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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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misch-Katholische, schlechte Deutsche seyen, ohne Liebe zum Waterlande,oder wohl gar bereit, dasselbe an die über den Bergen zu verrathen!Man deutet dabei auf alte Vorgänge zurück, die als Entwickclungskrank-hciten, als Paroxismen in dem Gange der europäischen Civilisation ihrevernünftige Erklärung und selbst von mancher Seite ihre Rechtfertigungfinden in den Vorstellungen, den Bedürfnissen, in der Gewaltthätigkeit, inder Rohheit vergangener Zeiten; die aber bei der spateren Ausbildung derStaaten und gesellschaftlichen Zustände seit vielen Jahrhunderten unmög-lich geworden sind, und es auch für alle Zukunft bleiben werden, wennnicht, was Gort verhüte! Europa aus seinen Fugen gerissen, von neuemin tiefe Rohheit und Barbarei versinkt. Welch seltsamer Unverstand alsooder welche Verleumdung: wir Katholiken seyen keine gute Deutsche!Haben denn in den letzten Befreiungskriegen, die das Vaterland wiedergroß und herrlich gemacht, nicht auch Katholiken so gut wie Protestantenmit treuer Hingebung gefochten und geblutet? Regt sich nicht auch inden deutschen Landen katbolischen Bekenntnisses ein tiefes Gefühl, ein !lebendiger thätiger Sinn für deutsche Art, Kunst, Sprache und Sitte?Ist es nicht gerade des echten Katholicismus Art, am guten, bewährten,geheiligten Alten, also gewiß auch am angestammten theuren Vaterlandcmit Treue und Liebe festzuhalten, ohne darum vernünftigem Forlschrittein Allem, was der Vervollkommnung fähig ist, abhold zu seyn?

Ja! wir Katholiken sind so gute Deutsche, daß wir auch aus diesemGrunde die unseligen Glaubensspaltungen und die dadurch genährte innereEntfremdung und Verfcindung tief beklagen, weil sie des VaterlandesMacht und Einheit so sehr schwächen, die edelsten Kräfte in heillosemBruderzwiste verzehren, und den zu der höchsten Entwicklung und edelstenFruchtbarkeit in allen Gebieten begabten und berufenen deutschen Stammdurch innere Zerklüftung der Gefahr der stürmenden Ost- und Westwindeaussetzen.

Aber nicht nur gute Deutsche läßt uns die katholische Kirche seyn: siemacht uns auch zu treuen Unterthanen des Fürsten, den Gottes Weisheituns vorgesetzt und der in Seinem Namen und Auftrage jdie irdischen Ge-schicke seines Volkes lenkt. Wie die Kirche das ganze irdische Leben inallen seinen Verhältnissen veredelt und heiligt, indem sie dieselben mit Liebedurchdringt, so auch das wichtige Unterthanen-Verhältniß. Nicht bloßweil der Monarch das Schwert führt, weil die zwingende Macht in seinerHand ruhet, unterwerfen wir uns seiner Regierung: sondern wir erkennendarin eine göttliche Anordnung, die uns nicht nur äußerlich, sondern imtiefsten Gewissen bindet und den Gehorsam zur innern That, zur festenGesinnung, zur edlen Treue, zu einem Werke der im Glauben thätigenLiebe macht. Daß dies der Geist der katholischen Kirche ist, das hatfürwahr in unsern bewegten Tagen das Oberhaupt derselben zu bewäh-ren, vor aller Welt durch feierlichen Ausspruch zu beurkunden, bei keinemAnlasse versäumt!

Welche geheimen Rathschlage und Auftrage aber der alte ehrwürdigePriestergreis jenseits der Berge mir insbesondere gegeben, da Er mich auf-forderte, Euer Bischof zu werden, habe ich bereits oben (S. 2.) offengesagt und ich frage, ob ein Apostel, ob Christus selbst mir würdigere haltegeben können?