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mungsurtheile frevelnd einzugreifen, wir, die wir selbst der göttlichen Wahr-heit unsre Treue im Leben jeden Tag siebenmal brechen, auch wenn wirdie Gerechtesten sind'). Nein, nicht umsonst soll der Heiland uns in demGleichnisse vom barmherzigen Samariter gelehrt haben, wie Er das heiligeGesetz der Nächstenliebe im Leben angewendet wissen will. — Zwar hat Erdie irrigen Glaubcnsmeinungen der Samariter gegenüber der wahrenHeilslehrc der Juden ausdrücklich verworfen"), und dennoch zeigt Er sodeutlich dem mit seiner gesetzlichen Rechtgläubigkeit sich gerecht dünkendenSchriftgelchrtcn, daß der Samariter allein an dem Verwundeten am WegeSein höchstes Liebesgesetz und damit die Bedingung des ewigen Lebens (vors.25.) erfüllt habe, währendPriester undLevit kaltund thcilnahmlos vorüber-gingen. Jesu Wort: „Gehe hin, und thue desgleichen, wenn du das ewige„Leben erlangen willst;" und das andere Wort: „Richtet nicht, damit ihr„nicht gerichtet werdet"');" und das dritte Wort: „Wirket würdige Früchte„der Buße und verlasset euch nicht darauf, daß ihr Abrahams Kinder„seyd; denn Ich sage euch, Gott ist mächtig genug, dem Abraham aus„diesen StcincnKinder zu erwecken-s)." — diese ernsten Worte Ehristi mögenuns den Mund schließen, und unsern Religionseifer, den wir so gern undso wohlfeil in der Verurthcilung Anderer geltend machen, auf unsre eigeneHeiligung im Glauben durch Werke der Liebe zurücklcnken. Gleich fernvon Gleichgültigkeit und Lauhcst wie von Fanatismus und falscher Prose-lytenmachercijff) ist demnach diese echt katholische, allein vernünftige Gesin-nung. Selig im Besitze der vollen ganzen Wahrheit, kann sie liebendnicht anders, als diesen Besitz allen Menschen wünschen. Sie weiß aberauch, daß der schwache Sterbliche nicht mit seinen kurzen Armen die Sonneder überzeugenden Wahrheit über den Horizont des Nachbars emporheben,daß er höchstens diesem nur das verdüsternde Gestrüpp hinwegräumenhelfen, oder ihm die nächstenHöhenpunkte andeuten könne; daß aber hierinnur derjenige Vertrauen und Einfluß verdiene und gewinne, der in derlichten Reinheit und warmen Milde seines eigenen Antlitzes beweist, daß erselbst von der Sonne der Wabrh'cit erleuchtet und durchglühet ist.
Wenn es nun aber so mit der katholischen Kirche und Lehre sich verhält,wenn in ihrem wahren Wesen so klar die göttliche Weisheit, die Gnadeund Erbarmung ihres Gründers sich offenbart: wie kommt es, daß sie vonjeher, und heut zu Tage mancher Orten mehr als jemals, verkannt, gelä-stert und wohl auch in ihren Dienern und treuen Anhängern heftig ver-folgt wird?
Soll ich offen reden, so muß ich sagen, daß wer so fragt, das Wesen,
') Sprüchw.24. jg. Jak. 3. L.— Iah. 4. LZ. — *") Matth.7. —-s) Matth.3. 9. —-j-h)Malth. L3. IS.