Der Heilige Rock zu Trier und die zwanzig andern Heiligen Ungenauen Röcke. Eine historische Untersuchung I»i-. I. Gildcmcister und H. von Sybel, Professoren an der Universität zu Bonn. Zweiter Theil. Die Advocaten des Trierer Rockes. Erstes Heft. Düsseldorf, Verlag von Julius Buddens 1845. D i c Advoeaten dcS Trierer Rockes, zur Nuhc verwiesen lv>r I. Gildemcistcr und LZi. H. von Sybek, Professoren an der Universität zu Bonn. Erstes Hef t. Ihr könnt nach Hause gebn, gute Leute. Für d^c Versännittiß kriegt ihr nichts, und zu holen ist hier nichts als Beulen. Götz Von Bcrtichingen. Verl» ^ Düsscldorf, voir Iuli« s V » ddc « s. 1815. Vorwort. Dcn Ausspruch eines alten Kirchenlehrers, daß cö besser sei, ein Scandal entstehen als die Wahrheit im Stich zu lassen, hat Papst Gregor IX. indem er ihn in seine Decretalen aufnahm, sauctio- nirt. Der umgekehrten Meinung, daß es viel nützlicher sei, die Wahrheit daran zn geben, um einen Anstoß zu vertuschen, ist eine Gesellschaft geistreicher Schriftsteller gewesen, welche in sich dcn Beruf gefühlt haben, gegen unsere Kritik derjenigen Argumente, mit welchen man die Aechtheit des s. g. Trierer heiligen Rockes plausibel machen wollte, zu Felde zu ziehn. Von Hn. Guido Görrcs an, der uns dadurch zur Selbstcrkcnntniß verhelfen wollte, daß er uns alles Ernstes versicherte, wir seien ein Paar Ratten, bis zu Hn. vr. Clemens ist eine Reihe von theilö nach ihrer eigenen Versicherung erbärmlich unwissenschaftlichen, thcils nach ihrer eigenen Versicherung gründlich wissenschaftlichen Schriften erschienen, von denen wir auf folgende durchgängig Bezug nehmen: Der heilige Nock zn Trier und kein anderer, oder: die kritischen Schneider in Bonn, das ist: Ungelehrte Widerlegung des gelehrten Buches u. s. w. von einem Koblenzer Pilger (wie nun bekannt geworden ist, von einigen Coblcnzcr Geistlichen der neuen Schule). Koblenz. W. Blum. 1845. 8. 21 SS. Der h. nngenähtc Rock Christi zu Trier und außer diesem kein Anderer. Widerlegung der historischen Untersuchungen von »r. I. G. und Ur. v. S. durch die von ihnen selbst angeführten Citate in ihrem Werkchcn, betitelt u. s. w. Von I. B. H. Ney. Trier beim Herausgeber. (.Gedruckt in diesem Jahr.) 8. 43 SS. 1> Usp. 3. X >ui»u vvi'iws reliiiguMur. Zeugnisse für die Aochtheit des l). Nockes zu Trier oder Wider- lcguug der Schrift: Die zwanzig heil. Röcke der Prof. G. und v. S. smat. Von De. ?l. I. Bintcrim. Aus den katholischen Blattern besonders abgedruckt. Erste Lieferung. Düsseldorf. Roschütz. 1845. 8. SS. 5,8. Die kirchliche Tradition vom h. Nocke, mit Rücksicht auf die historische Untersuchung der HH. De. G. und De. v. S. durch noch lebende Volkssagen und durch das altdeutsche Gedicht vom Grauen Rocke in Schutz genommen von PH. Laven. Trier. Linz. 1845. 8. SS. 112. Ter heilige Nock zu Trier und die protestantische Kritik. Von De. F. I. Clc m cns, Privatdoccntcn an der Universität zu Bonn. Zur Würdigung der Schrift: Der heilige Nock n. s. w. Der Ertrag ist für das bischöfliche Knabcuconvict in Trier bestimmt. Cvblenz. W. Blum. 1845. 8. SS. 112W) Wir haben, statt solche Schriften einzeln zu beantworten, gewartet bis ein Hanfe davon beisammen sein würde, und finden uns jetzt mit unserer Widerlegung hervorzutreten zunächst dadurch veranlaßt, daß ein Mitglied der Universität Bonn, Hr. Dr. Clemens, Docent der Philosophie hicsclbst, sich hat gebrauchen lassen, Feder und Namen zn einem derartigen Rettungsversuche herzugeben. Nachdrückliche Anpreisungen gingen seiner Schrift vorher; die Rhein- und Mosel- zcitnng vom 5,. März verbürgte die Gründlichkeit seiner Untersuchungen schon im Voraus mit dem Rufe, welchen dieser Gelehrte (nämlich in Eoblcuzl genieße; und er selbst stimmte im Bonner Wochenblatt vom 6. März mnthig ein. In wiefern der Erfolg diesen Verheißungen entsprochen habe, wollen wir der Entscheidung unserer Leser überlassen. Wir selbst haben cö zwar ausrichtig bedauert, daß der Hr. Doetor sich unbesonnener Weise auf ein Feld verirrt hat, welches nicht das stinigc ist und in welchem spcciclle Kenntnisse von ihm nicht gefordert werden, wahrend Andere^), durch 1) Die Schriften der Herren Görres, Bacher und anderer, so wie der schicdcnc Iournalartitcl, ans die wir Rücksicht nehmen werden, sind a» ihrem Orte angegeben. 2) Mg. meinen damit z, B, Herrn Dicringcr, der in seiner „Katholischen Zeitschrift f, W u. K." 1845 Bd. 2, Heft t. S, 135 unsere Arbeiten als „pseudowissenschaftliche Gcgenkämpfc" bezeichnet. VII ihr Fach mehr zu einer solchen Unternehmung Berufene daliinten blieben und, klüger als er, ihn sich die Finger verbrennen ließen; wir haben uns jedoch dadurch nicht abhalten lassen können, ibn ganz in der Art, wie es die Sache forderte, zurück zu weisen. Und dieS um so mehr, da seine Schrift, wie den Lesern nicht entgangen sein wird, vorherrschend den Eindruck macht, als habe er die Sache nur einmal recht umrühren wollen, um das, was wir zur Klarbcit gebracht, wieder trübe zu machen. Um unsere Antwort nicht zu lange zu verzögern, haben wir beschlossen, dieselbe zu thcilcn und zunächst zwei Hefte zn veröffentlichen, in denen die archäologische Frage und das Silvcster- diplom vollständig behandelt werden. Einem dritten baldigst erscheinenden Hefte behalten wir die an sich nicht ebenso ansfübr- liche Erledigung der übrigen Puncte vor, nämlich die fernere Erörterung der Hclcnasage und des Orcndelgcdichtcs, die Geschichte des Trierer Rockes von 1130 an und die Berechtigung der Zwanzig andern hh. ungcnähtcn Röcke. Hier wird auch die Polemik unserer Gegner im Allgemeinen charakterisirt und insbesondere die Verdächtigung, welche lediglich den Mangel begründeter Erwiderungen verdecken und statt zu widerlegen aufhetzen soll: daß unsere Schrift den Katholicismus überhaupt angegriffen habe, in ihrem wahren Lichte gezeigt werden müssen. Die Vorrede des Hn. Dr. Clemens ist datirt: „Bonn am Sonntage /»ck'ua" d. i. am 9. März. Man wird den Hieb hoffentlich vcrstchn, und weiß nunmehr, was für ein Weiser Dichter dieser neue Daniel ist. Wir erwähnen dies nur, um zu bemerken, daß seine Schrift erst am 19. April in Coblenz erschienen und am folgenden Tage hier eingetroffen ist, und daß wir uns zn diesen (vierzehn Tage nach jenem Termin im Mannscript vollendeten und gute acht Tage später erscheinenden) beiden Heften nicht so viel Zeit genommen haben, als Hr. Marx in Trier zu seiner „Beleuchtung" unserer Schrift zu gebrauchen scheint, zu der er laut Vorrede seines neuesten Buches im Januar dieses Jahres „übergegangen" ist. Sollte diese nicht zeitig genug erscheinen, um in dem dritten Hefte berücksichtigt zn werden, so werden wir ihm ein eigenes dediciren. Hr. Clemens bemerkt von dem einen der beiden Verfasser, daß VIII —- derselbe ein ehemaliger Candidat der protestantischen Theologie sei. Diese an sich gleichgültige Notiz ist zufällig unrichtig, indeß giebt uns sein guter Wille, Persönlichkeiten in den Streit zu ziehen, das Recht, ihn daran zu erinnern, daß wir in ihm einen Schüler des Jcsuiten-CollegiumS zu Freibnrg vor uns haben. Wir erwähnen dies, weil es den Gesichts- pnnet bestimmt, von dem aus der gegenwärtige Kampf zu betrachten ist. Zwar sind wir es nnS selbst schuldig, seine groben Verdächtigungen unserer wissenschaftlichen Befähigung zurückzuweisen, zwar sind wir denen, welche, ohne selbst die Sache näher untersuchen zu können, sich auf unsere Beweise und Resultate verließen, den Nachweis schuldig, daß dieselben auch nach den bisherigen Angriffen unerschütterlich bestehen, aber der Streit um diese bestimmte Reliquie und die Zurückweisung des unsinnigen Bemühens, um ihretwillen aller Geschichte Hohn zu sprechen, wäre kaum eines solchen Aufwandes von gelehrtem Apparat Werth gewesen. Es war aber nvthig, einmal zu zeigen, was die Richtung leistet, die sich unserer Literatur jetzt als die allein seligmachcndc aufdrängen will, es war nöthig, Hn. Clemens und den Seinen einmal auf fühlbare Weise begreiflich zu machen, daß ihre Stätte in der deutschen Wissenschaft nicht ist, daß sie bestimmt sind, in dem Kampf mit der Kritik zu erliegen, und daß, so wahr die Schöpfung Friedrich Wilhelms III. in die Residenz der alten Churfürstcn eingezogen ist, so wahr die Zeiten, in welchen die einstige kölnische Universität, obscurcn Andenkens, dichte Finsternis über diese Lande verbreitete, vorüber sind. Bonn, am 6. Mai 1345. Die Verfasser. Bci dem Gewirr der verschiedenartigsten, oft einander widersprechenden, fast durchgängig in einem gewissen Dunkel gehaltenen Angaben über die Beschaffenheit des heiligen Nockes zu Trier waren wir genöthigt, bci unserer Beweisführung nur diejenigen That- sachcn zu berücksichtigen, für deren Richtigkeit die Ucbercinstimmung mehrerer Auctoritätcn eine Gewähr zu leisten schien. Wir verzichteten zunächst darauf, verschiedene andere Umstände für unsere Auseinandersetzung zu benutzen, bei denen die Gültigkeit der Zeugnisse einigem Zweifel unterliegen konnte. Namentlich war dies der Fall bci einer nur von einem einzigen Zeugen, wenn gleich in einem eigentlichen Aktenstück mitgcthciltcn Nachricht, nach welcher sich Thicrfigu- rcn in dem Gewebe des Nockes befinden sollten. Denn da auch diese Behauptung durch eine dabei versuchte Deutelei unsicher gemacht wurde, wäre uns, so lange die Sache nicht unabwcislich fest stand, die Beschuldigung, man habe ein mit einem solchen Kainszeichen der Unächthcit versehenes Kleid für den ungenähtcn Nock aus Joh. 19, 23 ausgegeben, so enorm erschienen, daß wir sie nicht auszusprechen gewagt hätten. Diese Nachricht stand in dem bci Eröffnung der Reliquie im Jahr 1819 aufgenommenen Protocoll des Gencralvikar Cordel, und ihre Kenntniß verdanken wir dem aufrichtigen Hommer (S. 32 seiner Schrift), während Hr. Marx bei Mitteilung desselben Protokolls den ganzen Satz stillschweigend unterdrückt hatte, und offenbar nicht deshalb, weil die Notiz falsch ist; denn leider ist sie gc- rade nur zu wahr. ') Aber cinr Bcdenkllchkclt erregte der Umstand, daß in demselben Protocvll gesagt war, man habe den Neck mit einer „chedessen darauf gemachten Art von Firniß, der sich v e r- '/blättcrt habe" bedeckt gefunden, während cS am 31. October desselben Jahres in dem Verschließungsprotocoll sS. 33; Marx S. 14!) heißt: „die Vorderseite war mit rothblumigem Damast überzogen, „der größtcntheils verschwunden war und nur noch geblättert „anklebte". Nun wußten wir allerdings nicht, ob eö naturhisto-- risch möglich ist, daß ein Firniß in der Zeit vom 31. Juli bis zum 1. October sich in rothblumigen Damast verwandele; aber es konnte sa ein Wunder geschehen sein, und jedenfalls blieb der Ausweg übrig, daß die Figuren nicht in dem Rock, sondern in dem roth- blumigcn Damast befindlich seien. 1) Wie theilen die beide» Tcrtc in übersichtlicher Form mit: Hommcr S. 32 Mit dem weiße» Taffcnt »ahm ma» »»» das Kleinod heraus, legte es ans de» Altar i» die Capelle, breitete es ganz aus und betrachtete es gcna», fand es am Äordcrtbeil wie geblättert, so daß der erste Anblick der Erwartnng nicht entsprach, und man gewünscht hätte, weniger Zeugen desselben zu haben, oder den heil. Rock nicht in ihrer Gegenwart ausgebreitet zu haben; man entdeckte einen Kopf von einem Thier darauf, und vermnthctc, daß man chedcssen zur bessern Erhaltung des heil. Kleinods eine Art voiiFirnißda ra u f g c m a ch t habe, der sich mit der Zeit verzehrt und verblättert habe, wovon den» auch manche Theilchcn sich ablösctcn, abfielen und von Einigen entwendet wurden. Spuren eines hohen Alters find unverkennbar daran. Marr S. 139 Mit dem weißen Taffcnt wurde das h. Kleid herausgenommen und ans den Altar in der Capelle niedergelegt, ausgebreitet und genau betrachtet. An dem Vordcrtheil erschien derselbe wie geblättert, und man vermnthete, daß mau ehedem zur bessern Erhaltung des Kleides einen seinen Stoff daran geklebt habe, der sich mit der Zeit aufgelöst hatte und in kleine» Blättchcn sich jetzt ablöste, von denen auch manche Theilchcn abfielen und Von vielen Umstehenden weggenommen wurden. Spuren eines hohen Alters sind unverkennbar. 2) Hr. Hr. Clemens verwirrt die Sache von neuem. Er meint S. 104: „der rothblnmigc Damast ans der Vorderseite, von dem Corde! spricht, „und der ILIO größtcntheils verschwunden sein soll und nur noch geblättert anklebte, war unstreitig das obere Gewand selber, ans dem sich „auch die Figuren befinden." Hiernach wäre das obere Gewand, weiches eben der sog. ungcnähte Rock selbst ist, bereits ILIO größtcntheils verschwunden und doch 1844 wieder vollständig da gewesen! Sollte sich der Hr. Doctor nicht dazu versteh» , uns blinden Verstockten, die wir denn doch das zu bezweifeln geneigt sein möchten, aus den Tiefen sei- — 3 — Erst da ward cS uns möglich, von der Notiz Gebrauch zu machen, als wir sie durch eine mündliche Nachricht, der wir allen Glauben beizumessen Ursache hatten, bestätigt sanden. Dies ist im Anhange zur zweiten Austage in der Art geschehen, daß wir diese Nachricht nicht verbürgt, aber die bei Voraussetzung ihrer Nichtigkeit sich ergebenden Folgerungen vorläufig gezogen haben. Der Erfolg hat unser Vertrauen gerechtfertigt. Die von uns mitgetheilte Thatsache hat ihre Bestätigung von einer Seite her erhalten, welche allen Zweifel geradezu aufhebt. Hn. Ur. Clemenö sind wir Dank schuldig, daß er die Sache in volles Licht gesetzt hat, indem er S. 34 seiner Schrift, auf das Zeugniß des Hn. Weihbischofs l )r. Müller und deS Hn. Domherrn von Willmvwöky folgendes mittheilt: „Bei der mikroskopischen Untersuchung, welche im vorigen Jahr „vor der Verschließung des Kleides Statt fand, entdeckte man an „einigen Stellen Vogelgestaltcn, wovon jedoch die Verschossenheit „der Farben nur den etwas langgeschwciften Hals mit einem zugespitzten Streifen, der sich an die Mitte desselben, wie ein Pfeil, „ein Strahl oder ein Keil anlehnt, den mit drei senkrechten kleinen „Streifen, wie mit einer Krone, geschmückten Kopf und die Füße „mit einiger Deutlichkeit erkennen ließ.') Der Grund zeigte sich von „dunkclrother, die Figuren von gelblicher Farbe." ner Naturphilosophie die Möglichkeit davon vorzndcmonfirircn? Eordel erwähnt den Damast übrigens ausdrücklich als nur an der Vorderseite befindlich! „man fand, daß die Rückseite mit Gaze überzogen, die sich „an manchen Orten losgelöst hatte und in Fasern herabhängt; dieVor- „derscitc aber war mit rothblumigcm Damast überzogen u. s. w. es wäre also 1810 der Rock nur halb da gewesen? Von dem inneren, seidenen, grünen Gewände weiß Cordel nichts, spricht aber von einer „schwarz g r ü n c n Kante " (Honimcr S. 33. Hr. Marr S. 14t hat Gründe gehabt, dies auszulassen) in dem „Loch oder Ausriß" (wofür Hr. Marr bloß „Riß" zu setzen für gut befunden). Alles dies reimt sich nicht. Die Sache ist faul. 1) Der Beschreibung nach scheinen es Pfauen zu sein. 2) Wir fügen, nni gleich alle neuen Aufschlüsse zusammenzustellen, welche die Untersuchung geliefert hat, folgendes aus S. 104 bei: „Es stellte „sich heraus, daß der Rock, der ans den ersten Blick nur ein einziges „Gewand darstellt, ans zwei Gewändern von gleicher Form und Größe „bestehe, wovon das Eine, von Seide und grünlicher Farbe, dem an- „dcrn als Futter untergelegt ist. Sic haften so dicht aneinander, daß „sie durch das Auge gar nicht geschieden werden können. Sie hangen „indessen nicht zusammen, sondern lassen sich vollständig auseinander her- Is^ Hr. vr. Clciucus glaubt nun aber m diesen? Umstände erst den rechten Beweis für die Aechtheit gefunden zu haben. Wir werden aus seine Gründe eingehe??, sobald wir unsere Behauptung, daß derselbe einen unumstößlichen Beweis seiner Unächtheit bilde, gerechtfertigt haben werden. Das mosaische Gesetz spricht mehrfach ein ausdrückliches Bil- dervcrbot aus: 2 Mos. 29, 4: Du sollst dir kein Bild noch Abbildung machen von dem, was an? Himmel oben und was auf Erden unten und was im Wasser unterhalb der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen. 5 Mos. 4, 16: Hütet euch wohl, daß ihr nicht übel thuct, indem ihr euch ein Bildnis, irgend eine Art von Abbildung macht, die Gestalt eines Mannes oder eines WcibeS, die Gestalt irgend eines Thiers auf Erden, di e Gestalt irgend eines geflügelten Vogels, der au? Himmel fliegt, die Gestalt irgend eines Fisches, der im Wasser unterhalb der Erde ist; und shütc dich) daß du nicht deine Augen erhebest himmelwärts, um anzublicken Sonne, Mond und Sterne, das ganze Heer dcS Himmels, und dich verführen zu lassen, sie anzubeten und ihnen zu dienen. Diese Stellen haben eine doppelte Auffassung erhalten. Nach der einen, welche sich aus die unbedingte Fassung der Worte stützt, ist in ihnen jede Anfertigung von Bildern verboten; die andere schließt aus dein darauf folgenden CultuSvcrbot daß es sich hier überhaupt nur um Bilder handele, welche zur Anbetung oder „ausheben- Das obere Gewand, dessen Stoff sich durch die Einwirkung „der Zeit nicht mehr erkennen läßt, und welchem, offenbar zum Schutze, „das zweite in später» Zeiten unterbreitet worden, denn dieses ist noch „stark und vollständig erhalten, zeigt an mehreren Orten Lücken und „Spuren von Abfall, indem es durch das Alter so morsch nnd mürbe „geworden, daß sich bei einigermaßen starken Erschütterungen Thcilchen „davon von selber loslösen." . 1) Das Argnmcnt von Michaelis (Mos. Recht V, igst) gegen die erste Erklärung: ein solches Verbot würde „abgeschmackt" und „barbarisch" gewesen sein, kann natürlich keinen Beweis begründen. Für jene Auffassung läßt sich die Form des Satzes anführen : das Bilder- und Cnl- tnsverbot stehen an beiden Stellen unabhängig neben einander, und Michaelis Einwurf, daß dann das zweite Verbot conseqnenter Weise so verstanden werden müsse, als solle man nie das Gesicht aufheben, trifft nicht, denn hier ist ausdrücklich durch das consecutive Vav das Aufheben der Augen ans den Zweck der Verehrung der Gestirne beschränkt. — 5 — Verehrung bestimmt waren. Beide Ansichten haben ihre Berechtigung, aber sie sind in ihrer gegenseitigen AnSschließlichkcit einseitig, weil sie von der gemeinschaftlichen Voraussetzung ausgchn, die Reflexion des Gesetzgebers mache bereits eine» Unterschied zwischen Bildern überhaupt und Cultusbildcrn. Daß diese Voraussetzung falsch ist, zeigt eben die Form des Satzes: dem Gesetzgeber fallt beides zusammen, er kennt keinen Zweck der Bilder, als den CultuS; die Vorstellung einer aus dem bloßen Kunstintercsse hervorgehenden Bildnerei ist ihm fremd, und sein Verbot ist demnach in seinem Sinn als ein allgemeines zu fassen. Für unfern Zweck kommt es indessen zunächst nur darauf an, zu wissen, wie das Verbot in dem Zeitalter Christi verstanden und gchandhabt wurde, und hierüber haben wir zahlreiche und sichere Nachrichten bei Joscphns und Philo. Die ängstliche Strenge, mit welcher daS Jüdische Volk nach dem Eril das Gesetz beobachtete, mußte nirgends mehr Statt finden, als bei einem solchen, ans dem Wesen der südischen Religion geflossenen und zugleich den nationalen Unterschied bezeichnenden Gegenstände. So finden wir in der That auch einen ausschweifenden Bildcrhaß in dieser Zeit. Analog der sonstigen Art damaliger Gesetzauslcgung, wie sie uns in den talmndischcn Rechtsbestimmungen vorliegt, nach welcher daS nicht durch den Buchstaben des Gesetzes Verbotene als erlaubt gilt, hatte man sich aus der angeführten Stelle des fünften Buchs Mose entnommen, daß nur Bilder lebender Wesen zu machen verboten, Abbildungen aber von allem Unbelebten erlaubt seien. ') Auf scne Bestimmung ward dagegen mit 1) los. o. II, 6. lle-pislnlnr — langum» onnsam negue Doo negna Iin- minilms iNilom elespioiens, WIiuz innlti i»u>pis llei innnimiNi iuwrckixit imnz-inos knbrionro. Er bemerkt dies auch ausdrücklich, wo er die Vorhänge der Stiftshnttc beschreibt. Es waren, sagt er ä»l III, 6, 2 allerlei Figuren daran, die nur ja nicht Thicrgcstalten darstellen durften! önöo« ^kro?roi)^io Ebenso 111,6, 2: der Vorhang vor dem Allcrheiligstcn war mit Blumen und allen Zicr- rathcn geschmückt, nur nicht mit Thicrgestalten : Wir hatten den Grund schon im Allgemeinen angeführt. Hr. Clemens glaubt ihn als eine „ikonoklastische Bemerkung" (waS bei ihm eine Art Schimpfwort zu sein scheint) abfertigen zu können. Es thnt uns leid, daß wir die Geschichte um seinetwillen nicht ändern können, und dag die damaligen Inden Jkonoklastcn bleiben müssen. Er fuhrt die legt- gcnanntc Stelle zum Gegenbeweis an, und gerade sie sagt so deutlich als möglich, daß Thicrgcstalten ausgeschlossen sind. Er führt die Che- äußerster Strenge gehalten, kein Bild jener Art im heiligen Lande geduldet, und nicht etwa bloß Göttcrstatuen und zur religiösen Verehrung bestimmte Bilder betraf das Verbot, sondern auch architektonische Verzierungen und dergleichen. Von den Römern ward dieses Vorurtheil nicht immer geschont; aber jeder Versuch, ein Bild in das Land zn bringen, erregte c'ue Empörung; die Juden gingen mit freudiger Halsstarrigkeit in den Tod, um nur nicht zu dulden, daß das Bild eines Thieres in dem heiligen Lande gesehen werde, und diese Ursache war keine der geringsten, an denen sich der Krieg entzündete, welcher dem Jüdischen Staat ein Ende machte. Einige Züge aus der Geschichte werden dies anschaulich machen. Da bei dem Ausbruch des jüdischen Krieges Joscphus als Befehlshaber nach Galiläa gesandt war, hatte er namentlich den Auftrag, in Tibcrias den von Hcrodes Antipas erbauten Palast zu zerstören, „weil an diesem Thiergcstalten waren, während das Ge- „sttz irgend etwas der Art zu verfertigen verbietet". Griechisch gebildete hasmonäischc und idumäische Fürsten wagten eS nicht ihre Paläste mit Bildwerken zu verzieren und errichteten dergleichen Bauten nur außerhalb Judäa's ') ; aber auch das ward höchst übel aufgenommen, es galt als Auflösung der väterlichen Religion und S'ttc, und Hcrodes z. B. konnte nur durch Steuererlaß und ähnliche Mittel den Unmuth der stets murrenden Juden von einem Ausbruche zurückhalten. Auf dem großen Tempeltbor hatte er als Wcihgcschenk einen goldenen Adler aufstellen lassen. Zwei Schrift- gelebrte entstammten ihre Schüler durch Vorstellungen, daß cS Bssicht sei, sich, um das verletzte göttliche Gebot zu rächen, der Ge^abr des Todes auszusetzen, da solches Martyrcnde sichere Unsterblichkeit und ewige Seligkeit verbeiße, zu dem Entschluß den Adler herabzustürzen und zu zerstören. Dies ward am Mittag, riibim und Joscphus Erklärung derselben au, aber gerade daraus, das! Joscphus dicscn wirklich«, odcr scheinbaren Widerspruch des mosaischen Gcschcs so erklärt, daß dieselbe» keine wirkliche Thicrc, sondern Phan- tasiegestaltcn waren, solgt ja, daß wirkliche Thicrgcstaltcn verboten waren. — Philo versteht das Vildervcrbot allgemein und steht den Grund darin, daß die Kunst den Schein der Wirklichkeit erlüge l)o l!ch, 1,279; >to ei»', I, 574; guis rer. eliv. Iinervs. I, 496; ste man. II, 215 HInnAex. 1) ln5. Xnt. XII, 4, II. XV, 9, 5 und 6. 2) Xm. XV, 9, 2; 19, 4. da der Tempel -vom Belke angefüllt war, ausgeführt, aber etwa vierzig der Thäter sogleich ergriffen. Herodes erstaunte über die Freudigkeit, mit der sie zu sterben bereit waren, und ließ sie hinrichten. Später unternahm Pilatus, den Trotz der Juden zu brechen, und während frühere Procuratoren ehe sie nach Jerusalem zogen die Bilder von den Feldzeichen abgenommen hatten, ließ er sie des Nachts in die Stadt bringen und aufstellen. Kaum war dies bekannt, als auS dem ganzen Lande eine große Menschenmenge nach Casarea zog, um die Zurücknahme des Beschlusses zu bewirken. Fünf Tage und fünf Nachte verharrten sie vergebens flehend, unbeweglich ans die Erde hingestreckt. Pilatus best sie endlich mit Soldaten umringen und drohte mit augenblicklicher Nicdermetzelnng, wenn sie nicht zu lärmen aufhörten und zu Hans gingen. Aber sie erklärten fest, lieber sterben, als das Gesetz verletzen zu wollen, und selbst der römische Machthaber mußte nachgeben. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich, als der Kaiser Caligula, um die Aufstellung seines BildcS im Tempel zu erzwingen, den Präses von Syrien Petronins mit bedeutender Hceresmacht nach Jerusalem sandte. Da machte sich „das ganze Jüdilche Volk" auf und kam in unzähligen Schaareu mit Weib und Kind aus dem ganzen Lande nach Ptolemais, wo Petronins Halt gemacht. „Wie „eine Wolke bedeckten sie Phönicien"; sie lagen fünf,ig Tage lang schreiend und flehend vor Ptolemais und versäumten, obschon eine allgemeine HnngcrSnoth zu befürchten war, während der ganzen Zeit alle Erndtearbeiten. „Es sei ungesetzlich, das Bild eines Gottes, ja bloß eines Menschen nicht blos im Tempel sondern auch nur an irgend einem profanen Ort des Landes zu errichten; sie seien bereit, für daS Gesetz alles zu dulden; zuvor müsse er das ganze Jüdische Volk hinschlachten; lieber boten sie sich mit Weib und Kind zur Erwürgung dar." Petronins gab, auS Mitleid und schon der in Aussicht stehenden Hungersnoth wegen, vorläufig nach und der Tod Caligulas machte diesmal der Coliision ein Ende. ') Achnlich hatte sich etwas früher Vitellins, der ein Heer durch Judäa führen wollte, durch die Bitten der Juden zu einem Umwege bereden lassen. Eine Gesandtschaft stellte ihm vor, daß ihnen schon 1) km. XVII, 6, 2. II. .1. I, 33, 2. 2) km. XVIII, 3, I. II. .1 II, 9, 2. 3) km. XVIII, 8, 2. II. 3. II, 19, I. llbilo sä Ilm. II, 37t> sgg. — K — das gesetzlich verboten sei, zuzugeben daß Bilder, wie deren auf den Feldzeichen seien, durch das Land getragen würden. ') Als einst HcrodeS Circusspiele geben wollte und zu Ehren der Siege des Kaisers goldnc Tropäen in dem Amphitheater errichtet hatte, erregte nichts mehr den Unwillen des Volkes, als diese Tropäen, weil sie glaubten, daß eS, um die Waffen aufzustellen, menschlicher Figuren bedurft hätte. Eine Nebellion drohte, der Hcrodes glimpflich zuvorkam, indem er die Tropäen vor den Augen der Wortführer auseinandernehmen ließ und ihnen zeigte, daß bloß Holzstücke darin befindlich seien. -) Man sieht aus diesen Beispielen deutlich, wie fanatisch der Haß gegen Bilder lebender Wesen war. Unter ihnen ist eines, wo allerdings die Gefahr der Abgötterei nahe lag: bei dem Bildniß des Kaisers; aber auch hier wird nicht dieser Grund angeführt, sondern ganz allgemein, daß überhaupt menschliche Bilder aufzustellen verboten sei. In den andern Fällen war aber nicht einmal jene Furcht vor Mißbrauch zum Götzendienst da: Feldzeichen und Tropäen sind kein Gegenstand der Anbetung, und noch weniger architektonische Verzierungen, die auS Thicrsigurcn bestehen. Daß die Stiere, die das eherne Meer in Solomons Tempel trugen, die Löwen, die seinen Thron zierten, keine Gegenstände der Verehrung sein sollten, noch je gewesen sind oder werden konnten, wußte Josephus ohne Zweifel sehr wohl; nichts desto weniger tadelt er bei ihrer Erwähnung Salomo auf das Höchste, indem er sagt: er habe gesündigt und sich am Gesetz vergangen, da er sie verfertigen ließ. 'H Ziehen wir die Folgerungen, die sich aus diesem Sachvcrhalt- niß für unfern Gegenstand ergeben. Das Neue Testament lehrt, daß Christus das Gesetz beobachtete, wie denn er durch die Bcschneitung dazu verpflichtet war, (vgl. Gal. 5, 3). Wie Paulus Gal. 4, 4 ausdrücklich sagt, daß er dem Gesetz unterthan geworden war, damit er die unter dem Gesetz stehenden crlösete, so zeigt uns die evangelische Erzählung, daß er nach dem Worte: er sei nicht gekommen, das Gesetz, von welchem kein Buchstabe vergehen werde, aufzulösen (Mt. 5,17), auch die kleinsten, formellsten Gebote beobachtete. Die Quasten, i> /r»i. xvm, 5, z. 2) X»t. X V,«, l. ?) X»I, VIII. 7, 5. welche 4 Mos. 15, 37 den Israeliten auf alle folgenden Geschlcch. ter hin vorgeschrieben war als Erinnerungszeichen an Jehova an den Kleidungszipfeln zu tragen, trug er so gut (Matth. 9, 2«). l4, 36), wie die Pharisäer (Matth. 23, 5). Er befiehlt den geheilten Aussätzigen sich dem Priester darzustellen (Matth. 8, 4. Luc. 17, 4), besucht nach dem Gesetz den Tempel und die Feste, bezahlt die Tcmpclabgabe (Matth. 17, 24), behält die strenge Sabbatfcier bei (Matth. 24, 20), die auch die.Jünger nach seinem Tode „dem Gesetz gemäß" beobachten Luc. 23, 56 u. s. w. und nirgends zeigt sich dagegen eine Spur, daß er ein Gesetz als für ihn abolirt betrachte, wie er denn vielmehr ans die Frage: was soll ich thun um das ewige Leben zu haben, antwortet: halte die Gebote (Matth. 19, 17). Während die Pharisäer ihm Vorwürfe machen, daß seine Jünger die Satzungen der Schriftgclehrtcu, die angebliche Tradition nicht hielten, nicht z. B. das Händcwaschcn beobachteten (Matth. 15, 2. Marcus 7, l), reden sie nie davon, daß er das Gesetz übertreten, wissen sie selbst vor dem Spncdrium keine solche Beschuldigung auszubringen. Wenn sonach Christus das ganze Gesetz bis in das Einzelnste hielt, so kann er nicht gegen ein Hauptgebot, wie dieses, gesündigt haben. Wollten wir aber selbst annehmen, er habe sich aus irgend eine Weise, aus irgend einem Grunde davon dispensirt gehalten, und das sonderbare Gelüst gehabt, sich gegen die ausdrücklichen Worte 5 Mos. 4, 16: „Du sollst dir kein Bild irgend eines geflügelten Vogels machen", einen dunkelrothcn Rock mit gelben Vogclfigurcn machen zu lassen: wird man glauben, daß dieselben Juden, die um keinen Preis das Bild eines lebenden Wesens i» dem heiligen Laude duldeten, die sich wie wir gcschn mächtigen Fürsten und den gcsürch- tcten Römern mit Hingabe ihres Lebens widersetzten, ihn, den Einzelnen, Schwachen, in einem solchen Kleide hätten ruhig durch Judäa ziehen, sich in Jerusalem aufhalten, im Tempel lehren lassen? Dieser Grund entscheidet Alles. Es ist kaum nöthig, noch darauf aufmerksam zu machen, daß dergleichen Gewebe, welche zuerst und vornämlich in Babylon gemacht wurden, zu den thcucrsten Prachtgewändcrn gehörten, die das Altcrthum kannte, und deren ausschweifende Preise wir aus Plinius lernen. ') Es tritt also hier I) las. lt. .1. V, 5, 4. Viele Stellen bei Bochart l, tl. l>. 29 (ItMZ. I'lm. VllI, 74. Philo eifert oft dagegen, als gegen eine snn- dige Pracht. das Argument mit seiner vollen Beweiskraft ein, daß die evangelische Erzählung und die eignen Worte Christi unö nicht erlauben, ihm einen Luxus der Art anzudichten. So ist nun allerdings kein zuverlässigerer Beweis für die Un-- ä'chthcit des Trierer Rockes denkbar, als dieser, den der Rock selbst mit seinen Vogelsigurcn unwiderleglich ausspricht, und es ist wunderbar genug, daß gerade seine eifrigsten Vertheidiger dies Argument uns in die Hände geliefert Haben. Aber viel i, ziriiz« Sie haben geglaubt, das Eingeständniß unschädlich machen, sa sogar zum Besten wenden zu können. Hr. vr. ClcmxnS hat eine Stelle des Klemens von Alexandrien aufgefunden, welche nach seiner Meinung sogar beweist, daß Christi Kleid nothweudig so beschaffen gewesen sein müsse, wie es der Trierer Nock ist. Der Herr Philosoph hat einen lächerlichen Mißgriff begangen und die theologische Gelehrsamkeit, mit der er sich spreizt, auf eine lamentable Weise compromittirt. Dies soll ihm setzt auf das Gründlichste bewiesen werden. Der Kirchenvater, nachdem er den Klcidcrlurus als den Christen unziemlich dargestellt und besonders die bis aus die Spitze der Füße herabfallenden und mit Säumen und Figuren gezierten Kleider getadelt, beantwortet einen möglichen Einwurf im voraus so: „Wenn aber jemand dagegen den Talar') des Herrn anführen „wollte: so bedeutet jene buntblumige Tunica die Blumen der Weisheit, die bunten und nicht welkenden Züge, die Reden des Herrn, „welche den Glanz der Wahrheit zurückstrahlen. Ein ähnliches an- „dercs Kleid zog der heilige Geist dem Herrn durch David an, „indem er so ungefähr in den Psalmen sagt hl(>4, l. 2): Mit „Preis und Pracht bist du bekleidet, gehüllt in Licht wie in ein „Obergewand." 1) Es möge erlaubt sein, um für 7re>clh>?5, bis auf die Füße fallende Tunica, ein einfaches Wort gebrauchen zu können, dieses sonst bei uns in andern: Sinne geltende anzuwenden. 2) tllam. xl. p> 238 k'ott. (88 2(13 ?ar,) xc?x röx no- rix röx (roö) /iwocov, 6 Tro/XlXttxA?? ^Xkixvx /c- raix rä «xAi/ ikktxxükl ' rei? 7?o:xi^»k xnc u,) xoukx«? , r» rov /iwniav, «Tlnarnce/rroxr« ioi«ur,,x öniox <1üä — II — Der bloße-Anblick dieser Stelle muß schon großes Bedenken erregen, ob in ihr eine historische Nachricht über Christus Kleidung enthalten sei. Sic seht das Gewand als ein bekanntes voraus; wo ist sonst eine Nachricht von einem solchen Kleide Christi? Hr. Or. Clemens hat dies richtig eingesehn und schließt deshalb weiter, daß „das Kleid Christi noch irgendwo vorhanden und für jeden zugänglich war, oder daß es in der lebendigen Uebcrlicferung unbe- „zwcifclt feststand." Aber es wäre unerklärlich, daß dann sonst nicht die mindeste Spur davon cristirte, daß nicht andere Kircheu- schriftstcller, besonders die Exegeten, es erwähnten, die doch bei der Krenzigungsgcschichte von der Beschaffenheit des ungenähten Nockes handeln; auch muffen sie wohl die Stelle des Klemens nicht so verstanden haben, da diese sonst sicherlich zur Erklärung von Joh. 19, 23 angewandt wäre. Welche unwürdige Vorstellung von Christus, daß er sich Blumen in sein Gewand habe wirken lassen, um dadurch seine blühende Weisheit aller Augen kundzuthun? Und soll er etwa auch ein Gewand getragen haben, das aus Licht gewebt war? Wenn nun aber die zweite Stelle das Gewand aus Licht offenbar figürlich versteht, so wird sich doch gleich der Gedanke aufdrängen, daß auch das erstgenannte ausdrücklich als ein ähnliches srmai'rg) bezeichnete Klciv figürlich zu verstehen sei, und daß Klemens vielmehr durch den zweiten, zum Zusammenhange ganz un- nöthigcn und nur zu diesem Zweck beigebrachten Satz klar andeute, daß er ebenfalls das erstgenannte Kleid figürlich verstanden wissen wolle. Ohnehin weiß, wer den Kirchenvater wirklich gelesen und nicht bloß Stellen aus ihm aufgegriffen hat, daß sich die Erklärung des Hn. Ur. mit anderen Worten des Klemens gar schlecht reime. Dieser hat die Vorstellung, daß Christus nicht eben ein glänzendes Acu- ßcre gehabt; er meint S. 818: nicht umsonst sei Christus von unscheinbarer Gestalt gewesen, damit Niemand durch die Aufmerksamkeit auf seine Schönheit abgezogen werde von seinen Reden. Er sagt S. 24 l, daß Christus nur schlichte Sandalen getragen, und findet eine über das Gewöhnliche hinausgehende Kleidung seinem Beruf widersprechend s„dcun nichts Ausgezeichnetes trug der an den Füßen, der den Hebräern das Vorbild der wahren Philosophie dar- 7oö 70/?7-77?u77, milk 7770? vlx 6075/67 ^0,/'t7«0H«7 07,/««705 7'^« 7^75 70 70()«70^ 6)7 «77/707/ x«7 70 X75//05 F«077«^707/ «7/707^7«7 77Ü7/ /6/v- /76>707/ )5«7 7075 X«7«/67)7 0/76//v75 77 005«7'e/c07' «77076,777/)?? «7 7707/ 7'0)?7t07'. p 241 (89 8. 296 if : 7,?5 /t7^5 0770^606705 «770- /0,? 77770705 '/l0«7^,/5, V075.«5705 6 77/777 0/7v/0)/707/ 707/ 77777^757 77,)»' 0//ock,?7777l707/ /.06 7T/ 7 00 /^0^1700' 07) )/7^1 77 7 707' 7? 60 76^/70 7/ 7)77 6- 9'67)'67V 0 7/)5 «^^005 ^^0557075 ^>7^0 7707/17«5 07707167)57/0/767/05 707/ 7 7)77 07'. il)j(l. 199 (79. 8^^ 161 1^.) ö /^0(1705 700/Z/770 6/?70l/)«70 6076/67 . . 0 «77)7/105 1^605 ^^7 2^00705 70)7- 0 / 707/. 2) So hatte schon Philo in ihm den Logos gesehn profus. I) 562: „denn wir sagen, daß der Hohepriester nicht ein Mensch, sondern der „göttliche Logos sei, der aller nicht bloß freiwilliger, sondern anch unfreiwilliger Sünden nntheilhaft ist" nnd in christlichem Sinne Justinns, der Dinl. c. I'r^pd. o. 42 die zwölf Glocken des Talars auf die Apostel deutet. Da die alttcstamcntlichcn Gegenstände Vorbilder Christi sind, so haben Klemens nnd andere Kirchenväter die Gewohnheit angenommen, dieselben geradezu mit ihm zu vermengen, von ihm auszusagen, was von ihnen gilt, sie mit den Namen Christus, Logos, Herr zu bezeichnen. Dies lehren z. B. folgende Stellen des Klemens. ') S. 689: „Moses nannte die göttliche Einsicht allegorisch das „Holz des Lebens, das im Paradies gepflanzt war; das Paradies „kann auch die Welt sein, in welcher alles aus der Schöpfung „Hervorgegangene gewachsen ist; in dieser (der Welt) blühte auch „der Logos, da er Fleisch geworden war, und trug Frucht." Der flcischgcwordcne LogoS ist Christus; ihm wird beigelegt, was von seinem Vorbilde, dem Lebensbaum, gilt: das Blühen und Frucht- 1) Olem. 8t>'0>n. p. 689 (249 8.582!'.): tt0i/xtt ?,/,/ (/<707/1/0571 ,25/>„, ttXX,/)/00(07/ 0 I/(000,/5 5^)0^ (07/0.5,75057/ 57/ 7(0 7,tt,7ttd55'0(0 7,5^0750.5557/07/' 05 dl/ 75tt0ttd55005 Xttj X00.5505 5,'7/tt5 (1t.'?/tt7tt5 57/ (0 775(/ 0X57/ 775 i^x d,/.55 50 00)'57,5 tt7l «7/7tt. ^ 70517 (0 X((5 0 X0/05 7/7/^1/057/ 75 X755 5X75s)7,0(/0(11/057/ 0tt(>5 )/57/0.5,57/05 Xtt/ 7005 )'50- 0tt.5557/005 7i/5/0i/07 07i/705 7,51700 5 5(0 07?05i/057/. I'iied. sl. 296 (76 8. 1761'): /?(,01X555 (je 05 "7o0dtt,(07/ X7,5 X5.2055 ?55(,"055 (70//- ^57(0 X7,5 7705X,X(0 /(150.5557/05 075(/,7,7/(0 , 05/050,05, 707/ X(150k07/ ^775 7^5 x5t^>ttX55 00.5t /Z0X5X (05 ^77 5(^5^0.5,57 /0 5 XeXi/^50tt7/ X5(/ ttXi/ X0- 0^550 0.5557/0 5 X'0,1500. X/i2v5 /5 705 ?/.5,505 ^ ^5,7,0/7,0571/5 ,/ 0.557,- (17,/do5 «0707/ 7 ,17 /5^77577 ,5 707/ ^0/07/. 8tl'0m. p. 668 (241 8. 464 I'.) ttXXtt Xtt5 0 775X05 0 /00- (70 05 0 7<7/7,7577,.5,57/0 5 7^7/ 5^00(7('(e,/ ^(51/7/055 71/7/ ^7,05X1X1/7/ 7 00 /6005V0. 5,"/5 7? X5^l7,Xl/ 71/5 5XxX,/05tt5 0 X()50705> >6j(I. Ulli'. ( 466 I' ) tt'XX(05 75 5/01/7/ 71/ X5 7^ X005ttxA ?/0.t(07/ ,5 ,57/ Xtt5 77 ^0l/^7 «5 0 77 0X55 (7,2755. 9)1(1 s). 829 (296 8. 691 I' ) 1/ ?, 00- ?/05tt (','7/(1)^57/ 5X 75U?/ 77 0 01//0 0.5, 57/(07/ Xtt ,?75775(> X5 ^>ttX^5 555 777/7/77,5- d(1 /X55 <05 70 ^50^)07/, ^-1 /05, 70 Xtt77,.27 ,(7/07/ 5775 70^ ^7 ,0(07/ X7,X 5775 7 1/7/ (07,7/ 700 5>l1'0^55tt705 7,07 00^ 70075(775, 70 0 /.,5/ttXo0 tt 0/755- (15(05 (jV 00 7tt 777^7/77, ^)'5>570 X7,5 /(00,'5 7,0700 ^/5?/570 00(je 57'. 8tl'0M. p. 679 (242 8. 5661'.) Xe/55 /tt0 ttide' X7 ,5 5X (l00577 ,5 71/7/ 07oXl/7/ 71 /7/ Xt7 /^7/, 1/7/ 57/(15 (10X55 51577 00500.5557/05 6^5 7tt tt)/5(5, Xtt5 tt770, 2 -1 /055 tt07i/7/ 5X55 Xtt5 Xo00577 ,5 70 0 (0 .5 ,7, 7,0700 0(1tt75 57/ 7077(0 7^/5(0 X7,5 57/(10057 tt5 71 /7/ 070Xl/7/ 7 ,0 700. ttXXt05 (1' 05 .5 ,5 ,5 0 X 0- (1505 tt770d()057tt5 ?e Xtt5 5'7/(1(l57tt5 xa?5(07/ 5 (5 71 /7/ 7, ,'0^1/057" ttX- X (05 0 (1(' 7,0700 775075007,5 tt770(l057tt5 75 X7,5 ^7757/(10577,7, (05 ^7,5 0 ^770070X05 ^551 /7/0057/, 71 /7/ ^)/5tt05557 /1 /7/ 070X1/7/. Iliic!. 669 ^7,05 de X7,5 7 0 57/do.55tt 70 770 dl/01/ (?) 71/7/ Xtt7tt 0tt()Xtt 77(10t/7/750557/ olxo- 7/0.555tt7/) d(' 1/7/ 77(1055/5075(107/ 5lc X00.5507/ (0507/) tt7/tt^>50 557/ X.5/055?/ 70) 05(0^ .5,1/ A00,"tt7/ 7tt0?7/7/ Xtt5 50(0d(tt7/ '9-0.555tt.55tt7 05 7/000?/7(07/. ttXXtt /tt 0 7 0 71/5 tt/tt771/5 (15X707' 7(7/tt(/-50557/ 707/ X00507', 71/7/ 777/50.557(75X7/7/ 50(0d/tt7/ 5^5 70 ^00,75- 077/0507' 77tt075(15/50^(07'. tragen. Der Herr Dr. aber wird uns daraus beweisen, daß Christus von Holz gewesen sei'. S. 206 : „Die Könige der Juden, die ein buntes Diadem von „Gold und Edelsteinen hatten, die gesalbten, trugen Christum symbolisch auf dem Kopf, ohne es zn wissen, daß sie mit dem Haupt „des Herrn geschmückt seien." Ihm gelten nämlich die Edelsteine wie das Salböl (S. 205: ro ^/.uior » «ärcch euren ö das Salböl, ist der Herr selbst) kurzweg als Typen des Herrn. Der Hr. Dr. aber wird uns daraus beweisen, Christus habe in eigner Person auf dem Kopfe der jüdischen Könige gesessen. S. 668: „Der goldene Kopfschmuck (des Hohenpriesters) be- „deutct die königliche Macht des Herrn, da der Herr das Haupt „der Kirche ist." Ebendaselbst unten führt Klemens diese Vorstellung weiter aus, und indem er die beiden Edelsteine auf der Schulter des Hohenpriesters auf das Gesetz und die Propheten deutet, sagt er in Bezug auf die ihnen angewiesene tiefere Stellung, es ziemte sich, daß sie dem Haupte des Herrn örtlich untergeordnet seien. S. 820: „Die göttliche Vorsicht erstreckt sich von oben her auf „alle, wie „„die Salbe, welche herabflicßt in den Bart Aarons und „„auf-den Saum des Kleides desselben"" (Psalm 133,2), daS „ist, des großen Hohenpriesters, durch den alles wurde und ohne „den nichts geworden ist." S. 670: „Die Schrift sagt: „„Und er soll ausziehen das lei- „„ncne Klciv, daS er angezogen hatte, da er in das Heilige ging, „„und soll eS dort ablegen und seinen Leib mit Wasser waschen am „„heiligen Ort und sein eigenes Kleid anzichn."" Anders aber, „glaube ich, zieht der Herr daS heilige Kleid ans und an, indem „er in die Sinnlichkeit herabsteigt, anders der durch ihn gläubig gewordene , wie auch der Apostel (2 Cor. 5, 4) angedeutet hat." Die angeführte Stelle 3 Mos. l6, 23 ist der Hohepriester, Klemens substituirt ohne Weiteres den Herrn, wie er ähnlich kurz vorher S. 669 den hohcnpricstcrlichcn Talar auf die Flcischwer- dung bezogen hatte. S. 209 in einer der von dem Hn. Dr. angeführten Stelle ganz ähnlichen beantwortet Klemens, nachdem er den Gebrauch von Wohlgcrüchcn mißbilligt hat, einen Einwurf so: „Wenn man aber „sagte, daß ja der Hohepriester, der Herr, wohldustendes „Rauchwcrk Gott darbringe, so muß man hierin nicht das Opfer „und den Duft des Nemchwerks sehen, sondern annehmen, daß der „Herr das Annehmliche der Liebe, den geistlichen Wohlgeruch auf „dem Altar dargebracht habe." Der welcher dies Opfer verrichtet, wird hier geradezu der Herr genannt. Will uns Hr. Ur. Clemens aus diesen Worten auch beweisen, Christus sei ein Levit, ein Priester gewesen und habe priesterliche Functionen verrichtet, wozu nach dem Gesetz nur die Nachkommen Aarons^befugt, waren? Genau so verhält es sich nun aber mit den streitigen oder vielmehr nicht im Mindesten streitigen Worten. Der --„'grex, von dem sie reden, ist der Hohepriester, das Vorbild Christi, des Herrn. Und daß Klemens ja nicht mißverstanden werde, dafür hat er selbst bestens gesorgt, indem er von dem Talar spricht. Der Hr. Doctor hat, wie bemerkt, ganz richtig gesehen, daß der Kirchenvater von einem seinen Lesern bekannten Kleide spricht. Es wäre also wohl seine Schuldigkeit gewesen, wenn er in diesem Zweige der Literatur so wenig bewandert war, sich danach umzu- schn, welches Kleid darin mit dem Namen der Talar so bezeichnet werden konnte, daß die Leser gleich wußten, wovon die Rede sei. Er würde dann vermieden haben, daß nun an den Tag gebracht werden muß, wie dürftig seine und seiner Rathgcber Kenntnisse in diesem Fach sind. So est in den griechisch-jüdischen und altchristlichen Schriften von dem Talar die Rede ist, wird darunter die obere Tunica des Hohenpriesters verstanden, von der wir in unserer ersten Schrift bereits bemerkt haben, daß er nach. Joscphus, Philo und den ihnen folgenden Kirchenvätern bis auf die Füße siel. Dieser Umstand gilt so sehr als auszeichnende Eigenschaft des Kleides, daß es damit allein benannt wird. So sagt Hieronymus'): der Talar ist eins von „den acht Kleidern des Hohenpriesters, daS lateinisch tuluriZ heißt, „und diesen Namen deshalb erhalten hat, weil es bis auf die Füße „fällt." So sagt Klemens S. 664, ohne daß irgendwie eine Erwähnung des Hohenpriesters vorherginge: daß das alte Testament in Borbildern, Symbolen, Geheimnissen rede, zeigt „die in Bezug „auf den Talar getroffene Einrichtung, welcher durch bunte sich 1) bl?, 9,2. — UN!» ex ort» vestium est bontiliei!, giine lüUne tiicilue Nibnis, et ex eo guod »u petles usgue äescenllst live surtita veeiwulnrn est. „auf die erscheinenden Dinge beziehende Symbole die vom Himmel „bis zur Erde reichende Harmonie darstellt." ') Auf gleiche Weise zeigt daö Wort , buntblumig, eben dies nämliche Kleid des Hohenpriesters an. Die nähere Erklärung davon folgt unten. Hier machen wir nur darauf aufmerksam, daß die bunten Sinnbilder der erscheinenden Dinge den dort erwähnten, bunten Blumen entsprechen, mir daß die Deutung, wie dies bei jener willknhrlichcn und wechselnden Allcgorifirung häufig vorkommt, eine andere ist. Folglich muß das Kleid, das der Hr. Doctor auf Klemens gestützt Christo zuschreibt, der hohenpricstcrliche Talar gewesen sein. An diesem waren nach der Angabe des Kirchenvaters selbst 369 Glocken befindlich ; consequenter Weise muß also der Herr Doctor auch noch die 399 Glocken zu dem Auzuge Hinzuthun. Nun male man sich das schöne Bild aus, das uns eine Exegese, wie die unseres Philosophen, liefert: Christus, von Holz, in buntblnmigcm, respcc- tivc mit Vögeln bemaltem Kleiec, den Bart von Ocl triefend, aus den Köpfen der hebräischen Könige sitzend oder mit seinen 399 Glocken durch das jüdische Land klingelnd! Der Talar des Hohenpriesters, von welchem bei Klemens die Rede ist, bildete einen wesentlichen Thcil der AmtStracht des Hohenpriesters. Joscphns bezeugt, was sich schon von selbst versteht, daß Niemand außer ihm und auch er nur bei den bestimmten Gelegenheiten ihn tragen durfte; er ward sorgfältig in einer eigens zu diesem Zweck erbauten Burg verschlossen gehalten, und die Ehre der Bewahrung bilecte einen Strcitpunct zwischen den Priestern und Hcrodes und den Römern. Wenn schon der Anspruch der levi- tischen Musiker auf eine Priestertunica als eine die göttliche Strafe herabrnfcnde Gcsetzvcrletzung galt, so konnte Christus wieder nicht ohne Verbrechen sich ein solches Gewand anmaßen. 1) Strom. 964 (249 8. 591 9.^: vuoko/er H llittNükv-/ (Ittt slü»? Tlovx ?« /Uk/Ni «,>l<7aou^iz <70^- 2) Strom, p. 698. (241. 8. 494 I'.) I) Xnt. XVIIl, 4, 2. XX, 1, 1. 4) kos. Xnt. XV, II, 4. 5Z 11>id. XX, 9, 6. Indes; wir wolle» dein Gegner alles lnshcrige zugeben. Das Schauspiel, wie er sich in dem Dickicht seiner archäologischen Unwissenheit immer tiefer verrennt, ist zu heiter, und nebenbei siir seinen ganzen Standpunct zu characteristisch, als daß wir cö nicht unscrn Lesern vollständig gönnen sollten. Christus trug das von Klemens bezeichnete hohenpriesterliche Gewand; wohl! so hat er den Trierer Rock nicht getragen. Der Talar des Hohenpriesters steht 2 Mos. 23, 31—35; 39, 22—26 beschrieben. Er war ganz und gar dunkelblau'); der Trierer Nock ist nach den genauesten Nachrichten bei Hn. Clemens S. 34 dunkclroth mit gelblichen Figuren. Der Talar hatte nach Angabe der spätcrn sJoscphuS lIl, 7, 4; denn das A. T. erwähnt diesen Umstand nicht) keine Acrmel, sondern bloße Oeffnungen an den Seiten, um die Arme durchzustecken. Der Trierer Rock hat Acrmel. Und endlich will nun gar das Unglück, daß gerade das, woraus sich der Beweis des Hn. Doctor gründet, die Blumen, dem Talar von Klemens irrthümlich beigelegt werden; diese Meinung ist lediglich ein Mißverständnis einiger Griechischen Schriftsteller und im hebräischen Text nicht begründet. Der Text nämlich sagt 2 Mos. 28, 33: es sollen aus seinem Saum rings umher Granatäpfel gemacht werden, blau, Purpur, carmcsin und weiß ^); zwischen diesen ringsum goldne Schellen, beide mit einander wechselnd. Von Blumen ist also nicht die Rede, und ebenso wenig wissen Sirach 45, 9 und Joscphus etwas von solchen. Letzterer ch sagt: „An den Füßen aber waren daran gesetzt Behänge (S-iu«,nach „Art von Granatäpfeln gefärbt, herabhängend, und goldne Schellen, .„zierlich gearbeitet, so daß immer zwischen zwei Granatäpfeln eine 1) Vgl. Vahr Symbolik des nies. CultnS l, Ayz ff., dessen Differenz von Hartmann und andern eigentlich keine ist. Daß Klemens von Aler. seinem bnntblumigeu Talar dieselbe Farbe zuschreibt, ergicbt sich daraus, daß auch er die Deutung hat, weiche Josepbns und Philo vortragen. Weil jenes Dunkelblau nämlich die Farbe des südlichen Himmels ist, sehen sie in dem Talar ein Symbol der alles umgebenden blauen Luft, de« Himmels, der Welt. Dieselbe Deutung hat Klemens an den bereits angeführten Stellen S. 664. 66g. 2) Letzteres ist ans Cap. Ig, 24, den >xx „nd dem Samaritanischen Tcrt» vgl. die große Masora zu dieser Stelle, hinzuzufügen. S) änt. III, 7, 4. vgl. v. K V, S, 7. 2 — 18 — „Schelle, zwischen zwei Schellen ein Granatapfel hing." Auch auö seiner Deutnng '), das blaue Kleid bezeichne die Lust, die Granatäpfel die Blitze und der Ton der Schellen den Donner, sieht man, daß er nichts von Blumen gewußt hat. Dagegen trägt die alexandrinischc Ncbcrsctzung eine andere Vorstellung hinein, von der, da sie nicht im Tert begründet ist, es gleichgültig bleibt, ob dabei bereits eine allegorische Deutung zu Grunde gelegen oder nicht. Die Granatäpfel bestimmt sie zuerst näher: wxe- (-Nil-; (----ckxvii; „wie kleine Acpfelchcn einer ausblühenden Granate", fügt aber dann statt der hebräischen Worte: -/und goldne Schellen zwischen ihnen ringS herum, sc eine „goldne Schelle und ein Granatapfel", folgendes hinzu: Goldne Granatäpfel aber von derselben Gestalt und Schellen zwischen ihnen rings umher (sollst du machen), neben einem goldenen Granatapfel eine Schelle und einen blumigen.-) Sic hat sich also zweierlei Arten von Granatäpfeln gedacht, goldene, von denen der Tert nichts weiß und die sie hinzusetzt, und die im Tert genannten vicrsarbigcn. Letztere bezeichnet sie mit dem Wort «i'A-lch?, zunächst blumig, das sie aber offenbar in der Bedeutung bunt nimmt. >') 1) -Vnt. III, 7, 7. 2) ?'-> dt -ri-rn no-Ui-oi-x n aoi/r-n-/?a k r. Clemens S. 33, wo er einige Stellen ans Braun vast. sno-n-l. p. 3SÜ übergeschrieben hat, davon unrichtige Vorstellungen an den Tag legt. Das Anszcichncndste der Blumen sind ihre vielen und lebhaften Farben und daraus ist die Ucbertragnng des Begriffs leicht zu erklären. Olam. .VI. zi 231, 32 Iraner: r- an,' -Sn-r-ork-ina- ----- er,,--9^-7,5. -ri-S^-a-/- was ist schöner und bunter (nicht etwa blumiger) als Blumen. Daher stehet (wie llas l'lin. XXI, 22) geradezu für Farbe. .Insapli. ,Xnl. III, <>, I setzt 7ro->Pli)a---e «,/>2oo in Parallelis- mns zu 2kv--)-/ ^--o-->/, sagt, nachdem er von vier Farben gesprochen, roi? T-nok-ay-t^o-o Aristoteles gebraucht II. -Xn. V, ll> est vom Purpur «--S-a?, was nicht mit Bähr Symb. des mos. CnltnS I, — 19 — Die alermihrimschtn Gelehrten, die das A. T. nicht in der Ursprache, sondern griechisch lasen, nnd zunächst Philo haben das Wort anders verstanden. Sie nehmen es in der nächsten Bedeutung als blumig, und nicht als Apposition zu (ivl'ckxoi-, sondern als Neutrum, etwas Blumiges, ein Blumcngebildc. 315 so zu fassen ist, als stehe ,"x>4o? von thicrischcn Farbcstoffen, den» ,ö r,üx 7.,'>4n,x sagt Llem. ^l.242,8, noch, wie Schmidt Forsch, ans dem Gebiete des Altcrthnms S. 119 will, weil die Schnecke nur ein geringes Quantum des Saftes enthalte, denn dem widerspricht der sonstige Gebranch nnd so redet z.B. ltionps. I'or. 1178 von - antttizk ,,,'2,00,, der doch sicher nicht in so geringer Menge gefunden ward. ist oft bloß gefärbt sein, färben: Iloroll. I, 98 uaxoix von einfachen Farben; Xrist. II. Xn. V, 15 : der Purpur gewisser Schnecken erscheint als Weißes Hänichen; dieses gerieben x«, ,lxS,'5k, tos. Xnr. Iii, 7, 4, ^,-.4,,; III, 7, 5 : /tckuuaa, ; dem. Xlex. 756, 29 <<^,4tau,-i» von einfachen Farben ; a^Aosle,,/^c, 19>il. II, 478 nnd oft, kann bloß bnntgcfärbt sein, da Blumcngebildc gewirkt, höchstens gemalt wurden, aber selbst ,lxAoz^>n^ik-x wird so gebraucht bei Uliiln I. 33: Gott gab dem ersten Menschen eine schöne Farbe, -),,,4o/(>«-/ti, so daß er der Schönste war; wo die Bedeutung blumig zeichnen nicht Statt haben kann. Daß ,-xS^nä?, ck,->4,- »wx. auch so vorkomme, daß es nur die lebbafte Farbe bezeichnet /ZNTIIUX llos. 8uiel.) , beweist das hänsige und »x>4,,,ä ),<><,Iun?„ , »nd so ist es Wohl durchgängig zu versteh», wenn cS ohne nähere Bezeichnung von Kleidern steht. (So auch Müller Enmcn. S. 199: glänzend bunt, vgl. Archäol. 8. 319, 3). DicS beweist 8uiüi>s, s. v. t^nlenxoo, wo axAlxoix und 7. kn^k/uoxa! den Gegensatz bilde» (von H». Ile. Clemens, der das Wort in einer andern Stelle desselben Suidas durch „mit Blumen verziert" übersetzt, war dieKcnntniß dieser Stelle freilich nicht zu verlangen, da sie Brau» nicht eitirt hat) und der Ausdruck des dem. XI. 235, 12 „t ,0,5 tleo-x ?o,.xn,ttt ?a>4^,?5, der offenbar nicht heißt, wie er will, „mit Blumen verzierte Kleider" (wird Wohl jemand ein Blnincnstück: „eine Tafel die den Blumen gleicht" nennen?), sondern solche, die durch Pracht oder Mannichfaltigkcit der Farben den Blumen gleichen. Eben so bildet bei Strabo XV, 3, 19 7.knxve den Gegensatz gegen ,'»a4,n,'.e. nnd bei dem. Xlex. 289, 9 liest man : ,öz'väx z,,/x,'>i >ie,/x>4,a,,ki'ox ?,olxi2/>, ,0,', o2ox ckk 7. k » X co A ». Derselbe nennt 298, 5> n>Sl,-,ü^ /?a,/k,e, die Wolle wnrdc aber natürlich nicht mit Blumcnfignren gefärbt, sonder» diese erst daraus gewebt. Man hat daher immer erst Wohl znzuschn, ob in den Terten sonst eine Andeutung ist, welche erfordert, äx>4,^ö? im Sinne von blumig zu nclnnen, z. B. bei dem ??0lx-7.r-xS,s5 des Klemens entscheidet das folgende rix. 1) Man hat bisher geglaubt den Widerspruch so vermitteln zu können, als sei der dem Granatapfel bleibende Blnthenkelch zu verstehn. So auch die Rabbincn. Aber man braucht nur die Abbildung eines solchen Granatapfels z. B. bei Hapnc Darstellung nnd Beschreibung der in der Arznepkunde gebr. Gewächse Band. IX. 1825. Tafel 35 anznsehn, um sich von der Unmöglichkeit dieser Annahme zu überzeugen. DicS crgicbt sich deutlich aus mehreren Stellen PhiloS, namentlich aus folgenden: II, 151: „der Talar ist ganz blau mit Ausnahme der äußersten untersten Thcile, denn diese sind bunt durch „goldnc Granatäpfel, Schellen und blumiges Flechtwerk. 153: von „ihm hängen um die Füße Granatäpfel und Blumiges und Schelsen herab; das Blumige ist ein Sinnbild der Erde, aus welcher „alles erblüht und sproßt, die Granatäpfel des Wassers, die Glocken „der Harmonie und Zusammenstimmnng dieser beiden H." Hieraus nun hat Klemens, der den Philo vielfach benutzt, sich sein allegorisches System aneignet und nur christlich modificirt, seinen bnntblumigen Talar genommen, wie auch Philo ihn z. B. II, 653 7ro? nennt. Auch die Deutung auf die bunten Züge der Weisheit schließt sich ganz an die hier S. 654 vorgetragene an: cS seien die bunten Züge der Tugenden in ihn gewoben ?). Das Kleid, von dem er spricht, hat also in der Wirklichkeit nie so cri- stirt, wie er cS sich dachte, und seine Vorstellung beruht auf einem Mißvcrständniß. Der Hr. Hr. hat recht eigentlich »ubem pro lu- iiono gehascht.. Und nochmals von allem abgcsehn, wie soll doch Klemens von dem Trierer Rocke sprechen, in welchem Thicrstgurcn sind. Der Hr. Doctor führt selbst aus Braun vost. «ao. p. 396 eine Stelle des Pollur an, (die er nur halb kennt, nämlich weil sie bei Braun nur zur Hälfte steht) nach welcher solche mit Thiercn gezierte Gewänder und heißen. Klemens aber sagt und spricht nicht etwa von Vögeln der Weisheit, sondern von Blumen derselben, so daß er offenbar nichts von Thicrfigurcn auf dem Kleide weiß, die denn auch eine ganz andere Deutung noth- wcnoig gemacht hätten. Der Hr. Doctor hat das recht gut gefühlt, 1) II. 151 : olo? i(ü> x«rwi«iö? Iilltx INVI« z/sch tzioixillki» /nvaoi? ^oilaxotx 2(ii xo!- dcuai xtti 153. ^ «viov eis in -cni stai' IN oöupoloi- z-n» üni ^n^i« inöi^L- oi (1s söttiog' TIN^N ih^ /k^,As5-iso südvpolu,?' o, (1s ülö(1l,,^ke 1/75 ÜNI avuPcu^/n? lonico!-. Ebenso II, 226 und in den bloß ainuenisch vorhandenen p-iralipomens eä. .-Vueksr. 1826 P 546. Vgl. >1, 153, 29; 155, 19; 227, 2 wo die Foilvxoi und allein, und I, 452, wo und allein genannt werden. 2) nPsinI^ S. 652—54 gehören ganz hierher. Andererseits spricht Klemens von den «»-S-esi roö p. 172 (64 8. 147 ?.) — 2l - cr windet sich mühsam S. 33 zwischen einem „buchstäblichen" und „allgemeinen" Sinn durch, und hütet sich eine bestimmte Erklärung zu geben. Mit den Schlüssen, welche der Herr b>r. aus Klemens von Alexandrien zieht, ist es also nichts. Wir sind höchstens um die Erfahrung reicher geworden, daß man im Jahr 1845 im Schooße einer deutschen Universität solchem Aberwitz eine ernste und gründliche Untersuchung entgegensetzen muß. Nur das Gute verdanken wir dem Mißverständniß der Stelle, daß nunmehr das Vorhandensein ron Thicrfigurcn auf dem Rock, welches ihm das Garaus macht, eingestanden wird. Man wußte dies spätestens am 25. October, an welchem Tage der Nock verschlossen ward. Der geeignete Ort, es bekannt zu machen, wäre das Buch des Hu. Marx ') gewesen, dessen Vorrede vom Januar 1845 datirt ist. Im Februar brachte der Nachtrag unserer zweiten Auflage die Nachricht von der Beschaffenheit deS Rockes; wir hatten sie mitgcthcilt, wie sie uns zugekommen war, nicht als eine über allen Zweifel erhabene, sondern als eine mögliche und wahrscheinliche, deren Bestätigung wir von einer neuen Untersuchung erwarteten. Hn. l)r. Clemens liegt es, wie es scheint, daran, die Quelle derselben zu wissen. Er fragt S. 9: „Wer ist dieser Ungenannte? „Wann und in welcher Art hat cr seine Beobachtung angestellt? „Wie?" Aber wer wird auch gleich so neugierig sein! So viel sieht Hr. Clemens, die Augen, welche die allen Andern unsichtbaren Figuren gesehen haben, sind sehr gute gewesen. Nur dem Umstand, daß die Figuren abbrechen und auf eine Nath schließen lassen sollen, wird von ihm widersprochen. Er führt S. 36 dabei zwei rcspcctable Auctoritäten an, und wir sind weit entfernt, deren Zeugnisse zu widersprechen, da wir die Mittel zur Entscheidung nicht haben. Jndeß wird er uns erlauben, die Frage noch einstweilen offen zu lassen. Denn für wie gut er die Augen selbst halten muß, welche das positive Zeugniß abgelegt haben, ergiebt sich daraus, daß er hier seine ihm so geläufigen Krastausdrücke Verfälschung, Entstellung, Betrug u. s. w. ans einmal ganz vergißt, und höchst polirt, den Ungenannten beinahe selbst entschuldigend, bloß erwidert: „Ich werde indessen noch Gelegenheit haben zu zeigen, wie 1) Die Ausstclliuia des h. Nockes in dee Dointirchc zu -Leier UN Herbst des JaheeS 1814- Trier 1845. 8. „leicht ohne eine genaue Untersuchung sich beim Betrachten des „Kleides in Bezug auf den Lauf der Figuren ein Irrt hu m einschleichen konnte." Diese Nachwcisung wird aber in dem weitcrn Verlaufe oermißt, denn S. 32 ff. oder 194 können doch nicht gemeint sein. Und die „Augen," welche nach letzterer Stelle zwei bloß in einander gelegte, nicht einmal zusammengefügte, verschiedenfarbige Gewänder „gar nicht scheiden konnten," scheinen doch nicht so sehr scharf zu sein b Und nun muß unS Hr. bU'. Clemens, der sich zwar nicht so riel Verdienste um den h. Nock, wie wir nach seiner Meinung, jedoch desto mehrere um die Rechtfertigung unserer Beweise erworben hat, noch eine kleine Frage erlauben. Ans dem Rocke sind Buchstaben. Bro- wer, der Antiguarius dcS Moselstromcs HS. 6-ll): „am Saume sieht er anS, als ob — allerhand sarbigtc Buchstaben um denselben herumstünden") sagen dies, und Hr. Clemens selbst scheint cS zu bestätigen, denn sonst hätten die Worte, die er der Notiz beifügt S. 34: „Buchstaben, Worte, selbst Sprüche in die Kleider einzuweben war, „wie im heutigen Oriente, so auch im Altcrthum Nichts Ungewöhnliches" gar keinen Zweck. Aus der Form derselben wird uns schon die Paläographic nachweisen, welchem Lande, welcher Zeit der Nock angehört. Wie also verhält cS sich mit diesen Buchstaben eigentlich? Komme man doch gefälligst endlich einmal auch hiermit zu Tage. Wir wenden uns jetzt dazu, die von unfern Gegnern gegen unsere Beweisführung erhobenen Einwürfe in der früher gewählten Ordnung zu beleuchten. Während sich Hr. Clemens in Bezug auf die übrigen Pnncte gegen unsere Ausführung nur negirend verhält, bringt er bei der Frage nach der Länge des Kleides Christi einen positiven Gegenbeweis. ES ist billig, daß wir diesem zuerst sein Recht widerfahren lassen. S. 29: „Hätte sich H. G., anstatt sich die Abbildungen heutiger arabischer Frauen und Männer bei Niebuhr zu betrachten, an die 1) Es muß Technikern überlassen bleiben, zn entscheiden, ob vor Erfindung der heutigen künstlichen Webstühle dergleichen mit Figuren durchwirkte Acrmclgcwänder ohne Nath gewebt werden konnten. „natürliche Quelle für die christliche AltcrthumSkunde, an die Ar- „chäologie der christlichen Kunst gewendet, er würde zu einem ganz „andern Ergebnisse gelangt sein." Eine kleine Vegriffsvcrwcchselnng rügen wir nicht weiter. Da Christus als Jude unter Juden lebte, so gehört die Untersuchung über seine Kleidung in die jüdische Archäologie. Hr. Clemens mißbilligt, daß NicbuhrS Zeichnungen zur Erläuterung dcö Gegenstandes herbeigezogen sind. Die Sclbstvcrläug- nung, mit der er seine Unkundc deö wissenschaftlichen Gebietes, ans dem die Frage ihre Behandlung finden muß, so recht zur Schau trägt, ist wahrhaft philosophisch. AuS einem jeden Lehrbuch der hebräischen AlterthumSknnde kann er sich belehren, daß die Nachrichten über die Sitten des QrientS ein unentbehrliches HülfSmittcl für dieselbe bilden. ') Aus seiner neucntdccktcn Quelle bringt der Hr. Dr. einige „lantrcdende Zeugnisse der christlichen. Kunst" dafür, daß Christus eine lange Tunica getragen. In den römischen Katakomben sei derselbe „mit sehr wenigen Ausnahme», die fast nur der Nachlässigkeit oder Ungeschicklichkeit entsprungen zu sein scheinen (drei der Art werden angeführt) ganz gleichförmig mit langer Tuniea und einem übergeworfenen Mantel dargestellt. Diese lange Tunica Christi sei auf daS sorgfältigste von der weiblichen Stola unterschieden, denn sie falle stets nur bis an die Knöchel oder noch eine Handbreit weniger herab, während die weiblichen Stolen immer bis über die Knöchel, bis aus die Erde, beinahe den ganzen Fuß verdeckend herabfallen. So oft Christus als der gute Hirt abgebildet sei, erscheine er ohne alle Ausnahme mit einer kurzen Tunica, 11 So sagt z. B unser verehrter Hr. Domherr Scholz, Handbuch der lübl- Archäologie S- ZZ8 : „Ein nicht minder wichtiges HnlfSmittel „sznr Kcnntniß der häuslichen Verhältnisse) sind die Sitten und Gc- „bränche, welche noch jetzt in jenen Gegenden herrschend sind. Es ist „schon oft die Bemerkung gemacht worden, daß man, wenn man da- „sclbst reiset, nicht bloß in die Zeiten des Bestehens des hebräischen „Staates, sondern selbst in die der Patriarchen zurückversetzt wird, so „genau wiederholen sich die Gebräuche der Nomaden und zum Thcil „auch die der Bewohner in all e n Verhälnisscn des. häuslichen Lebens." Und der verstorbene Domherr Jahn in Wien: Bibl Arch- II, 7l>: „Man muß die unvollständigen Nachrichten (über die Kleider der alten „Hebräer in der Bibel) ans der jetzige» Tracht der Oricntalcr, bcson- „dcrs der Araber, wie sie nnS von de» Reisende» beschrieben wird, cr- „gänzcn und erläutern." — 24 — zum Zeichen, daß man den Unterschied der Tracht auf dem Lande und in den Städten sehr wohl zu beobachte» wußte." Wir zeigen zuerst, wie eö mit den tatsächlichen Angaben steht, aus demselben Werke, auf das sich Hr. Clemens beruft, Aringhi'S Ilcmia 5nl>>ai'i'!inl'n und aus der nämlichen Ausgabe, die er anfiibrt HPariS 1652 fdl.) prüfen dann die daraus gezogenen Schlüsse. Seine Behauptung, die Figur des guten Hirten erscheine ohne alle Ausnahme mit einer kurzen Tunica, ist nicht so ganz richtig. Wäbrend der Typus derselben sonst sehr gleichmäßig ist, und die Tunica durchgängig kaum das Knie erreicht, steht doch daselbst der gute Hirt in einer bis an das halbe Schienbein fallenden und noch dazu aufgcschürztcn zweimal 4, 7 II P- 14. 15 ; in langer Toga 6, 37 II p. 336. Daß die weibliche Stola immer bis über die Knöchel bis auf di e Erde, beinabe 'den ganzen Fuß verdeckend hinabfalle, ist durchaus nnwabr. Sehr oft, und offenbar in der Mcbrzabl der Fälle reicht die weibliche Stola „nur bis an die Knöchel oder noch eine Handbreit weniger herab", sogar ohne daß sie gegürtet wäre. Man sebe 4, 7 II p. 15; 4, 14 II p. 31 viermal, 35, 37, 41 zweimal, 44, 47; 4, 1.3 g. 57; 4, 37 p. 127. 130. 153 und außer diesen fünfzehn Fällen noch viele andere. Mehrere Beispiele, wo Christus in kurzer Tunica abgebildet ill, kübrt Hr. Clemens selbst an. Das zweite und dritte von diesen I, 325 stellt ihn dar den Lazarus erweckend in einer Tunica, die kaum bis an die Kniee reicht, und die man sich wohl als die nngenähte zu denken haben würde; das zweite findet sich in dem Grabgewölbe des Eallistus, welches anerkannt das älteste ist H, so daß man hier am ersten die „lebendige Kraft der Uebcrlieferung" Vermutben müßte. Aus demselben Grabe ist auch das erste, l 319, wo übrigens auch oben Christus mit kurzer Tunica bei dem Wunder der Speisung abgebildet ist. Die Beispiele baffen sich aber leicht nock häufen. In kurzem Chiton erscheint er als den Lazgrus erweckend 4, 14. II 37; 45; 49. 4, 37. II 153; 4, 47. II 191 phen; 193; in andern Sceuen 4, 14. II 33; 41. Mit einem bis M d e Halbe Wade reichenden, ganz wie in dem ersten von Hn. Clemens citirtcn Beispiele 1319, finden wir ihn auch 3,3. I 254; 4, 25 I! 70 und 72 unten; 4, 37. II 153 unten. Es sind dies H Restell in der Bcschr. der Stadt Rom I, Z60. offenbar schon zu viel Fälle, als daß man sie sich so leichtes Kaufes als nachlässige und ungeschickte aus dem Wege schaffen könnte. Daneben erscheint Christus in langer Tunica, oder in einer Toga, welche die Tunica ganz verdeckt. Schon ans diesen Widersprüchen ergiebt sich, daß die Darstellungen der Katakomben ganz willkührlich sind und nicht als archäologische Quelle gebraucht werden können. Daß sie dies auch nach den Absichten ihrer Urheber gar nicht sein sollten, daß dieselben überhaupt kein bestimmtes Costüm festzuhalten beabsichtigten, zeigen uns zahlreiche sonstige Züge auf den ersten Blick. Christus z. B. erscheint bald ohne, bald 'mit Bart in den nämlichen Scenen; der gute Hirt statt mit einem Lamme sogar mit einer Ziege auf dem Rücken, u. dgl. mehr. Hr. Clemens aber schließt: „Wegen der lebendigen Kraft der „Ueberlieferung und weil wahrscheinlich die Tracht der Morgcnlan- „dcr in jenen Jahrhunderten der Tracht derselben zur Zeit Christi „ähnlicher war, als dies von allen spätcrn Zeiten vermuthct werden „kann, sind sie in Bezug auf die Kleidung, worin Christus und „seine Jünger erscheinen, von unabweislicher Wichtigkeit." Wir bedauern hierauf, weil es die Wahrheit so fordert, abermals kein milderes Wort erwidern zn können, als daß dieser Schluß eben nichts beweist, als die mangelhaften Vorkenntnisse des Hn. Dr., der nicht bemerkt hat, daß er hier gar keine morgcnländische, sondern römische Eostüme vor sich habe. Wie überhaupt diese christliche Kunst ganz auS der heidnisch-römischen hervorgegangen ist und deren Technik, äußere Behandlung, Symbole und selbst Gegenstände beibehält, so sind auch die Kleidertrachtcn wesentlich dieselben. Dies ist nicht etwa unsere Behauptung, es ist das einfache thatsächliche Verhältnis, welches cm jeder weiß, der sich irgend mit diesen Dingen und ihrer Literatur beschäftigt, der nicht bloß ohne Nachdenken und Verstand Aringhi'ö oder anderer Abbildungen angeguckt hat. Vergebens für Hn. Clemens hat Bottari die Einzelheiten des Co- stüms erläutert, vergebens Raoul-Rochctte in drei Abhandlungen voll reicher Gelehrsamkeit die Uebcreinstimmung der einzelnen Gegenstände 1) Wie das bei ihrer symbolische» Nichtimg nicht zu verwundern ist, Vgl. Schuaase Geschichte der bild, Künste III. bes. S- 72- 2) IZttNari I'itturo t! goalture II. tav. Iba. p. 123 ; citirt bei kaoul^ jlveltMto I, O. dor Darstellung mit den Einzelheiten der parallelen Herdnischen Kunst erwiesen, vergebens Munter und andere Erklärer geschrieben, vergebens die Compendicn der Kunstgeschichte die Kunde davon allgemein gemacht:er hat das so wenig, wie anderes, gelernt, findet sich scdoch vollkommen berufen, in hohem Ton uns darüber zu belehren uiw mit aller der Zuversicht, deren die Unwissenheit sähig ist, zu behaupten, dasi „diese Belege keiner weiter» Untersuchung bedürfen"!! Wir wollen uns nicht die überflüssige und wcit- länftigc Mühe geben, die Abweichungen der Bilder von dem jüdischen Costnme aufzuzählen; nur ein Beispiel mag angeführt werden. Die semitischen Orientalen haben bekanntlich immer Bärte getragen, die Inden waren nach dem Gesetz verpflichtet (3 Mos. 19, 27; 21, 5) einen bestimmten Theil desselben nicht abzuschneiden, nichts destowem'ger erscheint Christus auf den fraglichen Bildern, und zwar gerade in den Scenen seines MauneöalterS, viel öfter bartlos, als bärtig. Ist daS Costüm aber, weit entfernt orientalisch zu sein, gar römisch, und dazu vielfach durch symbolische Zwecke bestimmt, so haben wir doch vielleicht wohlgethan, diese „natürliche Quelle" stillschweigend bei Seite zu setzen und es andern zu überlassen, sich damit zu prostituiren. Unier den Einwendungen dcS Hn. Clemens ist eine, bei welcher er unsere Worte mißverstanden hat. Er schiebt uns die Bc- 1) LoUm'i 8oultura e pilMio saxre. Kol» 1757. lv>. tBandl.) Iluo/ieUe 8ur Wz anliguiws oiii'vlwnnos lies Eutaoumkes, drei Abhandlungen in de» Köi». iw I'Xonel. iws lusar. XIII. und besonders. Z. B. S. 5. I/exprossia» cles snjels cbrötwns so leuuvv ^önörnwment ,'anwrme »NX ciannöes antiguos et I'imiwlioo pvsitivv llos inullöios oröös pur w pagninisiuv s'z' Mit seutir i> tous los (I.stails Uo I» o»u>- Position et Daß sich übrigens die Alten nicht leicht auch von der Voraussetzung der Weichlichkeit dabei losmachen konnten, zeigt z. B. AthcnacnS XII, 25. p. 523, wo er sich wundert, daß die Iberer, obgleich sich langer Tuniken bedienend, doch nicht der kriegerischen Tapferkeit entbehrten, wahrend die Massalioten, die die gleichen Kleider trüge», weibisch geworden seien. 2> Ilioü. II, g. lust I, 2. Z) vj-rop. VIII, l, »0. IIa I'iilli« o. t: vubis bnliiins nlilor alim tunioao kucre M guisicni in kann, üv . . mcnsurao lomporamento, gnaü neguo Irans crui» prexli^ae ncc inlra picnua inveroonnclao Mo. Hr. Clemens bcrnst sich darauf, daß Otf. Müller (>n einem Zusatz der 2. Aufl. seiner Arch. wir ein ausdrückliches Zeugnis?, daß die punische Tunika kurz war und erst in später» Zeiten verlängert wurde; wenn dennoch bei Plautus ein panischer Kaufmann wegen seiner langen und mit Aer- mel versehenen Kleider verspottet wird, so ist das nicht etwa ein Widerspruch, sondern die Neichen, Luxuriösen, Vornehmen haben lange Gewänder, während die Mäste des Volks sie kurz trägt, und darin besteht eben der Unterschied von den beiden elastischen Völkern, daß bei diesen und namentlich bei den Römern alle ohne Ausnahme die kurze Tunica haben. Von den Punicrn schließen wir mit Recht auf die Phönicier, als dasselbe Volk; von diesen auf die Hebräer, als ein sehr verwandtes, aber nicht in der Weise, wie Hr. Clemens, daß die lange Tunica überhaupt Sitte der Hebräer gewesen sei, sondern, wie wir es gethan, daß ihre Vornehmen sie getragen.. Der Hr. Doctor ficht also in die Lust, wenn er uns beweisen will, daß die „lange Tunica bei morgenländischen Völkern keineswegs als ungeziemend für die Männer erachtet wurde". Den» dies haben wir so wenig geleugnet, daß wir es ausdrücklich als Tracht der Vornehmen anführen. Nur dürfen wir nicht verschweigen, daß die neuen Argumente, mit denen er es erhärten will, nicht wenig hinken. Es sind deren zwei (S. 193. Josephus erzähle, daß Caligula weibliche Stolen getragen, folglich unterscheide er männliche Stolen von diesen. Ganz recht, und daß hebräische Männer Stolen getragen, ohne daß Schriftgelchrte, wie auch Josephus einer war, daran Anstoß genommen, konnte Hr. Clemens Marc. 12 , 38 lesen. Ucbrigens spricht JosephuS von römischen Verhältnisten; was das für errol«/ waren, die Caligula trug, wäre allenfalls z. B. aus SuetonS Calig. 52. und 5-1 (mim xai/a tu- nicuguö luluri) zu ersehen gewesen, ans welchen Stellen sich auch ergiebt, daß hier bloß allgemein Kleider heißen kann. Item werden zu solchem Beweis ein paar Stellen des Kleinens angeführt , der in Alexandrien als Grieche griechisch für Griechen 8. 337. 21 den Chiton der Hebräer. Phoenicicr und Punier lang nenne. Für die Hebräer hat Müller keinen Beweis citirt, und in hebräischer Aiterthnmskunde, einem von griechischer ganz verschiedenen Felde. Auc- torität zn sein, hat dieser große Gelehrte, den auch der Vf. dieses als seinen Lehrer in der Archäologie verehrt, nie den geringste» Anspruch gemacht. Derselbe fügte gerade den von ihm angeführten Belegen die Stelle des Tcrtnllian mit einem vorgesetzten vcrg l. bei, woraus sedcr andere, als Hr. Clemens, entnommen hätte, daß er dadurch eben eine abweichende Stelle bemerken will. — 29 — schrieb, und dessen Kleidcrvorschriftcn der Hr. Dr. füv Zeugnisse über die Tracht der orientalischen Völker hält, weil ^ derselbe sich einmal in Syrien und Palästina, um einen berühmten Lehrer zu hören, aufgehalten hat! ch Jenes Verhältniß bei den Hebräern galt namentlich in späterer Zeit. In den früheren Jahrhunderten muß die kurze Tunica allgc- mein gewesen sein, wofür wir einige Belege anführten. Jndeß unsere Behauptung, daß das Unterkleid der Priester früher kürzer ge- wesen sein müsse als sie zu Joscphus Zeit war, bezeichnet Hr. Clemens als „ganz willkürlich". Wir hatten freilich den sehr bekannten Grund, auf den sich diese Annahme stützt, kurz, aber für den Kundigen hinlänglich angedeutet und dazu Jahu's Archäologie citirt. 2) Er aber, der von diesen Dingen nichts ahnt, hat sich l.) Ucbrigens sind die Stellen weit entfernt, das zu besagen, was der Hr- vr. daraus pressen will. Sic reden von dein LuruS in weiblicher Kleidung, nieinen, da die Kleider nur dem Bedürfnis) der Bedeckung dienten, so folge, daß die Frauen an sich dieselbe Kleidung wie die Männer tragen müßten; solle ihnen jedoch etwas nachzugeben sei», so sei eö dicß, das ihre Gewänder nur wenig steht nachdrücklich voran) weicher seien. Von der Form ist dabei gar nicht die Rede; aber gerade aus dieser Nichterwähnung schließt der Herr vr., daß die Männer eben so lange Kleider getragen, als die Frauen. Folgt aber etwas daraus, so folgt das Umgekehrte. Denn der Mittelpunkt aller Ermahnungen des Alerandriners ist, daß alles irgend Ucbcrflüssigc vermiede» werden solle. Lange Kleider aber sind nur bei Frauen nöthig („es ziemt sich, daß kein einziger Kvrpertheil bei den Frauen unvcr- hüllt bleibe," sagte Klemens an derselben Stelle): bei Männern, wo die Anstandsgründe sie nicht nöthig machen, können sie nach Umständen zum Ucbcrfluß gehören, und wie wenig der Kirchenvater hier allgemeine Vorschriften geben will, geht daraus hervor, daß er ausdrücklich sagt: die Kleider sollen sich richten nach dem Alter, der Person, den Orten, der Constitution und den Beschäftigungen, wo offenbar au verschiedene Formen, nicht an verschiedene Stoffe zu denken ist. 2) Jahn sagt III, 3ltö : das Unterkleid der Priester reichte nach Joscphus bis an die Knöchel hinab; „vor Alters aber dürste es Wohl kürzer gc- „wcsen sein, wie selbst die Vorschrift, Hosen zu tragen, anzuzeigen scheint-" Wir fügen noch folgende Stellen aus ihm hinzu: II, 75: „Mose hat „dieses Kleidungsstück nur den Priester» wegen eines Umstaudcs der „Ehrbarkeit vorgeschrieben, und selbst der König David scheint es 2. „Sam. ü, 20 nicht getragen zu haben." II, 79: „bei den alten Hebräern scheint das Unterkleid, wenigstens bei Männern, nicht viel über „die Kniec gereicht zn haben , wie man nicht nur aus 2. Sani. 6, 20, „sondern auch daraus schließen kann, daß den Priestern bei dem heiligen Dienst der Ehrbarkeit halber Hosen vorgeschrieben werden-" — Hr. Clemens wendet noch ein, daß man bei unserer Annahme „den gc- „wisscnhaftcn Schriftsteller Joscphus einer unverzeihlichen Nachlässigkeit „und Untreue beschuldigen" müsse, zum neuen Beweis, welch ein Neuling — 30 — nicht einmal die Mühe genommen, unsere Anführungen nachzusehn, sondern spricht vom Dreifuß herab. 2 Mos. 28, 42 wird vorgeschrieben: „Und mache ihnen leinene Schamgürtel, die Blöße zu decken, von der Lende bis zu den Schenkeln sollen sie reichen", und 3 Mos. 6, 3 der Gebrauch derselben besonders dann eingeschärft, wenn der Priester auf oder an den Altar zu steigen hatte. 2 Mos. 20, 26 heißt es: Und du sollst nicht auf Stufen zu meinem Altar emporsteigen, daß nicht deine Blöße sichtbar werde. Den Grund dieser Verordnung bezeichnet Hieronymusso: »t si lsunnlio expeckiti muelnnt vieliiiigz, luuros et «riete« trabuut portuntgue oner« et in ollieio mini«tr«ncli sunt, etinni «i lupsi tuerint et keiner« reveiuverint non p«te«l czuock operlnin est. Incle et Arackus «Ituri« proliibenlur lieri, ne inserier pepulus «scencientium verencl« eonspicint. Ging die Tunica der Priester bis auf die Füße hinab und schloß sie dazu, wie Josephus sie gleichzeitig beschreibt, eng an den Körper an, so war die Gefahr einer unanständigen Entblößung offenbar gar nicht zu fürchten. Es ist also unabweislich zu schließen, daß sie zu der Zeit, wo die obigen Verordnungen nöthig waren, kurz er auf diesem Felde ist, und welche Einbildungen er von den Oucllcn und der Behandlung desselben hegt. Josephus hatte über das Altcr- thum nicht mehr Nachrichten, als wir, nämlich das Alte Testament, und hat in seinen Berichten eben nur die Auctorität eines alte» Auslegers. Wie man von ihm zu nrthcilcn hat, wollen wir mit den Worten BährS Spmb. des mos. Cnlt. I, 5 sagen: „Er beschreibt vieles „im mos. Cnltus sehr genau und ausführlich, bedient sich aber dabei „meist der Ucbersetznug der >xx. Die offenbaren Verstoße gegen den biblischen Tert, welche sich hie und da finden, zeigen, daß er auch in „den Diugcn, deren in jenen nicht Erwähnung geschieht, nicht gerade „der zuverlässigste Zeuge ist." So z. B schreibt er dem Ephod Il>, 7,5 gegen de» Tert Aermel zu, sa läßt er in seiner Beschreibung der Stists- hnttc die Chernbim ans den Vorhängen III, 6, 2 ; 4 ans: so behauptet er L. s. V, 5, 7 der Hohepriester sei an dem Versöhnnngstage in seiner vollen Amtstracht in das Allerheiligstc gegangen, während für diesen Tag vielmehr ein eigner, ganz weißlcinencr, einfacher Anzug bestimmt war. 3. Mos. 16, 4. Wir bitten Hn. Clemens, ihm diese „unverzeihliche Nachlässigkeit und Untreue" doch verzeihen und bei künftigem Gebrauch seiner Angaben immer vorher nntcrsnche» zn wollen, wo er als Zeuge oder gleichzeitiger Berichterstatter und wo er als Bibelansleger spricht. Freilich würde der Hr. Doctor dazu die verhaßte Kritik nicht entbehren können. 1) bnbioliim. II, 578 IllnrI. — 31 — gewesen sein und etwa bis zu den Kntecn gereicht haben muß; denn nur dann konnten die genannten Unbequemlichkeiten entstehen. Eine längere und mit Acrmcln versehene Tnnica wird durch den bcsonderu Namen Kctonet passtm unterschieden. So lautete ein fernerer Satz, den Hr. Clemens nicht gelten lassen will. In Bezug auf sie und die Stelle ? Sam. 13, 18 können wir zwei Wege zur Verständigung einschlagen. Wir können unserer Disputation entweder die Vulgata zu Grunde legen, denn diese soll nach dem Trieentinischen Concil bei allen Disputationen gebraucht werden, oder den hebräischen Text. Im ersten Falle werden wir bald einig sein, denn die Vulgata druckt so vollkommen als irgend möglich ist unsere Erklärung der Stelle auS : qua« imluls erat tslsii lunicm, Iiuiuscomncki enim litis« re^is vir^inos vk«tiluis ulebantur. Oder wir halten uns an den hebräischen Tcrt: „sie hatte eine Ke- „tonet passtm, denn so trugen die Königstöchter Melle", so lassen diese Worte nur diese Erklärung zu: H sie trugen Melle und zwar auf eine gewisse Weise, nänllich als Kctonet, woraus sich ergiebt, daß die Ketonet das ans der Haut getragene, sonst kurze Kleid, wenn eS lang, jedoch einzeln war, Ketonet passtm ist; diese für passtm entstehende Bedeutung ist auch die einzige, welche etymologisch gerechtfertigt werden kann. Dem Tridentim'schcn Concil widersetzt sich Hr. Clemens, denn die Stelle der Vulgata paßt ihm nicht in seinen Kram. Auf den hebräischen Text läßt er sich nicht ein, auS einem eben so einleuchtenden Grunde, denn er versteht davon nichts. Er argumentirt t) Wollte man an der Form des Satzes einen Anstoß nehmen, so würden die kritisch möglichen Vcrändernngen doch nur ganz denselben Sinn geben. 2) Dies geht hervor ans dem Satz S. 22—23, dessen ganzer Inhalt aus Brann Vest 8nc. genommen ist. Lächerlicher Weise hält der Hr. I>> . den letzteren für den „gewichtigsten Zeugen für die hebräischen Kleidcr- trachten," als ob ein Ausleger, der keine weitere Anctorität hat als diejenige, die ihm der Werth und die Kraft seiner Argumente geben, je ein Zeuge sein könnte. Hierdurch verräth sich schon, was für Kennt- niß der Hr. Doctor von der Sache hat- Braun hat eine dankenswerthe und noch immer branchbare Materiatiensammlnng geliefert, aber die sprachliche und sachliche Wissenschaft ist seit anderthalb Jahrhunderten so vorgeschritten, daß bei weitem nicht alle seine Resultate noch jetzt Stich halten. In dem vorliegenden Fall hat er zwei etymologisch nach seiner Meinung mögliche Bedeutungen des Worts passim, die aber einander ausschließen, combinirt und seine Erklärung des Wortes aus beiden zusammengesetzt, was unzulässig ist. Die eine dieser Etymologie» ist nicht haltbar und gründete sich auf eine »nrich- aus der alerandri'mschcn Acbcrsetzung und dem Josephüs^ die hier nur die Auctorität von Auslegern haben, und diese könnten Hn. Clemens Meinung bestätigen, ohne doch irgend etwas für die rich- tige Erklärung des Textes zn beweisen. Die alcxandrinische Version, die gerade in den Büchern Samuclis nicht sonderlich ist, übersetzt unleugbar grammatisch falsch, indem sie das unbestimmte Wort „Melle" durch rosi? <> >!?«? «r'rcäu wiedcrgiebt, welches den ganzen Tum ändert. Mit der Stelle des Joscphus geht Hr. Clemens ganz cigcnthnmlich um. Er schwankt zunächst, welche von zwei Nach seiner Meinung möglichen Erklärungen derselben die richtige sei, und endet damit, während doch nur eine die wahre sein kann, die auS beiden gezogenen Schlüsse zu combiniren. Leider aber sind sie beide falsch und eine dritte richtig. Am ferner zu seinem Zweck zu kommen, begeht er ungeschcnt die Leichtfertigkeit, die Worte rwn -rgn'gwn bis auf die Knöchel durch bis über die Knöchel, also durch das gerade Gcgcnthcil zu übersetzen. Daß ferner Joscphus das Gewand nicht als eine Obcrtunica faßst geht ebenso aus seinen Worten hervor; er nennt es, wie der Hr, Ilm selbst anführt, einen Das Wort kann er, da er sa die Tuuica als lang beschreibt, nicht als Deminutiv, er muß es vielmehr in seiner anderen Bedeutung genommen Haben, wonach es „das zunächst an den Körper anschließende Untergewand" bezeichnet und Joscphus stimmt folglich ganz mit unserer Erklärung übcr- cin. Anverständig ist endlich, wenn Hr, Clemens behauptet, das tig verstandene Stelle Ps 72, 1s, wie man jetzt erkannt hat. S. 67r,x zu ergänzen, sondern es steht absolut, weil sich das allenfalls zu Ergänzende, nämlich sie selbst, ihr Körper, von selber versteht. 3) Vgl. Böttigcr Raub der Cafsandra. S. Jg. J7. nnd die dort angeführten Belege. Andere sind gesammelt von Pierson zu Morris p. 416 und Ferrarius Al, 1. Vgl. noch Alciphron kp- I, 31. Me'il sei immer ohne Acrmel gewesen nnd der Unterschied der, daß Ketonet passim ein solches mit Acrmeln bezeichne. Ersteres schließt er auS JosephuS ^nt. Ill, 7, 4, wo aber dieser es bloß von dem Mcil des Hohenpriesters aussagt. Es läßt sich in den Nachrichten von dem antiken Costüm durchgehcndS beobachten, daß, wenn zwei Tuniken getragen wurden, nur die eine, und zwar bald die obere bald die untere, Aermel hatte. Diesem angemessen ist es, daß das hohcnpriesterliche Meil bei Josephus keine Aermel hat, da seine untere Tunica bereits mit solchen versehen war. Im alten Testament kommt von Aermcln nichts vor; wollen wir daher nicht jenes aus der Natur der Sache hervorgehende Verhältnis; auch hier annehmen, so können wir eben gar nichts darüber sagen. Daß auch in späterer Zeit die Tunica im allgemeinen kurz getragen wurde, dafür hatten wir unter anderm angeführt, daß Josephus ausdrücklich die Länge der Pricstertunica hervorhebe. Hr. Clemens findet diesen „Schluß völlig übereilt, denn Josephus, der „griechisch schrieb, würde die lange Tunica durch das einfache „Wort Chiton gar nicht haben bezeichnen können." Da Chiton das generische Wort ist, so stand dem nöthigcnsalls nichts im Wege, wie sich unser Gegner, der seine eignen Schlüsse vcrmuthlich immer für bedächtige hält, z. B. auS dem Philo überzeugen kann, welcher griechisch schrieb, und doch II, 156, 25 die lange Tunica durch das einfache Wort Chiton bezeichnet. Eine fernere und für das ucntestamcntliche Verhältniß wichtige Differenz betrifft die Erklärung des Worts in verschiedenen von uns angeführten Beweisstellen. Hr. Clemens S. 19 Note: „muß hier bemerken, daß, wenn H. G. das griechische Wort aro^' für gleichbedeutend mit slvln, als Bezeichnung der weiblichen Tunica nimmt, dies eine völlige Unb e ka n ntsch ast mit dem griechischen Sprachgebrauch ') verräth." Wenn er aber gleich 1) Wir sind es gern zufrieden, diesen Vorwurf mit solchen Ercgeten zu theilen, die gerade durch völlige Bekanntschaft mit dem griechischen Sprachgebrauch berühmt sind, wie Winer, der Bibl. Rcalwb. II. 66 sich so ausdrückt: „Im N. T> ist irroliz, wie sie die Schristgclchrten trugen, Marc. 12, 33 ein langes, bis an die Knöchel reichendes Kleid." Von andern Eregcten führen wir, als uns augenblicklich zur Hand befindlich, an (die meisten Übergehn es, als sich von selbst verstehend! Fritzschc, Raphelius, Munthe zu Marc, 12, 38, Lightfoot zu Luc. 2V, 46. Man sieht, wir haben bei dieser Auslegung nicht die Ebre der Erfindung. Uebrigcns nehmen wir aus dieser freundlichen Bemerkung des darauf hinzusetzt: //Indessen habe ich die Bedeutung, die H. G. //dem Worte gicbt, beibehalten, da es dieselbe auch hat und an //manchen Stellen in ihr genommen werden muß" so sieht ein jeder, daß der Eifer an den ersten Worten mehr Antheil hat, als die Ucbcrlegung. Wir sind also darin einig, daß e?ro)./j im allgemeinen Kleidung überhaupt bezeichne, specicll eine lange Tu- nica. In der von Hn. Clemens angeführten Stelle 2 Mos. 28, 4 muß es in der allgemeinen Bedeutung verstanden werden, weil es hier Beinkleider, Gürtel, Ephod, Tuniken u. s. w. zusammenfaßt. Wenn dagegen Josephus /^nt. Vlll, 3, 8 die von Salomo geschenkten tausend hohenpricsterlichcn AmtSklcidcr (auch eine schöne Ucbcr- treibnng dcS //gewissenhaften Schriftstellers") im einzelnen als aro. /k^ar/x«/ crüx T/ollhaka/i/ , s/reo,«//7t x«/ ).oz"//> x«/ ?./'Ao/; aufzählt, so kann hier crro^h nur dasselbe einzelne Gewand sein, welches er III, 7, 2 noll/jg/?; )/-rco'x nennt, die nach seiner Beschreibung lange Tuniea.') Es muß folglich bei jeder Stelle der Zusammenhang oder sonstige Gründe entscheiden, welche von beiden Bedeutungen in ihr Statt finde. Hn. He. , da er dies zu provocircn scheint, gern Veranlassung, ihm etwas näher ans den griechischen Zahn zn fühlen. Wie glücklich er den Sinn der berühmten Stelle des Klemens von Alcrandricn erfaßt hat, haben unsere Leser mit Schrecken gcschn; wie er ihre Worte verstanden, verdient ebenfalls in Augenschein genommen zu werden, r/co? ,//c!17.ox übersetzt er „indem er irg e nd w o singt". Das Wort xx von M-p ableiten und also im Sinn von Anerkennung oder Dank nehmen. 8ui<>. I.ex. Lzw. erklären es durch kö/ttnicri///. „Das Bckenntniß" ist aber etwas ganz anderes, und da dies gefühlt wurde, ist gegen den Tcrt der Artikel hinzugesetzt, wodurch aber der Sinn ganz falsch wird. S. 10 ist /yk/tt in dem Satz xo/x/se oöx oöo//? r>sx unrichtig durch Gebrauch übersetzt: eS heißt: da nun das Bedürfnis! gemeinschaftlich ist. Von der genialen Uebersctznng des «/»/ ralx o/pv- f>lÜx bis über die Knöchel hinaus haben wir eben geredet. 1) Der Hr. Dr. citirt Fcrrarius Analcctcn S. 70 dafür, das aroUs Kleidung überhaupt heiße. Vier Seiten weiter hätte er gefunden, daß derselbe, ganz wie wir, behauptet, presse ae stricte bezeichne cS die lange Tuniea und dies sogar für die Urbedeutung erklärt. Bei Marc. 12,38 mißbilligt Christus an den Schristgclehrtcn, daß sie gern erro?.«^ in Stolen umhcrwandcltcn. Versuchen wir, welche von unsern beiden Bedeutungen anzuwenden ist. Kann das Wort hier Kleidung überhaupt oder „sede Art von Kleidung" bezeichnen? Dann würde also Christus fordern, sie sollten nackt gehn. Mit solcher Auslegung werden wir nicht weit kommen. DaS Wort muß also doch wohl, da es ganz absolut steht, Bezeichnung einer bestimmten Art von Kleid sein, und hier ist an kein anderes zu denken, als an die lange Tunica, die «tola im römischen Sprachgebrauch, wie eS denn die Vulgata einfach durch in slulm übersetzt. Unsere Gegner, die dies durchaus nicht zugeben wollen, strengen allen ihren Witz an, etwas Besonderes aufzufinden, das in dem Wort crrnX/s enthalten sei. Der sinnvolle Hr. Ney meint S. Ist: „Hätten die Herren „Professoren auch nur als Schulknaben ans die Erklärung der Bibel „bei ihrem Ncligionslehrer aufgepaßt, so hätten sie eingesehen, daß „Christus an diesen Stellen vor solchen Schriftgelehrten warnt, „welche bloß zum Scheine und Betrug sich mit langen „Tuniken bekleideten. — Tie Herren Professoren wollen demnach, „wenn sie wieder Bibelstcllen citiren, sich besser in Obacht nehmen, „weil biblische Stellen ihnen spanische Dörfer zu sein scheinen." Die „kritischen Schneider" wissen mit großer Sicherheit zu sagen, daß die Rede von einer zweiten Tunica sei, wie sie Christus seinen Jüngern Marc. 6, 9 ') verbot. Hr. Clemens stimmt S. 25 bei. Der Beweis, daß nothwendig den Begriff der obcrn Tunica habe, ist wahrscheinlich vergessen. Den Gegenbeweis liefert die angeführte Stelle des JosephuS neben vielen andern, wo e?ro).ss von der den Körper zunächst bedeckenden, und sogar von der untern Tunica von zweien steht. Auch weist die Verschiedenheit deS Ausdrucks diese Erklärung ab; dort sagt Christus nicht: ziehet nicht eine Stola an, und hier nicht: in zwei Tuniken wandeln. Das charakteristische der ist also nur, daß sie lang war, und da- t) Hr. Clemens wendet gegen unser ans dieser Stelle genommenes Argument ein, daß darin von der Form der Tnniea keine Rede sei. Wir müssen ihn» also den bekannten und von uns S. 3 Note c hervorgehobenen Umstand melden, daß von zweien die obere Tnniea lang war. Beweist er das Gcgcnthcil, so wollen wir dies Argument aufgeben. — 36 — her konnte das Wort von der vbern langen, wie von einer langen nntern gebraucht werden; folglich kann, trugen die Schriftgclehrtcn auch eine kurze Tnnica unter der von Christus gemeinten aro).,st der Vorwurf nur auf die Länge gehn. Hr. Binterim S. 46 will, es seien mit den Stolen //die außergewöhnlichen langen Kleider mit Schleppen, Franzen und starken Säumen" gemeint. Er schließt dies aus der Stelle Matth. 23, 5 sdre auch Hr. Clemens herbeizieht), wo von den Phplaktcricn und den vier Quasten, welche die Juden nach 4 Mos. 15, 37 tragen mußten, gesprochen wird. Aber die Phplaktericn waren keine Schleppen und Franzen, sondern Pcrgamcutstrcifcn oder dergl. mit Sprüchen beschrieben, und die Quasten kein Saum; letztere wurden auch nicht an Tuniken oder Stolen, sondern an den vier Ecken des Ober- klcidcS getragen. Die Veranlassung zu dem Jrrthum ist ein Mißverstand der Worte -eg«ank—22, oder ans andern Bildern, z. B. der Matrone ans der aldrobaudinischcn Hochzeit, an denen keine Spur eines Saumes zu sehen ist. Der Schluß aber, daß die Stolen derPharisäcr mit den Säumen römischer Damen versehen gewesen seien, «,,g anz der Stola entsprechend") geht doch etwas in das Wunderbare- 2) unterscheidet Jos- L. 1- IV, 9, 10. — Einen Endlich soll -?rc>^' eine reiche Kleidung im Allgemeinen sein. Da aber schon sür sich Kleidung und ,/jede Art von Kleidung" bedeutet, so kann das Unterscheidende eben nur in dem Zusatz reich, prunkhast liegen. Aber dieser, auf den alles ankäme, fehlt im Text. Es bleibt also immer nur das cine übrig, den Nachdruck des Wortes auch hier in dem zu suchen, was sie zur Stola macht, und durch welches alle langen Tuniken, seien es medische, persische, römische oder die der südischen Priester, zu Stolen werden, nämlich der Länge. Aus der mißbilligenden Erwähnung der Stolen der Schrift Vorgänger in dieser Erklärung Hut der Hr. Ur, au Epiphanins Ilaer. 1l> 16 , dessen wirre Vorstellungen bereits von blill Viss, sei, 1.724, 269. isenii^er Uleneir. trilmoo. e 8 und andern widerlegt sind. 1) Hesychius erklärt so durch das bloße . 2) Ein werthvolles Argument nimmt Hr. Clemens, um diese Mißbilligung unschädlich zu machen, ans dem Gebrauche des Wortes Rabbi her: er meint die Schriftgelchrtcn wollten bloß „darin etwas suchen, damit großthun." Wir wollen ihm die Sache, die cine ganz andere Bedeutung hat, erklären, Während jener Zeiten bildete sich langsam unter den Inden diejenige Hierarchie aus, deren vollendetes Gebäude uns in dem Talmud vorliegt. Die Schriftgclehrten setzten sich in de» alleinigen Besitz des Gesetzes und seiner auf einer angeblichen Tradition beruhenden Auslegung ; sie wollten die Bewahrcr des Heils für das Volk sein, banden die Gewissen desselben, schieden sich von ihm als cine höhere Sorte Menschen ans, und verlangten strenge Unterwerfung und tiefe Verehrung. Das äußere Zeichen dieser höheren Stellung sing damals au (denn durchgebildet war das Verhältniß noch nicht, der Titel bezeichnete noch nicht die zu erwerbende gelehrte Würde, und dcßhalb konnte man Christus, weil er ja auch lehrte, im allgemeinen Lehrer anreden), der Titel Rabbi zu werden, und diesen verlangten, wie wir ans Matth. 2.?, 7 sehen, die Pharisäer, eben die Begründer der Hierarchie und des Rabbincnthnms, als eine ihnen zukommende Ehrenbezeugung, ganz wie wir später im Talmud (Berach. 27 b. Ketnb. 69 >>: vgl. Maimou. Talm. Tor. 5, 1) lesen, daß einen Rabbinen ohne diesen Titel mit bloßem Namen anzureden, als Auflehnung gegen die Verfassung ange- schn, und sogar mit Ercommunication gestraft wurde. Wenn Christus aber seinen Jüngern sagt! ihr sollt euch nicht so nennen lassen, und hinzusetzt, denn ihr seid alle Brüder, so ergiebt sich als Grund des Verbotes, daß er unter seinen Jüngern keine Hierarchie, keine solche bevorzugte Classc von Hcilsbewahrern will. Wenn er fortfährt: denn einer ist euer Meister, der Messias, so setzt er sich nicht etwa jenen Rabbinen gleich, sondern ihnen entgegen; denn ihm komme vermöge der höhern Natur seines Lehramtes der Name allein zu. Die beiden Fälle sind also grundverschieden: Christi Wesen ist es, allein Meister zu heißen, und die Pharisäer sind die falschen Meister Aber das Tragen eines langen Rockes in Christi Wesen zu setzen, dürste wohl nur Wenigen einfallen. gelehrten folgt nothwcndig, daß Christus kcinc solche getragen Huben kann; da cr nun abcr dem Trierer Nock zu lieb eine getragen haben soll, und doch cingcsehn und so ziemlich eingestanden ist, daß wenigstens die Masse des Volks kcinc lange Tuniken trug, so muß Christus durchaus zum vornehmen Mann gemacht werden. Wie das christliche Altcrthum darüber dachte, haben wir oben schon aus der Stelle dcö alexandrinischen Klemens gesehn; und diese Vorstellung entspricht ganz derjenigen, welche die Evangelien an die Hand geben. Die Mutter Jesu machte nach Luc. 2, 24 von dem Armen- recht 3 Mos. 12, 8 Gebrauch, cr selbst war ein Zimmermann Marc. 6, 3 und hatte nicht, wo er sein Haupt hinlege, Matth. 6, 20; auch 2 Cor. 8, 9 zeigt die Wahl des Wortes "rai/kür-n, daß der Apostel gewiß nicht bloß metaphorisch verstanden sein wollte. Einstimmig versichern uns nun die armen Schacher, welche die »kritischen Schneider" verfaßt haben S. 19, Hr. Ney S. 12, Hr. Bin- terim S. 42 und Hr. Clemens S. 27, Christus habe zum Stande der Schristgclehrten gehört, und diese zu den Vornehmen. Bei einiger Bekanntschaft mit der jüdischen Geschichte würden sie wissen, daß das letzte nicht immer der Fall war, und daß Christus nicht zum gelehrten Stande gehörte, kann die löbl. Bruderschaft zu ihrer Verwunderung aus Joh. 7, 15 erfahren. Hr. Clemens beschenkt uns ferner mit dem Schlüsse, Christus könne nicht zu den Geringen im Volk gehört haben, weil cr Luc. 7, 36 von einer Sünderin mit kostbarer Salbe gesalbt sei. Wir haben uns dies logische Ca- binetsstück notirt. Von demselben Schlage ist, wenn dafür angeführt wird, daß zwei vornehme Männer, Nikodemus und Joseph von Ari- mathia, geheime Anhänger seiner Lehre gewesen, und daß cr von einem Pharisäer zur Tafel geladen sei, Luc. 7, 36, der ihn nicht einmal der gewöhnlichsten Höflichkcitsbezeugungcn Werth hielt. Bald hätten wir vergessen, daß Hr. Clemens auch noch an einer von nnS S. 4 und 6 Note angeführten Stelle des JosephuS zaust lS. 26). Die Frage ist, was unter der leinenen Stola zu verstehen sei, Welche die leritischcn Musiker verlangen, ob eine lange leinene Tmuca ieaenni»-: die Priester trugen aber nur eine lange Tunica ohne Obcrkleid) oder bloß eine leinene. Wir hatten die Möglichkeit der doppelten Auslegung bemerkt. Der Hr. De. weiß gleich mit völliger Sicherheit aus der Stelle des Jo- sephus, die cr durch uns kennen gelernt hatte, uns zu unterrichten, daß lediglich das letzte der Fall sei. Es war auch ganz unsere — 39 — Meinung, daß, die Stelle für sich betrachtet, die Wage auf diese Seite sinken müsse, waS wir durch unser „vielleicht" S. ö anzeigten. Leider giebt es aber hier noch eine zu berücksichtigende Notiz, welche, da wir sie nicht anführten (denn die Erörterung war an dieser Stelle für die Unkundigen ganz überflüssig, und die Kundigen wußten von selbst, worauf wir zielten), Hn. Clemens unbekannt geblieben ist; 2 Chrom 5, 12 nämlich erscheinen schon die levitischen Musiker in Leinen gekleidet, und man muß also entweder annehmen, daß ihnen seit jener Zeit dies Vorrecht genommen sei, wozu kein sonstiger Grund vorliegt (daher sagten wir vielleicht), oder, daß sie eben auf die ganze Form der Pricstcrtuniea, also die Länge, Anspruch machten. Solche Dinge zu wissen wird man allerdings von Niemandem als dem Fachgelehrten verlangen; wenn aber Hr. Clemens vom hohen Pferde herab darein raisonniren und uns verschreien will, ohne von ihnen eine Ahnung zu haben, so muß er sich freilich gefallen lassen, daß man ihn an seinen Leisten erinnert. Herr GörrcS um dies noch zu erwähnen, glaubt den Knoten auf eine ganz andre nnd viel tiefsinnigere Weise, als Hr. Clemens, lösen zu können. „Der Einwurf von der Länge wird sich durch die „Annahme, es sei der lange Prophetenrock gewesen, den Christus „zur Einsetzung seines Sacramcntcs am Vorabend angelegt, bcsciti- „gcn." Wir sind nicht im Stande gewesen zu entdecke», worauf die Annahme einer langen Prophetentunica oder sonstigen langen Nockes beruhen kann. Sic ist gefaselt. Der „arme" Nock muß sich, sieht man, zu vielem hergeben, und man wird fast versucht, für wahr zu halten was Göthe im Jahr 1772 ^) schrieb: „Es giebt „doch wohl keinen Nock, der für alle Taillen gerecht ist, es müßte „denn der Nock des Herrn Christi sein, der zu E. (Ehrenbreitstein) „hängt, der aber zum Unglück ein Schlafrock ist und also die Taille „gewaltig versteckt." In Bezug auf die Farbe des Trierer Nockes waren wir aus den uns damals vorliegenden Daten zu dem Ergebniß gelangt, daß sie Purpur gewesen zu sein scheine, wofür außer der sonstigen Beschreibung das an ihm hervorgehobene schillernde nnd glänzende Far- 1) Die Wallfahrt nach Trier S. 1l)5. 2» Werke Bd. ZZ S.61 (AnSg. i» 1ö von 1830). Bd. 32 S. 48 (Ausg. in 12 von 1849). bcnspicl, eben die charakteristische Eigenschaft der Purpurfarbe, zeugte. Die neue Untersuchung berichtet über die Farbe, daß sie dunkclroth sei, was dem nicht widerspricht, und wenn Hr. Clemens jenes Schillern aus dem möglichen matten Changiren verschossener Farben erklären will, so ist damit nicht aus dem Wege geräumt, daß die srühcrn, unbefangcncrn Berichterstatter, Browcr, Agricius, Wörter wie ruMaro gebrauchen, was zu seiner Erklärung nicht paßt. Wir hatten unter Voraussetzung der Nichtigkeit der Thatsache bemerkt, daß die Farbe als wirklicher Purpur zu thcucr und luxuriös gewesen, um, nach Maßgabe der in der evangelischen Geschichte geschilderten VcrmögcnSvcrchältnissc Christi und mehr noch seiner eignen Reden, von ihm getragen zu sein. Da Hr. Clemens sich auch der Folgerung oppouirt, so wollen wir seine Einwendungen etwas näher analysircn. „Hätte Hr. G. die Altcrthumswisscnschast, ich will nicht sagen, aus den Quellen, sondern nur aus fleißig gearbeiteten Werken über das Kleidcrwesen studirt z. B. aus dem Buch Brauns oder aus der einmal von ihm angeführten Schrift Ferrari's, so würde er in diesen weitläufig und mit allen dahin gehörigen Belegstellen ans den alten Schriftstellern ausgeführt gefunden haben, daß im Altcrthum nicht nur verschiedenfarbiger Purpur im Gebrauche war —" Den guten Willen des Hu. Clemens uns Nachschlage zu geben, was wir alles hätten thun sollen, haben wir schon einigemal mit Dank und Belehrung anzuerkennen Gelegenheit gehabt. Wir hätten uns durch die Stelle im Klemens von Alexandrien, Wir hätten uns durch die Katakombenbilver prostituircn sollen; aber er weiß nun die Gründe, weßhalb wir es nicht gcthan. Auch jetzt wollen wir ihm unfern Dank dadurch an den Tag legen, daß wir ihm seine eignen Worte verstehen helfen. Wie er die „Quellen" studirt hat, wird sich gleich weiter zeigen und geht daraus hervor, daß er die von Braun und Fcrrarius angeführten Stelle» der Alten, einen kleinen Theil der darüber vorhandenen (Fcrrarius hat etwa zwanzig) für alle dahin gehörigen Belegstellen hält. Seine Kenntniß von der neuer» Literatur des Gegenstandes zeigt sich aus der Anführung zweier nunmehr 260 und 165 Jahr alten, für ihre Zeit sehr guten Sammelwerke, die aber durch die späteren Untersuchungen, wie namentlich durch die neueste, musterhafte Arbeit von Schmidt, Forschungen aus dem Gebiete des Alterthumö 1842 I- - 41 — 96-212, überflüssig geworden und ohne diese unbrauchbar sind. ') Was die Einwendung von dem verschiedenfarbigen Purpur betrifft, die auch Hr. Laven S. K4 vorbringt, so gestehen wir, ihren Sinn nicht recht zu begreifen. Wenn wir von Purpur redeten, so verstanden wir doch natürlich darunter jene dunkelrothe, mit geronnenem Blut verglichene Farbe, die eben der Purpur im engcrn Sinne ist. Da nun diese auch unter den alten Purpurfarben ist, so ist offenbar die Verschiedenheit der von den Alten Purpur genannten Farben kein Einwand gegen uns; um so mehr als das Gemeinschaftliche aller dieser das Rothe ist, das von Natur und besonders durch Kunst, durch mehrfache Färbungen u. dergl., mannich- fache und sehr contrastirende Nuancen erhalten hatte. Hr. Laven, der von „alten wirklichen P u r p u r gewändern" spricht, sieht vielleicht darin einen Widerspruch, daß wir den Trierer Nock einer späteren Zeit zuschreiben, und doch vom Purpur der Alten reden. Aber die eigentliche Purpurfärberei, die freilich jetzt verloren ist, ist ja während des Mittelalters im byzantinischen Reich geübt worden, und das Abendland wurde von dort fortdauernd besonders zum kirchlichen Gebrauch mit eigentlichen Purpurgcwändcrn versehen. Um nur ein Beispiel anzuführen, erinnern wir daran, daß um das Jahr 1119, also genau zu der Zeit, wo, wie uns Thiofriv lehrt, der h. Nock noch nicht in Trier war, der Kaiser Alexius dem dcut- 1) Nicht so weit, wie die Bonner Philosophie, ist Hr- Laven in der Zeit zurück, der in der Literatur bis auf Hccrens Bericht ans Amati gekommen ist. Die Bestimmungen dcS letzter» find freilich schon durch Schmidt umgestoßen, der z B. S. ll>5, Ist. gezeigt hat, daß der Weiße Purpur nie cristirt hat und lediglich ans einem Mißverständniß der Quellen beruht. Der g r a n e Purpur, den Hr- Laven freudig im Druck hervorhebt, ist leider eine falsche Nebersetznng Heerens: denn Amati sagt: Iivistns, kcrruZlncus, venetus, ni^ercaerulea mixlus d. h. blau schw arz. Höchst charakteristisch ist es, wie die Trierer Geistlichkeit von 1512 dem ihr verhaßten Orcndelgedicht vom grauen Rock gegenüber bestimmt erklärt: „Seine Farbe ist nit graw," und die heutigen Apologeten, demselben Gedicht zu Gefallen, den Rock durchaus grau macheu wollen, wobei sich das arme Wort grau viele Mißhandlungen gefallen lassen muß, Wir werden ans diesen Pnnct noch zurückkommen, Possirlich ist auch, daß, während Hr, Clemens und Hr. Laven ihre Argumente ans die Verschossenheit des Rockes gründen , Hr Ney mit Händen und Füßen gegen uns dafür kämpft, daß derselbe durchaus seine volle natürliche Farbe habe. 2) Wir verweisen darüber der Kürze wegen ans Schmidt S, 296—299, — 42 — scben Kaiser vertragsmäßig hundert ächtpurpurnc Gewänder schickte. ') Hr. Clemens fährt fort: „sondern daß auch iu Bezug auf den Werth unter drei Gattungen desselben unterschieden wurde. Die eine war dunkel, gemein, und wohlfeil, und wird von Cicero geradezu plebejischer Purpur genannt; die zweite von scharfer, glänzender Farbe, dem Scharlach ähnlich; die dritte war der eigentliche Tyrischc, kostbare und nur zu Prachtgcwändern gebrauchte Purpur." Die ganze Weisheit ist auS Braun S. 268 geholt, der schon das Verhältnis nicht recht begriffen hatte her hält zum Beispiel die erste Art für nicht viel besser als Krapp), und noch etwas mehr mißverstanden. Sie bezi.ht sich auf eine bei PliniuS IX, 63 erhaltene Stelle des Cornelius Nepos, wo dieser erzählt: „da ich „Jüngling war, war der violette Purpur im Anschn, von dem daö „Pfund hundert Denare kostete, und bald darauf der rothe tarcn- „kinische. Diesem folgte der doppeltgcfärbte lyrische, der nicht für „tausend Denare das Pfund gekauft werden konnte; ihn gebrauchte „zuerst P. LentuluS Spinthcr als Acdil au der Präterta, was als „ÄiruS getadelt wurde." -) Cs ist also gar nicht von drei Gattungen die Rede, unter denen „in Bezug auf den Werth im Altcr- thum unterschieden wäre", sondern nur von drei zu einer bestimmten Zeit in Rom angewandten Arten, während natürlich jede der vielen Gattungen und Variationen auch nach Maßgabe des ursprünglichen Stoffes und der mannichfaltigcn Zubereitung einen verschiedenen Werth hatte. Von der einen Art meldet uns der Herr Itr. auf einen Ausspruch Cicero's gestützt, daß sie „dnukel, gemein und wohlfeil" gewesen. Auch diesen hat er nicht verstanden. Cicero erzählt von seinem politischen Gegner Piso, daß er, obgleich heimlich allen Schwelgcrcien ergeben, äußerlich sim Gegensatz zu dem eleganten Gabinius) die strengen, rauhen Sitten, das aller Klciderpracht fremde Acußcre des ächten alten Republikaners zur Schau trage. 1) (lonill. ch^.1. Z, 10. I, 175 Lclwjitm: TlttNkik 70N «i/ks . . ?snuo in lilirns Oonnlii inillo >>l»n oini. lino 1^. I^on!n- Ins Hj»inluoclüis ouinlis siiiinus in jirttolexln nsns iinji» — 43 — Er sagt: „seine Kleidung erschien streng, indem er diesen unscrn plebejischen und fast schwärzlichen Purpur trug".') Hr. Clemens folgert hieraus einen „gemeinen und wohlfeilen", einen „plebejischen Purpur" überhaupt, den also gemeine Leute iu „dürftigen Verhältnissen" trugen. Tiefe Auslegung zeigt, daß er selbst sich in dürftigen Verhältnissen in Beziehung auf gewisse, sonst zu jeder gelehrten Bildung für nöthig erachtete Gymuasialkenntuissc befindet. Wie Piso, der Cvnsul, Purpur trug und wer damals in Rom überhaupt Purpur trug, ist doch wahrlich kein Geheimnis;. Cicero meint unter „diesem unfern Purpur" den Intus vlnvus, den Pur- purstrc scu, den die Römischen Senatoren, also doch nur die Vornehmsten und Reichsten des Staates, als Amtsauszeichuuug an ihren Tuniken trugen, und er nennt die „fast schwärzliche" Sorte, d. i., wie wir aus den Worten des Ncpos sehen, den violetten, mit ironischer Beziehung auf den vor 7 Jahren (denn die Rede ward 56 v. Chr. gehalten und P. Lentulus Spinther war 63 Aedil) aufgekommenen und damals gcmißbilligtcn lyrischen, oder auch auf den schon gewöhnlich gewordenen tarcntinischcn einen plebejischen, was nichts weiter sagen will, als daß er der ordinärste, aber natürlich immer nur der ordinärste der ausgezeichneten Stände war. Wenn Hr. Cl. nun von dem Scinigen ohne Weiteres hinzusetzt „er war wohlfeil", so ist dies eine, jedoch keineswegs absichtliche, sondern offenbar unabsichtliche, weil lediglich aus Unwissenheit hervorgegangene Entstellung des alten Zeugnisses, denn eben aus jener Stelle des PliniuS (die nur Braun nicht vollständig mitgcthcilt hatten Uro övxt. 8. Vestilus nsper nosten lux! purpurn plvbvia nc pnunu i'nson. Ivrrnr. III, Ig: Vv purpurn llievro cnpivnclus est, gunu pruvtvxtne in extreum urn tuuivnegue Lennlorum et eguilui» ncl pe- etus per elsvos Intiores et l>n„ustiures iuclebnlur. plvbeini» (iceru ne pneue kusenin nppeilut, tpiuü VN ip-iv cum vuIZo Senator!»» et Lglli- lnin uielintur III, 7 I uusirnln vucnt, gliocl ncutn et Ilorente (leli- entiurvs tune uivbantur. (Innre I'isn, gui j-rnvitntenl et nnsteritiltvni ulleetulnil, ei> purpurn utvbntilr in pinvtextn ue clnvo, »e guis sulll- nie!, tvluni I'isnills vestiinni lüisse purpurvulli. ck. .>.»nl. 4li. b'crrnt. II, II. p. I!lö. Doch läßt sich wohl nicht ans de»! nustrn mir lolcher Gewißheit schließen, daß auch Cicero selbst diesen Purpur trug, wie Fcrrarius es thnt biuslrn könnte, llild dies ist sogar wahrscheinlicher, bloß heißen dieser unser althergebrachter, nun aber ans der Mode gekommener splebein). NachNcpoS wäre nämlich der tarcntinischc der gewöhnliche gewesen, womit stimmt, daß Plntarch anch an dem jün- gcrn Cato (Cap. 6) den Gebrauch des violetten Pnrpnr hervorhebt, und so könnte sich Cicero des tarcntinischcn bedient und doch nostrn gesagt haben. Für unsere Sache bleibt beides gleich. - 44 - kennen wir ihren Preis; sie war allerdings relativ wohlfeil, da sie nur auf den zehnten Thcil des Preises der Tyrischen kam, aber daS Pfund mit ihr gefärbter Wolle kostete immer doch l00 Denare, d.i. etwa zwei und zwanzig Thaler unseres Geldes, und ob mau dies wohlfeil nennen könne, möge Hr. Clemens, nachdem er den Sachverhalt kennen gelernt hat, selbst znsehn. Da er nun aber hinzusetzt: //Warum sollte nun Christus und wenn wir auch seine äußern Verhältnisse so dürftig anschlagen, als möglich, keinen //plebejischen Purpur" getragen haben können?" so wollen wir ihm einmal vorrechnen, wie hoch eine mit diesem Purpur gefärbte Tunica von der Größe der Trierer Nockes damals zu stchn gekommen wäre. Wir legen der Berechnung folgende Elemente zu Grunde. Der Trierer Rock ist nach Masenius (f. Marx S. 141) lang 5 Fuß 1 '/z Zoll, unten breit 3 Fuß 7 Zoll, oben mit den Aermcln breit 5 Fuß 4 Zoll; jeder Aermcl ist 1Fuß lang, 1 Fuß breit. Dies gicbt dem dazu gebrauchten Zeuge eine Größe von ziemlich genau 36 Quadratfuß oder 9 Quadratellen. Von einem sehr dünnen wollenen u/a breiten Zeuge waren, wie die gefällige Mittheilung eines Technikers lautet, 80 brabanter Ellen ') gewebten oder 76 Ellen gewalkten Stoffes aus 45 Berliner N Garn oder 70 T roher, ungewaschener und ungereinigter Wolle gewonnen. Von einem mittelmäßig dicken Pf, breiten Zeuge waren 60 Ellen gewalkten 80 noch nicht gewalkten) Stoffes aus 70 T gesponnener Wolle -- 100 K roher Wolle verfertigt. Im erstem Falle gicbt also ein Berliner T roher Wolle2^/,nc>, im letztem 1^/,oo Quadratelle Gewebe. Die Quantität des Farbestoffs, welche die Purpurwolle eingesogen hatte, ist verhältnismäßig sehr bedeutend (vgl. Schmidt S. 124. 129), daher die gefärbte Wolle viel schwerer sein mußte, als die rohe. Man hat das dreifache, Schmidt (S. 162) das doppelte Gewicht angenommen. Wir können bei unserer Berechnung daher nicht das Gewicht des Garns zu Grunde legen und handeln gewiß 1) Mascnins hat sciu Maß nicht genau bezeichnet: da es überhaupt »nr ans eine ungefähre Bestimmung ankommt, so reicht die annähernde Annahme hier wie in den andern Fällen ans. billig, wenn wir daS Gewicht der gereinigten, aber gefärbten Wolle dem der ungereinigten, rohen gleichsetzen. Das römische Pfund wog nach den neuesten Untersuchungen ') 6165 Par. Gran, das Berliner wiegt 8895, folglich ist ein römisches Pfund ungefähr Berliner gleich, und aus ihm konnte von dem erstem Stoff 1^/i,>», von dem zweiten Quadratcllcn gewebt werden. Zu 9 Quadratcllcn waren also im ersten Falle etwa 6'/z, im zweiten 19 T Wolle erforderlich. Der römische Denar der Republik war, wenn wir abermals die Berechnungen Bocckhs annehmen, 6s/z Silbcrgroschcn Werth, folglich 199 etwas über 22 Thaler Pr. Cour. Ein Gewand von der Große des Trierer Nockes hätte also von dem sehr dünneu Stoff 139 Th., von dem dickern 229 gekostet. Wenn nun zuletzt noch in Anschlag gebracht wird, daß der intensive Werth des Geldes damals größer war, als jetzt, so dürste allerdings eine solche Summe auf ein einziges Hemd von diesem wohlfeilen Purpur zu verwenden, als ein ziemlicher Luxus erscheinen und sich weder mit möglichst dürftigen Verhältnissen, noch mit dem oben S. 38. aus den Evangelien Zusammengestellten sonderlich reimen, dagegen aber zeigen, wie Christus Luc. 16, 19 einen übermiithigen Luxus mit den Worten ,/er kleidete sich in Purpur und Bpssus" zeichnen konnte. Gegen unser Argument, daß die Bekleidung mit dem Purpurmantel widersinnig wäre, falls Christus schon vorher in diese oder auch nur eine ähnliche Farbe gekleidet war, borgt Hr. Clemens den armen „kritischen Schneidern" einen Einwand ab. Christus seien vorher die Kleider ausgezogen worden. Wohl, aber es kommt lediglich auf den Abstich des Purpurs von seiner sonstigen Kleidung an, und dieser bleibt der nämliche, mochte man ihm die Kleider vorher ausziehn oder nicht. Eine ungereimte Verdächtigung der „kritischen Schneider" ist, uns sei die vorherige Entkleidung unbekannt gewesen. Wenn aber sie und Hr. Clemens sich die Vorstellung machen , Christus sei aller Kleider beraubt worden, so ist daS der Sache ganz unangemessen. Denn um ihm einen andern Mantel umzuhängen, mußte man ihm allerdings den scinigen abnehmen, keineswegs aber die Tnnica ausziehn, um so mehr als die ChlamyS 1) Beeckh inctrol- Untcrs. S. 165. 2j Daselbst S. VII. 452. den halben Körper unbedeckt ließ. ') Die Herren haben wohl den Gebrauch des Wortes nicht gekannt. Verlangt übrigens Hr. Clemens noch eine „nähere archäologische Bestimmung für die Farbe des Kleides Christi", so ist die überwiegende Wahrscheinlichkeit allerdings, daß es weiß gewesen. Denn dafür spricht nicht bloß die Analogie, vgl. z. B. Koh. 9, 8, sondern es ist auch in der Stelle Marc. 9, 3: „seine Kleider wurden glänzend, weiß wie Schnee, wie kein Walker auf Erden weiß machen kann", offenbar die Voraussetzung nicht, daß die Kleider farbig gewesen und weiß geworden, sondern der Gegensatz liegt in der geringeren und höchst möglichen Weiße; wir wissen aber unter andern aus den Trierer in unserer frühern Vorrede mitgetheilten Gesängen', daß Christus die ungenähte Tum'ca auch damals trug. Hiernach möchte eher Hn. Clemens der Beweis, daß sie farbig war, obliegen. In Bezug auf den Stoff des Trierer Nockes hat die neueste, „überaus sorgfältige" mikroskopische Untersuchung kein Resultat geliefert. „Der Stoff ließ sich durch die Einwirkung der Zeit nicht mehr erkennen" berichtet Hr. Clemens S. 194. Man kann eben nicht das richtige Verfahren eingeschlagen haben. Vcrmuthlich, da nichts Näheres angegeben wird, hat man sich begnügt, den Rock durch ein Vergrößerungsglas zu bcsehn, wobei denn freilich die Fruchtlosigkeit so schlau angestellter Prüfungen nicht zu verwundern bleibt, während zn solchen Dingen ein zusammengesetztes Mikroskop 1) S. z- B, blonlkancon I'.ämignitv exgliguee III, 1. Tafel II. 13. 14. 2) Der Plural findet sich nämlich in der biblischen Sprache häufig gebraucht, wo bloß das Obcrklcid gemeint ist. So versteht es sich z-B. von selbst, daß das Kleid, welches Joseph in den Händen der Frau des Potiphar ließ, das lose umgeschlagene Obcrklcid war, wie auch der hebräische Tert hat; die Ixx aber rü 1. Mos. 3g, 12. 13. 15. 16. 13. Matth. 24, 18 heißt es: wer ans dem Felde ist, kehre nicht zurück sein Kleid rst zu holen; man arbeitete abcrauf dem Felde nicht nackt, sondern in der Tnnica, und hatte dos Obcrklcid abgelegt. Daß dies die richtige Erklärung sei, zeigt Marc-13,16 wo t-isir-o-- steht- Dies ist in einigen Handschriften in den Matthacns übergegangen, wie ein Eregct richtig bemerkt, durch einen zcloln« g»i »sum plnrnlis -rt» iAnoraret. Joh- 13, 4 legt Christus rü ab, um den Jüngern die Füße zn wasche»; auch hier kann nur das Oberkleid Verstanden werden. So blutlizmi, /iegm, i „g Auch Joh. Isi, 23 gehört hierher; Vgl- Lücke zn dieser Stelle, und überhaupt Lasaub. blxsro. XVI, 25 p. 495. von ctwci vl 'crhnndcrtmalüzcr Ncrgrößermi.z IN der Llin'o und außerdem vorherige Kenntnis? oder Geübtheit in Unterscheidung der Stoffe erforderlich ist. ') Wir hatten auf das Zeugnis nicht bloß einiger, wie Hr. Clemens gern glauben'lassen möchte, sondern aller uns damals bekannten Augenzeugen^) annehmen müssen, daß der Nock 1) Es ist in neuerer Zeit auf diese Art möglich gewesen, die alte Streitfrage, ob die ägyptischen Mumienbandagcu Leinen oder Baumwolle seien, zur Entscheidung zu bringen. Zwei englische Gelehrte, Urc (IRilnsopl,^ al'älnnnl'notnros. S. 95) und T h o m p s o n (En Il>>> NONN- ,nz' olutl, »k bl>-z'pl.) hatten ausgedehnte mikroskopische Beobachtungen über die Gestalt beider Stoffe angestellt, und gefunden, das? unwandelbar die leinene Fiber cylindrisch, transparent nnd rohrartig geknotet, die baumwollene dagegen als ein plattes Band mit einen, Saum an jeder Seite erscheine. Vgl. kVillcinson ,Vinnners nnd (nistoms <>k tlie nncient bl^zgitinns III, 115 Bei thicrischen Stoffen, Haaren, Wolle find, wie der Vf. ans eigner Anschauung versichern kann nnd kein Kundiger in Abrede stellt, die Unterschiede des Bans noch manuichfaltigcr, charakteristischer »nd bestimmter. Man brauchte nur ein kleines Thcil- chcn des Rocks, wie sich deren „durch Erschütterung von selbst loslösen," nur ein Fcidchen, wie deren nach Ney S. 15 nuten am h. Rock herabhängen, unter ein solches Mikroskop zu bringe», und konnte, nach gehörigen Vorstudien über die Natur der verschiedenen Stoffe, ans der Stelle das Richtige erkennen. Hr. Clemens wendet ein, bei einer ägyptischen Tunica, die in de» Vköm. de >5Vend. des Inscr. V. Ilist. p. 65 beschrieben ist, „habe selbst die genaueste Untersuchung nur crmit- „tcln können, daß der Stoff dazu vom Thierrcich genommen sei, jedoch „dahin gestellt sein lassen müssen, ob er aus Schafswollc oder ans Gei- „sen- oder Kamcelhaaren bestehe." Es ist der Mühe Werth, die Ori- ginalstclic herzusetzen- HUmnt n Icn,r natura, los clnmisles nnt re- bann», nne i'elalke saune de >a tunigue öloit ile innliere animale, mnis snns pouvair deeidor si eette inatiere provenoit de In brelns, ko?/ 701/10 /kS-ä»/ 70 >./>uy, aber nie ein Dies ist daS chaldäische Wort Kilian, welches in die ncuhebräische Sprache übergenommen war und nur von dieser spätcrn Mischsprache redet Jo- sephus. Einige Zeilen weiter sagt er ganz ähnlich von dem Gürtel, Moses habe ihn abnnl genannt, "wir aber nennen ihn mit einem von den Babylonicrn gelernten Worte ch«/«,-", welches in der That das chaldäische ist. Auch darin zeigt sich Joscphus Behauptung als falsch, daß kullonol nie eine Avscctivbildung von Kilian sein kann. Die sprachgeschichtliche Betrachtung des Wortes zeigt nun, daß vielmehr das Gegcnthcil wahr ist, daß die ursprüngliche Bedeutung des Wortes nicht Leinen sein kann. Denn dann wäre es unerklärlich, daß es in den alten Sprachdenkmälern sollte gleichsam sorgfältig vermieden und durch eine Reihe anderer Wörter ersetzt sein, so wie, daß es sich nur in einem der semitischen Dialekte, dem aramäischen, findet; denn selbst im Arabischen, in daS es aus dem Aramäischen aufgenommen ist, war es nach dem Zeugnis der einheimischen Grammatiker ein Fremdwort. Jndeß ist auch der positive Beweis dafür zu führen, da das im Hebräischen verloren gegangene Stammwort im Arabischen und Acthiopischen erhalten ist und hier Bedeutungen zeigt, welche die Möglichkeit einer denomi- nativen Ableitung ausschließen. Es crgicbt sich nämlich als Urbe- griss anhangen, ankleben, von Ruß, Flecken, Farbe gebraucht, bedecken, verhüllen u. s. w>, so daß kuilnnvt ursprünglich das dem Körper zunächst anliegende Gewand bezeichnet haben muß. Die arabischen und äthiopischen Worte sammt den nöthigcn Beiz Hn. Clemens viclbclobter Gewährsmann. Braun, de vest.sac. p, 457. meint sogar: sed valde dudito, utrum ilia revora sint verba losechi!, annon potius preist» kuerint ad aügno tiraeeuia seiolo, cpu vaids amant in vocibus doc modo ludere. Aehnlich Schröder Vest. ÜInI. p. 237. 2) Die Mischna hat einmal, Kelim 2ti, 5, liimän für Leincnarbcitcr (dir Ucbcrschung bei Surcnhusins ist falsch); sonst gebraucht sie für Leinen die hebräischen Wörter, besonders pisdlim und das neu gebildete pisdtan. 3) Vgl. Schröder a. a- O. — 51 — legen hier abdrucken zu lassen, halten wir für zwecklos; der Hr. Philosoph, der mit solcher Sicherheit unsere Kenntnisse in einem Fach zu bcnrthcilcn weiß, zn welchem Vcrständniß dieser Sprachen ein unentbehrliches Ersordcrmß ist, würde sie nicht einmal — lesen können. Sonach kann die Bedeutung Leinen erst von der Bedeutung Gewand ausgehn, und nicht zufällig ist es, daß dieser Ucbergang sich gerade auf aramäischem Sprachgebiet zeigt, denn an den Babylonicrn wird hervorgehoben, daß sie leinene Unter- und wollene Obertunikcn getragen. Hieraus ist nicht zu schließen, daß diese Art von Kleidern ursprünglich oder immer oder auch nur vorzugsweise von Leinen gewesen sei; wenn man auch uicht zn allen Tuniken Leinen nahm, so diente andererseits das Leinen nicht leicht zu andern Gewändern z. B. zum Obcr- kleid, welches unbestritten überall von Wolle war. Aus demselben Wort hat sich in späterer Zeit, als die Baumwolle allgemeiner wurde, im Arabischen weiter das mit der Wurzel leutunu nicht zusammenhängende linUm sür Baumwolle gebildet; wer darausschlösse, daß „in früheren Zeiten die baumwollene Tracht die allgemeine" gewesen sei, würde irren, jedoch nicht mehr, als wer das Gleiche von der Leinwand folgert. Es liegt übrigens auch in der Natur der Sache, daß wollene Kleidung, vor allem bei einem Nomadcn- volkc, wie die Hebräer zuerst waren, die ursprüngliche war. Die sehr zusammengesetzte Bereitungsart des Flachses kann erst eine spätere Erfindung sein, und ein historisches Zcugniß dafür haben wir an dem neuerlich bei Hovard Vpsc's Untersuchung der Pyramiden entdeckten Grabtuch deS alten ägyptischen Königs Myccrinus, das von Wolle ist, während es feststeht, daß die Leichname bei den Aegypten: aus religiösen Gründen nur in Leinen gehüllt werden dursten, und das folglich nothwendig vor die Erfindung des Leinens fällt. Die Stelle des Hcgesippus, die wir angeführt, giebt unfern Gegnern ebenfalls Stoff zu Einwendungen. Wir wollen dieselbe ihnen 1) Hcrod. I, 195. Strabo XVI, 1, 2l). 2) Uni ein ähnliches Beispiel anzuführen, erinnern wir daran, daß das Wort Pallium, welches im Altcrthum ein Oberkleid heißt, im mittelalterlichen Latein, wie daö daraus entstandene mittelhochdeutsche P feilet (vgl. Wackernagcls und Ziemanns Wbb.I, einen bestimmten seidenen oder baumwollenen Stoff bezeichnet. Viele Belege finden sich bei Dncange- Es gab aber natürlich viele Pallien von anderm Stoffe, und dieser war sogar weit entfernt, der ursprüngliche des Palliums zn sein. ausführlich crplicircn, und setzen sie zuerst ihrem Wortlaute sbci Eusebius KGsch. Ii 23) nach her, indem wir auch den Satz, in welchem sie Hr. Clemens S. 12 aus gutem Grunde abgebrochen, vollständig geben: „Jakobns, der Bruder des Herrn, war von Muttcrlcibc an „geweiht. Wein und starkes Getränk genoß er nicht und aß nichts, „was Leben gehabt hatte. ') Kein Schecrmesscr kam auf sein Haupt, „er salbte sich nicht mit Oel, noch gebrauchte er ein Bad. Ihm „allein war es erlaubt, das Hciligthum zu betreten, denn er trug „nicht Wolle, sondern Leinen, und er allein ging in den „Tempel und man fand ihn dort auf den Knicen liegen und Verleihung für das Volk erstehen, so daß er Schwielen an den Knicen „wie ein Kamcel bekam, weil er immer betend auf den Knicen lag „und dem Volk Verzeihung nachsuchte." Wir hatten gesagt: Hcgcsippns hebe es als etwas besonderes bervor, daß Jakobus keine wollene, sondern leinene Kleider getragen, und daraus geschlossen, daß wollene Kleidung auch in Palästina die der Männer gewesen sei. Hr. Hr. Binteriin meint dazu S. 48: „Die Prof. beziehen „sich auf eine Stelle deS Hcgcsippus, die sie in ihrer hohen „Weisheit nicht verstanden haben. Sie sagen, Hegcsippus hebe „als etwas besonderes hervor, daß Jakobus keine wollene, sondern „leinene Kleider getragen. Allein Hegcsippus sagt dies von Jako- „bus, weil er ihn als einen levi tischen Priester darstellt, der nur in leinenen Kleidern die amtlichen Verrichtungen „ausüben konnte." Hcgcsippus beschreibt den Jakobus vielmehr als Nasiräcr und zwar so, daß die Ausdrücke für das eigentliche Nasiräatsgelübde wörtlich mit den griechischen Törten von 4 Mos. 6, Richter 13, 4 ff. Luc. l, 15 stimmen. Was hier mehr erwähnt ist, die Enthaltung von Fleisch, Bädern, Salben kann Schärfung des Gelübdes oder Nnkcnntniß des Schriftstellers, oder, wie Giescler meint, von spätcrn Ebioniten nach ihrem Ideal eines christlichen Asketen gefabelt sein. So viel ist sicher, daß davon nichts auf einen „lcviti- 1) Hr. Clemens: „noch aß cr von Lebendigem." Das wäre auch ein eigner Appetit gewesen. 2) Kirchengcsch. I, 91 der 2. Ausg. — 53 — scheu Priester" — gab es denn anch etwa nichtlevi'tische ? — paßt. Die Priester durften ihr Haar scheeren, Wein trinken, Salbe gebrauchen, sie waren auf das Opferfleisch angewiesen und dursten nicht bloß, sondern mußten sich baden (3 Mos. 22, 6). JakobuS als Bruder des Herrn war ans dem Stamm Juda und konnte somit weder Priester sein, noch nach Hcbr. 7, 13 sc etwas mit dem Al- tardicnst zn thnn haben. Daß er endlich im Tempel amtliche Verrichtungen ausgeübt, sagt Hegcsippus nicht, sondern dieS seht Hr. Binterim zu, der also Wohl nicht weiß, daß auf Ausübung priester- lichcr Functionen von Seiten eines nicht dem Geschlecht Aarons Angehörigen Todesstrafe stand. 4 Mos. 3, 19. 35. 16, 49. Daraus crgiebt sich, wie weit Hr. Binterim befähigt war, über daS Verständnis dieser Stelle zu urthcilcn. Von ihm lernen wir abermals nichts, als daß die Jusolenz die natürliche Tochter der Ignoranz ist. Anders die gelahrten Herrn, die das eoblcnzcr Buch zu Stande gebracht haben. Leinene Kleider seien eher ein Zeichen der Strenge, „denn der heil. Jakobns war von jeher stets wegen seiner außerordentlichen Strenge berühmt." Das naive „von jeher stets" zeigt, welche Helden wir vor uns haben: was man von der Askese des Jakobus weiß, beruht allein auf dieser Nachricht des HegcsippuS, welche alle Späteren, zum Tbcil abenteuerlich ausgeschmückt'), wiederholen, so daß sie alle nicht mehr beweisen, als er allein. Von ihnen hat sich Hr. Clemens S. 12 dies Argument angeeignet"), um so 1) So fügt in dcr That der heilige Epiphanias Iinor. 2? mg i>mv. hinzu, er habe nach Weise des jüdischen Pricslcrtbums pricslcriiche Functionen geübt, so wie Imor. 78 p. 1U45>, er habe das goldene Stirn- biatt, welches zur AmtSkieiduug des Hohenpriesters gehörte, aus dem Kopfe getragen, und der heilige Chrvsostomns !>»n>. in ülnuli. 5; VII, 78 illantl', sagt gar, seine Stirn sei von dein ewigen Beten so voll Schwielen geworden, wie die Knice eines Kamccls. 2) Die „kritischen Schneider" schieben uns die Meinung zu, anch in Palästina habe dcr Gebrauch des Leinens für Weichlichkeit gegolten. Unsere Worte: „dieses Vcrhältniß" bezogen sich lediglich ans das that- sächlichc, daß Männer durchgängig wollene Tuniken, Frauen und etwa noch Priester leinene getragen, wie schon daraus zn sehn war, daß dies ja sonst ein Grund zn „voller Gewißheit" gewesen wäre. Hr. ElcmcnS äußert sich wenigstens, wie billig, zweifelnd: und hatten wir dws Mißverständnis; vorher gcschn, wäre cS leicht durch einen bestimmteren Ausdruck abzuschneiden gewesen. Ein ähnlicher Fall, dcr oben überschn ist, trat bei nnscrni Citat ans Jos. VII. 8. 1. Seite 2 ein. Es sollte hier bloß gezeigt werden, daß schon die Alten diesen Grund ausgesprochen — 54 — schlimmer, da er doch den griechischen Text vor sich gehabt hat. In diesem steht das Wort erri'öörx?, welches zunächst seine Leinwand bezeichnet, und also unmöglich von Hegesippus gebraucht werden konnte, wenn er ein Beispiel von der harten Lebensart des Jakobus unsichren wollte. Ucberhaupt aber ist Leinen nie ein Askctengcwand im Orient gewesen; solche, die sich durch strenge Lebensart auszeichnen wollten, trugen, wie wir namentlich bei den Hebräern wissen, Kleider aus Kamcel- oder Ziegenhaar, welcher letztere Stoff sonst nur zu Zeltdeckcn und dergl. diente, oder Wolle, wie z. B. die spätern Susi. Den syrischen Mönchen und Nonnen war es strenge verboten, Kleider aus einem andern Stoff als Wolle zu tragen, wie sie ganz dem Hegesippischen Begriff von Askese gemäß keine Bäder gebrauchen und kein Fleisch essen dursten, ch Der Bischof Astc- rius von Amasea sagt in einer Predigt: „Gott hat den Schafen „die Wolle ancrschaffen; aus dieser laß dir einen Chiton und einen „Mantel machen, um dem Ungemach des Winters und der Qual „der Sonnengluth zu cntgehn; bedarfst du aber selbst ein leichteres „Kleid für die Zeit des Sommers, so hat Gott zu größerer An- „nehmlichkcit (»s den Gebrauch des „Leins geschenkt, so daß du von ihm leicht ein zugleich anständig „verhüllendes und wegen seiner Leichtigkeit wohlthucndes Kleid gewinnen kannst." -) Auch hier erscheint Leinen nicht als gewöhnliche Kleidung selbst im Sommer, sondern nur zugegeben, als zu größerer Bequemlichkeit gereichend. Ohnehin zeigt der Zusammenhaben. Hr. Clemens S. 17 weiß vcrmuthlich nicht, daß es Sitte ist. wenn man nur einen Thcil eines Citatcs gebraucht, die betreffenden Worte hervorzuheben, und dadurch anzuzeigen, daß auf den übrigen Inhalt der Stelle hier nicht Rücksicht genvinincn wird. Die hervorgehobenen Worte sind hier nun der Zusatz, die Erklärung des JvsephuS zu der alttcsia- mcntlichcn Stelle, und daß wir sie hervorhoben, zeigt eben, daß wir das Ucbrigc nicht zum Beweis nnscrs Satzes anführen wollten. Ans jener über eine sehr frühe Zeit refcrircnden Stelle sehen wir übrigen die allmähliche Bitdung der Sitte, damals verhüllte man nur dieZnngfrancn ganz, die verhcirathcten Frauen hatten größere Freiheit, und erst später ward die vollständige Verhüllung allgemein. Die „öfters wiederkehrende Ungenanigkcit" liegt daher nicht in unserer Beweisführung, und wir geben mehr zn, als wir schuldig sind, wenn wir gern unserm Ausdruck in diesen Fällen die Schuld beimessen, nicht auf alle möglichen und unmöglichen Mißverständnisse und Einwürfe Unkundiger im Voraus Rücksicht genommen zu haben. 1) ^.ssemnni Ilitil. Or. ll, ckiss l, 7; u, I. II, 433. III, 2,337. 2) ^slorii Istmra vcl. tsombelis. lbiov. uncl. pntr.) p. 3. — 55 — hang, daß Hcgcsippus damit keineswegs irgend die Askese des Jako- l'Us schildern will, sondern es lediglich gebraucht, um damit seinen Zutritt zum Tempel zu erklären. Der Causalzusammcnhang, in welchen Hegesippns beide Umstände seht, ist nun zwar kraus genug, und hat vielfach Anstoß gegeben. H Ucberhaupt sehen unsere Leser schon an den Kameelschwielen, welchen Schriftsteller wir vor uns haben, und es kann daher nicht unsere Aufgabe sein, die Notiz zu rechtfertigen , sondern lediglich das, was Hegesippns sich dabei gedacht hat, zu entwickeln. 1> Z. B, 'klllemont klöm. I, 1133 (der brüsseler Ausgabe von 1706): IloAeslppo dir gu'II droit permis !> 8uint kugue seul d'entrer duns lo llon 8ul»t; pure« gn'il no portolt Point de luine, inuis senle- inent de In toilv. (leite est usse?, obscure I.v U. lialluix ninie nckenx dire guo ne signilie rien en cet endroit, an gu'il on duit etre aste, .II kaudruit peut-elre >e cliunAer en Kluis nssurement duns lo grec des Syriens, töl purnit elre eelui d'IIeZesippe II kaut peu s'urroster » ces sortes de purtieuies. Man ficht, in Handhabung der griechischen Partikeln hat Hr, Clemens Vorgänger. 2) Bekanntlich ist die Stelle des Hegesippns vielfach in verschiedenem Sinne erörtert worden. Sealiger nil cbron. biuseb. p. 176 griff sie mit scharfer Kritik an, und gebrauchte dabei unter andern folgende Worte, die noch ganz auf heutige Zustände passen: Kalo esse xir-ems- Skr? eervicosos, gui I>ueo tum crassa detendnnt. I'ro- ptereu uns en praduxinius, ut nl> l,»i»s,nodi prneposterorum putro- nornm muledioa et virulent» eontninnein caveatnr, gni guum Iiaec leAunt, siguidem intelli^unt, leetores eoruni neu »dlnonent, si neu intelli>-unt, 'inigue putluntur nli »Iiis nionerl. Petavins sehte ihm eine Widerlegung entgegen (nd kipipli. I>. 78 p. 332 Cöln 16821, in welcher er jedoch nicht umhin konnte, zu gestehen, daß Ilnwalusebeinlich- kcitcn darin enthalten seien (Ken dilliteor nonnnllu vel na Ile^esipoo proditn vel ab nliis insert», gune purnn, prokuliilia videntur.) Ein anderer Gegner war unter den Katholiken Arnand, der in einer in Tlllcinonts zweite Altsgabe aufgenommenen Abhandlung (ihr Inhalt steht bei I-nmper Ilist 88. I'atr. Vind. 178(1. III. p. 116) den Widersinn eben so gründlich als Scaliger bloß legte und Tillemont zu seiner Ansicht herüberzog. So haben sich denn auch andere katholische Kirchcnhistorlkcr geäußert. D» 7°», llild I, 55: l» inuniere donl II ruppnrle le martere de 8. luccpies approelie plus de lu luble gne de l'liistaire 8acccrret?»s: Illst. ecel. Rom. 1772. II, 163, 164: guuk cum loseplii Iiistoriu concilluri neu possunt, uti falsa reilei- INNS; . . . luoobuin in^redi pro urbltrio potnlsse in templi snnetu, nee tseile credlnms nee probublle lndicamus. Döllinger KGesch. I, 11., Ritter I, 76 der 2. Aufl., Hortlg I, 55 verwerfet! seine Erzählung gegen die des JosephuS. Lochcrcr I, 151 sagt ausdrücklich: der gezierte und mit llnwahrschcinlichkcitcn angefüllte Bericht des Hegesippns läßt befürchten, daß er von ihm aus einer sehr trüben verdächtigen Quelle anfgesaßt worden sei. Noch bestimmter drücket, sich Pro- — 56 — Das Tragen der Leinwand ist der Grund, wcßhalb Jakobns in das Hciligthum gehn darf; zugleich aber darf nur er allein in den Tempel gehn, folglich hat auch nur er allein Leinwand getragen, im Gegensatz zn allen andern, die also getragen haben müssen, was er nicht trug, Wolle. Umgesetzt würden die Worte des Hegesipp: „er allein durfte in den Tempel gehn", u. s. w. lauten: die Andern durften nicht in das Heilige gehn, denn sie trugen nicht Leinen, sondern Wolle. Hegesipp, der über achtzig Jahre nach Zerstörung tcstante» ans, z.B. Clerimis Ilist. eool. iar. pr, snaoul. —19, blosboiii, Ue robns Oboist. ante Onnst. p. 9-1—96. llainicbo» !>(1 Lnseb. II, 23. Starck Gcsch. dcr chrlstl. K, des ersten Jahrb. II, 167 nieintc: Indessen scheint doch diese Erzählung nicht von Hegcsippo gänzlich erdichtet, sondern ans einen! hcbr. Original, das aber darum nicht besseres Ursprungs gewesen und einen sehr dummen Lügner zum Verfasser gehabt, hergenommen zu sein , und Stroth zu Enses, a. a, O.; Wer hier Zusammenhang und Menschenverstand vermißt, der rechne es dem Nebersctzer nicht zu: wo keiner ist, da läßt sich keiner hercinschie- ben. Es würde unnützes Papierverderbcn sein, über alles abgeschmackte dieser Erzählung, welche eher der Erzählung eines alten Weibes, als eines vernünftigen Mannes ähnlich sieht, oder welches eincrlep ist, die ganz jüdisch ist, zn glossireu, — In neuerer Zeit hat man freilich diese Fabel vielmehr zu erklären als zu rügen versucht, z. B, Gicseler a. a. O„ und Credner Eiulcit, in das N. T. I, 677 hat sogar wenigstens dcr Chronologie des Hegesipp den Vorzug vor der des Joscphns gegeben, und mit subjektiver Kritik und willkührlicher Beseitigung der widersinnigsten Nnständc ein einigermaßen zusammenhängendes Ganze zu bilden gesucht, lieber »nsern Umstand wird mau die richtige Erklärung nur linden, wenn man von BanrS scharfsinniger Auseinandersetzung des Verhältnisses, in welchen, Jakobus den späten, Judenchristcn erschien, (Ursprung des Episcopats S, 1291 ausgeht, Jakobns ist ihnen der eigentliche Nachfolger und Stellvertreter Jesu, und wie Christus die lwhenprnesierljche Würde hat, so übt diese nun auch JakobnS, Den Ausdruck res den die neuen, Apologeten Hegcsipps, um ihn nicht etwas z» stark Aufgetragenes sagen zn lassen, bloß von dem Heiligen nehmen (z, B Grabe Spiml. I'!'. Kuno, II. I, 252 u, die schon angeführten», haben die Kirchenväter, Epiphanias, Hieronymus, Rusinus offenbar richtig von dem Allerheiligsten verstanden — denn so steht das bloße --- Hebr, 9,25 — und wahrscheinlich hat auch der Meta- phrast (l'nmlmlis, ,Vrmt, pnto, I, 524) de» eigentlichen Sinn Hegesivps gesehu, indem er ihn nicht, wie die genannten Väter, einmal ,m Jahr, sondern immerwährend hineingchn läßt. Das hohcnpricsterliche Amt ist aber gerade, in, Allerheiligsten die Verzeihung den, Volke zn erwirken, und so wurde dies auf Jakobus , den Nachfolger des währen Hohenpriesters, übertragen, den, nunmehr, nachdem Christus die alte Bc- »chränknug gebrochen, das Hciligthum immer offen steht. 1) Hr, Clemens sagt S, 11 : „Bemerkt es HegcsippnS als etwas Besou- „dercs, daß Jakobus keine wollenen, sondern leinene Kleider getragen, „und war die leinene Kleidung Kleidung dcr Priester, so folgt hier- „aus, daß Jakobus kein Priester war, denn sonst wäre seine Tracht nichts des Tempels schrieb, hat richtig gewußt, daß die Priester im Hcst ligcn, der Hohepriester im Ailerheiligstcu nur eine leinene Tunica tragen durften; er hat auch noch ein richtiges Bewußtsein des religiösen GrundeS dieser Vorschrift gehabt, nur freilich ist die dadurch veranlaßte ursächliche Verbindung ganz verkehrt. Er konnte aber auf diese nicht kommen, wenn es damals in Palästina irgend gewöhnlich gewesen wäre, daß Männer Leinen trugen, und für diesen Umstand, als für welchen er nach dem Augenschein berichtet, bleibt sein Zeug- niß, mag es übrigens darum stchn, wie es will, gültig. Es kommt in seinen Worten allein auf das »rix cgroüft an: er trug nicht Wolle; der Sinn der übrigen ist für unfern Zweck gleichgültig. Und allerdings ist dies den sonstigen Nachrichten, die wir über den Gebrauch des Lernens haben, angemessen. Die Alten kannten Leinen hinlänglich, gebrauchten es aber, ganz gegen unsere Gewohnheit, selten zu Kleidern, sondern zu Segeln, Netzen, Tüchern und andern Zwecken. Nur in Aegypten, wo das eigentliche Vaterland des Flachsbaues zu sein scheint, ebenso in Babylonicn, und anderswo, wo der Boden seinem Anbau besonders günstig war und nicht zur Viehzucht gebraucht wurde, war es als Stoff der Unterkleidung allgemeiner. In Palästina ward allerdings Flachs gebaut, z. B. „besonderes gewesen." Vollkommen richtig, der Schluß macht der Logik des Hn. Hr. alle Ehre. Fährt er aber fort: „und daraus folgt „wieder eben so unmittelbar, daß bei den Hebräern auch Andere, außer „den Priester», leinene Kleider trugen oder wenigstens daS Recht zun: „Tragen derselben hatten," so hat hier die Logik ein Bciu gebrochen ; denn wenn auch andere Nichtpriester (und daß diese, nicht die lcinentragcudcn Priester den Gegensatz bilden, zeigt das ob-- Leinen trugen, so wäre diese Tracht bei Jakobns ja eben nichts besonders gewesen. Vom Recht, Leinen zu tragen, handelt es sich weder in den: einen noch andern Fall: das Recht war unbestritten, es fragt sich hier nur, was Sitte und Gewohnheit war. 1) ES könnte auffallend sein, daß wir nicht von Baumwolle reden, von der unsere archäologischen Compcndicn so viel zu sagen wissen. Aber Baumwolle war damals durchaus noch nicht im allgemeinen Gebrauch, worüber wir der Kürze wegen auf Bohlen, Abhaudl. der d. Gcsellsch. zu Köuigsb. I, 7ü st. verweisen. Die früheren Annahmen beruhen vornehmlich auf dem nun erkannten Jrrthum, daß die ägyptischen Mumicn- bandagen Baumwolle seien, und aus falschen Etymologien, und sind besonders durch Försters Buch clo llpsso 177g allgemein geworden. Ei» Hauptgrund, daß nämlich das koptische slrens Baumwolle bedeute und mit dem hebräischen slivslr identisch sei, muß auch wegfallen; denn Pcyron hat s. v. für sirons auch die Bedeutung llngvllnm nachgewiesen, wobei Niemand an Baumwolle denken wird- 2) Die bekannte Nachricht Herodots II, LI ist einem Theil ihres Inhalts » — SS — in dor Niederung Jerichos Jos. 2, 6, aber gewiß wenig, da ein fetter und zugleich feuchter Boden, wie der Flachs ihn verlangt nach den Naturvcrhältnisscn Palästiua'ö dort nicht häufig sein konnte. Daher wird auch in hebräischen Schriften die Lcinwandwcberci als ctwaS Aegypten Eigenthümlichcs erwähnt Jes. 19, 9. Ez. 27, 7. Prov. 7, 16 und gewiß nicht sofern gerade Aegypten feinere Gewebe machte, denn die ägyptische Leinwand ist, wie wir aus den zahlreich erhaltenen Mumicnbandagcn sehn, im allgemeinen sehr grob. Der Flachs ward zu Stricken und dergl. Ez. 49, 3. Jes. 42, 3 verarbeitet, allerdings auch zu Kleidern, aber solche Gewebe werden immer als das seltnere angeführt: Richter 14, 12. 7 Ez. 16, 19. Prov. 31, 22 als ausgezeichnete Kleider, Jes. 3, 23 als Fraucn- klcivcr, Prov. 31, 13. 24 als zum Verkauf an die Canaaniter bestimmt. Eigene Leinenwebcr werden in einem späteren Buch, 1 Chron. 4, 21 erwähnt; ein Zeichen, daß die gewöhnliche Hauswc- bcrei, gerade wie es bei Griechen und Römern war, und noch Klemens von Alexandrien S. 269. 233. voraussetzt, Wvllcnwebcrci war. Ez. 27, 7 sieht es als großen Lurus der Tyrier an, daß sie Leinwandscgcl haben: die gewöhnlichen Segel waren von Matten und dergleichen. Leinen konnte also wohl nicht in so allgemeinem Gebrauche sein, folglich sind auch hier die Unterkleider, wie auch noch bei heutigen Arabern 2), zunächst wollene gewesen. Ezechiel konnte 44, 17 den Priestern nicht so ausdrücklich einschärfen, ihre Kleider bei dem Tcm- pcldicust zu wechseln und leinene anznzichn, damit nichts Wollenes an ihnen sei, wenn nicht die gewöhnliche Tunika — und ihr Anzug bestand bloß aus einer Tunika ohne Oberkleid — wollen war. Dasselbe crgicbt sich aus Hiob 31, 29, wo der Ausdruck Hüften sich nur auf das Unterkleid beziehen kann. Im N. T. kommen die Ausdrücke für Leinen nur von Tüchern, Grabgcwändern und dergl. nach bis jetzt durch die Bildwerke nicht bestätigt. ^Villeinson, iUnn- ners III, 348. I) buIIiM, Out, 2. I»co pinZuissimo et mnilice llumiäo. Haimar Beobachtungen über den Orient 111,294. Burger Lehrbuch der Landwirthschast 1839. II, 158: Nur mittelst Bewässerungen wird es in diesen warmen Gegenden (der Lombardei) möglich mit Vvrthcil Lei» zu zichn. 2> Ausdrücklich sagt es Shaw S. 139 der d. Ncbsg. Wilkinsou a. a. 0. III, 34/. Nachrichten über den Algicrischcn Staat. Altona 1779. 1, 583. Vgl. Michaelis mosaisches Recht IV, 292. Auch in Indien war dies der Fall. Mann 2, 41 und daselbst Kullnka. — 59 — vor der Byfsus erscheint einmal als die luxuriöse Kleidung des reichen Mannes, ein anderes Mal unter kostbaren Handelsartikeln aufgezählt. Luc. 16, 19. Off. 18, 12. Auch bei den spälern Juden finden wir oft Kleidungsstücke aus Wolle, zu denen wir eher Leinen voraussetzen würden. Diese Andeutungen mögen geniigen, um die Gründe zu zeigen, wcßhalb wir dem Urtheil früherer Gelehrten, 'H als Stoff der un- genähten Tunika sei Wolle anzunehmen, beitraten. Die weitere Ausführung ist hier nicht am Ort, da wir noch immer nicht über den Stoff des Rockes unterrichtet sind, und, falls derselbe wirklich Wolle ist, keine Differenz zwischen uns und den Gegnern obwaltet. Wenig bleibt uns über die Structur des Rockes zu bemerken übrig. Neue sichere Angaben sind über dieselbe nicht gemacht worden. Zwar versichert Hr. Ney S. 16 aus voller Ucbcrzcugung, mit seinem Vergrößerungsglase das Gewebe, das in der Art wie Tuch sei, genau erkannt und die Fäden einzeln unterschieden zu haben , und wir würden dieses Zcugniß gern mit den übrigen aufführen, wenn es nicht dadurch wieder ganz seinen Werth verloren hätte, 1) Irl). 13, 4. 5; Math. 12, 20 als Docht 1, 413 ff., etwas besser unterrichten. Bon der Ncrdrehung, welche er ebendaselbst vorbringt: „das Leinen muß also nicht so rar oder thener gewesen sein, „wie die Bonner uns vor schwätzen wollen," nehmen wir gern an, daß sie allein durch Schwäche des Auffassungsvermögens veranlaßt ist. Wir theilcn sie daher hier nur als Stilprvbe mit : als solche mag sie zeigen, weß Geistes Kinder unsere Gegner sind- Nur das mag hier noch bemerkt werden, daß Hr. Pfarrer Biuterim mit seinen Worten S. 46 : „die Prof. legen S. 6. dem Hn- Marx zu Last, „er habe die Worte Browcrs, daß der Rock seines Leinen sei, nicht er- „wähnt, da Hr. Marx doch S. 149 die eigene Worte Browcrs in der „bi. c. anführt," entweder diese Note o im Schlaf gelesen hat, oder sich einer groben Unwahrheit schuldig macht. Auch das ist falsch, daß wir dies Hn. Marx „zu Last gelegt." 2) Wollene Stolen, Mocd qatan 28, b; wollene Windeln, Targ. Eka 2, 20. 3) Dicß sagt auch Euthym. Zig. zu Matth. 27, 35. Ebenso Casaubonus, kxern. XVI, 84. p. 630 Ferrarins III, 3. Schurzfteisch ^nt. ecc!. oonlr. V, 2. Braun S. 472. — 60 — daß die ofsiciclle Untersuchung es nicht bestätigt. „Im Uebn'gcn „war die Beschaffenheit deS Rockes schlechterdings nicht zu ermitteln" sagt Hr. Clemens S. 34. Wie er uns aber dennoch S. 8 daS Zcngniß deS Hn. Ney entgegenstellen kann, ein Zcugniß, das ohnehin, da es in einer widerlegenden Schrift steht, vcrmnthlich später als die unsrigc zu Tage gekommen ist, darüber mag er selber mit sich fertig werden. Wir wissen nun nicht, ob die Figuren des Nockes etwa dafür entscheiden, daß der Stoff gewebt sei, und muffen auch seht die Frage, da die entgegengesetzten Zeugnisse noch bestehen, offen lassen, wie wir denn auch früher nur unter Voraussetzung der Nichtigkeit der Beschreibungen unsere Schlüsse gezogen hatten. Ist aber der Nock gewebt, woher dann senc alten positiven Versicherungen, der Rock sei nicht gewebt, sondern gestrickt, jene Versicherung Eneus, der „den rechten rock in seinen hcndcn gehabt vnd manig „taußent menschen getzeygt" hatte: „er ist nicht gcwcben, das ist „claer"? Es wird sich in diesem Fall schwerlich eine andere Erklärung finden lassen, als daß man damals das Kunststück einen solchen Nock aus einem Stück zu weben nicht gekannt, sich die Möglichkeit davon nicht vorgestellt und geglaubt hat, es könne nur durch Stricken zu Wege gebracht sein. Um also doch den Trierer Nock für den ächten ungenähten ausgeben zu können, hat man sich kein Gewissen daraus gemacht, ihn ohne Weiteres einen gestrickten zu nennen. Wie es ISlll in Trier hergegangen, darüber werden Wir noch sehr unvermuthete Ausschlüsse mittheilcn. Findet man eine wahrscheinlichere Erklärung deS Widerspruchs, so werden wir uns dieselbe gern gefallen lassen; bis dahin müssen wir dabei bleiben, daß, wohin man in dieser Sache blickt, sich immer nur ein und dasselbe Schauspiel zeigt. 1) Aach der „Knrhe Bericht" von >653 sagt bei Dörfchens : -— esse ne- gne enntextani negne eansutain seit »NN tenuissnn» lilo per lotnni cnncinnatani, Der Unterschied des Strickens und Weben besteht aber darin, ob sich ein Faden nm sich selbst oder zwei dnrch einander schlingen, Browcr spricht sowohl von einem, als von zwei Fäden, ist daher als Zengc nnbranchbar, 2) Dies spricht der „Knrtzc Bericht" deutlich nach den eben citirten Worten ans: lune niilites eensuisse, »an esse instar vestinientornni ce- terorum in partes elisseeanclain lnnieam ineonsntilein, gnaniam sin- ^ularissiina illa textnra läoile clissnluta et nulli ninplins usui tnlura knisset. Hr. Bintcrim will uns ans eine ihm allein angehorige Weise schlagen. Und hier verlassen wir die archäologischen Auscinandersctznngcn dcS Hn. Ur. Clemens. Es ist uns nicht in den Sinn gekommen, unsere Arbeiten für fehlerfrei in irgend einem Sinuc zu halten. Aber nachdem wir setzt alle seine Einwürfe — und unseres Wissens ist uns keiner entgangen — beantwortet und in ihrer Nichtswürdigkeit aufgezeigt haben, dürfen wir wohl aussprechen, daß wir seiner zudringlichen und hochmüthigcn Belehrung nicht bedurft haben. Zugleich aber erlauben wir uns, ihn daran zu erinnern, daß er sechs Wochen vor dem Erscheinen seines Buches in daS hiesige Wochenblatt vom 6. März (vgl. die Rhein- und Mosclzeitung vom 5.) eine Jn- haltSanzeige desselben hat einrücken lassen, in welcher wörtlich stand: „Die archäolog ischen Bcw eise des Herrn Gild eine ist er „sind ohne alle archäologischen Kenntnisse gc- „sührt." Nicht unS hat er damit beschimpft; nunmehr aber kann er daraus Veranlassung zu nachträglichen Sclbstbetrachtungcn entnehmen. Noch ein Punct ist zu erledigen. Wir hatten in der Stelle Marc. 6, 9 die zwei Tuniken, welche Christus seinen Jüngern anzuziehen verbietet, als eine obere und untere erklärt, und darin das Verbot einer zweiten gefunden. Die anderen Kämpen deö Trierer Er sagt S- 49: „Hätte» sie Brau» oder die andern Autoren gelesen, „so wüßten sie, daß die jüdische Wcbckunst gänzlich verschwunden ist, „und jetzt keiner eigentlich urthcilcn kann über die Structnr des Rockes. „Die Art, wie jetzt das Leinen und die Wolle gewebt wird, war zu den „Zeiten Jesu ganz unbekannt, und sie ist ganz verschieden von der jüdischen, daher auch selbst die Maschine oder der Webstuhl anders eingerichtet war. Bei Brann findet man eine Zeichnung der alten jüdischen Maschine. Es würde uns zu lange aufhalten, wollten wir aus „den belobten Autoren die Art z» weben näher beschreiben." Schade, daß Hu. Bintcrims Zeit so kostbar ist, wir würden, nach dieser Probe zu urtheilcn, spaßhafte Dinge zu hören bekommen haben. Und welchen Verstand hat er schon in diesen wenigen Worten bewiesen. Wenn man bei Braun eine Zeichnung der alten jüdischen Maschine findet, so kennt man ja die jüdische Art zu weben. Natürlich ist alles Weben im wesentlichen eins, und die Webstühle der alten Aegyptcr, die in ihren Denkmalen abgebildet sind (Wilkinson a. a. O. Iii, 1Z4. 135.l, sind zwar roh, aber beruhen ganz ans demselben Princip, wie die »nsrigcn. Brann und die andern Autoren behaupten auch eine derartige Verschiedenheit gar nicht, und jenem kam es nur daranf an, nachzuweisen, daß es möglich gewesen sei, eine solche Tunica aus einem Stück zu weben. Zu diesem Zweck erfand er einen Webstuhl, wie er bei den Hebräern zu solcher Arbeit vorauszusetzen sei, und dieser ist es, den er abgebildet hat. — 62 — Nockes stimmen dieser Auslegung bei. -) Nur Hr. Bintcrim meint dazu S. 39: „Die Herren scheinen sich hier einer elenden Sophisterei zu bedienen, um die Uneingeweihten zu verblenden, denn es „läßt sich kaum denken, daß sie in der biblischen Exegese so unwissend seien und nicht wissen sollten, daß der Herr von dem tägli- „chcn Wechsel der Kleider spreche. Man machte nämlich andere „Kleider sür die Reise, andere sür den täglichen Gebrauch." ^) Zur Exegese ist zweierlei erforderlich, Besitz der HnlsSkenntnissc und Ur- thcil in der Auswahl der Erklärungen. Nur in crsterer Beziehung kann man etwa von Unwissenheit sprechen; in unscrm Falle kommt es aber allein auf das Urthcil an, und hier entscheidet das Wort schon ganz allein für unsere Erklärung, denn „zieht nicht zwei Tuniken an", kann nicht heißen: „zieht nur eine an und laßt die andere unangczogcn." Wenn namhafte Eregcten, wie Grotius (durch die falsche Analogie der Stelle Matth. 19, 19 verleitet, die sie eher aus Marc. 6, 9 hätten erklären müssen), dieser Meinung gewesen sind, so kann man eben nur sagen, daß sie geirrt haben, und ihre Erklärung ist stillschweigend bei Seite zu lassen. Die Unwissenheit kann sich also nur etwa auf die Unkenntnis der verschiedenen Auslegungen beziehen; ist aber auf einer Seite Unwissenheit, so ist sie sicher ganz auf der des Hn. Bintcrim, der offenbar unsere Erklärung nicht gekannt hat. Diese ist aber gerade die älteste, — schon Origcnes ') trägt sie vor, was uns, obschon 1) Krit. Schneid. S. 11. Clemens S. 23- 2) Alle in der Schrift des Hn. Dr. Bintcrim enthaltenen Einwürfe ha- den wir sorgfältig beantwortet. Im übrigen enthält sie einen ans einem Hansen alter Bücher wahrhaft verstandlos znsanunengcschüttclten Wnst von nnbranchbarcn Notizen, den wir nicht weiter berücksichtigen, denn Hn. Bintcrim die Kleider auszuklopfen kann uns wahrlich Niemand ;u- mnthen. Znr Ergötzung unserer Leser wollen wir jedoch die im Tert citirten Worte noch weiter hersetzen: „der Sinn bei Matth. 1l>, 19. „Marc. 6, 9 ist also, die Apostel sollen kein Reisegepäck mitnehmen, um „sich in den Städten anders kleiden zu können, als sie ans den Reisen „gekleidet seien. Durch die Tuniken muß man hier also einen voll- ,,ständigen äußern Anzug verstehen, der dazu diente, um die täglichen Kleider wechseln zu können, daher auch in der Vulgata Rede „ist von den nnUntoriis vestium 4 B. der Könige 5, 5. Die zwei Tu- „uiken mußte» auch von der nämlichen Art sehn, nämlich zwei Ober- „röcke, nicht aber, wie hier der Fall ist, ein Unterkleid und ein Ober- „kleid; sonst hätte» die Apostel immer im bloßen Uutcrkleide reisen „müssen, und das leinene Unterkleid hätte nicht einmal gewechselt Wellen können." Ilom. 6 in Uev. II, 216 de In Uue. vunkus tunieis per Illosen in- diese Stelle nicht etwa, so viel wir wissen, in irgend einem Com- mcntar benutzt war, wohl bekannt ist — und ebenso die jetzt anerkannte '1 und nothwendig anzuerkennende. Es muß also auch fortan bei dem bleiben, was wir in Ucbcr- cinstimmung mit Hn. Marx und den neueren Vcrtheidigcrn des Trierer Rockes angenommen, daß Christus nur eine Tnnica getragen. Dieser Umstand wird uns noch in einer andern Rücksicht wichtig. Es ist bekannt, welchen großen Anstoß cS unter den Gläubigen erregt hat, daß, während man zu Trier den ungenähtcn Nock zeigt, noch nicht fünfzig Meilen davon zu Argcnteuil ein anderer gleiche inbrünstige Verehrung genießt und noch mehr Wunder verrichtet. Indes; der Anstoß ist glücklich beseitigt. Die »kritischen Schneider" erzählen S. 29 von dem Argenteuilcr Kleide: »Sich »da es verschwindet schon unaufgefordert, sobald es des Trierer »Hciligthums ansichtig wird- Die Herren von Argcnteuil kommen »selbst, und beurkunden öffentlich nur in Trier sei der unge- »nähte Rock des Heilandes, bei ihnen nur ein anderes Kleid, etwa „der Purpurmantel. Daß aber Form, Farbe und Stoff eines Klci- „des zur Bcurtheilung seiner Aechtheit von großer Bedeutung sei, »haben Gildcmcistcr und Consorten selbst bis zur Evidenz nachgcwie- »sen. Die Wächter des heil. Rockes in Argcnteuil, welche sich »diesen lange genug besehen haben, nehmen nur Einsicht von dem »in Trier, und geben alsobald den ihrigen auf. Was »können die Kritiker in Bonn gegen das Resultat dieser Vcrglei- »chung einwenden?" Ein anderes den Trierer Nock verherrlichendes Buch vcrsi- duitnr pcmlitex. 8ed gnid l'acienms, guad lesus sacerdotes suos, npostoivs nastros probibnit Mi dualms tnniois? . . ?nsset lartassn dicerv nliguis gnia gnod praecipit lesus tunioas ncm Iiabcmdas, mm est oontrarium leZi, sed >>erlectius lege .... 8ie er^e videbitur et duelms ibi tunieis pentilicsm et lue una apostolos indnisse. Interessant ist. wie auch hier, wie in der Stelle des Klemens die Vorstellung durchleuchtet, als seien aus der dem Hohenpriester vorgeschriebenen Amtstracht allgemeinere Grundsätze über erlaubte und unzulässige Kleidung zu gewinnen. 1» S. z. B. Fritzsche zu Marc. 6,9, der Grotins ausdrücklich widerlegt: Wolff, Kuinocl, Roseumüller, Paulus zu Matth. 10, 10 ; Wincr Nealwb. I, 781, und die bei diesen angeführten Schriftsteller- 2) Der heilige Rock unsers H. u. H. I. Chr. Ein offnes Antwortschreiben an einen Freund zur Berichtigung und Vergleichnng der vcrschic- chcrt S. 14: „Dieser Punkt Hut kürzlich seine Erledigung gesunden, „denn der Pfarrer von Argcntcuil, Herr Gucrin, der eine Schrift „unter dem Titel Im sninls Iloda ,Ia X. 8. 4. Eli. «uns aouliire" (nun machen sie noch gar einen sibsus-Lünst «uns oonluiL) „herausgegeben hat, hat erklärt: sie erkannten jetzt an, daß Trier im „Besitz des h. Rockes ohne Naht sei; und eine Nachricht im Katholiken N. 12! S. 556 sagt sogar, daß Herr Gucrin nach seiner „Heimkehr alle Exemplare seiner obenerwähnten Schrift eingezogen „habe, um sie zu vernichten." Hr. Clemens meldet S. 162: „daß in einem Briefe des H. „Pfarrers von Argcntcuil, H. Millct, vom 14. Sept. 1844 und „in einem andern des Hn. Gucrin vom selben Tage, an den H. „Bischof von Trier, von denen mir aus Gefälligkeit Mittheilung „geworden, die Vorsteher der Kirche zu Argcntcuil, nachdem sie den „h. Nock zu Trier in Augenschein nnd von der Tradition der Trier- „schcn Kirche nähere Kcnntniß genommen hatten, von dem Ansprüche „abstchn, den ungcnähtcn Rock zu besitzen, dagegen auf dem Anspru- „chc beharren, ciin anderes Kleidungsstück Christi zu bewahren. Hr. „Gucrin meint dabei, nichts stehe der Annahme im Wege, daß „auch dies andere Kleid noch eine Tuuiea gewesen sei. Möge er „seine Meinung zu begründen wissen!" Die Kritiker in Bonn könnten doch vielleicht etwas einzuwenden haben. Was ist damit bewiesen, daß zwei Personen jetzt ihre frühere Ansicht aufgeben? Bestchn doch noch die Zeugnisse der alten Chronisten, die, wenn sie nicht beweisen, daß dies die tunüm ineousuiilis ist, auch nicht beweisen, daß es überhaupt eine Reliquie ist, besteht doch noch „die kirchliche Tradition", bestehn doch noch die kirchlichen Aktenstücke, in denen sie für solche erklärt wird z. B. das von Claude Boistard, Prior der Abtei St. Gcrmain des Pres 1686 ausgestellte, bestehn doch noch alle gelehrten und ungelehr- ten Versuche, die Aechthcit desselben zu erweisen, und hat doch Hr. Gucrin noch keineswegs diese und das Breve Gregors XVI durch eine Widerlegung beseitigt. Wäre aber das Argcnteuilcr Kleid nicht der ungenähte Rock Christi, so hätte man ja das arme unwissende Volk förmlich damit betrogen, dem man sie seit 1156 dafür ausge- dcnen Ansichten über die Geschichte des im Dom zü Trier aufbewahrten h. Nockes u. s. w. Saarlouiö 1814. 12. lös S. 1) Bei Follet S. 112. geben, so hätte man sich ein frevelhaftes Spiel mit ihm erlaubt, wenn man ihm den Mcßgesang vorlebte: Vis Iinoe lunnnnlu IVIniris Vil'^lunlu , tu^il NIMM, TMnec Nubilum »loiünlu leurrut pro oionliira. 7a ^ua'e/ne «aus reuamv, !)no In ViaiKS VI vre tros-puru ^ last Nu ?!LZ Propras IUN0IS. , 8»u li'ils v» vouvrolt so clinir iauckro e« gu'ou luv Ist rilpnnelre I.U sniiA, gni snuvn los luiurnins. ») so hätte der Bischof von Versailles Louis Charricr de la Roche — der unter dem 18. Mai 1814, von dem Cardinallegatcn Caprara aus specialer apostolischer Bevollmächtigung angewiesen elv in- lroseripluv Iloliguiuiz uuIIiLNliLilui« zu erkennen, dies auf den Untersuchungsbcricht des spätcrn Bischofs von Bcanvais Cottrct hin ge- than—an einer öffentlichen Ordonnanz die Verehrung eines Kleides erlaubt, welches nicht der ungcnahte Nock ist, und doch dafür ausgegeben wurde, während nach den „kritischen Schneidern" S. VI „das Wort eines katholischen Bischofs mehr gilt", als die Resultate der Kritik und wahrscheinlich auch des unkritischen Hn. Gucrin. Dies können wir doch unmöglich glauben. Aber wir geben gern zu, daß solche Nachrichten zu verbreiten ein vortreffliches Mittel war, die Gemüther über jenen Anstoß zu beruhigen. Allerdings ist noch eine Frage dabei übrig, wir wissen aber kaum, ob wir sie auswerfen sollen. Sie scheint so wenig zur Sache 1) I/IIisloiro rlln-sivu sie I'IIistoire sis cu iilonnsleru. ?nr IZom llnluiul liursieroii Ii. Ii. Nu In tlorixreANIion sie 8nint Ulnar. .V I'nrls, Oku? Ilelio lossei. 1677. 8. 7 ungez. Bll. 125 SS. 3 Vll. S. 16. 19. Dies ist die erste Ausgabe des Werks (1667 in unserer frühern Schrift S. 55 oder 6V war ein Fehler). Auch hier findet sich in dem Diplom Hugos (S. 63 oder 69) das sonderbare ^.sirinno VI. 2) Fallet S. 65. 117. 126 Guerin S- 257^262. 384. DcrAntrag deS Priesters Robin an den Cardinallegatcn, welcher die Prüfung veranlasste, fängt ausdrücklich an: istai>se!?nuur, In ville N'Vrgenteuil possüsio, siupnis tu luiitieme sieclo Nu I'Lvgzu In liosio snus coulnro sio biv- iru-8uipi>unr fusus-llliiist otu. ö — 66 — zu gehören. Jndeß da wir uns einmal so weit eingelassen haben, so ist auch kein Grund vorhanden, wcßhalb wir ihr nicht anch ein bescheidenes Plätzchen gönnen sollten. ES ist die Frage, ob es denn auch wirklich wahr sei, daß Argcnteuil seine Ansprüche ausgegeben habe? Die Antwort hierauf ist leicht zu geben, denn die beiden von Hn. Clemens genannten Herren haben öffentlich ihre setzige Ansicht ausgesprochen in einer eignen Druckschrift unter dem Titel Des Velemenls do kiolre Lejoneur .Idsus-Ginsl Im- »eres alcm, nach Consrantinopcl kam, die Karl der Große von Irene erhielt, die dem Nonnenkloster geschenkt und bei dem Einfall der Normannen eingemauert wurde, zu deren Ehren später von Jnnocenz X in einer Bulle von 1653 die „conlesris onnonigusmönt instiluss svus Is lilro cls 1u 'l'unigus snns coulurs ,1s Xotrs - ösionsur ässus-Llustst^ zu Argcnteuil errichtet wurde, und die der Bischof von Versailles 1814 anerkannte. Er schließt: on n pu rsmnrgusr «jus tousuurs il u slv lnit insntlon äs In cls Xolrs Lsijrnsur; o'sst czu'su slkst los plus sonsillsrnblss nulsurs c;ul vul parle «Is In trnciition ci'^rAenteuil, et I'Olliss gue l'on Iruuve «Inns les plus nnslsns AZisssls, «lonnsnt le nont cls ?'u- »ttk/uö nu Vslsmsnt cpie nous nvuus le danlreur cle passeeler. Iis plus, In «lsssriplion gus les nulsurs «lonnsnt cle ce Veto- mens les sncjiistes «zui en lürsnt luites clu tsmps, c;us l's^Iiss «l'/crAenlsull le posss«Init en eniier et les plus unticjuss me- ilnllles, ^rnvures uu tadlsnux, mio nneuno ennliacliolion ilan8 es gui 80 >nr88o niijornnl'lnii n 'I'rr:ve8 et » rVr^onloui!, ponr In jmi; <'t In oon8ulu!ion ionr rccliimcr Ins luinicres ncccssilirc» snr cc »»int. Nnis »in IcNrc, c» dum >>» 2l> uc>»! lss.2, ct il'uii- Ires IcNrcs >n>iia» >i!iri!inii pniir puiilicr cciui ilc Trcvcs? I.e I»»A silcncu gue Inn u Kiiiite Ii »in» »»urii, I'iisi^iirili«» ein cc livre six niois igircs I» »Ii»». gnclgucs c»iisi<»'rnti»»s Licncriilcs scmlilnbles ü cel- les ijii» Pili Iiiilrs iliins »i»ii imvriinc, 8i !»>i!»niii iii I» Ini>» c»vii» f llniis Mus Ics cns, j'iij < ic Iiie» Iiise »i vn pnniiicc, cc s»c In l»niti/ili» < 1(1 'I'i'iives. Niitcr dicscn Ilnisiäiidcii diii'ftk fecillch Hr. Marr (S. 51> dcm H». Gucrin nicht scine „»»rcrzcililichc Umvisscnhcit in dcr „Tricrschcn Geschichte" vorwerfen, nnd gar noch hinznsiigen! „und ist „demselben zu empfehlen in Zukunft fich etwas mehr mit der Littcra- „tur über die Gegenstände, die er besprechen will, bekannt zu machen." Hr. Gnerin hatte dazu den besten Willen au den Tag gelegt, warum gab mau ihm nicht die erbetenen Nachwcisungcn d Fürchtete man etwa, er werde die Tricrsche Geschichte nicht so darstellen, wie mau es in Trier beliebte? er würde etwa die Verschiedenheiten des Silvcstcrdiploms zn früh entdecken ? Hr Gucrin sagt von dcm Buch des Hu. Marr: vrn^c, stiint i» »üdigircssi! ilc rocuiiiiiiitic Ic ttieiiic, bic» guc f )I »vis trnitv iivce irsscn pe» ei» justice et s pur cmnlusinn gus Ins vninvnius gui pur- Inul «In Iimvi'S out «Iii «pen In Ikolm gu'slls poss«zcks est routeere. Endlich in der Vorrede S. XVI: II eüt ntn plus jusls «I'iulilulnr cnt nnvru-,m I« 8«ucke ?'»»«8 pour oelu invin8 viwiludlo, cjuo 8U 'luniczuo 8UN8 couluro enncc>n>i epnrzzne eenx sie Ireves et >^nv e'est en Ie»r Inveur gne IIS Vttnlnnt pns clfre tont co ^»',2 cle I» linde gn'IIs exgnsent n In clevotion lies >ien>>Ivs, il »'» PN8 vunln lil^elnrer, stielte n'e-U ^ins NN55I vsritndlv >^ril.^ In clisent; „ne- gne velini, ni ^n-ssini, «lelinire.^ tVos/s on. ssrn,s.s ss/s^r/s» /o /n' c/e ceii.r s/ni 1 »nl re»e c/o /d/ t /ines et no l »nt /ni c/nist/nnlor, s^uni/ i/n'i/s c»idc/!t Aranc/ rnterinit n <« son arattittAe. 'I'roves her bezieht sich am Rande auf den „Kurtzcn Bericht" 1655) : . . . sö canteutent clo ckiro guo o'«Z8t 8N Ion»uo Uobo ou VustL, gu'ils uppellent '1'oglun Vonuni, et ejus nous ne leur «lispnlvns pas. Und genau ebenso, wie er fetzt spricht, sprach Hr. Gucrin in seinem srühcrn Buche. Hier drückte er sich S. 313 wörtlich also ans: kim>8 ckisons guo I'egUse cke Ireves peut dien etre enri- eliie cle I'un ckos kniüts cku Lnuveur, mnis gno o'est cke la Uobe et nm! cke «« ?'nnMe, und S. 319: ?ivu8 uvoii8 vu, pur <1k8 7NI80N8 pluii8ilcko8 ee NVU8 80mIUö guo, «IlZ IoutL8 I«Z8 munie- re8, oette vills ne zieut quo pretonclro n In ^088e88ion ll'uno Robe, et nun cke In 'I'uniguo 8sn8 coulure. Wenn also die „kritischen Schneider" vorgeben: „die Herren „von Argentcuil hätten öffentlich beurkundet, nur in Trier „sei der ungcnähte Rock des Heilandes, bei ihnen nur ein anderes „Kleid, etwa der Purpurmantel" so ist diese kleine Ungenauigkcit dahin zu berichtigen: die Herren von Argentcuil haben öffentlich beurkundet, daß nach wie vor bei ihnen die Tnnica (das Kleid, von welchem der Evangelist Johannes 19, 23 aussagt, daß es ungenäht gewesen) sei, zu Trier aber nur ein anderes Kleid, etwa die lange Robe. Druckfehler. S. 5 Note Z. 6 lies : III, 6, 4. S. 9 Note lies : P> 29. S, 19 Note Z. 18 lies: cö«i/S-5x. S> 29 Z. 12 l.: I, 653.