6
Welt und das Leben in ganz andern Verhaltnissen, namentlich in demdenkwürdigen glorreichen Umschwung der vaterländischen Geschicke, kennengelernt.
Ich wußte also, was ich that, und war für den Gehorsam in dem neuenDienste, dem ich mich widmete, bereits in einer andern Schule vorgeübt,in jener nämlich, aus welcher schon der Hauptmann von Capharnaum dasGleichniß holte für den unwiderstehlichen Willen Dessen, der mit einemWorte alle Welten und alle Kräfte lenkt, die er miteinem Worte geschaf-fen'). Diesem weisen allmächtigen Willen des Herrn der Kirche mußteich in der Mahnung Seines geistlichen Statthalters und in dieser jenesWort als auf mich anwendbar erkennen, welches Petrus damals, als diegroße Hecrde ihm anvertraut ward, vernahm: „Da du jung warst, gür-„test du dich selbst, und gingest wohin du wolltest; nun da du alt wirst,„wird ein Anderer dich gürten, und dich führen, wohin du nicht willst")."
Und wohl mir und Euch, geliebte Diözesanen! daß es die Hand desNachfolgers Petri selbst ist, die mich, mit der bischöflichen Stole gegürtet,zu Euch führt; es liegt darin für mich und für Euch die festeste Bürgschafteines wahrhaft göttlichen Berufes; für Euch und mich die beruhigendeVersicherung, daß ich in lebendiger Gemeinschaft stehe mit dem Mittel-punkte der katholischen Einheit, mit jenem von Gott in den Mittelpunktder christlichen Weltgeschichte gesetzten geistigen Lichtherd, von welchem dieStrahlen des Glaubenslichtes in alle Weltrichtungcn ausgehen, und umihn in der Kreislinie der Liebe sich zur Einheit fest zusammenschließend, zudemselben Mittelpunkte allverbindend zurückströmen.
Ihr wisset nun, daß ich ein katholischer Bischof bin, in jener einzigenBedeutung, die dies Wort, ohne unsinniger Widerspruch zu werden, habenkann, nämlich als angchörig der von Christus auf den Felsen Petrus gestif-teten Kirche aller Orte und aller Zeiten; in der Bedeutung, welche diesWort „katholisch" vom Anfang an gehabt, seitdem es der reine Zeugen-mund des Apostclschülers Jgnatius im Beginne des zweiten Jahrhun-derts zuerst, und fast gleichzeitig auch die Christengemeinde von Smyrnain ihrem Briefe über den Martyrtod des h. Polykarpus ausgesprochenhat, in jenem herrlichen rührenden Briefe, worin die „erste Liebe" derkatholischen Gemeinde machtiger noch als der Scheiterhaufen derVcrfolgerglühet. .
Das Wort „katholisch" aber, welches im Grunde aus dem MundeChristi selbst stammt, der da vorausgesagt, daß sein Evangelium der gan-zen Welt (dies bedeutet das griechische Wort katholisch) werde ver-kündet werden'*'), knüpft schon in urältester Zeit seine Bedeutung an den
») Matth, 8. 9. — ") Zoh. 81. 8, — "*) Matth. 84. 14.