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gu»d «I-Ut demonstrandum, ruft Hr. Laven. Hr. Clemens pcrorirt mitbreiter Sicherheit hinterdrein: mit gänzlicher Verkcnnuug des Sagen-charaktcrs haben die Hn. G. und S. den Orendel für Geschichtegehalten; allein des Hn. Laven treffliches Buch redet mit Sachkunde.
Wir haben diesen Gedankengang des Hn. Laven mit möglich-ster Kürze und Präcision zu wiederholen gesucht. Unfern Lesernden Neichthum patriotischer und menschlicher Gefühle, die Aus-sichten in die nebelhaften Tiefen des schaffenden Volkögeistcs,welche Hr. Laven an allen Punkten eröffnet, zugleich vorzuführen,darauf müssen wir freilich verzichten. Wir begnügen uns, ihn übereinen viel trockneren Punkt um Auskunft zu bitten.
Woher weiß er es denn, daß Orendel aus den Sagen ab-schreibt, und nicht umgekehrt? Alle unsere Daten beschränken sich aufdie drei Angaben:
um 1130 nennt das Splvesterdiplom die Kaiserin Helena alsSchenkerin des Rocks —
um 1180 sagt Orendel, den durch Helena gewirkten Rock habeHerodeS seinem Diener einem Juden geschenkt —
um 1810 oder höchstens 1720 melden einige Sagen, HerodeSoder der Jude habe seiner Dienerin Helena den Rock geschenkt.
Was in aller Welt kann aus diesen höchst schlichten, höchst un-zweifelhaften Daten folgen, als daß die Sagen recht spät erst auSdem Orendel schöpfen und ihn hinterher erst mit der kirchlichen Tra-dition combiniren? die kirchliche Tradition wiegt vor, deshalb ge-langt Helena in alle Sagen herein, während die Thcilc aus demOrendel wechseln. Aber von ihnen allen weiß man etwas docherst im 18. oder 19. Jahrhundert, von Kern und Fortbildung: dieAnsicht des Hn. Laven, sie hätten schon im 12. dem Orendeldichtcrvorgelegen') ist als frommer Wunsch zu betrachten, bis er irgendein positives chronologisches Datum dafür beibringt.
Solch ein Datum wird nun wohl ebenfalls ein frommer Wunschbleiben. Es ist also zu urtheilen, das die Sagen des Hn. Lavennichts weiter sind als Ausflüsse aus dem verfälschten Splvesterdiplom,
') Gleich die erste Frage bei dieser Ansicht ist: warum benutzt der Dich-ter so standhaft nur die „später» Fortbildungen," HerodeS und denJuden, und nennt statt „des alten Kerns" der schenkende» Helenadiese Heilige nur als Weberin? Antwort wie oben: er kannte denKern, aber er mußte ibn ändern. Hr. paven schließt also folgenderGestalt: wenn der Dichter den Kern kannte, mußte er ihn ändern —nun ist der Kern im Gedichte ganz verändert — folglich hat ihn derDichter gekannt.