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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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dcr Mann; und wenn auch einzelne Körpertheile erst spater hervortreten,so waren sie doch schon im Keime vorhanden, so daß im Erwachsenennichts erscheint, was nicht schon im Kinde verborgen lag. Es ist daherunzweifelhaft dies das echte und rechte Gesetz des Fortschrittes, diewahrste und schönste Ordnung des Wachsthums: wenn in dem Erwach-senden das zunehmende Alter diejenigen Theile und Formen hervortretenläßt, die des Schöpfers Weisheit in das Kind vorbildend hineingelegthalte. Sollte hingegen das Menschenbild später in eine andere fremd-artige Gestalt umgewandelt werden, so daß die Zahl dcr Glieder vermehrtoder vermindert würde: so müßte entweder der Leib ganz zu Grundegehen, oder doch zur Mißgestalt, oder ganz unbchülflich werden.Gleicherweise nun soll auch das Dogma der christlichen Religion demsel-ben Enlwickelungs-Gesetzc folgen, so daß es mir den Iahren befestigt,mit der Zeit weiter ausgeführt und mit dem Alter durchgebildet, dennochunverändert und unversehrt bleibe und in dem Ebenmaße aller Gliederund in der Fülle des Sinnes ganz und vollkommen sey, durchaus keineVeränderung zulasse, keine Eigenheit verliere, keinen Wechsel des Inhaltserfahre." (Eommonit. o. SN. u. S4.)

Zu solchem Fortschritt der religiösen Erkenntniß gehört aber überhauptdie Pflege der Wissenschaft. Und auch diese hat die katholische Kirche zukeiner Zeit verabsäumt. Aus ihrem Schoße hat sie, sobald nur die Em-pfänglichkeit der darin aufgenommenen rohen Völkermasscn es gestattete,alsbald auch Schulen, Unterrichtsanstalten aller Art geboren, nicht bloß fürihren eigenen unmittelbaren Dienst, sondern für die Pflege aller Wissen-schaften; Klosterschulcn, Domschulen, Universitäten entstanden auf ihrenAntrieb. In den stillen Klosterzellen glimmten durch die finstersten Zeitendie Funken fort, woraus das Licht des heutigen stolzen Wissens angefachtward; einsame Mönche, so hausig als faule Bäuche verschrieen, haben mittreuem Fleiße der undankbaren Nachwelt alle Schatze des klassischen sowohlals christlichen Alterthums aufbewahrt, bis die Buchdruckerkunst sie vonihrem mühsamen Tagwerke ablöste und zum Lohne dafür das überlieferteLicht hausig, und in unsern Tagen mehr denn je, als Brandfackel gegendie Kirche schleuderte, aus der sie es empfangen.

Weil es aber nicht blos einen sinnlichen seelischen Abfall von Gott gibtin der Selbstsucht roher Begierden, sondern einen noch viel gefährlicherngeistigen, der nach Lucifer's Vorbild in stolzer himmclstürmender Ueberhe-bung über Gott besteht und in einen Vernichtungskrieg gegen alles Wahreund Heilige ausartet, in ein Verlöschen aller Himmelssterne am Firma-mente des Geistes: darum hat die Kirche die Pflicht, ihre Glaubigen gegensolche gefährliche Entartung der Wissenschaft zu wahren und deren Bestre-