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bringen abzuweisen, sobald diese sich feindlich gegen die in ihr überliefertegöttliche Offenbarungswahrheit wenden.
Uebcrzeugt aber, daß diese Wahrheit, eben weil sie aus Gott stammt,mit keiner andern wirklichen Wahrheit im Gebiete des Geistes und derNatur, die ja aus derselben göttlichen Quelle fließt, im Widerspruche stehenkönne, überläßt sie gern diese Gebiete der bescheidenen redlichen Forschung,und mahnt nur, daß das Ergebniß des Augenblickes, so oft schon durchdas eines folgenden berichtigt oder widerlegt, nicht für absolute Wahrheitausgeboten und als Maßstab an ihre ewige Gotteslehre angelegt werde.
Aber nicht bloß geistige Entwickelung und fortschreitende Erkenntnißgestattet die katholische Kirche, es ist in ihr auch Raum für alle noch soverschiedenen menschlichen Anlagen, Neigungen, Talente und Kräfte, füralle Berufsweisen; der thätige wie der betrachtende, der denkende wie derdichtende und schaffende Geist findet seine Stätte in ihr, und findet Antriebzur höchsten Veredlung, indem er sich dem Reiche Gottes dienstbar macht.Da wird der eroberungssüchtige Krieger ein eifriger Missionär, der eitleRedner ein demüthigcr Prediger des Evangeliums, der stolze Weltweiseein bescheidener Gottesweiser, der trage Träumer ein begeisterter Beschau-licher, der Bettler ein Ascet, das schwache Weib eine Heldin der Nächsten-liebe, die Ehelose eine Mutter vieler Kranken und Armen. Aber auch füralle weltlichen Berufsweisen für den Herrscher, wie für den Helden, denDenker, Dichter und Künstler ist Raum in ihr; alle schönen Künste habenin ihr zur herrlichsten Blüthe sich entfaltet; ihre großartigen Dome, Sinn-bilder ihrer selbst, hat sie mit Meisterwerken der Malerei, Sculptur undMusik, hat sie mit Andacht gefüllt; und was mehr ist, die größten aner-kannrestcnHeiligenhat ihrSchoß in allen diesen noch so verschiedenen Klas-sen und Berufswcisen der Menschen geboren. Denn auf Heiligung derMenschheit ist ihr ganzer Haushalt eingerichtet, aus allen ihren Anstaltenspricht des Apostels Wort: „Das aber ist Gottes Wille, euere Heili-gung*)."
Darum will sie nicht bloß durch ihre Sakramente die wichtigsten Ab-schnitte des Lebens, sie will auch die einzelnen Jahre, Jahreszeiten, Tageund Stunden heiligen, und heiligt sie, indem sie in den Kreislauf des Jah-res das ganze Leben, Wirken, Leiden und Sterben des Erlösers hincin-flicht, und uns dies alles jedes Jahr von neuem in ergreifender Weise miterleben läßt; indem sie uns ferner jeden Tag neben dem erneuerten Erlö-sungsopfer auch die Frucht dieser Erlösung in dem Musterbilde einesbewährten Heiligen ermunternd vor Augen stellt; und endlich indem sie in
*) 1. Thess. 4,3.