Druckschrift 
5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

34 Die Harzreise.

Du, du wurdest zur Prinzessin,Diese Hütte ward zum Schloß,Und da jubeln und da tanzen' Ritter, Fraun und Kuappentroß.

Aber ich, ich Hab' erworbenDich und alles, Schloß und Lcut':Pauken und Trompeten huld'gcnMeiner jungen Herrlichkeit!

Die Sonne ging auf. Die Nebel flohen wie Gespenster beimdritten Hahnenschrei. Ich stieg wieder bergauf und bergab, und vormir schwebte die schöne Sonne, immer neue Schönheiten beleuchtend.Der Geist des Gebirges begünstigte mich ganz offenbar; er wußtewohl, daß so ein Dichtermensch viel Hübsches wiedererzählen kann,und er ließ mich diesen Morgen seinen Harz sehen, wie ihn gewißnicht jeder sah. Aber auch mich sah der Harz, wie mich nur wenigegesehen, in meinen Augenwimpern flimmerten ebenso kostbare Perlen,wie in den Gräsern des Thals. Morgentau der Liebe feuchtete meineWangen, die rauschenden Tannen verstanden mich, ihre Zweige thntensich voneinander, bewegten sich herauf und herab, gleich stummenMenschen, die mit den Händen ihre Freude bezeigen, und in der Ferneklang's wunderbar geheimnisvoll, wie Glockengeläute einer verlorenenWaldkirchc. Man sagt, das seien die Herdcuglöckchen, die im Harzso lieblich, klar und rein gestimmt sind.

Nach dem Stande der Sonne war es Mittag, als ich auf einesolche Herde stieß, und der Hirt, ein freundlich blonder junger Mensch,sagte mir, der große Berg, an dessen Fuß ich stände, sei der alte,weltberühmte Brocken. Viele Stunden ringsum liegt kein Haus, undich war froh genug, daß mich der junge Mensch einlud, mit ihm zuessen. Wir setzten uns nieder zu einem Dsjsnnsr ciinackoirs, dasaus Käse und Brot bestand; die Schäfchen erhaschten die Krumen,die lieben blanken Kühlein sprangen um uns herum, und klingeltenschelmisch mit ihren Glöckchen, und lachten uns an mit ihren großen,vergnügten Augen. Wir tafelten recht königlich; überhaupt schien mirmein Wirt ein echter König, und weil er bis jetzt der einzige Königist, der nur Brot gegeben hat, so will ich ihn auch königlich besingen.

König ist der Hirtenknabe,

Grüner Hügel ist sein ThrvrrÜber seinem Haupt die SonneIst die schwere, goldne Krön'.

Ihm zu Füßen liegen Schafe,

Weiche Schmeichler, rotbekreuzt;