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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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SS

der Gegensatz unseres eigenen Sinnes und Lebens gegen unser heiligesBekenntniß und Amt, wodurch alsdann der Verachtung, der Abneigungund Erbitterung gegen Religion, Kirche und Priesterthum Anlaß undscheinbare Berechtigung gegeben wird. Dann dürfen wir nicht mehr mitChristus sagen:unsre Gegner haben keine Entschuldigung." Wir müssenvielmehr eingestehn: ja, sie haben eine scheinbare Entschuldigung, und aufuns fallt zehnfach die Schuld zurück, die sich bei ihnen mindert; aus denSandkörnern, die ihnen an uns zum Anstoße gereichen, erwächst für unsder Mühlstein des Fluches.

Darum geliebte katholische Christen, und vor Allen ihr Diener derKirche! entfernen wir sorgfältig alles von uns, was irgend den Schwa-chen, den Irrenden oder auch den Böswilligen Anstoß geben kann. Mehrals jemals gilt heute von uns Priestern des Herrn Wort:Ihr seyd dasSalz der Erde; werdet ihr matt und fade, so wirft man man euch hin-aus, und tritt euch mit Füßen')," und das andere Wort:Wärest dudoch kalt oder warm! Aber weil du lau bist, nicht kalt noch warm, sowill Ich dich aus meinem Munde ausspeien*')."

Daß es aber dahin in der theuern Diözese Breslau Gottlob nur mitWenigen noch gekommen, an denen dieser Ausspruch des Herrn durch denMund seiner Kirche sich leider erfüllen mußte; daß vielmehr das Salzund Ferment des Reiches Gottes noch seine uralte, alldurchdringendeKraft behalten hat, das hat sich nicht nur im Allgemeinen an dem neuenLeben bewährt, das auf dem Gebiete der Kirche überall sich regt, an derschönen festen und ernsten Haltung, welche Priester und Laien den jüngstenkläglichen Erscheinungen gegenüber angenommen und bewahrt haben;sondern auch vorzüglich darin hat sich die lebendige Kraft des katholischenChristenthums neuerlich unter Euch geliebten Diözesanen gezeigt, daß diegräßliche, Leib und Seele zerrüttende Pest des Branntweingcnusses vonihr konnte besiegt werden; darin, daß Hunderttauscnde aus Euch, ergriffenund getragen von dem nüchternen starken Geiste der Entsagung und Selbst-beherrschung, den die katholische Kirche lehrt und übt, sich von einem Ge-nusse losrissen, der so lockend, so zuganglich, so bewältigend durch langeGewohnheit, so verführerisch ist durch das augenblickliche Vergessen allerNöthen und Leiden, und doch wie alle Sünde so teuflischen Luges undTruges und Verderbens voll'")!

Möge dieses schöne großartige Beginnen unter der weisen treuen Lei-tung der Geistlichen Verbreitung, Forlbestand und Gedeihen haben durchdie schützende Fürbitte Derjenigen, aus deren mit Recht selig gepriesenenBrüstenss) der Sohn Gottes in niedriger Kindesgeftalt die reine Milchmenschlichen Elendes getrunken, um am Kreuze mit dem bittern Tränkevon Essig und Galle zu enden!

Einem Vorwurfe muß ich nun auch noch begegnen, der uns Katholikenin unsern Tagen öfter gemacht wird. Man schilt uns, daß wir, als Ro-

Matth. S. 13. ") Apok. 3.18.

*") Der Sieg über die Brannliveinpest in Oberschlesien, historisch, medizinisch undMystisch beteuchlttvomgcheim.Medicmalrath0r.C.Lorinser in Oppeln. Oppeln ISIS,h) Lukas 11. L7.