungen, also Quellen, die mit der Einschwärzungdes Rockes in das Sylvesterdiplom ganz auf einer Linie stchn. Nachseinen Merkmalen muß Hr. Laven für ächte Sage die Historiehalten, daß Kaiser Vespasian zwei Wespen in der Nase gehabt, dieerst bei seiner Taufe herausfielen, daß Kaiser Nero eine Kröte ge-boren und die Aerzte ausgerufen lata runu, wovon denn der Lateranseinen Namen bekommen: für ächte Sage muß er es halten, wenndie römischen Wallfahrer erfreuliche Geschichten kennen vom ColossePhidias und vom Colosse Praxiteles oder vom Tempel des Cicero,wobei sie das eareer NuIIiumim und die Aufschrift des Bildhauersim Sinne haben. Denn mit diesen und hunderttausend ähnlichenGeschichten sind die Helcnalcgenden in Bezug auf Ursprung, Ver-breitung, Fortbildung durchaus zu vergleichen; sie sind genau vondem Schlage wie die Verehrung des h. Mantclius, die auf gutemWege war, durch die gedruckten Martyrologicn weit und breit sichBahn zu machen, wenn nicht eine gottlose, dieses Mal freilich eineJesnitcnkritik den neuen Heiligen errathen hätte — als schlechteUebersetzung einer griechischen Stelle, wo von dem Mantel (eigent-licher: Schwcißtuch) Christi die Rede ist.
So weit Hr. Laven. Alles bisher Gesagte gilt natürlich auchfür die getreuen Apostel seiner Lehre, die Hn. Binterim und Clemens.Hr. Binterim hat sich an dieser Stelle begnügt, die Steine, welche