„Damals erwarb die Domkirche ihre wohlklingenden Glocken.„Freilich, obwohl damals Viele mit gläubigem Herzen die unge-„wohnten Ausstellungen und reichlichen Opfer lobten, so gab es„doch auch Manche, welche mit neidischen Augen darauf blickten,„Tadel und Spott dagegen erhoben, und heimlich von Aberglauben„und Simonie redeten, ja sogar die goldnen und silbernen Gefäße„mit frevelnden Händen zu rauben suchten.
„Als nun damals Erzbischof Agritius, der Ueberbringcr der„h. durch die Kaiserin Helena geschenkten Reliquien, gröstern Ruf„und verbreitete Ehre erlangte, errötheten die Brüder zu St. Mathias„nicht, einen alten Jrrthum zur Anreizung des Volkes von Neuem„vorzubringen. Indem sie nach den apocryphen H Gestis Trevirormn„behaupteten, dieser Heilige sei von jeher in ihrem Kloster begraben,„und zum Wahrzeichen in einer Kapsel einige Asche, wie Näucher-„pulver, wiederholt vorzeigten, versicherten sie, dies seien die Reli-quien des Heiligen, die vorlängst durch Feuer (wir wissen nicht„wie) 2) ,'n diesen Zustand gekommen seien. Aber, geneigter Leser,„warte ein wenig, wie ihre Gewissenlosigkeit sich selbst betrogen hat.
„Denn bald darauf fanden sie bei einem Neubau in ihrem Kloster„menschliche Knochen, und verkündeten mit feierlichem Geläute, jetzt„besäßen sie wahrhastig die Gebeine des h. Agritius, oder, wie der„Prior des Klosters sich ausdrückte, sie hätten noch viel mehr Knochen„entdeckt, als zu einem menschlichen Körper gehörten. Im Dom-kapitel bildeten sich, da jetzt zwei Klöster denselben Heiligen zu„besitzen Anspruch machten, sogleich zwei Parteien, und es kam unter„den Beschützern des Mathiasklosters zu dem Urtheil: es solle„nicht mehr, wie bisher, bei uns das Fest des h. Agritius feierlich„begangen, sondern abwechselnd jetzt in St. Mathias sein Cultus„gepflegt werdend) Jndeß entschied endlich der Erzbischof, der„Heilige solle dort weiter verehrt werden, wo er von jeher besucht„und verehrt worden sei.
„Der Abt unsrcs Klosters, Herr Thomas von Huysden, ließ„damals mit erzbischöflicher Erlaubniß das Grab des Agritius vor„Notar und Zeugen öffnen, um zu sehn, ob die Gebeine dort wie
') Man sieht, die historische Kritik hat seit 1512 in Trier Rückschrittegemacht.
Wir wissen es freilich aus Lambert, acta 8. slatliins.
Ein würdiges Gegenstück zu dem Urtheil von 1631, der zweite Trierer
Rock sei acht, unbeschadet der Aechlheit des ersten.