Druckschrift 
3 (1845)
Entstehung
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Im Jahre 1512 wurde unter der Regierung Kaiser Marimi-lians und Papst Leo X. ein Reichstag zu Trier gehalten. TerKaiser soll damals dem neuerlich erwählten Erzbischof Richard vonTrier vorgeschlagen haben, den sogenannten ungcnähten Rock Christi,von dem er erfahren hatte, daß er zu Trier sei, auszusuchen undöffentlich auszustellen. Was denn auch geschah.

Aus die Nachricht hicvon strömten ans allen Völkern der Christen-heit andächtige Verehrer herbei, indem sie die Schwierigkeit desWeges für leicht und heilsam achteten: Richard aber erbat nacheingeholtem Nathe der Seinen von der römischen Curie Jndul-genzcn für die Wallfahrer, welcher frommen Bitte der Papst nachgenauer Prüfung und reiflicher Ucberlcgung gern und freigebignachkam.

Mit der Bekanntmachung dieser Jndulgenzen wurde das glän-bige Volk aller Orten zu deren Genüsse eingeladen. Daher begabsich eine Menge Menschen verschiedener Herkunft in die Kirchen dieserStadt und ihrer Vorstädte, mit unaussprechlicher Sehnsucht, dieReliquien zu schauen, einer den andern durch frommes Beispielanspornend. Reichliche Ovfcrgabcn brachte mau den Altären darund kehrte dann froh in die Hcimath zurück. Die Geistlichen undNonnen dieser Stadt bemerkten wohl, welch ein Vorthcil ibrcnKirchen aus dieser Frequenz zuwachse, und waren um so eifrigerbemüht, ihre Reliquien mit Gold, Silber und Seide herauszuputzenund öffentlich zu zeigen, je sicherer sie sich ihres Gewinns über-zeugt hielten.

Endlich stellten manche, Habsucht mit Frömmigkeit verwechselnd,auf Straßen und Plätzen wie die Kausleutc Tische auf, mit denReliquien der Heiligen bedeckt, daneben öffentliche Ausrufer, diemit lauter Stimme und tönendem Lobe jeder seine Reliquien priesen,um damit die Vorübergehenden anzulocken. Die Herren des Dom-kapitels dagegen, in der Meinung, ihre Kirche büße ein, was an-dere gewännen, in losem Eifer, aus Geiz oder Neid verboten allenund jeden Einsammlern und Händlern, welche damals, der Sittegemäß, in der Diöccse umherzogen, ferner auf Gewinn bedacht zusein: und verwehrten ebenso den Klöstern und Collcgiatkirchen allefeierlichen Reliquienausstellnngcn, aus dem Grunde, damit sie keinenVerlust erlitten und sich allein der erwünschten Gaben bemächtigten.Offenbar richtig, denn das Ganze ist überall mehr als ein Thcildesselben.