solche aufnehmen und weiter auf alle Nachwelt bringen kennen— selbst wenn auch nicht der kleinste Theil ihres Inhaltes auftbatsächlicher Wahrheit beruhte. Protestantische Kritik, wirdder Hr. Decter hier wieder rufen, in löblicher Sorgfalt fürden confcssionellen Frieden, aber schwerlich wohlberathcn überseine eigne Reputation. Wäre hier protestantische Kritik vor-banden, so schlösse sie sich, was nicht selten vorkommt, auf dasEngste an katholische Vorbilder an. Ein Bollandist H31. August668) will den h. Paulinus rühmen, und bedauert, über dessenVerdienste keine bessere Quelle zu haben, als die Vita Agnen.Tillemont (Mom. eecles. VI. I. p. 79.) nennt sie so schlechtund so jung, daß man gar nichts darauf bauen kann, gwonn) peut rioii loinler so tont — also selbst die Geschichte des h.Rockes nicht. Hontheim wiederholt diese Urtheile ohne Wider-spruch b. c>. III. 969. Es sind nicht die einzige Zeugnisse dieserArt: man siebt, der Hr. Doctor und seine Gesellschaft wandelnihre Wege fern von aller, gleichviel ob katholischer oder pro-testantischer Kritik, wobei sie sich für alle Zeiten wohl befindenmögen.
Von diesem Standpunkte erhellt aber sogleich eine fernereAnsicht über die Entstehung der Kastenlegende. Almannns er-zahlt um das Jahr 889 in einer Lebensbeschreibung der H.Helena,die Kaiserin habe nach ihrer syrischen Reise eine Kiste nach Triergesandt, in der sich das Abcndmahlsmcsser Christi und Märty-rerreliqnien befunden hatten. An sich ist die Angabe, auf that-sachlichc Wahrheit gesehn, äußerst schlecht beglaubigt: 599Jahre liegen zwischen dem Erzähler und dem erzählten Er-eignis) vorausgesetzt bei dem Ganzen ist die erweislich falscheHerkunft der Helena ans Trier, und das Messer kommt in Trierselbst erst 1512 an das Tageslicht. Jedenfalls ist die Kisteauch nach der Ansicht des Almannns nicht unversehrt »achTrier gelangt, da er sie im Doubs ertrinke», und einen Theilder Reliquien in Besanoon bleiben läßt.
Das positive Ergebniß der Nachricht ist aber: daß am Endedes 9. Jahrhunderts die Sage zwar eine Kiste, dann aber nureine, nicht mehrere Reliquien Christi, und zwar nicht Rock oderSchuhe, sondern das Messer des Abendmahls, nach Trier bringt,