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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
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94 Ideen oder dos Buch Le Grand.

flammende Rose, und als sie mir einst um den Hals fiel, glaubteich, sie würde verbrennen und verduften in meinen Armen. Dieschöne Katharina zerfloß in klingender Sanftmut, wenn sie mit mirsprach, und ihre Augen waren von einem so reinen, innigen Blau,wie ich es noch nie bei Menschen und Tieren und nur selten beiBlnmen gefunden; man sah gern hinein und konnte sich so recht vielSüßes dabei denken. Aber die schöne Hedwig liebte mich; denn wennich zu ihr trat, beugte sie das Haupt zur Erde, so daß die schwarzenLocken über das errötende Gesicht herabfielen, und die glänzendenZiagen wie Sterne aus dunklem Himmel hervorleuchteten. Ihre ver-schämten Lippen sprachen kein Wort, und auch ich konnte ihr nichtssagen. Ich hustete und sie zitterte. Sie ließ mich manchmal durchihre Schwester bitten, nicht so rasch die Felsen zu besteigen, und nichtim Rheine zu baden, wenn ich mich heiß gelaufen oder getrunken.Ich behorchte mal ihr andächtiges Gebet vor dem Mnrienbildchen,das, mit Goldflitter geziert und von einem brennenden Lämpchcnnmflittert, in einer Nische der Hausflur stand; ich hörte deutlich, wiesie die Muttergottes bat: ihm das Klettern, Trinken und Baden zuverbieten. Ich hätte mich gewiß in das schöne Mädchen verliebt,wenn sie gleichgültig gegen mich gewesen wäre; und ich war gleich-gültig gegen sie, weil ich wußte, daß sie mich liebte. Madame, wennman von mir geliebt sein will, muß man mich sn eanaills behandeln.

Die schöne Johanna war die Base der drei Schwestern, und ichsetzte mich gern zu ihr. Sie wußte die schönsten Sagen, und wennsie mit der weißen Hand zum Fenster hinauszeigte nach den Bergen,tvv alles passiert war, was sie erzählte, so wurde mir ordentlich ver-zaubert zu Milte, die alten Ritter stiegen sichtbar aus den Burgruinenund zerhackten sich die eisernen Kleider, die Lorelei stand wieder aufder Bcrgesspitze und sang hinab ihr süß verderbliches Lied, und derRhein rauschte so vernünftig beruhigend und doch zugleich neckendschauerlich und die schöne Johanna sah mich an so seltsam, soheimlich, so rätselhaft traulich, als gehörte sie selbst zu den Märchen,wovon sie eben erzählte. Sie war ein schlankes, blasses Mädchen,sie war todkrank und sinnend, ihre Augen waren klar wie die Wahr-heit selbst, ihre Lippen fromm gewölbt, in den Zügen ihres Antlitzeslag eine große Geschichte, aber es war eine heilige Geschichte Etwaeine Liebes-Legende? Ich weiß nicht, und ich hatte auch nie denAkut, sie zu fragen. Wenn ich sie lange ansah, wurde ich ruhig undheiter, es ward mir, als sei stiller Sonntag in meinem Herzen unddie Engel darin hielten Gottesdienst.

In solchen guten Stunden erzählte ich ihr Geschichten aus meinerKindheit, und sie hörte immer ernsthaft zu, und seltsam! wenn ichmich nicht mehr ans die Namen besinnen konnte, so erinnerte sie michdaran. Wenn ich sie alsdann mit Verwunderung fragte, woher sie