Druckschrift 
Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
Entstehung
Seite
32
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Alles, für Euch fasse ich Alles, was mein Herz füllt und bewegt, in denEinen Zuruf zusammen: Seyd echte Katholiken, seyd wahre treue KinderEurer Mutter, der katholischen Kirche, deren Wesen und Schönheit, derenheiliger Reichthum, deren Sinn und Geist ich Euch im Vorstehenden leben-dig vor Augen zu rücken bemüht war! Haltet fest an ihren Lehren, Einrich-tungen, Geboten; durchdringet Euch immer mehr mit ihrem Geiste, derein Geist dcrHeiligung ist. Demüthiger Glaube und reine Liebe, sosprach mit Recht Fcnelon den Inbegriff des ganzen Katholicismus aus:Dcmüthigcr Glaube, welcher in der Lehre der vom heiligen Geistegeleiteten unfehlbaren Kirche Jesu den gnädigen Willen Gottes erkennetund aufnimmt; reine Liebe, die diesen Willen in allen Beziehungen desLebens treu und sclbstvcrleugnend erfüllt. Dadurch allein erhält unserirdisches Daseyn seine wahre Bedeutung und Würde, nämlich: Wieder-herstellung des durch den Sündenfall getrübten Ebenbildes Gottes; Em-porringen aus der Finsterniß zum Lichte, aus der starren Selbstsucht zurfreien heiligen Liebe; Reifwerden für das ewig selige Leben in Gott!

Daß dies an uns Allen wahr und wirklich werde, daß wir hierzu diekurze Spanne Erdenlcben treu verwenden, darum lasset uns, Einer fürden Andern, täglich flehen mit dem schönen Gebete der Kirche: ,,Gott!von dem allein kommt alles heilige Verlangen, alles rechte Beginnen,alles gerechte Thun: gib uns, deinen Dienern, jenen Frieden, den dieWelt nicht geben kann, damit unsre Herzen Deinen Geboten ergeben,und unsre Zeitläufte von allen feindlichen Schrecken befreit, unter DeinemSchutze ruhig bleiben, durch Jesum Christum deinen Sohn unsernHerrn!"

Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sey mit Euch allen! Amen.

Schließlich kann ich es mir nicht versagen, Euch Allen, Priestern und Laien,Hohen und Niederen aus bewegtem Herzensgründe hier öffentlich und feierlichzu danken für die Liebe, das edle Vertrauen und die ehrende Anerkennung,womit Ihr bei meinem Eintritts in das Bistbum und vorzüglich in dieseStadt mich empfangen und als den Eurigcn aufgenommen habt. Möge Gottes Euch lohnen, indem Er mir Kraft, Weisheit und Segen verleihe, Eureauf mich gebauten heiligen Hoffnungen zum Besten der Kirche und desVaterlandes zu erfüllen!

Gegeben zu Brcslau, am Tage meines Bisthumsantrittcs den elftenSonntag nach Pfingsten 1845.

Melchior, Fürstbischof.

Druck und Papier von Heinrich Richter.