Druckschrift 
Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
Entstehung
Seite
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' Diesem hohen Austrage nachzukommen, wird mein redliches Bemühenseyn, und Gott wird der Unzulänglichkeit meiner schwachen Kräfte, dieIhm am besten bekannt sind, mit seiner mächtigen Gnade zu Hilfe kom-men, worauf ja auch das mich sendende Oberhaupt der Kirche mich hinge-wiesen und vertröstet hat.

Daß meine Aufgabe eine sehr schwierige ist, darf ich aber darum nichtverkennen. Schon die beispiellos große Ausdehnung des Amtssprengelsmacht sie dazu, und macht es mir fast unmöglich, allen meinen liebenBisthums-Angehörigcn auch nur von Angesicht zu Angesicht bekannt zuwerden. Um so gerechtern Anspruch habe ich daher auf Euere treueMitwirkung, Ihr ehrwürdigen Priester und Seelsorger des weit ausgedehn-ten Bisthums, und vor Allen auf die Eure, Ihr hochwürdigcn Brüderund Glieder des Domkapitels, da ja Eure Wahl zunächst es ist, die michaus meiner bisherigen stillen besckeidenen Stellung herausgerissen und ausweiter Ferne auf diesen hohen Sitz herangeführt hat. Ihr habt, als Ihr! auf mich Fernstehenden Eure Blicke richtetet, mit uneigennütziger Absichtnur Gottes Ehre und des Bisthums Wohl im Auge gehabt. Unsergemeinsames Wirken für diesen heiligen Zweck beginnt von nun an; nurdurch aufrichtige treue Einigung, durch edles Vertrauen, wie es sich fürDiener des Heiligthums ziemt, vermögen wir es zu erreichen. Ich zähledaher auf Euch vor Gott, zählet Ihr aus mich!

Dasselbe sage ich Euch, ehrwürdige Amtsbrüder, die Ihr über die weiteAusdehnung des großen Sprengels vertheilt, ein jeder an seinem Orte inder Seelsorge arbeitet. Euer Tagewerk ist schwer, drückend des TagesHitze. Gott kennt Eure Mühen; Ihm gelten sie, Er wird sie lobncn.Wanket also nicht,richtet vielmehr auf die lassen Hände und die schlaffenKniee, und gehet geraden Schrittes mit festen Füßen einher, damit nichteiner hinkend abirre, sondern vielmehr geheilet werde. Strebet nachFrieden mit Allen und nach Heilig ung, ohne die Niemand Gottschauen wird. Sehet zu, daß Keiner die Gnade Gottes versäume,damit nicht eine bittere Wurzel unter Euch aufwachse und zum Anstoßegereichend Viele verunreinige. Daß also kein Unreiner oder Profanerunter Euch sey, der wie Ejau um einer Speise willen seine Erstgeburtver-kaufe')!" Ja, möge kein Hinkender, Strauchelnder mehr unter Euch gefun-den werden, der von unseliger Verblendung befangen, und uneingcdenkder bcschworenen Pflichten, uneingedenk der schrecklichen Verantwortung,die, wenn nicht früher schon, doch sicher in der Stunde des Todes, wo alleTäuschung schwindet, das erwachende Gewissen dem Treubrüchigen vor-rücken wird, um vergänglichen Vortheiles oder Genusses willen, dieEhre seines heiligen Amtes, die Ehre Eurer Genossenschaft durch Abtrün-nigkcit beflecke, die Kirche betrübe, und mir die überaus schmerzliche Pflichtauflege, zu den Maßregeln zu greifen, welche die Würde der Kirche in sol-chen Fällen erheischt. O, möge ein solcher Kummer mir erspartwerden!

Euch allen aber, ihr geliebten Bisthums-Angchörige, für deren Seelen-heil die Obsorge mir anvertraut worden, Euch sage ich in Einem Worte

*) Hcbr, IS, IZ-IIZ.