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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
127
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Ideen oder das Buch Le Grand. 127

mit Gegenliebe beglückt. Ich gebe ihr alles, und sie gewährt mirnichts. Ich kann nicht von ihr lassen, lind wie einst der jüdischeSalomen im Hvhcnlicde die christliche Kirche besungen, und zwarunter dem Bilde eines schwarzen liebeglühendcn Mädchens, damitseine Juden nichts merkten: so habe ich in unzähligen Liedern justdas Gegenteil, nämlich die Vernunft, besungen, und zwar unter demBilde einer weißen, kalten Jungfrau, die mich anzieht und abstößt,mir bald lächelt, bald zürnt, und mir endlich gar den Rücken kehrt.Dieses Geheimnis meiner unglücklichen Liebe, das ich niemandenoffenbare, giebt Ihnen, Madame, einen Maßstab zur Würdigungmeiner Narrheit, Sie sehen daraus, daß solche von außerordentlicherArt ist, und großartig hervorragt über das gewöhnliche närrischeTreiben der Menschen. Lesen Sie meinen Ratcliff, meinen Almansvr,mein lyrisches Intermezzo Vernunft! Vernunft! Nichts als Ver-nunft! und Sie erschrecken ob der Höhe meiner Narrheit. Mitden Worten Agnrs, des Sohnes Jake, kann ich sagen:Ich bin derAllcrnärrischte, und Menschenverstand ist nicht bei mir." Hoch indie Lüfte hebt sich der Eichwald, hoch über den Eichwald schwingt sichder Adler, hoch über dem Adler ziehen die Wolken, hoch über denWolken blitzen die Sterne Madame, wird Ihnen das nicht zuhoch? disn hoch über den Sternen schweben die Engel, hochüber den Engeln ragt nein, Madame, höher kann es meine Narr-heit nicht bringen. Sie bringt es hoch genug! Ihr schwindelt vorihrer eigenen Erhabenheit. Sic macht mich zum Niesen mit Siebcn-meilenstiefcln. Mir ist des Mittags zu Mute, als konnte ich alleElefanten Hindostans aufessen und mir mit dem Straßbnrger Münsterdie Zähne stochern; des Abends werde ich so sentimental, daß ich dieMilchstraße des Himmels anssanfcn möchte, ohne zu bedenken, daßeinein die kleinen Fizstcrnc sehr unverdaulich im Magen liegen bleiben;und dcS Nachts geht der Spektakel erst recht los, in meinem Kopfgiebt's dann einen Kongreß von allen Völkern der Gegenwart undVergangenheit, es kommen die Assyrer, Ägypter, Nieder, Perser, He-bräer, Philister, Frankfurter, Babylonier, Karthager, Berliner, Römer,Spartaner, Türken, Kümmeltürken Madame, es wäre zu weit-läufig, wenn ich Ihnen all diese Völker beschreiben wollte, lesen Sienur den Herodot, den Livius, die Haudc- und Spencrsche Zeitung,den Cnrlins, den Cornelius Nepos, den Gesellschafter. Ich will unter-dessen frühstücken, es will heute morgen mit dem Schreiben nichtmehr so lustig fortgehen, ich merke, der liebe Gott läßt mich im Stich Madame, ich fürchte sogar, Sic haben es früher bemerkt als ichja, ich merke, die rechte Gotteshilfe ist heute noch gar nicht da ge-wesen. Madame, ich null ein neues Kapitel anfangen, und Ihnenerzählen, wie ich nach dem Tode Le Grands in Godesberg ankam.