246 Memoiren.
Übel, den Pocken des Herzens, starker als andere Sterbliche heim-gesucht werden sollte, und mein Herz trägt die schlecht vernarbtenSpuren in so reichlicher Fülle, daß es aussieht wie die Gipsmaskedes Mirabean oder wie die Fassade des Palais Mazarin nach denglorreichen Juliustagen oder gar wie die Reputation der größtentragischen Künstlerin,*)
Giebt es aber gar kein Heilmittel gegen das fatale Gebreste?Jüngst meinte ein Psychologe, man könnte dasselbe bewältigen, wennman gleich im Beginn des Ausbruchs einige geeignete Mittel anwende.Diese Vorschrift mahnt jedoch an das alte naive Gebetbuch, welchesGebete für alle Unglücksfälle, womit der Mensch bedroht ist, undunter andern ein mehrere Seiten langes Gebet enthält, das derSchieferdecker abbeten solle, sobald er sich vom Schwindel ergriffenfühle und in Gefahr sei, vom Dache herabzufallen.
Ebenso thöricht ist es, wenn man einein Liebeskranken anrät,den Anblick seiner Schönen zu fliehen und sich in der Einsamkeit ander Brust der Natur Genesung zu suchen. Ach, an dieser grünenBrust wird er nur Langeweile finden, und es wäre ratsamer, daßer, wenn nicht alle seine Energie erloschen, an ganz andern undsehr weißen Brüsten wo nicht Ruhe, sondern heilsame Unruhe suchte,denn das wirksamste Gegengift gegen die Weiber sind die Weiber;freilich hieße das, den Satan durch Beelzebub bannen, und dann istin solchem Falle die Medizin oft noch verderblicher als die Krankheit,Aber es ist immer eine Chance und in trostlosen Liebeszuständen istder Wechsel der Jnamorata gewiß das ratsamste, und mein Baterdürfte auch hier mit Recht sagen: jetzt muß man ein neues Fäßchenanstechen.
Ja, laßt uns zu meinem lieben Vater zurückkehren, dem irgendeine mildthtttige alte Weiberseele meinen öfteren Besuch bei der Göchinund meine Neigung für das rote Sefchen denunziert hatte. DieseDenunziationen hatten jedoch keine andere Folge, als meinem BaterGelegenheit zu geben, seine liebenswürdige Höflichkeit zu bekunden.Denn Sefchen sagte mir bald, ein sehr vornehmer und gepuderterMann in Begleitung eines andern sei ihr auf der Promenade be-gegnet, und als ihm sein Begleiter einige Worte zugeflüstert, habeer sie freundlich angeschen und im Vorbeigehen grüßend seinen Hutvor ihr abgezogen.
Nach der näheren Beschreibung erkannte ich in dem grüßendenManne meinen lieben gütigen Vater,
Nicht dieselbe Nachsicht zeigte er, als man ihm einige irreligiöseSpöttereien, die mir entschlüpft, hinterbrachte. Man hatte mich derGottesleugnung angeklagt, und mein Vater hielt mir deswegen eine
"Z Rachel,