Briefe ans Berlin. 165
Alexandrinc mit Sr, königlichen Hoheit dein Erbgroßherzvge von
Mecklcnburg-Schiverin.
Die ausführliche Beschreibung der Hochzcitfeicrlichkciten selbstlasen Sie gewiß schon in der Vvssischcn oder Haude- und SpenerschenZeitung, und was ich darüber zu sagen habe, wird also sehr wenigsein. Es hat aber auch noch einen andern wichtigen Grund, warumich sehr wenig darüber sage, und das ist: weil ich wirklich wenig davongesehen. Da ich oft mehr den Geist als die Notiz referiere, so hatdas so sehr viel nicht zu bedeuten. Ich hatte mich auch nicht genugvorbereitet, sehr viele Notizen einzusammeln. Es war freilich schonsehr lange vorher bestimmt, daß am 25. die Vermählung jener HohenPersonen stattfinden sollte. Aber man trug sich damit herum, daßsolche noch etivas länger aufgeschoben werde, und wahrhaftig, Freitagjden 24.) wollte ich es noch nicht recht glauben, daß schon am andernTage die Trauung stattfände. Es ging manchem sv. Sounabcnd-morgen war es nicht sehr lebhaft auf der Straße. Aber auf denGesichtern lag Eilfertigkeit und geheimnisvolle Erwartung. Herum-laufende Bedienten, Friseure, Schachteln, Putzmacherinnen u. s. w.Ein schöner Tag, nicht sehr schwül; aber die Menschen schwitzten.Gegen sechs Uhr begann das Wagengerasscl.
Ich bin kein Adliger, kein hoher Staatsbeamter und kein Offizier— folglich bin ich nicht courfähig und konnte den Vermählungsfeicr-lichkeitcn auf dem Schlosse selbst nicht beiwohnen. Dennoch ging ichnach dem Schloßhof, um mir wenigstens das ganze courfähige Per-sonal zu beschauen. Ich habe nie so viel prächtige Equipagen bei-sammen gesehen. Die Bedienten hatten ihre besten Livreen an, undin ihren schreiend hellfarbigen Röcken und kurzen Hosen mit weißenStrümpfen sahen sie aus wie holländische Tulpen. Mancher vonihnen trug mehr Gold und Silber auf dem Leibe, als das ganzeHauSpersonal des Bürgermeisters von Nordamerika. Aber dem Kutscherdes Herzogs Cumberlnnd gebührt der Preis. Wahrlich, diese Blumeder Kutscher auf ihrem Bocke paradieren zu sehen, ist schon alleinwert, daß man deshalb nach Berlin reist. Was ist Snlomo in seinerKönigspracht, was ist Harnn-al-Raschid in seinem Kalifenschmnck, jawas ist der Triumph-Elefant in der „Olympia" gegen die Herrlichkeitdieses Herrlichen! An minder festlichen Tagen imponiert er schonhinlänglich durch seine echt chinesische Porzcllanhaftigkeit, durch diependelartigcn Bewegungen seines gepuderten, schwerbezopftcn, miteinem dreieckigen Wüuschelhütchen "bedeckten Kopfes, und durch diewunderliche Beweglichkeit seiner Arme beim Pferdclenken. Aber heutetrug er ein karmoisinrotes Kleid, das halb Frack, halb Überrock war,Hosen von derselben Farbe, alles mit breiten goldenen Tressen besetzt.Sein cdleS Haupt, kreideweiß gepudert und mit einem unmenschlichgroßen schwarzen Haarbeutel geziert, war von einem schwarzen Saint-