Druckschrift 
Der morgenländische und abendländische Katholicismus mehr in seinem innerns wesentlichen als in seinem äussern Verhältnisse dargestellt
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

Vevgleichung der morgen- und abendländi-schen Kirche inBezug auf das Priesterthumü berhau p t.

Da beide Kirchen über den Begriff der Ordination als derprimitiven Institution des Priesterthums überhaupt, unter sich zwareinig, von dem Protestantism aber hierin unterschieden sind, so findeich es für gut vorerst und zum Behuf einer schriftgemasscn Be-stimmung des christlichen Priestcrthums im Unterschied und Gegcn-saz des Layen sowohl als des alttcstamcntarischcn Priesterthumshierüber folgendes zu bemerken.

Uebcr den Begriff der Ordination oder der Einsczung dcSchristlichen Priesterthums im Unterschied des Jüdischen geben unsdie Schriften des neuen Bundes nur wenig Kunde. So findet sichwenigst in den Evangelien nirgends, daß Christus durch Hand-. auflegung seine Apostel und Jünger zu solchen ordinirt hat, und nurLucas 24, 50 wird gesagt, daß Er unmittelbar vor Seiner Himmel-fahrt seine Hände aufhebend, nicht selbe auf sie legend, die Apostelgesegnet hat. Dagegen kommen in der Apostelgeschichte undin den Briefen der Apostel Anzeigen hierüber vor, welchefrcylich von der ersten Einfachheit und Cercmonienlosigkcit solcherOrdination Zeugniß geben. So wird in der Ap.-G. 1, 20 dasAufsehcramt (Vorstehcramt oder Episcopat, ursprünglich Pfarramt)zwar mit dem Apostelamt als gleichbedeutend genommen, leztersaber doch wieder auf die Zcugschast der Auferstehung des Herrnbeschrankt, so daß die Apostel zwar Vorsteher scyn konnten, dieseaber darum nicht Apostel waren^). Von Mathias wird gesagt,daß selber durchs Gebet und Loos und durch die EinmüthigcStimme der Gemeine (Apostel und Jünger) den Aposteln beigeord-

*) Wenn die Vorstsher auch Aelteste heissen, so muß bemerkt wer-den, daß im ganzen Morgenland dem Aller die Snperiorität und Autori-tät zuerkannt wird.