Kritik keine Rede sein, wir mußten erwarten, daß Böhmers menschlicheBeschränktheit auf dieser Seite ihre gebührende Abfertigung fände.
Aber diese Erwartung wurde getäuscht. Die göttliche OrdnungdcS Hn. v. Görres war höflicher. Sie räumte auf Böhmers Urthcilohne eine widerstrebende Sylbe den Platz, beseitigte den Kaiscrbricfvollkommen, und stellte, wie man einen Handschuh umkehrt, ihrenAnfang von 1157 auf 1196.
Wir freuen uns fetzt eine Höflichkeit durch die andere erwiedernund Hn. v. Görres das abhanden gekommene Stück Welt- undGottcsgeschichte herstellen zu können. Der Brief ist ächt, es istnicht ein protestantischer Gelehrter des 16., sondern ein katholischerKaiser des 12. Jahrhunderts, der dem Papste fene Prädikate undden Ruhm der deutschen Narren beilegt. Hr. Böhmer selbst wirdwahrscheinlich einstimmen, wenn wir ihn an einen StraßburgcrCoder des 13. oder 14. Jahrhunderts erinnern, den er im September1841 gesehnH und nur im Augenblick unsrerAnfrage nicht im Ge-dächtniß gehabt hat. Derselbe enthält das fragliche Schreiben voll-ständig.') Es ist mithin längst vor dem 16. Jahrhundert vorhanden,es ist an keine protestantische Dichtung zu denken, es ist vielmehrdie Aechtheit im höchsten Grade wahrscheinlich, Hr. v. GörrcS darfseine Symbolik von Neuem an diesen ächten Nagel hängen.
Je schöner das Einverständniß ist, in dem wir uns hier mitdem deutschen Altmeister dcS fnngcn Katholicismus befinden, um somehr bedauern wir den Conflict, in den wir ohne Rettung miteinem zweiten Acte seiner prädcstinirten Rockgeschichte gerathen. Wirmeinen die Ausstellung von 1512. Sie ist Hn. v. Görres womöglich noch bedeutungsvoller, als vor dem Erscheinen unsrer Schriftder Brief des Barbarossa, eine durch göttliche Weltordnung gesetzteOffenbarung an alle Völker. Die Heiligthümer gehn aus demFronaltarc hervor, und eine drei Seiten lange Rede „spricht sichaus ihnen aus," in welcher Christus mit den besten Wendungendes Hn. von GörreS den versammelten Potentaten das Strafgericht
>) Archiv Viil. 254: „Wir untersuchten alle noch nicht verzeichnetenHandschriften, benutzten sogleich... Briefe zur Geschichte Friedrichs l."und S. 464 (erste der unverzeichneten Handschriften): Kpistulne soscisinntö iuter b'rillericuin primuni er ^Nrinniiin pupum.
2) Nach einer neuerlich uns zugekommenen gefälligen Mtttheiluug desHn. Professor Jung in Strasburg. — Statt cur re^ni et metro-i>oiis, welches sinnlos ist, muß nach der uns brieflich mitgetheiltenConjectur eines gelehrten Freundes gelesen weroen cor regni estMetropolis etc.