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Heinrich Heine und Der Rabbi von Bacharach
Entstehung
Seite
62
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und deutlich zeigt, wie er im letzten Grunde immer nur ein nrmerNazarener geblieben, der sich zwar in glücklichen Stunden gernzum sonnenfreudigen Hellenen aufschwingen wollte, der aber doch,selbst als ihn die Wogen des Judenhasses nicht mehr so starkumbrandeten, das Leid seiner unglücklichen Stammesgenossen nimmervergessen konnte. Und immer, so oft ihn jene Stimmung derWahrheit überkam, aus der seinRabbi" hervorgegangen, gestander es sich selbst ein, daß auch er im Grunde nur ein spiritualisti-scher Jude sei, und dann entströmte seinem Herzen das offene Ge-ständniß:Wenn ich am Tage wohlbeleibt und lachend dahinwandledurch die funkelnden Gassen Babylons, glaubt mir's, sobald derAbend herabsinkt, erklingen die wehmüthigen Harfen in meinemHerzen, und gerade des Nachts erschmcttern alle Pauken undCymbeln des Schmerzes, der ganzen Janitscharenmusik verhaltenerQuell, und es steigt empor der entsetzlich gellende Mummen-schanz

In solchen Stunden erscheint ihm denn auch seine Lcbens-wandernng von der Jndengassc zu Frankfurt a. M. bis auf dieMatratzengruft zu Paris, vomRabbi" bis zumRomanzero",wie ein endlos schauriger Passionsweg. Und dann ruft er klagendaus:Mein Leben war schön! Ich war der Lieblingspoct derDeutschen geworden und wurde sogar gekrönt wie ein deutscherKaiser zu Frankfurt. Mädchen in weißen Kleidern streuten mirBlumen. O, es war schön! Warum mußte ich-doch meinen Heim-weg durch die Judengasse nehmen, die, wie Sie vielleicht wissen,vom Römer nicht gar weit entfernt ist. Als ich sie auf meinemTriumphznge durchschreite, geht ein häßliches Weib mir quer über

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