Druckschrift 
3 (1845)
Entstehung
Seite
46
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sie sind in den Mund des tricrschen Volkes eingeschwärzt, wie derNock in die Urkunde selbst. Ihre Verbreitung ist ein willkürlichesMachwerk der Trierer Geistlichkeit, und keineswegs, wie Hr. Laven,in komischer Unkundc der Sagcnpoesic, H es glauben machen mochte,eine That des schöpferischen Nationalgeistes. Er versichert freilichnach Schlegel und Nühs: willkürliche Machwerke ermangelten allerfortbildenden Kraft, während die Helcnasagc sich doch zum HerodeSund Inden fortgebildet habe; zu solchen Fortbildungen gehörtenaber Jahrhunderte, vollends wenn sie dem Volke so geläufig werdensollten, wie es hier der Fall sei: im Tricrschen wisse jedes Kind sieauswendig, das Mütterchen erzähle sie heute wie im 12. Jahrh. demSöhnchen, in Hütten und in Pallästcn seien sie accreditirt, derglei-chen gelinge aber nur den ächten, uralten und volksthümlichcn Sagen.

Die Unschuld dieser Provinzialgclchrsamkcit fällt sogleich indas Auge. Dieser Literat hat von einer Sage noch keinen andernBegriff als den einer Erzählung ergötzlichen Inhalts, anonymenUrsprungs und historischer Ungenauigkeit: die Ungcnauigkeit unter-scheidet sie von der wahren Geschichte, der unbekannte Ursprung vonWillkürlichem Machwerk, der ergötzliche Inhalt bringt sie unter dasVolk, wo es denn bald an abweichenden Namen und Bildern, anFortbildungen," wie die Hn. Laven und Clemens sich ausdrücken,nicht fehlt. Jedes Mütterchen im Trierer Lande weiß von demDienstmädchen Helena, folglich ist das ächte, uralte Sage. MutterElse nennt den Herrn der Helena Hcrodes, Mutter Lisbeth einenJuden, wer möchte noch zweifeln, hier ist lebendige Fortbildung,ächte, uralte Sage. Draußen im Reiche, wo sie die gelehrten Bücherschreiben, sollen seit einigen Menschenaltern sonderbare neue An-sichten über Sagen und Mythen spuken, jedoch ist glücklicher WeiseHr. Laven unberührt davon geblieben, glücklicher Weise hat er nichtsdavon gehört, daß durch eine methodische Behandlung der Sagen-pocsie die deutsche Geschichtswissenschaft in ein neues Stadiumgetreten, und die gcsammte theologische und philosophische Weltin Bewegung gesetzt worden ist, daß der Begriff der ächten Sage

Und i» affectirter Unkunde der vorigjährigcn Ereignisse. Er meint,diese Sagen seien dem Volkedoch wohl nicht" aus den Erbauungs-bnchern zugekommen. Er, der sich rühmt, im Tricrschen geboren zusein, der 1844 die tausend Placate, Bilder, Predigten und Litaneienaus erster Hand erhalten hat, er will die Fähigkeit des Clerns be-zweifeln, binnen Ml) Jahren seinen Kinvern in Christo eine Historievon der h. Helena mundgerecht zu machen!