114 Ideen oder das Buch Le Grand.
den alten Schwancncicrn erzähle. Deshalb beklagen Sie sich nichtüber meine Abschweifungen. In allen vvrhergchcnden Kapiteln istkeine Zeile, die nicht znr Sache gehörte, ich schreibe gedrängt, ich ver-meide alles überflüssige, ich übergehe sogar oft das Notwendige, z. B.ich habe noch nicht einmal ordentlich citiert — ich meine nicht Geister,sondern, im Gegenteil, ich meine Schriftsteller — nnd doch ist dasGitteren alter nnd ncncr Bücher das Hanptvcrgnügcn eines jungenAutors, und so ein paar grundgelehrte Citatc zieren den ganzenMenschen. Glanben Sie nur nicht, Madame, es fehle mir an Be-kanntschaft mit Biichertiteln. Außerdem kenne ich den Kunstgriffgroßer Geister, die es verstehen, die Korinthen aus den Semmelnnnd die Citatc ans den Kollcgicnhcftcn hcransznpicken: ich weiß auch,woher Barchel den Most holt. Im Notfall könnte ich bei meinengelehrten Freunden eine Anleihe von Citnten machen. Mein FreundG. in Berlin ist sozusagen ein kleiner Rothschild an Citaten, und leihtnur gern einige Millionen, nnd hat er sie selbst nicht vorrätig, sokann er sie leicht bei einigen andern kosmopolitischen Gcistcsbankierszusammenbringen — Apropos, Madame, die drciprozcntigcn Böckhssind flau, aber die fünfprozentigcn Hegels sind gestiegen — Doch ichbrauche jetzt noch keine Anleihe zu machen, ich bin ein Mann, dersich gut steht, ich habe jährlich meine 10 vlZV Citate zu verzehren, jaich habe sogar die Erfindung gemacht, wie man falsche Citatc fürechte ausgeben kann. Sollte irgend ein großer, reicher Gelehrter,z.B. Michael Beer, mir dieses Geheimnis abkaufen wollen, so willich es gern für 19 OVO Thalcr Conrnnt abstehen; auch ließe ich mitmir handeln. Eine andere Erfindung will ich zum Heile der Litteratnrnicht verschweigen nnd will sie gratis mitteilen i
Ich halte es nämlich für ratsam, alle obskuren Autoren mit ihrerHansnummer zu citieren.
Diese „guten Leute nnd schlechten Musikanten" — so wird imPvnce de Leon das Orchester angeredet — diese obskuren Autorenbesitzen doch immer selbst noch ein Exemplärchen ihres längst ver-schollenen Büchleins, und um dieses aufzutreiben, muß man also ihreHausnummer wissen. Wollte ich z. B. „Spittas Sangbüchlein fürHandwerksburschcn" citieren — meine liebe Madame, wo wollten Siedieses finden? Citiere ich aberu
„vicl. Sangbüchlein für Handwerksbnrschen, von P. Spitta;
Lüneburg, auf der Lünerstraße Nr. 2, rechts um die
Ecke —"
so können Sie, Madame, wenn Sie es der Mühe wert halten, dasBüchlein auftreiben. Es ist aber nicht der Mühe wert.
Übrigens, Madame, haben Sie gar keine Idee davon, mit welcherLeichtigkeit ich citieren kann. Überall finde ich Gelegenheit, meinetiefe Gclahrtheit anzubringen. Spreche ich z. B. vom Essen, so be-