Druckschrift 
Heinrich Heine und Der Rabbi von Bacharach
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Wüstung der Pfalz durch die Franzosen NM 13. Sivan des Jahres1689 aus seiner Vaterstadt fortziehen, und zwar zuerst nach Metz,dann nach Heidelberg, endlich nach Frankfurt a. M. Aber er zognicht allein fort, sondern mit seiner ganzen Gemeinde. Esist nicht unwahrscheinlich, daß die wichtigsten dieser biographischenDaten Heine durch Leopold Zunz bekannt wurden; aber er hat siejedenfalls mit großer poetischer Freiheit verwerthet.

Allerdings hat er sich hiebet insofern gegen den Geist der Ge-schichte vergangen, als es nicht wahrscheinlich ist, daß ein Rabbiim Mittelalter seine Gemeinde in drohender Gefahr verlassen undsich nur mit den Seinen geflüchtet hätte. Gerade die Lebensgeschichtedes Rabbi Jair Chajjim Bacharach hätte den Dichter, wenn anderser sie gekannt hat, eines Besseren belehren sollen. Denn auchdieser berühmte Rabbi hat harte Schicksalsschläge erleben müssen;aber er harrte treulich bei seiner Gemeinde ans und zog erst dannaus der thenrcn Heimat, als jene mit ihm in die Ferne zog. Heinehat diesen Fehler wohl selbst herausgefühlt und die Flucht des„Rabbi" einigermaßen zu motiviren gesucht durch die Worte„Aengstige Dich nicht, schöne Sara, auch unsere Freunde undVerwandte werden gerettet sein. Nur nach meinem Blute lechzendie Ruchlosen." Aber diese Motivirnng ist doch nur sehr schwach

IV. 232. Es dürfte von Interesse sein zu erfahren, daß auch der ersteoder mindestens einer der ersten jüdischen Dichter in deutscher Sprache, L i p-n> a n n Moses Büschentha l, der Autor des Dramas „Der Siegelringdes Salomo", in Bacharach geboren wurde, wie sein Grabstein sNr, 1360) ansdem alten jüdischen Friedhof in Berlin ausdrücklich angibt. Darnach ist dieMeldung Fnrst's in seiner Bibl. Ind. I., 138 zu berichtigen, wo Straßburg alsdessen Geburtsort angegeben wird.