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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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auch ohne das äußerlich vollzogene Sakrament ihr angehören, (dieReihe ihrer Heiligen im Kirchenjahre eröffnet ja fast das Fest derunschuldigen blutgetauften Kindlein, die sie als die schönste Zierdeum die Krippe des neugebornen Heilandes stellt, den 28. December),um so mehr erkennt sie auch Solche als ihre Angehörigen, die durch diewirkliche Taufe ihr ursprünglich zugezahlt und einverleibt, spater durchunverschuldeten Irrthum ihrem mütterlichen Hause auf Erden äußerlichfremd bleiben. Sie hat darum ausdrücklich in ihr als so hart und starrverschrieenes Gesetzbuch den schönen milden klastischen Ausspruch des hl.Augustinus aufgenommen, der dies vielfach mißverstandene Verhältniß soklar und bestimmt ausdrückt: (Ueoret. (sloat. eaus. 24. g. III. o. 29.)DerApostel hat zwar gesagt:einen ketzerischen Menschen meidenach der ersten und zweiten Ermahnung, wissend, daß einSolcher verkehrt ist und sündigt und durch sich selbst ver-dammt ist." Allein diejenigen, welche ihre obwohl verkehrte Glau-bensmeinung nicht mit hartnäckiger Heftigkeit vertheidigen, zumal wennsie sie nicht selbst erzeugt, sondern von verleiteten und verirrten Eltern über-kommen haben, dabei die Wahrheit mit vorsichtiger Sorgfalt suchen, bereitsich ihr zu fügen, wenn sie sie erkenneten: Solche sind mitnichten unter dieHäretiker zu rechnen." Denn sagt derselbe große Kirchenlehrer an einemandern Orte:Gott wird in sein Reich nicht diejenigen aufnehmen, indenen Er einige wahre Erkenntniß, sondern die, in welchen Er eine derWahrheit entsprechende Liebe findet." tcle unioo IZapt.. e. 7.)

Hiernach steht also das Urtheil über die Andersgläubigen und Irrenden,wie überhaupt das Urtheil über den innern Werth, über Seligkeit undVerdammung der Menschen, Gott allein zu, weil Er allein es ist, der dieHerzen und Nieren durchforscht*). Die Kirche verurtheilt nur den Irr-thum, nicht den Irrenden; weiß sie ja ohnehin nicht, ob dieser nicht mor-gen, wie der Manichäer Augustinus, einer ihrer größten Lehrer und Heiligenwird! Jenes aberistsie Gott, sich selbst unv derMenschheit schuldig, denn sie hatdie göttliche Hinrerlage der erlösenden Wahrheit bis an's Ende der Zeitenungefälscht und unverkürzt zu bewahren. Das Urtheil über die Personenjedoch stellt sie dem allwissenden Richter anheim, jene seltenen Fälle aus-genommen, wo dies göttliche Urtheil schon diesseits in anerkannten undunleugbaren Zeichen und Wundern zu Gunsten eines außerordentlich hei-ligen Lebens sich kund gibt.

Um wie viel weniger dürfen denn wir Einzelne, schwache Sterbliche,uns vermessen, in Gottes Majestätsrechte durch blinde lieblose Verdam-

-) Zlpok. 8.23.