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Hirtenbrief des hochwürdigsten Herrn Fürstbischofes von Breslau, Melchior Freiherr von Diepenbrock, an den gesammten ehrwürdigen Clerus und alle Gläubigen des Bisthums bei seinem Amts-Antritte erlassen
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Weisheit bethören lassen, und beten wir für ihre Erleuchtung! Halten wiruns an Christus, unsern Erlöser, und dringen wir immer tiefer ein in denHeil- und Geheimnißvollen Haushalt Seiner Kirche. Ja, hier waltetSeine Liebe; hier breitet Er noch täglich wie am Kreuze Seine Arme aus,um Alles an sich zu ziehen, was nach Erlösung und Frieden sich sehnet.Unser gemischtes geistig-leibliches Wesen kennend, das Er ja Selbst gnaden-voll an Sich genommen, hat Er wie Sich selbst, da Er vom Himmel stieg,so auch Seine himmlischen Gnadenwirkungen in leibliche, stoffliche Hülleneingesenkt, und in das neue Eden, das er seiner Kirche zur Huth anver-traut, anstatt des Einen ursprünglichen Lebensbaumes nun deren siebengepflanzt, die in heiliger Zahl heilende Frucht für alle Nöthen des Lebensbeschließen. Betrachten wir sie einen Augenblick naher!

Den von Adams gefallenem Stamm als neues Individuum sich ablö-senden, aus der unreinen Wasserumhüllung des Mutterleibes hervor-gehenden, und darum mit der Erbschuld befleckten Menschen empfängt inChristi Namen der reine Mutterschoß der Kirche und gebiert ihn auf'sneue zu einem schuldbefreiten Daseyn aus dem geheiligten Taufwasserund aus dem heiligen Geiste. Wie die schwere dicke Erdenluft, die zumerstenmale in die sich entfaltenden Lungen des Neugebornen eindringt, umdie junge Lebensflamme anzufachen, sogleich auch als schmerzlicher Wche-schrei wieder ausgestoßen wird, weil der neue Ankömmling sogleich dasElend des Verbannten fühlt: so dringt im Sakramente der Wiedergeburtder heilige Geist belebend in die Seele des Täuflings, und regt hier denersten Pulsschlag des geistigen Lebens geheimnißvoll an. In dem Lallendes neuen Kindes Gottes, in seinen unaussprechlichen Seufzern vernehmendann die Himmlischen den süßen Ruf: Abba, Vater!*) und die Engel,die Gottes Angesicht schauen, tragen ihn wie Weihrauchduft vor SeinenThron. Darum heißt die Taufe mit Recht was sie ist: die Wieder-geburt aus dem Wasser und dem heiligen Geist. Wie durchdie Geburt die physische Lebenseinigung mit der Mutter (Eva), so wirddurch die Wiedergeburt der psychische solidarische Schuldverband mit Adamgelöst, der Getaufte steht, gehalten durch die Gnade der Wiedergeburt,sittlich rein auf sich selber zu neuer Selbstentscheidung, neuer Freiheits- .probe; die Makel des Falles ist an ihm getilgt. Aber noch bleibt dieNarbe und mit ihr eine empfindliche Schwäche.

Wo für den Heranwachsenden das Leben ernster, der Kampf heißer undgefährlicher wird, tritt die treue Mutter, die Kirche, wieder herzu undsalbt mit dem Salböl der Firmung den jungen Kämpfer. Geschmeidigerwerden nun seine Glieder, leichter entschlüpfen sie dem Angriffe des Fein-

*) Röm. 8. tS. 88.