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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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160 Briefe aus Berlin.

Nischen am Eingang des Doms aufgestellt wird, Rauch ist nochimmer beschäftigt mit dcu Basreliefs zu Bülows Statue; diese unddie schon fertige Statue Scharnhorsts werden an beiden Seiten desneuen Wachthauses (zwischen dem Universitätsgebäude und dem Zeug-hause) aufgestellt, — Die ständischen Arbeiten gehen, dem äußerenAnscheine nach, rasch vorwärts. Die Notäbeln von Ost- und West-Preußen werden dieser Tage von unserer Regierung entlassen, undalsdann durch die Notabelu unserer sächsischen Provinzen ersetztwerden. Die Notabeln der Rheinproviuzen, sagt man, sollen dieletzten sein, die herbeigerufen werden. Von den Verhandlungen derNotabeln mit der Regierung erfährt man nichts, da sie, wie mansagt, ckurnrnsiUa, silsutii abgelegt haben. — Unsere Differenzen mitHessen wegen Verletzung des Territvrialrechts bei dem Prinzessinraubein Bonn scheinen nicht beigelegt zu sein; es will sogar verlauten,als sei unser Gesandter am Kasseler Hofe zurückberufen, — Es wirdhier ein neuer sächsischer Gesandte erwartet. Der hiesige portugiesischeGesandte, Graf Lobrau, ist jetzt definitiv von seiner Regierung entlassen; ein neuer portugiesischer Gesandte wird täglich erwartet. Unserpreußischer Gesandte für Portugal, Graf von Flcmming, der Neffedes Staatskanzlers, ist noch immer hier. Unsere Gesandten bei demkönigl, sächsischen und bei dem grvßherzvglich darmstädtischen Hofe,Herr von Jordan und Baron von Otterstädt, sind ebenfalls nochhier. Ein neuer französischer Gesandte wird hier erwartet. Von derHeirat des schwedischen Prinzen Oskar mit der schonen Fürstin EliseRadziwill wird hier viel gesprochen. Von der Verbindung unseresKronprinzen mit einer deutschen Fürstentochtcr verlautet nichts weiter.Großen Festlichkeiten sieht man hier entgegen bei Gelegenheit der Ver-mählung der Prinzessin Alexandrine, Spvntini komponiert zu diesenFestlichkeiten: „Das Nosenfest in Kaschemir", worin zwei Elefantenerscheinen, — Die Asscmblecn bei den Ministern sind jetzt geschlossen;die einzigen, die noch fortdauern, sind die, welche Dienstags bei demFürsten Wittgenstein stattfinden. Unser Staatskanzler befindet sichjetzt ganz hergestellt und ist teils hier, teils in Glienicke, — ZurOstcrmessc erscheinen: „Jahrbücher der königl. preuß, Universitäten".Der Bibliothekar Spieker giebt das Festspiel: „Lalla Rookh" heraus. —Der Riese, der auf der Königstrahe zu sehen war, ist jetzt auf derPfancninsel, — Devricnt ist noch immer nicht ganz hergestellt, Boucherund seine Frau geben jetzt Konzerte in Wien, Maria von Webers neueOpern heißen: „Euryanthe", Text von Helmine von Chezy, und: „Diebeiden Pintos", Text von Hofrat Winkler, Bernhard Rvmberg ist hier.Ach Gott! es ist eine schlimme Sache mit Notizenschrcibcn, Diewichtigsten darf man oft nicht mitteilen, wenn man sie nicht ver-bürgen kann. Kleine Klatschereien darf man ebenfalls nicht schreiben;erstens, weil sie oft zu tief in Familienverhältnisse eingreifen, und