— 54 —
schlimmer, da er doch den griechischen Text vor sich gehabt hat.In diesem steht das Wort erri'öörx?, welches zunächst seine Leinwandbezeichnet, und also unmöglich von Hegesippus gebraucht werdenkonnte, wenn er ein Beispiel von der harten Lebensart des Jakobusunsichren wollte. Ucberhaupt aber ist Leinen nie ein Askctengcwandim Orient gewesen; solche, die sich durch strenge Lebensart auszeich-nen wollten, trugen, wie wir namentlich bei den Hebräern wissen,Kleider aus Kamcel- oder Ziegenhaar, welcher letztere Stoff sonstnur zu Zeltdeckcn und dergl. diente, oder Wolle, wie z. B. diespätern Susi. Den syrischen Mönchen und Nonnen war es strengeverboten, Kleider aus einem andern Stoff als Wolle zu tragen,wie sie ganz dem Hegesippischen Begriff von Askese gemäß keine Bä-der gebrauchen und kein Fleisch essen dursten, ch Der Bischof Astc-rius von Amasea sagt in einer Predigt: „Gott hat den Schafen„die Wolle ancrschaffen; aus dieser laß dir einen Chiton und einen„Mantel machen, um dem Ungemach des Winters und der Qual„der Sonnengluth zu cntgehn; bedarfst du aber selbst ein leichteres„Kleid für die Zeit des Sommers, so hat Gott zu größerer An-„nehmlichkcit (»s den Gebrauch des
„Leins geschenkt, so daß du von ihm leicht ein zugleich anständig„verhüllendes und wegen seiner Leichtigkeit wohlthucndes Kleid ge-winnen kannst." -) Auch hier erscheint Leinen nicht als gewöhn-liche Kleidung selbst im Sommer, sondern nur zugegeben, als zugrößerer Bequemlichkeit gereichend. Ohnehin zeigt der Zusammen-
haben. Hr. Clemens S. 17 weiß vcrmuthlich nicht, daß es Sitte ist. wennman nur einen Thcil eines Citatcs gebraucht, die betreffenden Wortehervorzuheben, und dadurch anzuzeigen, daß auf den übrigen Inhalt derStelle hier nicht Rücksicht genvinincn wird. Die hervorgehobenen Wortesind hier nun der Zusatz, die Erklärung des JvsephuS zu der alttcsia-mcntlichcn Stelle, und daß wir sie hervorhoben, zeigt eben, daß wir dasUcbrigc nicht zum Beweis nnscrs Satzes anführen wollten. Ans jenerüber eine sehr frühe Zeit refcrircnden Stelle sehen wir übrigen die all-mähliche Bitdung der Sitte, damals verhüllte man nur dieZnngfrancnganz, die verhcirathcten Frauen hatten größere Freiheit, und erst späterward die vollständige Verhüllung allgemein. Die „öfters wiederkeh-rende Ungenanigkcit" liegt daher nicht in unserer Beweisführung, undwir geben mehr zn, als wir schuldig sind, wenn wir gern unserm Aus-druck in diesen Fällen die Schuld beimessen, nicht auf alle möglichenund unmöglichen Mißverständnisse und Einwürfe Unkundiger im VorausRücksicht genommen zu haben.
1) ^.ssemnni Ilitil. Or. ll, ckiss l, 7; u, I. II, 433. III, 2,337.
2) ^slorii Istmra vcl. tsombelis. lbiov. uncl. pntr.) p. 3.