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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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so

Als Vater der Gemeinde ist aber der Priester auch ihr Tröster in allerNoth, zumal in der höchsten letzten Noth des Todes. In Christi Namensendet ihn die Kirche an das Krankenbett eines jeden ihrer Kinder, dasheil. Oel der Stärkung zu gießen in die erlöschende Lebensflamme. Dun-kel ist's und kalt und öde in der Nähe des Todes; darum Oel, welchesLicht und Wärme beschließt und sinnbildet, und Gebet, welches den An-gesichts des Todes einsam Verlassenen in Gottes und guter Geister Nähebringt. Neue Kämpfe, ungeahnte, gibt es hier mit den auflösenden Kräf-ten der Natur, mit den feindlichen des Gcistcrreiches; darum noch einmaleine Salbung für den christlichen Athleten. Der Kranke gencs't oderer stirbt, je nach Gottes heiligem Rathschluß: in beiden Fällen hat ihn dietreue Mutterhand der Kirche entweder zurückgelcitct von dem dunkelnThore des Todes oder ihn hindurchgeführt in ein anderes Leben, wo sieihn auch dann nicht vergißt, sondern immer noch mit ihren treuen Fürbit-ten und Segnungen ihn begleitet.

Das istin wenigen schwachen Zügen (denn wer vermöchte diese heiligenGeheimnisse der erlösenden Liebe ganz auszuforschen und auszusprechen?)dieBedeutungdersiebenheiligen Sakramente, in derenBcsitz undSpcndungdie katholische Kirche allem Spotte und Widerspruche zum Trotze mitruhiger Sicherheit sich behauptet, getragen durch die allmächtige Kraft desgöttlichen Gebers und durch den kindlichen Dank der Millionen treuerEmpfänger, die da wissen und täglich von neuem inne werden, welchereiche Quellen unaussprechlichen Trostes und Heiles ihnen hier geöffnetsind. Zwar fließen diese Himmelsqucllen durch menschliche Kanäle alsihre Träger; aber die göttlichen Gaben sind der Willkühr menschlicher Thä-tigkeit ebenso entrückt, wie in der Natur die befruchtenden Einflüsse derSonne, des Thaues und Regens, und sind darum an sich unabhängig vonder Würdigkeit des zeitlichen Spenders, dessen eigene Armuth GottesReichthum nicht beschränken, und das Anrecht des empfangenden Gläubi-gen, der hier der Gläubiger des Priesters wird, nicht verkürzen kann. Dasist das sogenannte apus opepatum d. h. die göttliche, durch sich selbst gel-tende That. In dem Empfänger aber fordern die Sakramente nicht min-der, wie der zu befruchtende Acker, emsige Vorbereitung: reges Verlangen,demüthiges Empfangen, treues Bewahren. Und das ist das opu« operan-tis, d. h. die Mitwirkung mit der Gnade Gewiß eine vor aller Vernunftsich rechtfertigende, und doch so oft mißverstandene und gelästerte Lehre!

Besonders merkwürdig aber ist es auch, daß die vier Dinge, die denMenschen dem Thiere am nächsten bringen: Geboren werden, Essen,Zeugen und Sterben, durch die in der katholischen Kirche darangeknüpfte sakramentalischc Gnade ihn am höchsten über sich selbst himmel-wärts erheben, so daß in dieser göttlichen Heilsökonomie dieselben Ketten,