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„Im Jahre 1512 wurde unter der Regierung Kaiser Marimi-„lians und Papst Leo X. ein Reichstag zu Trier gehalten. Ter„Kaiser soll damals dem neuerlich erwählten Erzbischof Richard von„Trier vorgeschlagen haben, den sogenannten ungcnähten Rock Christi,„von dem er erfahren hatte, daß er zu Trier sei, auszusuchen und„öffentlich auszustellen. Was denn auch geschah.
„Aus die Nachricht hicvon strömten ans allen Völkern der Christen-heit andächtige Verehrer herbei, indem sie die Schwierigkeit des„Weges für leicht und heilsam achteten: Richard aber erbat nach„eingeholtem Nathe der Seinen von der römischen Curie Jndul-„genzcn für die Wallfahrer, welcher frommen Bitte der Papst nach„genauer Prüfung und reiflicher Ucberlcgung gern und freigebig„nachkam.
„Mit der Bekanntmachung dieser Jndulgenzen wurde das glän-„bige Volk aller Orten zu deren Genüsse eingeladen. Daher begab„sich eine Menge Menschen verschiedener Herkunft in die Kirchen dieser„Stadt und ihrer Vorstädte, mit unaussprechlicher Sehnsucht, die„Reliquien zu schauen, einer den andern durch frommes Beispiel„anspornend. Reichliche Ovfcrgabcn brachte mau den Altären dar„und kehrte dann froh in die Hcimath zurück. Die Geistlichen und„Nonnen dieser Stadt bemerkten wohl, welch ein Vorthcil ibrcn„Kirchen aus dieser Frequenz zuwachse, und waren um so eifriger„bemüht, ihre Reliquien mit Gold, Silber und Seide herauszuputzen„und öffentlich zu zeigen, je sicherer sie sich ihres Gewinns über-zeugt hielten.
„Endlich stellten manche, Habsucht mit Frömmigkeit verwechselnd,„auf Straßen und Plätzen wie die Kausleutc Tische auf, mit den„Reliquien der Heiligen bedeckt, daneben öffentliche Ausrufer, die„mit lauter Stimme und tönendem Lobe jeder seine Reliquien priesen,„um damit die Vorübergehenden anzulocken. Die Herren des Dom-kapitels dagegen, in der Meinung, ihre Kirche büße ein, was an-„dere gewännen, in losem Eifer, aus Geiz oder Neid verboten allen„und jeden Einsammlern und Händlern, welche damals, der Sitte„gemäß, in der Diöccse umherzogen, ferner auf Gewinn bedacht zu„sein: und verwehrten ebenso den Klöstern und Collcgiatkirchen alle„feierlichen Reliquienausstellnngcn, aus dem Grunde, damit sie keinen„Verlust erlitten und sich allein der erwünschten Gaben bemächtigten.„Offenbar richtig, denn das Ganze ist überall mehr als ein Thcil„desselben.