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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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76 Norderney.

gelingen ihre Vorsätze am leichtesten, da sie nnr einer richtigen Be-rechnung des Vorhandenen bedürfen, und so schnell handeln, daßdieses durch die Bewegung der Lebenswvgen keine plötzliche, unvorher-gesehene Veränderung erleiden kann.

Es ist ein glückliches Zusammentreffen, daß Napoleon gerade zueiner Zeit gelebt hat, die ganz besonders viel Sinn hat für Geschichte,ihre Erforschung und Darstellung. Es werden uns daher durchdie Memoiren der Zeitgenossen wenige Notizen über Napoleon vor-enthalten werden, und täglich vergrößert sich die Zahl der Geschichts-bücher, die ihn mehr oder minder im Zusammenhang mit der übrigenWelt schildern wollen. Die Ankündigung eines solchen Buches auSWalter Scotts Feder erregt daher die neugierigste Erwartung.

Alle Verehrer Scotts müssen für ihn zittern; denn ein solchesBu ch kann leicht der russische Fcldzng jenes Ruhmes werden, den ermühsam erworben durch eine Reihe historischer Romane, die mehrdurch ihr Thema, als durch ihre poetische Kraft alle Herzen Europasbewegt haben. Dieses Thema ist aber nicht bloß eine elegische Klageüber Schottlands volkstümliche Herrlichkeit, die allmählich verdrängtwurde von fremder Sitte, Herrschaft und Denkweise; sondern es'istder große Schmerz über den Verlust der Nntionalbcsvndcrheitcn, diein der Allgemeinheit neuerer Kultur verloren gehen, ein Schmerz,der jetzt in den Herzen aller Völker zuckt. Denn Nationalerinnernngcnliegen tiefer in der Menschen Brust, als man gewöhnlich glaubt.Man wage es pur, die alten Bilder wieder auszugraben, und überNacht blüht hervor auch die alte Liebe mit ihren Blumen. Das istnicht figürlich gesagt, sondern es ist eine Thatsache; als Bullvck voreinigen Jahren ein altheidnisches Steinbild in Mexiko ausgegraben,fand er den andern Tag, daß es nächtlicherweile mit Blumen bekränztworden und doch hatte Spanien mit Feuer und Schwert denalten Glauben der Mexikaner zerstört, und seit drei Jahrhundertenihre Gemüter gar stark umwühlt und gepflügt und mit Christentumbesäet. Solche Blumen aber blühen auch in den Walter ScottschenDichtungen, diese Dichtungen selbst wecken die alten Gefühle, und iviceinst in Granada Männer und Weiber mit dem Geheul der Ver-zweiflung anS den Häusern stürzten, wenn das Lied vom Einzug desManrcnkönigs auf den Straßen erklang, dergestalt, daß bei Todes-strafe verboten wurde, es zu singen: so hat der Ton, der in denScottschen Dichtungen herrscht, eine ganze Welt schmerzhaft erschüttert.Dieser Ton klingt wieder in den Herzen unseres Adels, der seineSchlösser und Wappen verfallen sieht, er klingt wieder in den Herzendes Bürgers, dem die behaglich enge Weise der Altvordern verdrängtwird durch weite, unerfreuliche Modernität; er klingt wieder in katho-lischen Domen, »voraus der Glaube entflohen, und in rabbinischenSynagogen, woraus sogar die Gläubigen fliehen; er klingt über die