86 Ideen oder das Buch Le Grcmd,
O diese einzige Thräne! sie quält mich noch immer in Gedanken-,der Satan, wenn er meine Seele verderben will, flüstert mir insOhr ein Lied von dieser ungeweinten Thräne, ein fatales Lied miteiner noch fataleren Melodie — ach, nnr in der Hölle Hort mandiese Melodie! — — — —
Wie man im Himmel lebt, Madame, können Sie sich Wohl vor-stellen, um so eher, da Sie verheiratet sind. Dort amüsiert man sichganz supcrb, man hat alle mögliche Vergnügungen, man lebt inlauter Lust und Pläsir, so recht wie Gott in Frankreich, Manspeist von Mvrgen bis Abend, und die Küche ist so gut wie die Ja-gorsche, die gebratenen Gänse fliegen herum mit den Sauceschüsselchenim Schnabel, und fühlen sich geschmeichelt, wenn man sie verzehrt,buttcrglänzende Torten wachsen wild wie die Sonnenblumen, überallBäche mit Bouillon und Champagner, überall Bäume, woran Ser-vietten flattern, und man speist und wischt sich den Mund, und speistwieder, ohne sich den Magen zu verderben, man singt Psalmen, oderman tändelt und schäkert mit den lieben, zärtlichen Engelein, oderman geht spazieren auf der grünen Hallelujah-Wiese, und die weiß-wallenden Kleider sitzen sehr bequem, und nichts stört da das Gefühlder Seligkeit, kein Schmerz, kein Mißbehagen, ja sogar, wenn einerdem andern zufällig auf die Hühneraugen tritt und sxvnsseck aus-ruft, so lächelt dieser wie verklärt und versichert: Dein Tritt, Bruder,schmerzt nicht, sondern an aontruirs, mein Herz fühlt dadurch nnrdesto süßere Himmelswonne,
Aber von der Hölle, Madame, haben Sie gar keine Idee, Vonallen Teufeln kennen Sie vielleicht nnr den kleinsten, das Beelze-bübchen Amor, den artigen Croupier der Hölle, und diese selbst kennenSie nur aus dem Don Juan, und für diesen Weiberbetrüger, derein böses Beispiel gicbt, dünkt sie Ihnen niemals heiß genug, obgleichunsere hochlöblichen Theaterdirektioncn soviel Flammcnspektakel, Feuer-regen, Pulver und Kolophonium dabei aufgehen lassen, wie es nnrirgend ein guter Christ in der Hölle verlangen kann.
Indessen, in der Hölle sieht es viel schlimmer auS, als unsereTheaterdircktvren wissen — sie würden auch sonst nicht so viele schlechteStücke aufführen lassen — in der Hölle ist es ganz höllisch heiß, undals ich mal in den Hundstagen dort war, fand ich es nicht zum Aus-halten, Sie haben gar keine Idee von der Hölle, Madame, Wirerlangen dorther wenig offizielle Rachrichten, Daß die armen Seelenda drunten den ganzen Tag all' die schlechten Predigten lesen müssen,die hier oben gedruckt werden — das ist Verleumdung, So schlimmist es nicht in der Hölle, so raffinierte Qualen wird Satan niemalsersinnen. Hingegen Dantes Schilderung ist etwaS zu mäßig, imganzen allzu poetisch. Mir erschien die Hölle wie eine große bürger-liche Küche mit einen: unendlich laugen Osen, worauf drei Reihen