Memoiren.
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und ich machte bei dieser Gelegenheit schon die philosophische Betrach-tung, daß der liebe Gott, der die Prügel erschaffen, in seiner gütigenWeisheit auch dafür sorgte, daß derjenige, welcher sie erteilt, am Endemüde wird, indem sonst am Ende die Prügel unerträglich würden.
Der Stock, womit ich geprügelt ward, war ein Rohr von gelberFarbe, doch die Streifen, welche dasselbe ans meinem Rücken ließ,waren dunkelblau. Ich habe sie nicht vergessen.
Auch den Namen deS Lehrers, der mich so unbarmherzig schlug,vergaß ich nicht: es war der Pater Dickcrschcit; er wurde bald vonder Schule entfernt, aus Gründen, die ich ebenfalls nicht vergessen,aber nicht mitteilen will.
Der Liberalismus hat den Priesterstand oft genug mit Unrechtverunglimpft und mau könnte ihm wohl jetzt einige Schonung an-gedcihcn lassen, wenn ein unwürdiges Mitglied Verbrechen begeht,die am Ende doch nur der menschlichen Natur oder vielmehr Unnaturbeizumessen sind.
Wie der Name des Mannes, der mir die ersten Prügel erteilte,blieb mir auch der Anlaß im Gedächtnis, nämlich meine unglücklichegenealogische Mitteilung, und die Nachwirkung jener frühen Jngend-eindrücke ist so groß, daß jedesmal, wenn von kleinen Inden mitgroßen Barten die Rede war, mir eine unheimliche Erinnerung grnselndüber den Rücken lief. „Gesottene Katze scheut den kochenden Kessel",sagt das Sprichwort und jeder wird leicht begreifen, daß ich seitdemkeine große Neigung empfand, nähere Auskunft über jenen bedenk-lichen Großvater und seinen Stammbaum zu erhalten oder gar demgroßen Publikum, wie einst dem kleinen, dahinbezügliche Mitteilungenzu machen.
Meine Großmutter väterlicherseits, von welcher ich ebenfalls nurwenig zu sagen weiß, will ich jedoch nicht unerwähnt lassen. Siewar eine außerordentlich schöne Frau und einzige Tochter einesBankiers zu Hamburg, der wegen seines Reichtums weit und breitberühmt war. Diese Umstände lassen mich vermuten, daß der kleineJude, der die schöne Person aus dem Hause ihrer hvchbegiitcrtenEltern nach seinem Wohnorte Hannover heimführte, noch außer seinemgroßen Barte sehr rühmliche Eigenschaften besessen und sehr respek-tabel gewesen sein muß.
Er starb frühe, eine junge Witwe mit sechs Kindern, sämtlichKnaben im zartesten Alter, zurücklassend. Sie kehrte nach Hamburgzurück und starb dort ebenfalls nicht sehr betagt.
Im Schlafzimmer meines Oheims Salvmvn Heine zu Hamburgsah ich einst das Porträt der Großmutter. Der Maler, welcher inNembrandtscher Manier nach Licht- und Schattcneffekten haschte, hattedem Bilde eine schwarze klösterliche Kopfbedeckung, eine fast ebensostrenge, dunkle Robe und de» pechdnnkelsten Hintergrund erteilt, so