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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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den Zweck und die Bedingungen der Kirche in der Zeit selbst noch nichterkannt hat. Ist sie die Braut des am Kreuze gestorbenen Wellerlösers,ist sie der Leib des verspieencn und mit Dornen gekrönten Hauptes: wiekann Verkennung, Leiden und Schmach sie überraschen, auch wenn ihrgöttlicher Herr es ihr nicht ausdrücklich vorausgesagt halte, daß dies häufigihr Antheil seyn werde?Wenn die Welt euch haßt, so wisset, daß sieMich zuvor gehaßt hat")."Der Zünger ist nicht über seinen Meister,noch der Knecht über seinen Herrn, und es muß dem Jünger genügen,wenn er wie sein Meister, dem Knechte, wenn er wie sein Herr behandeltwird. Haben sie den Hausvater Beelzebub genannt, wie vielmehr seineHausgenossen")."

Die Kirche Gottes ist ja eben die Erlösungs-Anstalt einer mit Gott undsich selbst zerfallenen,der Sünde anheimgefallenen Welt, in welcher Empörungund Feindschaft gegen Gott herrscht. Mit diesen feindseligen Kräften, Bestre-bungen und Leidenschaften geistig zu kämpfen, sie zu besiegen durch Glaubeund Liebe, sie unter das süße Joch Ckristi zu beugen und Gottes Reich inGerechtigkeit Friede und Liebe auf der Erde zu verbreiten, das ist ja ihr allei-niger Beruf, der sich mit jeder neuen Generation erneuert. Ihr Daseynsetzt also den feindlichen Gegensatz nothwendig voraus; sie ist die strei-tcndeKirche. Darum heißt es:Wäret ihr von der Welt, so würde dieWelt euch als das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seyd,sondern Ich euch ausgewählt habe von der Welt, darum hasset euch dieWelt. Haben sie Mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen'") "

Liegt nun aber etwa hierin eine Entschuldigung, eine Rechtfertigung fürdie Hassenden, Verfolgenden? Der Herr hat die Antwort ausgesprochen:Dies alles werden sie euch thun um Meines Namens willen, weil sie Dennicht kennen, der Mich gesandt hat. Wäre Ich nicht gekommen undhätte zu ihnen geredet, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben siekeine Entschuldigung für ihre Sünde-j-)." Und obwohl sie keine Entschul-digung für ihre Sünde, für ihren Haß hatten, der Ihn endlich an's Kreuzschlug, so betete Er doch auf diesem seinem Opseraltar:Vater! vergibihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun;" und als Er der Erhörunggewiß war, senkte Er sterbend Sein Haupt und sprach:Es ist vollbracht!"

Das sey unser Vorbild, Geliebte! Zeugniß für die Wahrheit geben,Zeugniß in Wort und Wandel mit unerschrockener Standhafrigkeit unterHaß, Lästerung und Verfolgung, bis in d^n Tod, wenn's seyn müßte; unddoch, wie Er. nicht lästern, wenn wir gelästert werden, nicht drohen, wennwir lciden-sj-); sondern durch Gutes das Böse überwinden, und auf Denvertrauen, der da spricht:Mir gebührt das Strafen; Ich werde vergel-ten j-jd!" das ist wahrhaft christlich, wahrhaft katholisch! Dann übernimmtGott unsre Sache und in Ihn, sind wir unüberwindlich').

Aber nicht immer ist es bloß der innere Gegensatz der heil. Lehre, des kirch-lichen Sinnes und Lebens gegen den Geist und das Gelüsten der profanenWelt, was diese gegen die Kirche, gegen ihreDiencr und Anhänger erbittertund entflammt; leider sind es mitunter unsre eigenen Fehler und Gebrechen,

») Joh. tS. 18. ") Matth. 10. 24 "*) Joh. IS. 19. 20. - -s) Joh.16. 2t.22. sch) l. Petr. 2. 23. -ssch) Rom. 12. 18-22. *) Röm. 8. 31.