Schwer lastete der Kummer über diesen Spott damals auf derSeele des Jüugliugs. Noch lebten die Eriuneruugcu an daS pa-triarchalische Wesen des Elternhauses in der Bolkerstraße zn Düssel-dorf in ihm, noch klangen ihm die uralten Melodien der Syna-goge im Ohre nach, noch hielt der Zauber der wehmüthig heiterenFeste der Heimat ihn in seinem Banne, und so entstand der„Rabbi bon Bacharach".
Man muß, um dieses Werk zn verstehen, vor Allem in dieJugend des Dichters zurückgehe». Heiue's Bater ist uns ansdes Dichters Schilderungen zur Genüge bekannt. Er hatte einegrenzenlose Lebenslust, „immer himmelblaue Heiterkeit und Fan-faren des Leichtsinns".2) Er hielt mehr von Soldaten undPferden, von Schauspielerinnen und Kartenspiel, als von Gebet-büchern und Denkriemen, von Festen und Fasten. Jndeß würdeman doch sehr fehl gehen, wenn man etwa daraufhin glauben wollte,daß Samson Heine diesen seinen Neigungen damals in Düsseldorfhätte öffentlich nachgehen können. Das jüdische Leben jener Zeitwar noch zu patriarchalisch abgeschlossen. Die Macht der Rabbinerüber die Gemüther war noch zu groß, als daß Einzelne es hättenwagen dürfen, aus dem Baunkreise der Synagoge herauszutretenund über deren Gebote sich öffentlich hinwegzusetzen. Nur aus-wärts, auf Reisen, konnten die jüdischen Freigeister, zu denen auchSamson Heine gehörte, solches wagen. Zu Hause — es mußdies ausdrücklich betont werden —- wurde das jüdische Leben mitseinen Ceremonien und Festen innegehalten. Denn die Mutterhielt darauf.
2) Vitt. S, 405.