Verkehr mit dem Volke GotteS ist sonst nicht meine Liebhaberei.Und wahrlich nicht nm hier zu beten, sondern um hier zu essen,besuche ich die Judengasse ... ja, ich liebe Eure Küche weit mehrals Euren Glauben; es fehlt ihm die rechte Sauce." Und ambesten erkennen wir Heine in Isaak Abarbanel wieder, wenn diesersich als Heide bekennt, dem die „dürren, freudlosen Hebräer"ebenso zuwider sind „wie die trüben gnalsüchtigen Nazarener",und der nur „der lieben Frau von Sidon, der heiligen Astarte",seine Huldigungen darbringt, die da thront in Babylon, wo dieLebenslust schäumt im Tempel der Götter!
Aber aus den Tempeln der Lust kehren Beide doch immer zuden wohlschmeckenden Jugenderinnerungen wieder. Sie sehen imGeiste Karpfen mit brauner Rosinensauce, das gedämpfte Hammel-fleisch mit Knoblauch und Mairettig, womit man die Todtenerwecken kann, und die Suppe mit den schwärmerisch schwimmendenKlößchen. . . und Beider Seelen schmelzen wie die Töne einerverliebten Nachtigall.
Die Versuchung, durch Episoden zu wirken, welche jedem Hu-moristen gefährlich wird, bringt auch Heine hie und da aus demZusammenhang der Handlung, aber wir folgen dennoch gar zugerimden kecken Sprüngen seines Humors. Die Episode, mit derer seinen Torso abschließt, ist von großer künstlerischer Wirkung,und nicht zum Geringsten beruht diese Wirkung darauf, daß dasFragment an dieser Stelle scheinbar Plötzlich abbricht. Ich sage:scheinbar, weil ich überzeugt bin, daß diese Wirkung vom Dichterausdrücklich beabsichtigt ist.^) Man vergegenwärtige sich die Si-tuation. Mit übertriebener Grandezza hat Don Isaak der Seüora
-y ib. 261 ff.