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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
140
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140 Briefe aus Berlin.

so vielverheißend zulächelt, lind einem svlchen niedlichen Ding walltenSie eine Art Hnndezeichen nmhängcn lassen? Wie sie allerliebst dasLockenköpfchen schüttelt, mit den kleinen Füßchcn trippelt, und wiederlächelnd die weißen Zähne zeigt. Sie muß es Ihnen angemerkt haben,daß Sie ein Fremder sind. Welch eine Menge besternter Herren!Welch eine llnzahl Orden! Wenn man sich einen Rock anmessen läßt,frägt der Schneider:Mit oder ohne Einschnitt sfnr den Orden)?"Aber halt! Sehen Sie das Gebäude an der Ecke der Charlotten-straße? Das ist das Llacks Uozml! Bitte, laßt uns hier einkehren,ich kann nicht gut vorbeigehen, ohne einen Augenblick hineinzusehen.Sie wollen nicht? Doch beim Umkehren müssen Sie mit hinein.Hier schrägüber sehen Sie das HötsI äs Uoms, und hier wiederlinks das Uötol äs Ustsrsbonr^, die zwei angesehensten Gasthöfe.Nahebei ist die Konditorei von Teichmann. Die gefüllten Bonbonssind hier die besten Berlins; aber in den Kuchen ist zu viel Butter.Wenn Sie für acht Groschen schlecht zu Mittag essen wollen, so gehenSie in die Restauration neben Teichmann auf die erste Etage. Jetztsehen Sie mal rechts und links. Das ist die große Friedrichsstraße.Wenn man diese betrachtet, kann man sich die Idee der Unendlichkeitveranschaulichen. Laßt uns hier nicht zu lange stehen bleiben. Hierbekommt man den Schnupfen. ES weht ein fataler Zugwind zwischendem Hallischen und Oranienburger Thvre. Hier links drängt sichwieder das Gute; hier wohnt Sala Tarone, hier ist das Luis äsLcnnmsros, und hier wohnt Jagor! Eine Sonne steht über dieserParadicsespforte. Treffendes Symbol! Welche Gefühle erregt dieseSonne in dein Magen eines Gourmnnds! Wiehert er nicht bei ihremAnblick wie das Roß des Darius Hystaspes? Kniet nieder, ihrmodernen Peruaner, hier wohnt Jagor! Und dennoch, diese Sonneist nicht ohne Flecken. Wie zahlreich auch die seltenen Delikatessensind, die hier auf der täglich neu gedruckten Karte angezeigt stehen,so ist die Bedienung doch oft sehr langsam, nicht selten ist der Bratenalt und zähe, und die meisten Gerichte finde ich im Llnks Uozml weitschmackhafter zubereitet. Aber der Wein? O, wer doch den Säckeldes Fortnnatns hätte! Wollen Sic die Augen ergötzen, so be-trachten Sie die Bilder, die hier im Glaskasten des Jagorschen Parterreausgestellt sind. Hier hängen nebeneinander die Schauspielerin Stich,der Thcolvg Neander und der Violinist Boucher! Wie die Holdelächelt! O sähen Sie sie als Julie, wenn sie dein Pilger Romeo denersten Kuß erlaubt. Musik sind ihre Worte:

lärnes is in nU lisr stsps, üsnvsn in lrsr sz?s,

In svsrz^ Agstmrs äi^nit^ nnä lovs. <Milton.)

Wie sieht Neander wieder zerstreut anS! Er denkt gewiß an dieGnostiker, an Basilides, Valentinus, Bardesancs, Karpvkrates undMarkus. Boucher hat wirklich eine auffallende Ähnlichkeit mit dem