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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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vergossen für die Erlösung der Welt. Darum ist das Abendmahlmit dem Opfer unzertrennlich verbunden; und wie das irdische Daseynund Leben in die Zeitfolge verfließt, und ein Tag den andern, eine Gene-ration die andere verdrangt, so wird taglich in der Zeit und für die Zeitdas außer der Zeit ein für allemal gültige blutige Kreuzopfer unblutigwiederholt, erneuernd für die mir der Zeit strömende Menschheit das blutige,um so jeden Pulsschlag einer taglichen Erdumwälzung, jede Tageswelleim Zcitenstromc gleichsam mit dem Opferblute der Erlösung zu durchdrin-gen und zu färben, damit der versammelten Gemeinde Christus der Gekreu-zigte als Gegenstand ihrer Liebe täglich vor Augen, sein heiliges Krcuz-opfcr immerfort sühnend zwischen Himmel und Erde schwebe'), und so dieErde auch für die Himmlischen die Signatur trage, womit wir sie hieniedenbezeichnen: eine Kugel und das Kreuz darauf. So wird, weil mitdem rund um die Erde wandernden Tage auch das katholische Opfer inununterbrochener Folge sich um sie herumzieht, des Propheten Malachiasalte Weissagung buchstablich erfüllt:Vom Aufgang der Sonne bis zumNiedergang ist meine Name groß unter den Völkern, und an allenOrtenwird Meinem Namen ein reines Opfer dargebracht")."

Aber auch das eigene Wort des Herrn:Sehet, Ich bin bei euchalle Tage, bis an's Ende der Welt""') wird in diesem Sakramenteauf eine besondere wunderbare Weise, die im Manna der Bundeslade deut-lich vorgebildet war, erfüllt. Unter dem Schleier der Brodesgestalt ver-borgen, scheint zwar wie dortmals in dem sturmbedrohten Schiffleinff)der Herr auch hier zu schlummern, so still, so regungslos, so gcheimnißvollist alles ringsumher, gleich der einsamen Lampe vor dem Hciligthume.Allein auch hier heißt es wie im hohen Liebesliede:Ich schlummere, abermein Herz wachtffff)." Er hört alle Seufzer und Klagen seiner Ge-treuen, Er hört ihren Nothschrei, Er weiß um die Gefahr des schwankendenSchiffes; Ein Wort und Wind und Wellen gehorchen Ihm, und eswird wieder Friede und Stille.

In dem Strome der Zeit aber, der das Schiff der Kirche trägt gehen dieIndividuen und die Generationen unter und verschwinden von der Erde.Darum hat das alte Wort:Wachset und mehret euch!" seitdemder Tod dazwischen getreten ist, für die Erde die Bedeutung erhalten:Wachset und ersetzet euch! Gerade das geschlechtliche Verhältniß aberist in den Fall der Menschheit auf's tiefste mit hineingezogen und ver-schlungen, wie die greulichen Ausartungen desselben bei allen Völkernzeigen. Deßhalb bedürfte in dem Werke der Erlösung die Quelle der

*) Galat, 3. j. ") Malach.t. tl. - '") Matth. LS. L0. -j-) Matthäus L. Lt.-j-f) Hohl. ö. L.