Druckschrift 
2 (1845)
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

VI

2. Die bekanntlich in größter Anzahl vorhandenen Hand-schriften der Gesta geben keine Hindeutung auf eine allmäligeEntstehung des Tortes vor dem 12. Jahrhundert. Erst im 12.Jahrhundert erweitern sie sich allmälig, wir haben früher an-geführt, wie sich drei bestimmte Abstufungen darin unterscheidenlassen, welche aber mit der Reihe der bei Trithcm genanntenScholastiker nicht das Geringste zu schaffen haben.

3. Wollte man annehmen, im 12. Jahrhundert etwa habeein Scholastiker die frühern Aufzeichnungen vollständig umge-gossen und in die jetzige, überall Einheit der Arbeit zeigendeForm verschmolzen, so wäre durchaus nicht abznschn, worinjene frühern Aufzeichnungen bestanden haben sollten. Denn fürden jetzt vorliegenden Tcrt lassen sich durchgängig die Quellennachweisen H) es sind sämmtlich längst bekannte Schriften, trier-schen und auswärtigen Ursprungs, die einer im Mathiaskloster fort-gehenden und ihm eigenthümlichen Geschichtschreibung völligfremd sind.

Wo sich hier und da die Spur eines früher» Be-standes zeigt, ist sie den modernen Religuicngeschich-ten nicht im Entferntesten günstig: insbesondere ge-hört dahin nicht die Cylvesterurknnde in vollständigerForm.

Man wird dies Alles vielleicht zugeben, aber dennoch meinen,der gegen Trithem gerichtete Vorwurf einer gänzlichen Erdich-tung sei in sich unglaublich. Es scheine nöthig, irgend einenwahren Punkt aufzuzeigen, von welchem ausgehend Trithcm zuseiner Darstellung gelangt sei, Ohne die Nothwendigkeit dieserForderung einzuräumen, suchen wir einen solchen Pnnkr zu be-schreiben. Die Eristenz einiger jener Mönche ist nicht in Abredezu stellen, jener Theodvrich und Lambert haben Schriften hin-terlassen, aus welchen Trithcm ihre Namen erfahren konnte.Auf keinem andern Wege hat Hillar andre Namen empfangen,die er dann willkührlich in die Reihe der Gestenschreiber einge-

I Wir könne» uns dies Verzeichniß ersparen. Der oft angeführte Anf-

, satz im Archiv für deutsche Geschichte Band VII. läßt keinen Zweifelübrig, daß die setzt bevorstehende Ausgabe iu den Monumenten vonderselben Ansicht ausgehn wird. Nach der feststehenden Regel dieserSammlurg ist dann die Quellenangabe in der Einleitung zu erwarten.