Druckschrift 
1 (1845)
Entstehung
Seite
11
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II

Der bloße-Anblick dieser Stelle muß schon großes Bedenkenerregen, ob in ihr eine historische Nachricht über Christus Kleidungenthalten sei. Sic seht das Gewand als ein bekanntes voraus;wo ist sonst eine Nachricht von einem solchen Kleide Christi? Hr.Or. Clemens hat dies richtig eingesehn und schließt deshalb weiter,daßdas Kleid Christi noch irgendwo vorhanden und für jeden zu-gänglich war, oder daß es in der lebendigen Uebcrlicferung unbe-zwcifclt feststand." Aber es wäre unerklärlich, daß dann sonstnicht die mindeste Spur davon cristirte, daß nicht andere Kircheu-schriftstcller, besonders die Exegeten, es erwähnten, die doch bei derKrenzigungsgcschichte von der Beschaffenheit des ungenähten Nockeshandeln; auch muffen sie wohl die Stelle des Klemens nicht soverstanden haben, da diese sonst sicherlich zur Erklärung von Joh.19, 23 angewandt wäre. Welche unwürdige Vorstellung vonChristus, daß er sich Blumen in sein Gewand habe wirken lassen,um dadurch seine blühende Weisheit aller Augen kundzuthun? Undsoll er etwa auch ein Gewand getragen haben, das aus Licht gewebtwar? Wenn nun aber die zweite Stelle das Gewand aus Lichtoffenbar figürlich versteht, so wird sich doch gleich der Gedanke auf-drängen, daß auch das erstgenannte ausdrücklich als ein ähnlichessrmai'rg) bezeichnete Klciv figürlich zu verstehen sei, und daßKlemens vielmehr durch den zweiten, zum Zusammenhange ganz un-nöthigcn und nur zu diesem Zweck beigebrachten Satz klar andeute,daß er ebenfalls das erstgenannte Kleid figürlich verstanden wis-sen wolle.

Ohnehin weiß, wer den Kirchenvater wirklich gelesen und nichtbloß Stellen aus ihm aufgegriffen hat, daß sich die Erklärung desHn. Ur. mit anderen Worten des Klemens gar schlecht reime. Die-ser hat die Vorstellung, daß Christus nicht eben ein glänzendes Acu-ßcre gehabt; er meint S. 818: nicht umsonst sei Christus vonunscheinbarer Gestalt gewesen, damit Niemand durch die Aufmerk-samkeit auf seine Schönheit abgezogen werde von seinen Reden. Ersagt S. 24 l, daß Christus nur schlichte Sandalen getragen, undfindet eine über das Gewöhnliche hinausgehende Kleidung seinemBeruf widersprechend sdcun nichts Ausgezeichnetes trug der an denFüßen, der den Hebräern das Vorbild der wahren Philosophie dar-

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