Morgcnländitche und Abendland itche KathsliciömttK Stuttgart. z Heinrich K 1840. mehr in seinem Innern wesentlichen als in seinem äußern Verhältnisse Nebst mehrern Beweisen, dast Schrift und Natur sich nnr wechselseitig auslegen. dargestellt. Der Morgenländische nnd Abendländische Katholieismus mehr in seinem Innern wesentlichen als in seinem äussern Verhaltnisse dargestellt von I>r Frail) v. Saadcr, Ober.-Bergrath und Akadciniker in München. Nebst niehrcrn Beweisen das- Schrift und Natur sich nur wechselseitig auslegen. It-X K8t giiük ^»I'obnri »NN vult; Img»rl>»'»>>»<» » vi-giolöo» wirklich Ernst war, woran indessen schon darum zu zweifeln ist, weil mehrere Stellen seiner Schrift einer Ironie oder Warnung gegen sein Projekt gar zu ähnlich sehen — so hat er seiner Sache wenigst keinen guten Dienst erwiesen, und sicher war cS keine Harpune sondern nur eine Tonne welche — Da übrigens hier nur die bisherige Unerwiesenheit des Primats nachgewiesen wird, so last diese Schrift den berufenen und bestallten Vcrtheidigcm desselben offnes Feld, weswegen mit einem Verdammen und Verbieten derselben um so weniger gcthan scyn würde, als diese Verdammenden sich hicmit einerseits dem Verdacht aus- sezcn würden, daß das Motto dieser Schrift auch sie trifft, und sie uns andrerseits versichern, daß ihnen nur Jener als Schismatiker oder Ketzer gilt, welcher der von ihm klar erkannten, ihm von ihnen unwiderlegbar bewiesenen Wahrheit — hier des Primats — widerstreitet, somit lügt. — Ein zweiter Zweck dieser Schrift ist der, wo möglich jener im ganzen Abendland seit lange herrschenden und fixen Idee oder Meinung Einhalt zu thun von der Untrenn- barkcit und Identität des Papisms und Katholicisins, von welcher Meinung die sich lediglich aus die Vcrkcnnung der korporativen Natur der Kirchcngesellschaft und ihrer Verwaltung gründet*) schon die ersten Reformatoren nicht ganz los machen konnten, und welche sich seitdem als Etwas sich von selber verstehendes, somit keines Beweises und keiner Nachfrage nach solchem bedürftiges erhielt. Wie denn sowohl die Jacobiner dieses Glaubens waren, indem sie im römischen Primat nicht nur allein die Basis des Christenthums sondern auch des weltlichen Monarchthums zu sehen meinten, als die dcrmaligen Legitimisten von allen Farben, so wie die apostolischen in Spanien. — er hiemit in die Gewässer der deutschen Journalistik warf, mit welcher Tonne nun die Journalisten ihr mock-tiLtuing mit ernsthaften Mienen forttreiben. Wenn aber die Deutschen sich so sehr vor fremdem Einfluß hüten, so sollte man meinen daß sie nach dem Saz: M-iI»,5 liiixaiuidus xnucist am klügsten thun würden, immer den einen dieser Einflüsse (den französischen, englischen, russischen) den andern entgegen zu sezen, anstatt durch Ausschliessung des Einen den andern anHeim zu fallen. *) Eine Corporation wird weder zum Bestand ihrer Einheit eines Monarchen oder sichtbaren Oberhaupts bedürfen, nock sich zum weltlichen Monarchen dem sie policeilich und staatsbürgerlich untergeben ist, als zu solch einem Oberhaupt für ihre eigne innre Angelegenheiten bekennen. Und eben so wenig wird ein solcher Monarch seine Landesoberherrlichkeit bis dahin geltend machen. k * 4 Der dritte Zweck dieser Schrift ist endlich der, wenigst in der Perspektive zu zeigen welchen Aufschwung die Theologie als das Wissen der Menschen von göttlichen Dingen nehmen wird, so wie sie von der bisher über sie ausgeübten Dictatur und Zunftzwang befreit scyn wird. Es wird nämlich in den Anmerkungen dieser Schrift wenigst jenen Lesern denen meine frühem Schriften bekannt sind, und die nicht als dunkle Leser ihre eigne Dunkelheit in alles was sie lesen hineintragen,, einleuchtend werden, daß nur, falls die Schristsorschung mit einer tiefern als der noch allein sich geltend machenden blos historischen Naturforschung gleichen Schritt halt, beide sich einander auslegen. Eine Exegese von welcher der bei weitem größere Thcil unsrer Theologen noch keine Notiz genommen hat, indem es bei ihnen als exegetische Regel gilt in die Schristdoctrincn nichts von natürlichen Doctrincn in diese nichts von Jenen hineinzubringen. Sie kennen darum auch keinen Gott der nicht entweder unnatürlich oder unmenschlich ist, weil sie sich die Uebernatur als naturlos, die Natur als übernaturlos denken. Sagt man aber daß unsre Theologie eben so wenig im Stande ist den Defcct ihres Eindringens in die Tiefen der göttlichen Dinge (ohne welchem Eindringen keine Erweckung des religiösen Lebens statt findet) hinter ihrem immer mehr sich anhäufenden historischphilologisch kritischen Apparat zu verbergen — als die Physiologie oder Naturkunde ihr Nichtcindringen in die Tiefe und in das Wesen der Natur durch die sich wie Berge aufthürmendc Ergebnisse zu verbergen vermag, welche selbe als Bcobachtungs- und Expcrimcntirkunst gewinnt >— so meint man doch hicmit keineswegs als ob beide diese Wissenschaften darum ihre historischen, graphischen und kritischen Forschungen einstellen, in selben nicht fortschreiten, d. i. durch ihr Eingehen in die Tiefe was sie seit lange als Ticfcscheu oder mysteriophob versäumten, ihr sich Ausbreiten in der Fläche aufgeben sollten. München den 1. Julius 1840. --! iii>Un„>) ein- und.absezen, denn nnr von ihr (d.h. vom Papst) empfangen sie alle GeisteSmacht und Gaben. Wie der seligmachende Glaube, so ist auch die Kirche eine Einzige, so ihr Papst als Haupt ein Einziger. Rur der Papst ist von Gott, daher alles — geistliches und weltliches unterm Papst ist." — Hat man aber einmal die Kirche als Corporation 8 wieder nicht fehlen, daß dieser starre Absvlutism sowohl ausser als in der Kirche selber Rcactioncn hervorrief >— wie denn Jede gehemmte Evolution in eine Revolution endlich umschlagt, und das aufgehaltne Licht als Bliz wiederkehrt — welche Neactivncn nach oftmaligem Entstehen und Wiedcrunterdrückt worden scyn, endlich mit der Reformation als der Vierten Gestaltung des Kir- chcnwcsens im Abcndlande zum vollen Ausbruch kam und dem Kirchenstaat sich kirchlich und politisch cntgegcnsezte. Wenn nun schon in Anbeginn dieser Reformation es den Anschein hatte, daß das primitive korporative Kirchcnlebcn und Administration wieder sich befreien, und der Staatskirchc wie dem Kirchenstaat den Abschied geben würde, so geschah dieses doch nicht. Vielmehr konnten die ersten Reformatoren, da sie durch keinen engcrn Bund mehrerer Communen sich eine Basis zu verschaffen wüsten oder vermochten begriffen, so begreift man daß selbe so wie sie sich von ihrer korporativen Form entfernt sich die ihre Freiheit beschränkende Maast der weltlichen Regierung zuzieht, wie denn das Monarchthum des Kirchenstaats in demselben Verhältnisse verfiel als das weltliche Monarchthum erstarkte und die Päpstliche Autorität ihre SchicdSrichterlichkeit zwischen Monarchen und Dynasten, oder zwischen Monarchen und Monarchen verlor. Ein weltlicher Monarch hat z. B. keine Ursache irgend einer Gemeinde die eigne Wahl eines Vorstehers oder die eigne Verwaltung ihres Vermögens zu wehren, wogegen selber allerdings Ursache hat so wie die Kirche sich selber monarchisirt oder democratifirt, dem Aufkommen sowohl des monarchischen als demokratischen Princips zu wehren. *) Wenn nämlich schon nach bisher gesagtem die Einheit der Glieder einer religiösen Gemeinde tiefer begründet werden muß als in der Unicität ihres zeitlichen Vorstands, und wenn dieses umsomehr von der Einheit mehrerer oder aller solchen Gemeinden gilt, daß nämlich auch dieser ihre Einheit oder Gemeinschaft weder in einem geistlichen Regenten svoiilitex I»!>xiitt»5) noch in einem weltlichen (klpi!ieo ^»5 5IINIIUN«) fun- dirt seyn kann — so ist die Pflicht für Jedes einzelne Glied Einer Gemeinde, sich dieser nickt zu entziehen, dock nicht mehr einleuchtend, als Jene der einzelnen Gemeinden sich gleichfalls einander nicht zu entziehen, weil die christliche Innung eine Weltinnung werden soll. Denn es gilt 5nu mo.to für die Gemeinden unter sich, wie für die Glieder jeder derselben daß der Geist keinem vollständig innwohnt, wenn er nicht Jedem innwohnt. 9 sich nicht anders gegen den noch wcltlichmächtigcn Kirchenstaat halten, als daß sie sich den weltlichen Regenten auch als Oberhäuptern in geistlichen Dingen, als Landesbischöfcn, untcrgaben, womit denn nur die Staatskirche in andrer Form wieder hervortrat. Diese allgemeinen Bemerkungen glaubte ich folgender Darstellung des Unterschieds des morgcnlandischen Katholicisms vom abendländischen oder römischen um so mehr voranschicken zu müssen, als über crstcrc es an Kcnntniß Im Abcndlande im Ganzen noch sehr gebricht, und welche Nichtkcnntniß sich keineswegs auf das kirchliche Leben in Rußland beschränkt, wie man denn nur einen Blick in die deutschen und französischen Journale zu werfen braucht, um sich zu überzeugen daß Rußland in seinem dermaligen intellektuellen, politischen und industriellen Leben nicht viel minder dem Abendland noch unbekannt ist als dieses früher von America galt*). Ausserdem daß der Deutsche die durch die Reformation geschehene Kirchenspaltung mit all' ihren leidigen noch jetzt bestehenden Folgen nicht versteht, wenn ihm die frühere zwischen der mor- genländischcn und abendländischen Kirche unbekannt und unverstanden bleibt. — Wenn ich übrigens auch in folgender Schrift es für gut hielt über mehrere Momente der christlichen Doctrin und Wissenschaft ein tieferes Forschen zu erregen, und erregt zu halten, so geschah dieses darum weil ich mich überzeugt halte, daß. nur durch ein solches gemeinschaftliches freies wissenschaftliches Forschen ein gründliches Einverständniß unter den bestehenden Confcs- *) Zu diesem Nichtkennen gesellt sich bei diesen Journalisten noch häufig ein Uebelmollen, ja eine wahre Russophobie, welche zum Theil in der Einbildung ihren Grund hat von der Gefahr einer Invasion ja eines Verschlungen Werdens Deutschlands von diesen wie sie meinen noch völlig ungebildeten und schmählich verknechteten Barbaren; denen man es doch wieder sehr übel nimmt, daß sie in ihrer Nationalbildung so regsam vorschreiten und um das Russenthum nicht gegen das Dcutscb- thun, und Franzosenthnm aufzugeben, das: rss ;»>e g»oa »o» es! auch für sich geltend zu machen sich erlauben. w sionen angebahnt werden kann, wie denn das Bedürfnis; einer tiefcrn mehr Stand haltenden Ergründung des religiösen wie natürlichen Wissens im Osten wie im Westen sich zu erkennen gicbt, weil denn doch die Verfluchung in dem Einen dieser zwei Wissenszweige jene im andern mit sich bringt, und unsre neuem Natur- beschreibcr und Naturabschreibcr, so sehr sie sich auch mit ihrer Einsicht in das Wesen der Natürlichen Dinge entgegen dem Theologischen Wissen rühmen, doch nur, wie sie selber sagen, sich in der Rinde der Natur, gleich jenem Lastr^clms h'zmAraxlms halten, und der ganze Apparat ihrer Beobachtungen und Experimente doch nur auf blos materielle Zwecke sein Absehen hat. — Was nun aber jenes Bedürfniß bctrist, eines tiefem Eindringens, einer Hestern Uebcrzeugung so wie eines Klarersehens in Religiösen Dingen, so konnte einerseits nur der völlig Welttrunkne so wie religiös Gcmüthlosc dieses Bedürfniß nicht fühlen oder sich ihm entziehen, so wie andrerseis nur Jene sol-elisants Sionswachter selbes zu verdachtigen oder zu ersticken bedacht seyn konnten, denen daran liegt die Menschen über Religiöse Dinge zwar in Schlaf und Traum zu halten, sie aber nicht zur Clairvopance kommen zu lassen. — Bei den dermaligcn Differenzen in und ausser Deutschland, sagt ein neuerer Schriftsteller, ist aber vor allem der Gesichtspunkt festzuhalten, daß es sich nicht blos um den Vorzug der einen oder andern Gestaltung des Instituts der Kirche bandelt, sondern um die sichre Grundlage dieser? somit der Religion selber. Es kann aber nur von einer freien Untersuchung darüber, ob und wie überhaupt eine übernatürliche Offenbarung Gottes, oder eine Offenbarung der Ucbcrnatur im Unterschied einer vermeinten blos natürlichem statt finden kann und muß! 5) ein erwünschtes Resultat erwartet werden; was denn *) Viele Theologen und Nichttheologen mißverstehen noch immer (gegen Paulus R. l. Ig) den Ausdruck: Natürliche Offenbarung Gottes so, daß sie meinen, daß die Natur die Offenbarerinn Gottes an den Menschen sey, da es doch, wie Paulus sagt, Gott ist der sich durch die Statur dem Menschen offenbart. Und noch mehrere vermengen die ZI auch von der staatlichen (politischen) Sphäre des Lebens in unsrcr Zeit gilt, weil wir eben so wenig mit unsrcr bisherigen seichten Einsicht in den Urständ und Bestand des Staats als mit Jenen über die Kirche uns weiter begnügen können, und es nicht um eine neue Sclbstbcgründung (um ein Sclbstmachcn> beider zu thun ist, sondern um ein tieferes Begründctscyn unscrs Erkenntnisses und Verständnisses beider. Weswegen es thöricht von den sich so nennenden Konservativen ist, wenn sie derlei freie und tiefere Forschungen über Staat und Kirche verdächtigen, hemmen oder sie mit ihrem Censur - Mauthstcmpcl plombircn wollen. 5 > -l- 5 Vcrgloichnng der morgen- und abendlandi - scheu Kirche in Betreff der Dogmen und Rel igionsprincipien, so wie des Begriffs der Sncramente und des Kultus oder der Weise ihrer Administration. Wenn schon römisch-katholische Schriftsteller z. B. der Vers, der kürzlich erschienenen kritischen Geschichte der ncugricchi- materielle und zeitliche Natur mit der primitiven, ewigen nicht materiellen Natur, weswegen sie jedes Mn'-icuNiui m-iterias sofort für ein Aiiracuiiini >i !u »i '!lo nehmen, so wie das Wort: Sinnlichkeit ausschließend für die materielle Natur gelten lassen und von einem sonsus i,ne-> se»- zum nichts wissen, folglich auch nichts von einer ewigen Natur und ewigen Sinnlichkeit, so daß der Geist ihnen — nonseiis«? ist. Welche Beimengung mit dem Cartesianism sich sirirte, als mit der maschinistischen Auffassung der Natur, womit der Naturalism und Theisni sich erst trennten, sodann opponirten und hiemit beide Wissenszweige verdorrten. schcn und russischen Kirche behaupten „daß Griechenland und Rußland mit Rom im Wesentlichen des Glaubens ganz Eins sind" so verhalt es sich doch nicht ganz so, und wenn es schon richtig ist, daß die wesentlichste Differenz zwischen der griechisch-russischen und der römischen Kirche in der Nichtanerkennung des Primats der letztem von Seite der erstem besteht, so finde ich doch für gut, bevor ich mich zur Beleuchtung dieser Hauptdiffercnz wende, auf einige andre Verschiedenheiten beider Religionen wenn auch nur mit wenigem aufmerksam zu machen, weil diese Verschiedenheiten doch keineswegs so unwesentlich sich zeigen als der Verfasser dieser kritischen Geschichte meint. Was also zuerst jenen famosen Streit beider Kirchen über das klllwgno betrifft, so weiß man, daß wenn die Morgcnlän- dische Kirche seit uralter Zeit den primitiven Urständ des Geistes vom Vater und dessen secundaircn Ausgang als Sendung vom Sohn lehrte, selbe sich hiebei auf das nicaische und constantinopo- litanische Consilium stüzte, so wie diese auf den klaren Schrifttcrt, indem Christus selber sagt „daß Er seinen Jüngern nach Seiner Himmelfahrt den Geist vom Vater senden wird welcher von diesem ausgeht" >— da nun die Abendländische Kirche die Beschlüsse dieser Synoden eben so anerkennt als die Morgenlandische, so ist nicht abzusehen, warum crstcre spater das kllliogno interpo- lirte und hicmit nicht nur den Unterschied des primitiven und secundaircn Ausgangs des Geistes wieder aufhob, sondern hiemit selbst dem Schristbegriff des Sohnes als des Gesalbten oder vom Vater mit Geist Erfüllten so gut als widersprach, weil man doch nicht sagen kann daß dieser Geist den der Sohn vom Vater empfangt, im Sohn wie im Vater urstandet. — Erwagt man nun daß selbst zwischen der eigentlichen Vorstellung des Athanasius von den drei Hypostasen und der spatern Erklärung derselben noch ein Unterschied ist, so kann man nur der Behutsamkeit der Morgcn- landischcn Kirche seinen Beifall geben, welche sich nicht für befugt hielt, dem bestimmten Schristtcxt einen spätem Theologischen Be- 13 griff unterzulegen und lezterm gleiche Autorität mit Jenem zu vindicircn *). — Ucbcr den Begriff der Erlösung und Wiedcrnufrichtung des von Gott abgefallenen, hicmit weder von Gott noch Seiner Natur los, wohl aber gegen beide unfrei gcwordncn Menschen**) stimmen zwar beide Kirchen übcrein, nicht aber in der Vorstellung der Art und Weise der Geltendmachung dieser von den Banden der Sünde erlösenden und befreienden Macht; indem die morgenlandischc Kirche der römischen vorwirft, daß sie seit langer Zeit die Befreiung von der Sünde an viele Bedingnisse knüpft oder bindet, welche dem Geist des Christcnthums fremd sind. Wie sich dieses, um nur Ein Beispiel anzuführen, an der noch immer beibehaltenen Praxis der Ablasse zeigt, welche ursprünglich nichts als eine Lossprcchung und Amnestie von öffentlichen Kirchcnbussen und Strafen waren, spater aber eine ganz andere Bedeutung erhielten, nämlich keine geringere, als die der Lossprechung von der Sündhaftigkeit selber, oder welche Ablässe eigentlich zu Dispensationen von Jenen Bcdingnisscn wurden, an welche allein Christus und Seine Apostel die Befreiung von *) Man hat zwar der morgenländischen Kirche die Einwendung gemacht, daß ihr Begriff vom Urständ des Geistes im Vater blos auf den Menschensohn als Kreatur, nicht aber auf das ewige Wort anwendbar sey — wogegen zu bemerken ist, daß leztres nur als der ewige Vorsaz gedacht wird den der Vater sich als Herz sezt, und ihn sofort mit seinem Geist erfüllt, so daß also auch hier der Urständ des Geistes im Vater statt findet. **) Die Schrift sagt, daß nur der Sohn und der an der Sohnschaft Theilnehmende im Hause Gottes frei ist, nicht aber der Knecht und noch minder der in diesem Hause Gefangne. So wie die Schrift lehrt, daß die Innre Gottesleere den Menschen Gott schwer macht, als nicht vor Gott bestehen könnend, weil des innern Trägers und Emporhalters (des Worts) ermangelnd (v). — Das Wort ist nach Paulus der Träger (Emporhalter) aller Dinge, weil es als Offenbarer der Urheber aller Dinge ist. In welchem Ausdruck das Offen auf Hinauf oder Höhe, so wie das baren auf Hülle ablegen (-eveiars oder Entdecken) deutet, Eben so stimmt Verbergen, Vertiefen und Verdecken überein, so wie man mit dem Ausdruck: Empor - oder Aufheben den Begriff der Wegräumung eines Hindernisses verbindet, wonach die Erhebung mit einer Vertiefung, die Oeffnung mit einer Schliessung u.s.w.verbunden sich zeigt. 14 der Sünde knüpften. Indem man aber auf solche Weise dein Volk das sich Losmachen von der Sünde leicht machte, machte man ihm auch das Sündigen leicht, worauf denn jene Fiscalische Speculation der Ablaßkramcrei und Verpachtung des Ertrags basirt ward, welche zur Spaltung der abendländischen Kirche die erste Veranlassung gab. So wie noch jetzt die große Menge der Romisch-Katholiken über die von Rom aus spcndirtcn Jndulgenzcn nicht anders denkt oder nichtdcnkt, als man zur Zeit des Ausbruchs der Reformation darüber dachte oder nichtdachte, und selbe es sich wohl gefallen last für so ein Leichtes als ihm der Ablaß vorschreibt, zu solch einem Ucbcrfluß und Surplus der Gnadcn- sülle zu gelangen und selbe in sein Credit (vor Gott und sein Gewissen) eintragen zu können. Eigentlich liegt dem früheren Streit, sowohl der morgcnlan- dischen Kirche als spater der Protestanten mit der abendländischen römischen Kirche über das Fegfcuer, die Behauptung der lcztcrn zum Grunde von ihrem ausschliesslichen Besitz eines sich an Pctri Stuhl forterbenden unerschöpflichen Gnadcnschazcs, von welchem das Oberhaupt dieser Kirche auch noch für oder auch gegen die Abgeschiedenen gleichsam als aus seinem Chatoulle-Gut zu disponircn hätte; so wie wenn man von dieser Voraussezung abstrahirt die Verständigung über das Fegefeuer keine Schwierigkeit hat. Da man nämlich nicht umhin kann mit dem Begriff des Zeitlebens als solchen oder der Vcrzcitlichung einer zu solcher nicht bestimmten Kreatur, jenen, entweder der Möglichkeit und Obliegenheit einer Integration des Zeitlichen zum Ewigen, oder einer Purisication als einer Tilgung dessen zu verbinden, was sich einer solchen Ent- zcirlichung widcrsezt, und eine solche Kreatur von ihrer Dcsintegri- rung aufhält hicmic aus der Ewigkeit heraushält — da, sage ich auf solche Weise die Zeit als solche für eine Gnadcnzcit zu erkennen ist*), so kann freilich nur mit dem völligen Austritt aus der *) Ueber das wahre Verhalten der Zcitlichkcit zur Ewigkeit derselben Dinge, hat sich Meister E ck ar t am bestimmtesten ausgesprochen, 15 Zcit odcr mit dem Eintritt ins Ewige Leben der Erlösungsproceß als völlig beschlossen und beendet gedacht werden, odcr, falls man indem er sagte: „Wer die Dinge und wer sich selber last, da sie (im Wesen) räumlich-zeitlich getrennt und zerstreut sind, der n i m m t (besizt) sie, da sie einig und nngetrennt sind" d. h. in ihrer Unterschiedenheit Einig und in ihrer Einigkeit unterschieden (womit eigentlich nur ihr Aufgenommen- seyn in Einen Organism besagt ist), weil das unnnterschiedne als Confun- dirtes eben so uneins ist als das getrennte, obschon man bisher irriger Weise gewöhnlich den Begriff der Einheit der Vielheit dualistisch entgegen sezte, da ja Cvnfnsion und Getrenntheit sich gegenüber stehen, und die Einheit nur als ihre Mitte oder als sie vermittelnd zu begreifen ist. Goethe sah dieses nicht ein indem er sein Gedicht (Eins und alles zur N a tu rw issensch aft lH.smit den Worten anfängt: Zm Gränzenlosen sich zu finden, Wird gern der Einzelne verschwinden. Was sich doch widerspricht-falls man das sich Finden desselben Einzelnen im G.änzenlosen nicht als ein Verschwinden im Begränzten sich denkt, wobei also das Einzelne doch ein solches bliebe. Aber Goethe laborirt hier mit den deutschen Naturphilosophen (deren Papa er eigentlich war) an der Spinozistischen Vermengung des Unendlichen mit dem Unbestimmten so wie des Endlichen mit dem Bestimmten, oder des Einen mit dem Eonfusen. Da doch Spinozas Saz: om »is lwwi'uiinmio est I >sx!>lio nur in seiner Umkehrnng wahr ist als: om»is Netei-Miiimio ost z>o«nio giiia »>?A!»io Indelei'min-Nionis. — D. h. der Bestimmende bestimmt sich zwar selber in der Bestimmung eines von sich unterschiednen, aber sein Bestimmt-werden negirend sezt er sich hiemit als frei und bestimmt, erfüllt und gestaltet sich, so wie man nicht sagen kann, daß das sich gliedernde Leben seine Freiheit hiemit aufgiebt, da es selbe hiedurch erst gewinnt. M. Eckart sagt ferner von allem in der Zeit nur von ihr und für sie Lebenden „daß alle Liebe dieser Welt nur Eigenliebe, folglich keine Liebe ist, und daß der Mensch nur von Eigenliebe last, insofern er von der Lust der Zeitwelt last." — In der That gelangen die Wesen dieser Zeitwelt nie zum freien (ganzen) Leben, weil sie immer nur mit Noth sich des Sterbens zu erwehren haben, und diese Lebensnoth, Lebens- armuth und Lebensgefahr auch keine Liebe aufkommen last. — Wenn aber die Liebe nur als ein fremder dieser Welt nicht heimlicher Gast in ihr erscheint, so gilt dasselbe, da ja nur das Schöne liebenswürdig ist auch vom Schönen wir schon das Wort: Wunderschön sagt, womit nämlich die Jndemonstrabilität des Schönen oder seine Unbegreiflichkeit ausgesprochen ist, d. i. seine Divinität. Der von den Aesthetikern gemacht werdende Unterschied des Erhabnen und Schönen hat darum keine andre Bedeutung als daß das Schöne das Erhabne im freien Descensus, das Erhabne, das Schöne im Ascensus ist. Welche Solidarität des Schönen und Erhab- 16 Schnstgründe und andre dafür hat (den Menschensahn ausgenommen), keine Irdisch abgcschicdnen vor dem Eintritt des allgemeinen nen (der Zuneigung nnd der Hochachtung) sich schon damit zeigt, daß die Liebe ertischt, so wie ihre Gabe — das Schöne—nicht mehr als freie Gabe erkannt wird. Zeitlich ist übrigens was aus der Ewigkeit herausgewandt ist, durch dessen Wiederhineinwendung das Ewige sich zu äussern oder zu offenbaren vermag. Denn nur wenn die Natur, deren Streben an sich mir vor sich oder heraus geht, hinein zur Ueberuatur gewendet steht, kann die Uebernatur durch sie herausgewandt oder offenbar stehen. — So weit haben es indessen unsre Naturphilosophen noch nicht gebracht um einzusehen, daß die Uebernatur sich nur durch die Natur offenbart, und die Vorstellung einer übernaturlosen Natur gleich absurd mit jener einer naturlosen Uebernatur ist. Da nun aber der Mangel dieser Einsicht das Nadicalübel ist, woran unsre Philosophie und Theologie noch laborirt, so finde ich es für gut, mich hierüber mit folgendem auszusprechen. Wenn nämlich die Philosophen uns immer von Natur, die Theologen von Uebernatur sprechen, so daß es scheint als ob jene» die Uebernatur, diesen die Natur überflüssig däuchte — so geben sie uns doch beede über das normale Verhalten beeder keine Auskunft, weil ihnen die Einsicht mangelt, daß und wie ohne Natur die Uebernatur sich nicht zu offenbaren vermöchte, sondern sich selber, somit auch andern verborgen bliebe; wobei die Statur in Bezug auf das übernatürliche Organ (Mitwirker oder als offenbares und offenbarendes Wort) als Werkzeug begriffen wird, oder wie J.Böhm sagt als das ll?i-u oder der Schaffer. Woraus aber folgt I) daß wer eine ewige Natur läugnet, hiemit auch eine ewige Offenbarung der Uebernatur läugnet, 2) daß die ewige Geburt des Worts, über und ausser der ewigen Natur sowohl von dessen ewiger nichtcreaturlicher Offenbarung durch die Natur, als von dessen crea- turlichcr Offenbarung durch die creaturlich wordne Natur zu unterscheiden (weder zu trennen noch damit zu vermengen) ist. Wie nun die Uebernatur sich selber durch ihre Offenbarung vollendet, so gilt auch von der Statur, daß sie nur lezter dienend, ihrer eignen Offenbarung Vollendung gewinnt. Worüber z.B. Hegel im Unklaren war, indem er zwar den Dienst anerkannte, den die Natur zur Offenbarung der Uebernatur zu leisten hat, hiemit aber die Natur als einen Werkzeug, welcher seinen Dienst geleistet hat, als weggeworfen und völlig aufgehoben betrachtete, somit keine Ahndung von einer hier geschehenden Erhebung der Natur zur Uebernatur so wie von einem Decensus der leztern hatte. Wogegen der Philosophus Teutonicus sich hierüber am Bestimmtesten bereits ausgesprochen hatte, und den Urständ der Natur in der creativen Begierde des Willens nachwiest, so daß ein begierdeloser Wille nur der kraftlose und unvermögende, nicht aber der Begierde- und Natursreie somit ihrer mächtige und gewaltige seyn würde. Wie, muß man aber fragen, ist bei 17 Weltgerichts (nach welchem wie der Engel in der Apocalypse ruft, keine Zeit mehr scyn wird) völlig zcitfrci, d. i. von dem Zeitlichen völlig unassicirt zu denken, — so scheint es auch, daß man von keinem Abgcschicdnen behaupten kann, daß sich dieser Erlösungs- proceß in ihm nicht auf irgend eine Weise sortsezt, und zwar um so weniger als dieser Proccß seiner Natur nach ein für die gc- sammte Menschheit solidarischer ist. Wenn nun aber schon von diesem Gesichtspunkt aus uns einiges Licht über die dunkle und gchcimniß- volle Region Jenseits aufgeht, so bleibt doch die Kluft unerfüllt, die uns in unserin irdischen Wissen und Wirken von selber geschieden halt, wenn wir uns dem Glauben nicht entschlagcn können an eine fortwährende Gemeinschaft mit ihr mittelst unser Möllens oder Affekts. — Weswegen denn auch die morgenlandische Kirche mit der abendländischen das Gebet für die Abgcschicdnen zwar statuirt, wogegen selbe — weil die Schrift uns keinen bestimmten Aufschluß hierüber giebt — auch kein Dogma ausspricht, was aber nicht nur die Abendländische thut, sondern behauptet daß ihre Schlüsselgewalt bis in Jene Region sich erstreckt, ja daß die Erleichterung, Verkürzung oder gänzliche Befreiung von der Pein solchem Nichtverständniß des Verhaltens der Uebernatur zur Natur ein Verständniß der Religionsdoctri» möglich, welche lehrt, daß wofern die wollende Kreatur sich dem ihr aufgegebnen Dienst der Offenbarung der Uebernatur durch sich, entzieht, sie mit ihrer eignen Natur in Opposition tritt, und gleichsam gegen sich aufbringt, indem sie sich der freien Evolution und Vollendung der Offenbarung der leztern widersezt. — Es würde übrigens gleich irrig seyn, falls man die oben aufgestellte Dreiheit dcS Princips, Organs und Werkzeugs entweder mit dem primitiven und heiligen Ternar vermengen, oder jener ihren Bezug auf leztern verkennen würde. Dieser Ternar ist nämlich schon im Princip, als im Verborgnen Gott sanit der Weisheit (Jdea) enthalten, in welchem das Wort als eingeboren ist (lil princixio erat Verbum); und es ist dasselbe Wort, welches durch die Natur offenbar wird, als Mitwirker und Organ des Princips (et veriiviu erat !>!»»! Ne»m). So lange aber die Theologen zwischen der ausser der ewigen Natur geschehenden Geburt des Worts und dessen durch die Natur geschehenden Offenbarung nicht behörig unterscheiden, indem sie beide vermengen oder trennen, so lange wird auch ihre Exposition des Ternars unklar und unbefriedigend scyn. 2 18 des Fegfeuers so wie die Verlängerung und Verstärkung derselben eines der Prärogativen des zeitlichen Oberhaupts der Kirche ist. Wie weit man aber in Rom diese Präsumtion schon trieb, und wie sehr man das Fegfcucr eigentlich als Domaine des Romischen Stuhls betrachtete, läst sich aus ältcrn päpstlichen Dccreten entnehmen, in welchen den Engeln untersagt wird, die Seelen Jener welche mit Jnterdict belastet starben, in den Himmel aufzunehmen, so wie derselbe Glaube an die auch Jenseits fortwirkende Macht des Papstes der Kirche die reichsten Schenkungen einbrachte, wie denn in Jedem Schenkungsbricf die Formel: In reimnlium nniinne sune sich findet, weil die ihren zeitlichen Besiz der Kirche überlassende auch nicht den geringsten Zweifel darüber mehr hatten, hicmit sich die ewigen Güter erkauft oder eingetauscht zu haben.H Wenn schon die morgen- und abendländische Kirche in Betreff der Sacramente^) in der Hauptsache übereinstimmen (L) *) Nach Salvians Lehre galten alle Schenkungen an die Kirche als !»'«»!> I>eecaio>i,»i. — Auch Ellendorf giebt diese Schenkungen als die ergiebigste Quelle des Reichthunis der Kirche an, reu welchem Er (die Karolinger Lr Theil S. 38) sagt: „das Gruudübel in der Kirche war der unermeßliche Reichthum der sich bei dem Clerus von Tag zu Tag mehr häufte, wofür er auch mit der grösten Beflissenheit sorgte. Auf allen Synoden, in allen Kapitularien wurde es dem Volk eingeschärft, ja den Neunte» und Zehuten zu bezahlen, und Schenkungen an die Kirche zu inachen, die stets als zuelia ;>eccmori:in nach Sal- vians Lehre dargestellt wurden; ja es wurde sogar empfohlen seine Güter zum Nachtheil der Erben der Kirche zu schenken." — Um wie viel besser wäre es um die Kirche gestanden und stände es noch jezt, falls Karl der Grosse auf den Einfall Peters des Grossen gekommen wäre, den Clerus aus dem Ertrag des gesammten Kirchenfond zu besolden! **) Noch immer stehen sich aber in der abendländischen Kirche die materialistische Auffassung des Sacraments und die schlechte spiritualistische entgegen, worüber ich folgendes bemerke. Wenn man die innerliche durch kein Naturwirken vermittelte Bergegenwärtigung des heimlichen göttlichen Worts der Liebe und dessen Eingang in die Seele des Menschen das Innre Saerament Heist, so muß man sich die Einsicht verschassen und festhalten, daß — da innre und äussre Affektiv» — Rührung nnd-Be- rühaung einander hervorrufen, weil sie in solidairem Verband stehen — 19 so untcrschcldcn sich doch beide darin, daß die morgcnlandsiche Kirche dein alten Ritus hicrinn treuer blieb als die abendländische. diesem inner» Eintritt und Vergegenwärtigung des Worts immer auch eine äussre durch die Natur als Werkzeug sich verwirklichende Nergegen- wärtigung desselben, d. h. daß dem innern Sacrament immer ein äussres entspricht, und zwar selbst dann, wenn der Mensch dieses in der Natur sich kund gebende Wirken als Weihe der Umgebung ignorirt, oder selbes nur in seiner Negativität (gegen das sich widersezende) inne wird. Der Mensch findet sich hiemit in die Atmosphäre (Wirkungssphäre oder lUi-ciiius »ittZl'-nioiiiü) des Geistes eingetretten, wenn auch dieser noch nicht ihm innerlich sich kund giebt; so -wie umgekehrr diese innre Kundgebung nicht statt findet, ohne daß der Geist nicht mit einer ihm entsprechenden Wirkungssphäre sich umgiebt. Wenn eS darum schon gewiß ist, daß es nicht in des Menschen Macht liegt, den keiner Loealität und Zeitschranke unterworfnen Geist beliebig in solche zu bannen, so ist es doch ebenso gewiß, daß der Geist sich frei dem Räumlich-gebundnen und gebannten Menschen zu lieb sich selber in diese Schranken einzieht (5ll,i ,i,»a»ui ilaini) ohne hiemit seine Ubiguität und Universalität aufzugeben. Da ferner das Wort als das Innre Sacrament ein Ewiges ist, so wäre ein Ihm entsprechendes äussres, natürliches und sacramentales Wirken unbegreiflich, falls die hiebei als Werkzeug wirkende und dienende Statur nur eine vergängliche Natur oder ein verweslicheS Wesen wäre und das eigentlich conseerirbare in dieser verweslichen Natur nicht selber von einer ewigen Statur abstammte, welche sich in Jener — verschlungen, verblichen oder verlarvt, jedoch wie das im Stein verlarvte Gold reducibel befände (welcher Reducibilität Herstellung das Werk der Erlösung war). So daß also die Weihe der sacramentalen irdischen Materie durch Erweckung der unsterblichen Natur in ihr sich als Antieipation der Auferstehung (Reduetion) der Erde darstellt, ohne welcher der mit lezter in Solidum verbuudne Mensch selber nicht aufzuerstehen vermöchte, dessen erste Bestimmung eS war, die dem Tode heimgefallne Erde wieder auferstehen zu machen. — Nach dem hier gesagten kann man folglich jenes Mißverständniß älterer und neuerer spiritualistischer Mystiker berichtigen, welche den Aecent auSschliessend auf das Innre als wie sie sagen, das allein Wahre (Reale) legen, und das Aeussre nur als dessen unwesentliche Figur (Spiegelschein oder Schatten) gelten lassen. Was sie aber Innres nennen ist doch nicht ohne seinen ihm entsprechenden Aeussern, weil ein Innres ohne seinem Aeussern in seiner Realisirung eben so.unvollendet ist als ein Aeussres ohne seinem Innern und weil das was in einer Höhren Region Peripherie in der niedriger» Central ist. Diese Behauptung kann also nur in Jenem engern Sinn genommen werden, daß das in der Zeitwelt Aeussre (Leibliche) in keinem wesentlichen Verband mit dem Ewigen Innern steht, weil es nicht das diesem entsprechende 20 Ohne nun hier von dem früher» Unterschied der Immersion und Adfpersion bei der Taufe Ermahnung zu thun, will ich nur auf Jenen bei der Evcharistic aufmerksam macheu. Indem nämlich die morgenlandifchc Kirche das Brodbrcchcn und die Ncrthcilung des Kelchs beibehielt, so behielt die abendländische Kirche zwar die zwei Gestalten für den Priester, nicht aber für die Gemeinde (auch schaltete sie, man weiß nicht warum, in die Cousccrations- wortc das: JlMorium Illelol ein), womit lczte vom Tisch des Herrn eigentlich ausgeschlossen bleibt, und sich mit den Brosamlein Aeussre ist, »nd daß also leztres nur als unwesentliche Figur am zeitlichen Wesen erscheinen kann. Wie aber das ewige Wesen am zeitlichen nur als Figur erscheint, so kann das zeitliche Wesen im Ewigen gleichfalls nur als Figur erscheinen, und wenn der Apostel sagt, daß das Wesen dieser Welt vorgeht, so bleibt doch ihre Figur wenn die Figur der künftigen Welt zur Substanz wird. Ich habe aber bereits in meiner Revision der Hcgel'schen Philosopheme den Zweck und die Nothwendigkcit solcher an sich unwesenhafter Apparitionen nachgewiesen. Wie z. B. der vor mir auf der Erde stehende oder sich bewegende Schatten von der wesentlichen Existenz «einer Wolke oder eines Vogels über mir Zeugniß giebt. — Der hier aufgestellte weitere Begriff des Sacraments findet übrigens seine Bestättigung in Jenem der Kultur der im Bereiche des Menschen sehenden Natur, deren Kultivirung nämlich so wie ihre Verwilderung mit Jener des Menschen gleichen Schritt hält so wie er mit ihr, in Folge jenes tiefern solidairischen Verbands beider, von welchen unsre Naturphilosophen keine Kunde haben. Der wahre Kultus der irdischen Natur oder der Materie ist nämlich weder der blos industrielle d. h. auf die materiellen Bedürfnisse des Menschen beschlossne, egoistische, noch viel minder Jener Kultus den die Simonisten mit ihrem Oiile ,1g l» luaiiöi-g meinten — sondern es ist Jener welchen Paulus damit andeutet , dag er vom Seufzen und Harren der Kreatur auf die Offenbarung der Kinder Gottes (des Bildes Gottes im Menschen) spricht, durch welche sie von dem Dienst des Eiteln frei wird. — Sowohl der Nichtbrauch als der Mißbrauch der natürlichen Dinge von Seite des Menschen, verlezt dieselben und sezt sie in ihrem Trieb zur eignen Jn- tegrirung zurück oder widersezt sich diesem, womit der Mensch als Fluch im Gegentheil des Segens der Natur sich kund giebt. Von welchem Trieb zur Integration (Dcmaterialisirung) der natürlichen Dinge, so wie von den Gestalten welche der in der Materie gefangne Proteus hiezn annimmt, die Alchimisten mehr wüsten als die nenern Naturforscher oder Natnrbeschreiber. 2! begnügen zu müssen scheint, welche von des Priesters Separat - Tisch abfallen. Deswegen auch die nwrgenlandischc Kirche der abendländischen den Borwurf macht, daß sie hicinit dem Bolk den ursprünglichen Begriff der Communion aus den Augen gerückt halt, indem doch hier alles auf die Fcsthaltung dieses Begriffs als eines socialen und nicht partialcn Thuns ankommt. — Wenn ferner schon beide Kirchen die Ohrcnbeicht einführten, so sahen wir doch, daß die morgenlandischc Kirche von jenem wirklich enormen Mißbrauch jener sich freihielt, welcher in der abendländischen Kirche um sich griff. In welcher lcztcrn nur zu oft das Beichtkind seinem Beichtvater und Dircctcur sich auch ausser dem Beichtstuhl nicht blos als Gewisscnsrath unbedingt unterwirft, sondern sich ihm gcwisscncigen (was ungleich mehr als leibeigen ist) macht, und sich gewissen- wie sclblos dem Beichtvater als objektivem Gewissen ergiebt somit auf die Stimme Gottes in seinem Gewissen nicht mehr hören zu dürfen wähnt, weil ja der Beichtiger an Gottes Statt mit ihr spricht.*) — Indem ich übrigens nicht nöthig finde, bei andern Unterschieden beider Kirchen in der Administration der übrigen Sacramcntc zu verweilen, bemerke ich nur, daß dieselbe abendländische Kirche, welche beim Ausbruch der Reformation von der Beseitigung des Kelchs und vom Cälibat schlechterdings nicht abging, bei den unirtcn Griechen hierüber so wie über das?iliogne keineswegs difficil war, um so strenger aber das Dogma des Primats festhielt, (v). *) Daß hierum, nämlich in den Begriffen von der Beichte, sich nichts geändert hat, kann man aus den hierüber gegebne» Lehren des Neuen Heiligen Liguori entnehmen, besonders in seiner Schrift „zur Beruhigung serupulöser Gemüther" welche einen volligen Qnietism und Molinism, nicht in Bezug auf Gott, sondern auf den Beichtvater lehrt Eine Lehre, die ohne dies allen Möllens - und Wissensfaulen zusagt. 22 Vevgleichung der morgen- und abendländischen Kirche inBezug auf das Priesterthum ü berhau p t. Da beide Kirchen über den Begriff der Ordination als der primitiven Institution des Priesterthums überhaupt, unter sich zwar einig, von dem Protestantism aber hierin unterschieden sind, so finde ich es für gut vorerst und zum Behuf einer schriftgemasscn Bestimmung des christlichen Priestcrthums im Unterschied und Gegcn- saz des Layen sowohl als des alttcstamcntarischcn Priesterthums hierüber folgendes zu bemerken. Uebcr den Begriff der Ordination oder der Einsczung dcS christlichen Priesterthums im Unterschied des Jüdischen geben uns die Schriften des neuen Bundes nur wenig Kunde. So findet sich wenigst in den Evangelien nirgends, daß Christus durch Hand- . auflegung seine Apostel und Jünger zu solchen ordinirt hat, und nur Lucas 24, 50 wird gesagt, daß Er unmittelbar vor Seiner Himmelfahrt seine Hände aufhebend, nicht selbe auf sie legend, die Apostel gesegnet hat. Dagegen kommen in der Apostelgeschichte und in den Briefen der Apostel Anzeigen hierüber vor, welche frcylich von der ersten Einfachheit und Cercmonienlosigkcit solcher Ordination Zeugniß geben. So wird in der Ap.-G. 1, 20 das Aufsehcramt (Vorstehcramt oder Episcopat, ursprünglich Pfarramt) zwar mit dem Apostelamt als gleichbedeutend genommen, lezters aber doch wieder auf die Zcugschast der Auferstehung des Herrn beschrankt, so daß die Apostel zwar Vorsteher scyn konnten, diese aber darum nicht Apostel waren^). Von Mathias wird gesagt, daß selber durchs Gebet und Loos und durch die Einmüthigc Stimme der Gemeine (Apostel und Jünger) den Aposteln beigeord- *) Wenn die Vorstsher auch Aelteste heissen, so muß bemerkt werden, daß im ganzen Morgenland dem Aller die Snperiorität und Autorität zuerkannt wird. 2:; net ward, ohne daß hicbci von einer Handaufleguug die Rede ist, 1, 26. — Petrus sogt (6, 1), daß es nicht schicklich sey für die Apostel den Dienst des Worts zu unterlassen und die Tische der Armen zu bedienen, weswegen es den Aposteln und der ganzen Menge (6, 5) gefiel Armenpflegcr oder Diaconen zu wählen und aufzustellen, welchen die Apostel unter Gebet die Hände auflegten 6, 6H — 8, 14 Heist es, daß die Gesandten (in Jerusalem) den Petrus und Johannes nach Samaria sandten (welche Sendung übrigens eine völlige Egalitä unter den Aposteln beweiset) und daß die blos auf den Namen Jesu getauften, den Heil. Geist nicht empfangen habenden Samaritancr, durch Handauflage von den bcyden Aposteln den Geist empfingen, wo also gleichfalls von keiner Ordination zum Vorstchcramt die Rede ist. Und eben so heißt es 19, 5, daß die Jünger in Ephesus nicht einmal wüsten, daß ein Heiliger Geist sey (worin sie von vielen Geistlichen und Weltlichen in unserer Zeit sich nicht unterschieden), indem sie nur auf Johannis Taufe getaust waren, daß aber der Heil. Geist gleichfalls auf sie, ohne Unterschied, fiel, nachdem Paulus ihnen die Hände ausgelegt hatte. Bei welcher Gelegenheit ich nicht umhin kann zu bemerken, daß die Theologen doch Gründe dafür angeben sollten, warum in der Folge diese Erwcckung und Mittheilung des Heil. Geistes so völlig inostcnsibel geworden ist, da selbe doch ursprünglich aus die cclatantestc Weise bei Vorstehern und Nicht- vorstehcrn sich kund gab. — 9, 17 wird von Paulus gesagt, daß auch er durch Handauflcgung eines Jüngers (nicht Apostels und nicht Vorstehers) Ananias in Damaskus den Heil. Geist empfing. Wogegen 11, 44 berichtet wird, daß auf Cornelius und seine Angehörigen bereits vor der Taufe und vor der Handauflagc H Es ist nicht abzusehen warum diese Funktion der Diaconen später aus den Augen gerückt ward, und wenn ohne Zweifel die Hilfe und Vorsorge für die Armen als ein von der Kirche untrennbares Institut bei deren Gründung geachtet wurde, so sollte selbes nicht minder für den Fortbestand dev Kirche als solches, zu jeder Zeit anerkannt worden seyn. 24 der Heil. Geist gefallen war, wie dem, Petrus von ihnen sagt, daß sie den Heil. Geist empfangen hatten, gleich wie sie (die Apostel, am Psingstfcst) selber. — 13, 1 legt die Gemeinde zu Antiochia fastend und betend dem Paulus und Barnabas die Hände auf zu ihrer Mission. 14, 23 wird gesagt von Paulus und Barnabas, daß sie bei Jeder Gemeinde, die sie gepflanzt, Acltcstc mit Fasten und Beten bestellt haben. 15, 22 wird von der Einstimmigkeit der Gesandten, Aeltcstcn und der Gemeinde in Jerusalem gesprochen, von denen also Jeder Stimmfähig war. Römer 15, 16 nennt sich Paulus einen Minister (Priester) Christi, welches Ministerium indessen nach andern Schriftausdrückcn jedem Geist-Menschen (Iwmiiio-espr-il) zukömmt, und welches der ursprüngliche Beruf des Menschen war. Cor inth I., 12, 27 wird unter und neben mchrcrn Gaben des Geistes an die Gemeinde- glicdcr auch die Gabe des Dirigircns oder Gubcrnirens der Gemeinde, so wie des Lchrcns derselben angeführt, daß also mit der Funktion des Vorstchcramts keineswegs eine ausschliesscnde Con- ccntration sämmtlicher Gaben des Geistes, als auf dieses Amt beschränkt ausgesprochen wird. Dem Timotheus (I., 4, 14) wird gesagt, daß er die Gabe nicht vernachlässigen soll, welche ihm durch Weissagung und Handauflagc der Aeltcstcn gegeben scy, so wie er gewarnt wird, seinerseits mit der Handauflcgung vor- sichtig zu verfahren. Petrus (1, 5. 1) crmahnt die Aeltcstcn und Mitältcstcn als Mitzcugcn der Leiden und der Auferstehung des Herrn, meldet aber nichts von seinem Primat und Fürstcn- thum. Und endlich wird in dcrOffenbarung 2, 5 dem Aufseher (Bischof) von Ephcs gesiegt, daß der Herr ihm den Leuchter von seiner Stelle rücken, ihn seines Bisthums cntsezen wird, falls er seinen Sinn nicht ändern sollte. — Was also der spätem Vorstellung eines llliaraotor imlulebiljs nicht entspricht. Aus dieser Darstellung des ersten Verhältnisses des Klerus als der Vorsteher zu den Gemeinden kann man nun entnehmen, daß 1) die Wahl derselben hauptsächlich von den Gemeinden selber geschah, daß schon ursprünglich das Vorsteher- oder Bischofsamt vom Apostclamt unterschieden war, und daß, wenn schon cin Apostel einige Zeit einer Gemeinde selber vorstund und sodann ihr einen Vorstund gab, der Nachfolger des leztern doch nur von der Gemeinde gewählt ward, so wie crstcrcr sein Apostolat keinem dieser Vorsteher dclegirte, weil selbes seiner Natur nach nur personlich und nicht transmissibel war, wie selbes schon aus Apostelgeschi chte k, 22 erhellt. Was somit einer Erbfolge eines Apostcl- amts widerspricht, worauf doch allein die Vorstellung eines Primats sich stüzt. Man sieht aus dem Gesagten 2) daß der Klerus in jener Zeit sich auf den Vorsteher (der auch Presbyter hieß) und auf den Diacon beschrankte, von denen Jener sich mit dem blos geistlichen, Dieser sich auch mit den weltlichen Verhältnissen bcfaste, daß aber von einem Unterschied und Unterordnung der erstem oder der Bischöfe unter sich ganz keine Rede war. Endlich sieht man 3) daß durch eine solche Wahl eines Vorstands von Seite der Gemeinde keine Dclegirung des Geistes oder der Geistcsgabe an selben geschah als gleichsam einen ?oous und ?üel!>» e»l) aber nicht mehr mit denselben Werkzeugen, somit freilich nach andern Gesezcn, und eine Vereinerleiung des Organs mit dem Werkzeug (wie selbe der crasse Materialism statuirt) ist hier ganz unmöglich. Hiebe! hat sich aber im magnetischen Leben faktisch herausgestellt, daß diese von ihren Leiblichen Werkzeugen geschiedne Organe, indem sie aus ihrer durch ihr Gebundenseyn an jene Sondrung unter sich frei werden und in eine Union gehen, dasselbe vom Freiwerden des Denkorgans vom Gehirn, somit von.der Union gilt, welche Jene nun auch mit diesem Denkorgan eingehen. In welcher Einigung sie sich mehr oder minder vollständig in Einen meist mobilen und beliebig inner dem Leibe, zum Theil ausser ihm sezbaren Focus sich sammeln. Mit welchem Freiwerden und Vereintseyn aber nicht selten eine Intensität, Velocität, Extensität und Virtualität dieser Lebensfunktionen sich kund giebt, welche jeden Zuschauer — nur den bornirten Rationalisten und bornirten Theologen nicht — in Erstaunen sezen, indem ihm wenigst ein flüchtiger Silberblick über den Iioinine I»ir->cie zu Theil wird, der in diesem irdischen Geschirr als Asche in der Todesurne noch stille liegt und seine Palin- genesie, mehr oder minder wahr, in solchen Momenten anticipirt. — Da nun aber das Princip- und Organleben ohne dem werkzeuglichen Leben und Wirken es nicht zur Effektivität bringt (worauf sich auch der Materialist stüzt) so fragt sich freilich was hier, wo eine solche Effektivität eintritt, als Werkzeug an die Stelle Jenes verlassnen materielle» Werkzeugs tritt, und ob ein solches Werkzeug ein bereits wieder jenem Princip und Organ Eignes oder vielleicht um aus einem universellen Werkzeug temporair zugebildetes und sohin mehr als Kleid zu betrachte» ist, als wirklicher Leib! was auch vom irdisch leiblichwordnen Menschen gilt, mit welcher Leiblichkeit der Mensch als Princip und Organ nicht in jene wahrhafte Verbindung tretten kann, als mit der nichtirdischen Leiblichkeit, zu welcher selber geschaffen war. Denkt man sich nämlich den Nervengeist (oder die Tinctur) mit all seinen Potenzen und Virtualitäten in Bezug auf das Principleben als Organ (was schon die alte Benennung: Lebensgeister richtig ausspricht) so kann man ihn in dieser seiner Abgeschiedenheit vom materiellen Werkzeug doch nur mit dem von seinem Elementatum geschiednen Astralgeist vergleichen, und man begreift daß ein solches Organ nun nicht mehr auf die Elementata, sondern auf die Nichtmateriellen Elemente selber einzuwirken bestrebt seyn wird, um diese unmittelbare zu Produktionen anderer Art zu bestimmen. — Wenn nun aber bei Magnetischen Im reinen Zustand das Perceptions- oder Sensativnoleben mit dem Affekt- oder Gefühlleben zugleich sich erhöht 30 Beschaffenheit des Leiters ganz keinen Einfluß auf dessen Lcitungs- fahigkcit haben sollte, — ohne zu bedenken daß eine solche Indezenzen, und wenn man sieht daß im ersten Fall diese Erhöhung die Folge der Aufhebung oder Lösung der Isolation der Glieder des Sensationslebens unter sich, ist, so kann man sich der Ueberzeuguug nicht erwehren, daß nicht nur allein für das an die Eingeweidnerven .»' ex- eoNonvs des Herzeus) gebundne Affekt- oder Gefühlsorgan eine gleiche Lösung einer Isolation eintretten, sondern daß jene Isolation hier aufgehoben werden muß, welche beide Systeme (des Perceptions- und Affektslebcno) bis dahin gleichsam policeilich gegen einander gesperrt und nur dürftig miteinander im Verkehr hielt. Woraus sich denn die der Lehre vom Magnetism noch mangelnde Einsicht ergiebt, daß in allen Stufen seiner Erscheinung eine Entbindung des Orgaus von seinem materiellen Werkzeug statt findet, somit eine Union des Organs sowohl in seinen Gliedern als in seinen zweien vorzüglichen Systemen. Womit denn auch alle bisherigen irrigen Vorstellungen hierüber z. B. Jener, gemäß welcher das Affektleben zwar erhoben aber blind das Sensationsleben deprimirt hielte, oder Jener, gemäß welcher das bereits freie Sensatiousleben an die Bauchgangliennerven wieder gebunden würde w. zurückgewiesen werden. — Daß aber im magnetischen und allen hiemit verwandten Zuständen das bis dahin dunkle Gefühl Licht, das unfühlige Licht gefühlig wird und der Mensch somit aus seinen beiden Hälften zu einem ganzen Menschen zusammengeht — dieses Factum sage ich hätte den Menschen auch längst darüber belehren können, daß wenn auch unvollkommen, und flüchtig sich ihm eine Weise seines Daseyns hiemit darbietet, welche er nothwendig für die primitive so wie für Jene anerkennen muß seiner künftigen Reintegration. Ueber welche vollkouunne Union seines Gefühls- und Erkennt- uißlebens der Mensch eben weil selbe ihm eonstitutiv ist, sich nicht zu wundern braucht, wohl aber darüber warum und wie er selber wieder verlustig geworden und Jener Isolation anHeim gefallen ist, in welcher seine irdische Bildung oder Organisation ihn festhält, und gerade in lez- ter wird der tiefer blickende Anthropolog den traditivcn Beweis einer stattgefunden habenden Katastrophe finden welche nur damit eintretten konnte, daß der Mensch von der normalen Union seines Affekt - und ErkenntnißlebenS sich abwendend, eine verbrecherische solche Union (ein Adulterium) einzugehen strebte, welcher entgegen nun jene Isolation eiu- tratt, wie denn das Böse eben nur so wie das Gute durch Getrennthalten seiner Zeugepotenzen, impotent wird. Denn diese Isolation sollte nur policeilich die schlechte Union zwar hemmen zugleich aber eine gute Union möglich machen und diese gegen Jene schirmen. Woraus man sich überzeugt wie sehr jene unsrer Anthropologen die wahrhafte Statur des Menschen verkennen und ignoriren welche seine irdische Bildung, somit lelsilitat des Charactcrs sich ganz wohl mit der Suspension und Tilgung dcr Nirtualitat oder Lcitungsfähigkcit vertragt. Wie denn die durch selbe für leztern cintrettende schier ins Endlose gehende Isolation und Bindung aller seiner Bermögcn für den allein primitiven und natürlichen Zustand des Menschen halten, hiemit aber den Menschen ^ obschon sie ihn nur empyrisch zu begreifen vorgeben, dock eben so abstrakt fassen, als Jene Philosophen welche gleichfalls auf der Isolation des Anerkennen-? and des Affekts und im abstrakten Getrennthalten beider ihre Systeme ausbauen und keine Ahndung davon zu haben scheinen, daß ein solches affektloses Erkennen eben so unwahr ist als ein erkennt- uißloser Affekt. Wohin aber eine solche ablolute Trennung und Isolation führt, kann man sich — in jedem Irrenhaus überzeugen, indem bekanntlich bei Irren das Gehirn- und Affektleben völlig isolirt sind, weswegen sie ganz keine Empfänglichkeit für magnetische Einwirkung zeigen, und mit dem Eintritt einer solchen auch ihre Heilung begänne. >— Diese in magnetischen Zuständen sich bemerklich machende Reuuion sdes Affektlcbens mit dem Perceptionsleben, und die hiemit cintrettende Elcvation und Integration beider widerlegt somit direct Jene Behauptung Neuss eauS (gw o» 008S0 exizions immer unabweisbarer geltend machen, und welche s.. jenen Philosophen die aus ihnen nicht klug werden können, so ärgerlich und lästig sind, daß sie sogar kürzlich anfingen, selbe auf ihre Weise zu erklären, womit denn freilich die Sache nur schlimmer ward. -— Es M zeigt sich sage ich daß diese in unserer Zeit sich häufenden Erscheinunsgen mit auch den Zweck haben, all diesen abstrakten und distrakten ' Systemen ein Ende zn machen welche in der That nickt minder anti- 'uatürlich als antireligiös, ihrem Gerichte verfallen sind. — Wenn z. B. 'die Hegeliuger ex «.»im-U» die Behauptungen aussprechen „daß das Wisse» (des Menschen) über allem steht, daß es nur reiner (d. h. blinder) Mystieismns sey, sich die Gottheit als Etwas der Jutelliganz des Menschen Unbegreifliches, somit als Etwas für sich selbst und überm Menschen Bestehendes zn denken (als eine sich und unS wissende Intelligenz), daß der religiöse Glaube sich lediglich auf dunkle Gefühle (Ahndungen und Träume) redueirt, und sich von ihm als seinem Herkommen »ach, dem Wissen untergeordneten leiten lassen, von Geistesschwäche und Trägheit zeugt w. re. —so will ich nur dieser Geistesaufgeblasenheit und hiemit Geistesdüune die einzige Bemerkung entgegenstellen „daß die ganze Lehre der Religion auf die Ueberzeugung des Berufs des Menschen fus't Thomas Aquin sich selber hicbci auf den Einfluß des Haupts in die Glieder beruft, ohne zu erwägen daß dieses permanenten Ein- daß selber die Wohnstädte, Tempel, Organ ak'tnoses Bild nnd Repräsentant eines von ihm unterschiednen, für sich sehenden, und darum als Geist ihm umwohnenden sey, zu welchem er sich wie Wesen zum Geist verhal/e—wie denn alles vor dem Princip sehende, dessen Organ, Bild und Mitwirker alles unter Jenem sehende, dessen Werkzeug ist.— Daß folglich eine Lehre welche wie die Hegelscke diese Religionslehre Lügen straft, indem sie behauptet daß dem Menschen nichts innwohne als er selber, da doch gewiß ist, daß falls nicht ein besseres als der Mensch ihm innwohnt ihm ein schlechteres innwohnt — als eine direkt antireligiöse und antichristische declarirt werden muß, 'so sehr auch die domini- rende Indifferenz und wirkliche Ignoranz in allem was das Religiöse Wissen und Thun betrifft einerseits, so wie eine heimliche Zustimmung zur Folgerung aus Jener Lehre andrerseits ihr Urtheil hierüber i» s»5» xeuso chält. — In der That kann man sich aber durch ein leichtes Experiment bei diesen Menschen davon überzeugen, daß sie nur Jenes Licht nicht scheuen welches sie kalt last, und nur jenem Affekt sich öffnen der kein Licht in ihre Finsterniß bringt, somit nicht ihre Werke der Finsterniß straft. -— Aber von dieser Gebundenheit des Lichts an Kälte, und des Affekts (Feuers) an Finsterniß vermag der Mensck sich nicht selber zu befreien und zu erlösen, sondern er gelangt zu dieser Befreiung nur falls er sein Herz (Mitte) einem höhern Herz (Mitte) öffnet, d. h. falls der bis dahin in des Menschen Herz gebunden und ungeboren gewesene positive Vermittler in ihm frei, nnd die negative (jene Isolation bedungen habende) Vermittlung wieder gebunden ist. Denn nur das kältefreie Licht und das finsterfreie Feuer gehen aus ihrer Isolation und Halbheit in jene ganze Androgyne oder innern Geistmenschen (twuimo wirado) zusammen, welchem Gott unmittelbar innwohnt. — Noch muß ich hier im Vorbeigehen eine zwar sehr allgemeine aber sehr unphilosophische Vorstellung rügen, gemäß welcher man sich die im Somnambule änderst gewordne Subjecti- vität lediglich als solche und nicht im Verband mit einer ihr entsprechenden Objectivität einbildet, und von einem im materiellen Auge frei- wordnen geistigen Auge spricht, nickt aber von einem hiemit nicht erst entstandnen, sondern nur diesem leztern sichtlich wordnen geistigen Objekt. Nach welcher irrigen Meinung und Aberglauben an die alleinige Existenz materieller Objekte (welchen materialistischen Aberglauben Hegel von der Naturphilosophie nur annahm) das neue Weltbewnstseyn des magnetischen nur Phantasterei und Bauchredncrei und es unwahr wäre, daß dieser in demselben Verhältniß in eine neuen Weise seines Weltverkehrs als seiner Umgebung eintritt, als er diese in sich eingegangen findet. Ich sage daß es eine lächerliche Behauptung wäre, falls ich eine Musik aus einem andern Gemach nur bei Oeffnung der Thüre desselben hörte, 33 flusscs ohngeachtct doch eines oder das andre Glied lahm werden kann, und daß der unselige Mensch wie der Teufel, allerdings ihren ursprünglichen Charakter (als Imperativ) behalten, ohne daß jedoch selber sich effektiv zu machen vermag, daß folg- bei deren Schliessung nicht hörte, ich behaupten wollte, daß diese Musik erst mit Oeffnen der Thüre entstünde, bei ihrer Schließung wieder aufhörte, und ich mir folglich nur selber diese Musik machte. Wenn darum der Magnetische oder Ekstatische uns faktisch seine >isio und »cUo in «Zist-ins (sein vivet »di smat) erweiset, so macht er sich diese hiemit nicht, sondern beweiset nur sein Eiugetrettenseyn oder Theilhaftwordenseyn einer Region, in welcher diese aoiio und visio bereits zu Hause ist, weil in ihr alles was in einer mehr niedriger» und äussern Region von einander ferne ist, in Jener höhern Region solches nicht ist. Ich habe nun bereits in meiner Revision der Hegelschen Philosopheme gezeigt, daß was ausser dem organischen also blos mechanischen Verbände besteht allerdings dieser Ferne unterliegt, welche der organische Verband aufhebt, und daß wenn schon lezter aus dem erster» nicht erklärbar, und mechanisch nicht möglich ist, doch kein Besonnener aus dieser Nichtmöglichkeit auf die NichtWirklichkeit schließen wird. Wie Jener Doktor in England gethan, welcher nachdem er zweien seiner Kranken das Leben absprach, das sie doch behielten, einer ihm hierüber gemachten Bemerkung mit der Behauptung begegnete „daß diese Kranke allerdings hätten sterben sollen!" — Was man darum den Eintritt eines magnetischen Rapport des Menschen mit der umgebenden Natur und andern Menschen nennt, ist als Aufhebung des früher nur bestand- nen mechanischen Verhaltens, somit als Eintritt in eine organische Gemeinschaft zu begreifen, woraus man vorläufig auf die Liebe als oi-gn- niü-lle»!' nnivei'set einen Schluß ziehen kann. — Für jene Leser welche sich in den hier angedeuteten Unterschied des mechanischen und organischen Kaussalitätsgesezes nicht leicht finden möchten, bemerke ich hierüber noch Folgendes. Das Schema des mechanischen Gesezes ist die Strömung in gerader Linie, ohne Anfang und Ende, somit unbegriffen, inner welchem Strom jeder Moment (Punkt) den andern negirt und verdrängt, so wie verdrängt wird, so daß der Uebergang einer Vergegenwärtigung s in jene von - nur -> Ii v durch die von I- bedungen ist. Denkt man sich aber diese Strömung auf sich gekehrt, oder kreisend, so wird es dem im gegenwärtigen z.B. «ohne erst den Moment I- sich vergegenwärtigen zu müssen. — Man sieht aber hieraus daß das organische Gesez das höchste, und das mechanische ihm nur untergeordnet ist, und wie mesquin alle unsre Cosmogonien sind welche umgekehrt leztres für das primitive halten. Centrum sehenden möglich sich beliebig Jeden Moment zu ver- 3 34 lich eben die Untilgbarkcit dieses Charakters ihre Quaal zugleich mit ihrer Impotenz macht. Mit dieser irrigen Borstellung fällt nun auch Jene einer blossen Znstruinentalität des Priesterlichen Wirkens zusammen. Nun ist freylich nicht in Abrede zu stellen daß eine solche Jnstrumcntalitat im Pricstcr- thum des alten Bundes sich vorzüglich kund gab, weil hier die Manifestationen Gottes sich ausscrlich, in der äussern Natur (sowohl im als ausscrm Menschen) vorzüglich kund gaben, wie denn auch Paulus (Hebräer 9, 14 ?c.) vom Lcvitischen Opferdienst sagt, daß selber die Verunreinigten nur zur Heiligung des Fleisches heiligte, weil es unmöglich sey, daß Thierblut Sünden wegnehme. Wenn man darum schon das unmittelbar schöpferische in der Natur auch im neuen Wunde gegen den Spiritualism festhält, so soll man doch wissen, daß eben die Integrität des geistigen Lebens und Wirkens im neuen Bunde Jene des natürlichen Wirkens bedingt. Weswegen der Berf. der Schrift: „giebt es eine übernatürliche Offenbarung" sehr unrecht daran thut, wenn er den Begriff des blos instrumentalen Pricstcrthums, wie selber im alten Bunde noch galt, ohne wciters in den neuen Bund überträgt und nicht erwägt, daß eben hicmit die natürliche, nicht die übernatürliche Offenbarung auch im neuen Bunde das Dominium haben, und die ganze christliche Heilsanstalt zu einer Maschine gemacht würde. Vcrgleichung der morgenlandischcn nnd abendländischen Kirche in Betreff des Primats oder Oberstbischofamts. Der Hauptunterschicd beider Kirchen besteht allerdings darin, daß die Kirchcnvcrwaltung in der morgcnländischcn Kirche collegial, wogegen selbe in der abendländischen streng monarchisch ist*), daß *) Der Verf. der Schrift (giebt es eine übernatürliche geistliche Ordnung?) sagt, daß „das ganze Priesterthum einer stehenden 35 lcztre behauptet, daß ohne einem solchen Monarchischen Regiment, die Kirche selber accphal und ihrer Einheit ermangelnd wäre, weswegen sie aus der Notwendigkeit dieser Einheit auf die Notwendigkeit zun'ickschlicst, daß Jesus Christus Selber nicht nur dem Petrus personlich die Obcrhcrrlichkeit (Primat) crtheilt, sondern dessen Machtvollkommenheit dem Stuhl Pctri in Rom eingesenkt hat, wogegen die morgenländischc Kirche eben daraus, daß Christus keine solche Einsezung gemacht hat, den Schluß zieht, daß solche zur Gründung und zum Fortbestand der Einheit der Kirche keineswegs notwendig war und ist*). >— In Betreff dieser von der abendländischen Kirche festgchaltnen Monarchie kömmt indessen zu bemerken, daß hierin doch noch eine bedeutende Variation unter ihren Bertheidigern statt findet, indem die Einen selbe für absolut erklären, was eigentlich nur conscqucnt ist, falls man einmal im Kirchenmonarchen einen Statthalter und Bevollmächtigten Jesu Armee gleicht, deren Generalissimus der Papst ist," daß also in ihm die strengste Subordination und Instrumentale Obedienz herrschen soll, womit das Corporative Element gänzlich deprimirt sehn würde, durch einen divinisirten Absolutism. *) Die Nömischkatholische Kirche nimmt darum die Worte: üxtia eodesiai» nicht nur mit dem: I?xlia k!ln'isl»n> »Ulla «al»s gleichbedeutend, sondern mit dem: lüxwa l>az>ai». Welchem Ausdruck man aber Jenen: Lxlra I'elinni hinzusezen müste, falls die Romanisten darüber einig wären, ob Jene apostolische Machtvollkommenheit Jedem auf dem römischen Stuhl sizenden von Jesus Christus unmittelbar (at llist l>a »lli oder durch den Apostel Petrus (at «»»»»,1 >>a»a) ertheilt wird. Wenn darum Möhler (Einheit der Kirche oder das Princip des KatholiciSmus) sagt, „daß wir Christus nur aus und in der Kirche erfahren (inne werden) und daß alle Absonderungen von der Kirche, alle Häresien eine egoistische Auffassung des Christenthums zum Grunde habe», also Unlauterkeit des Gemüths — Jmpietät einschliessen" so ist hiemit darum nichts gesagt, weil Möhler keinen klaren, bestimmten Begriff der Kirche gicbt und dessen Mangel unter Sentimentalität verbirgt. Denn es fragt sich ja eben darum, ob ein Kirchenvorsteher der sich ausschlicssend für den Bevollmächtigten und Christi Geist „al llist Kamt" Besizenden giebt, hiemit das Christenthum nicht egoistisch auffast, und sich der Jmpietät gegen diesen Geist nicht schuldig macht? 36 Christi selber anerkennt oder annimmt, wogegen aber andre nnr eine beschränkte Monarchie statuiren. Wie denn z. B. der Jesuit Statt! er zwar Petrum als die Grundfcste des Hauses, die übrigen Apostel nur als Haupttheile des leztcrn als Gebäudes sich vorstellt, welche Grundfestung durch Jcsum Christum selber — wann und wie, sagt er frcylich nicht — aus Rom sixirt und gleichsam gebannt sey; dagegen aber doch dem Jedesmaligen Papst ex eiUlrecloir keine Unfehlbarkeit zugesteht, ausser in seiner collegialcn Verbindung mit wenigst einigen Bischofen. Welche Lehre indessen Rom mißbilligt hat, wie dieselbe Mißbilligung wahrscheinlich die Behauptung des Verfassers der Geschichte der griechisch-russischen Kirche treffen wird, daß der Papst als solcher und ex calbellou sprechend nicht unfehlbar d. h. nicht Papst sey *). In der That verträgt sich aber eine solche Behauptung nicht mit der Voraussczung einer Statthalterschaft Christi, und trägt wenigst den Keim einer Reduktion der absoluten apostolischen Machtvollkommenheit des Oberhaupts der Kirche auf einen Präsidenten eines Collegiums in sich, von welch letzterm man nicht sagen konnte, daß er unmittelbar vom abwesenden Regenten selber bevollmächtigt sey. Da nun aber eine solche auf den Römischen Bischofstuhl sixirtc Statthalterschaft Christi den Nomischkatholischen als Glaubensartikel gilt, so kann man sich in der That nicht über Jene Behauptungen der Romanisten wundern, welche sie nur als Folgen dieses Einen permanenten Wunders in altern und ncuern Zeiten aussprechen^). Von welchen Conse- P Am leichtesten behilft sich bekanntlich Graf Maistre mit der Jnfallibilität des Papstes, indem er selbe -iwxiWiwo als Non-apellabili- tät nimmt. Der Verfasser der griechisch russischen Kirchengeschichte erklärt den nun ISHundertjährigen Fortbestand des päpstlichen Throns gerade zu für ein Wunder, und zwar als das gröste und unbestreitbarste von allen Wundern S. 493. — In der That ist aber der Fortbestand der abendländischen katholischen Römischen Kirche noch ungleich begreiflicher und minder wunderbar, als Jener der chinesischen und indischen Religionen, 37 qucnzcn wohl nur Eine der geringsten Jene ist, daß die Päpste zu jeder Zeit sich auf eine besondre und ausschlicssende Erleuchtung des Heil. Geistes beriefen zum Beweist ihrer Untrüglichkeit, wovon z. B. folgender Brief des Papstes Urbans VIII. an Maximilian Churfürst, vom 27. Juli 1634 ein Zcugniß gicbt. Lcz- ter wandte sich nämlich an den Papst, damit selber durch einen Machtspruch den ihm ärgerlichen Streit der Thomistcn und Scoti- sten über die von der Erbsünde befreite Empfangniß Maria enden sollte, worauf ihm Urban erwiedert: IVlvrlm ipitur eam (Nm-Iam) eximiis eolero Iwnorilms cupis, clum siaKrantissime pelis eain Oontrorersiam cle ejus Oonoeptione clirinü, gnae plurimn 8ae.au- lorum ilccursn VIuzoIoK«irnm exeroct luKvina. Ouperemus egui- stein Vrineipem sto OIiristia.ua Ilepusilica opiime moritmu in eins- mosti steliberatioue cousnlari. Verum lustioia Ile! asizssus inulla et nubes et eallpci in ejus eireuitn. IZxpeotanstum ergo est, dum Orlens ex alle Lpiritus Laiicli lux Iwo Oooli areauum Voutisi- eine inenti äetexnt nt xeritntis oraoulum eäcre in Iure Oliristia- nao sapientiae Oatliestra possiinns. (O) — Wenn bereits der Jesuit Salmcron, in Oominent. in IZpist. 8. Vauli, welchen der Verfasser einer 1683 in Italien erschienenen Schrift: In ver! e siouri mosti politivi e morali per In conversione «Ii tntti KU In e- tiei anführt, behauptet daß die papstliche Autorität ihren Grund nicht in der Schrift hat, sondern in einer ungeschriebnen Tradition, so muß bemerkt werden, daß man von solchen ungeschriebnen Traditionen (als gleichsam einer viseipliua areani) nichts weiß, wohl aber von gcschriebncn, und daß man unter den heiligen Schriften eben nur die ältesten, pur exeelleuee canonischcn Traditionen versteht *). Da nun aber die unmittelbar von Jesu so wie die Entstehung der geistlich-weltlichen Macht sich meist nur zu natürlich in der Geschichte nachweisen last. Wunderlich ist in der Geschichte freylich manches, was darum kein Wunder ist. *) Sagt man nämlich daß solche Tradition zwar auch aus mündlichen Aeusserungen der Apostel nur später aufgezeichnet wurde, und 38 Christo Selber geschehene Vollmachts- und Suprematscrtheilung an Petrus über alle andre Apostel (wonach Petrus zum Obersten Hirten eingcsczt ward und die übrigen Apostel ihr Hirtenamt unmittelbar nur durch ihn, mittelbar nur von Christo erhielten) in die Lebzeiten Christi selber siele, so solgt daß ein stringentcr Beweiß für diese Einsetzung, auch nur in diesen ältesten ächtcstcn gcschricb- ncn Traditionen gesucht werden soll, worüber auch, nämlich übers Sollen die morgenländische und abendländische Kirche einverstanden sind, wenn schon nicht übers Können. Weil schlechterdings nicht abzusehen, ja weil es unmöglich ist, daß ein solches das Wesen und den Bestand der Kirche oder Gemeinde bedingendes Ereigniß nicht eben so bestimmt jenen Traditionen cinvcrzcichnct worden wäre, als das Institut der Taufe und des Abendmahls. Diejenigen leisten darum dem Römischen Stuhl einen schlechten Dienst, welche wie z. B. der Verf. der Schrift: „gicbt es eine übernatürliche Offenbarung" und zum Thcil auch der Werf, der Geschichte der griechisch-russischen Kirche von einem erst um vieles später, und nicht mit dem Urständ der Christlichen Kirche zugleich in die Wirklichkeit Gctrct- tenseyn des Primats sprechen, indem erster sagt: daß schon in den ersten Jahrhunderten Spuren desselben unverkennbar scycn, was zwar nichts anders sagen will, als daß die Meinung und der Glaube an ein solches Primat zwar nicht in der Apostclzcit, jedoch ziemlich frühe in der Christenheit aufgekommen scy, womit denn aber srcylich nichts für die Richtigkeit dieses Glaubens bewiesen scyn würde, — und indem Lcztcr zu verstehen gicbt, daß eigentlich erst im Vierten Jahrhunderte die Kirche ins volle Leben (Er meint ins Welt- und verweltlichte Leben, wie Er denn unter Selbständigkeit und Würde der Kirche nur ihrer Vorsteher weltliche Macht und Pracht zu verstehen scheint, und nicht anerkennt daß gerade die giebt man ihr hienüt einen Bestand für sich ohne Bezug auf die Schrift, so muß mau diese geschriebne Tradition doch wieder mit einer (ungeschriebnen) Tradition erweisen, woran es fehlt. 39 weltlich obscurstcn Zeiten des Kirchenlcbcns diejenigen sind, in welcher selbes das innigste und wirksamste war) tratt und man als» auch erst von da an die völlige Gestaltung des Primats zu datircn habe. Welche Behauptung eines spatern Entstehens der Kirche aus der Kirche an die Behauptung der protestantischen Ncologcn erinnert, daß zu Christi und der Apostel Zeiten die gründliche Exegese noch in der Kindheit war*) — da nun wie gesagt der Primat nur aus der Schrift, als aus der ältesten Tradition erwiesen werden kann und soll, und da dessen Unerwcisbarkcit aus dieser bereits einen völlig giltigen Gegcnbewciß giebt, so wollen wir vorerst alle hierauf Bezug habende Schrifttexte zusammen stellen, da nur durch eine solche Zusammenstellung dem Mißverstand einzelner Texte gewehrt werden kann. Auf den Primat sich beziehende Schriftstcllen aus den Evangelien. Matthaus 16, 15 — 26. Er sprach aber zu seinen Lehrjüngern: ihr aber wer sagt ihr daß ich sey? Da antwortete Simon Petrus und sprach: du bist der Gesalbte, der Sohn des lebendigen Gottes**). Jesus antwortete: glückseelig bist du Simon Jonas Sohn, weil Fleisch und Blut dir nicht es entdeckt hat, sondern mein Bater in den Himmeln, (wie nämlich nur der Vater den Sohn dem Menschen offenbart, so nur der Sohn den Vater). Aber auch ich sage dir, du bist Petrus (ein Fels) und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeine bauen, *) Daß indessen mit dem Aelterwerden der Kirche die ächte Theologie und Gnosis rückwärts gieng, kann man leicht ans den Apostelbriefen ersehen, in welchen die Apostel vieles sagen was die dortigen Gemeinden verstunden, den derzeitigen Gemeinden aber nicht mehr verständlich ist, so wenig als ihren Borstehern. ^*) Der Begriff des Gesalbten als Gottes Sohns nnd zugleich in die Welt Gesandten ist ein alttcstamentarischcr Begriff, und doch auch der Fundamentalbcgriff des neuen Testaments. 40 und die Pforten des Todtcnbchältnisses (die tödtcndcn Machte) werden sie nicht überwältigen. Und ich werde dir die Schlüssel des Königreichs der Himmel geben, und was du auf Erden binden wirst, wird in den Himmeln gebunden seyn, und was du auf Erden lösen wirst, wird in den Himmeln gelösct seyn. Ilml. 18, 13. Wahrlich ich sage euch (Jüngern) was ihr binden werdet auf Erden, wird in den Himmeln gebunden seyn, und was ihr auflösen werdet auf Erden, wird in den Himmeln aufgelvset seyn. Ibiti. M. Wo zwei oder drei versammelt sind auf (in) meinem Namen daselbst bin ich mitten unter ihnen. Vergleicht man von diesen drei Schrifttextcn die ersten zwei unter sich, denn ohne Schrift und Gegenschrift ist kein Ber- ständniß derselben, so last sich hieraus nicht nur allein kein stringcnter Beweist, sondern ganz keiner für eine Unterordnung der übrigen Apostel unter Petrus führen oder für eine persönliche an ihm hastende Bevorzugung. Wie denn diese Thomas Aquin lediglich in der Priorität der Zeit sucht, weil nämlich dieselbe Schlüsselgewalt, welche im 18. Cap. allen Jüngern, im 16. Cap. dem Petrus allein als erthcilt worden erzählt wird, was nicht nur allein für die Zeitfolge selbst nichts beweiset, da in den Evangelien Versczungen nichts seltnes sind, was aber noch weniger, wie Thomas Aquin will, einen Schluß auf eine Caussalitätspriorität gestattet, so daß Christus die Einrichtung getroffen hätte, daß alle übrigen Apostel die Schlüsselgewalt nicht unmittelbar von Ihm, sondern von Petrus zu empfangen hätten; welche Fiction (um nicht einmal des Apostels Paulus zu erwähnen) schon dadurch als solche sich erweiset, daß weder in der Apostelgeschichte noch in den Apostclbriefen auch nicht die geringste Spur eines solchen bedeutenden Ereignisses sich findet, da doch die übrigen Apostel eben so schon zu Christi Lebzeiten verpflichtet gewesen wären, die 41 Suprematie Pctri anzuerkennen als ihr besonders nach Christi Tod Folge zu geben, so wie Petrus verpflichtet gewesen wäre, diese ihm crtheilte Macht nicht unangcwandt zu belassen. Acl- tere und erleuchtete Kirchenlehrer sahen darum in jenen Worten Christi nur dessen Zusicherung, daß Selber seine Kirche nur auf den lebendigen Glauben an Ihn als den Eckstein derselben bauen würde, an welchen als den lebendigen Felsen (von dessen unsichtbarer aber wirksamer Gegenwart schon bei den Israeliten in ihrer Wanderung Paulus spricht) der gläubige Petrus sich hielt, und welcher Felsen und Eckstein er nicht selber war. In Betreff der Schlüsselgewalt überhaupt muß aber bemerkt werden, daß selbe bereits dem Ersten Menschen gegeben ward, indem dieser als in zweien Regionen (der himmlisch ewigen und der irdischen) zugleich lebend, nichts in der einen Region that was nicht auch in der andern geschah, so daß sein zeitliches Thun mit dem ewigen zusammenfiel. Was also von Jedem Wiedcrgcborncn gelten muß, welcher durch seine Verbindung mit dem von der Erde in Himmelgefahrncn, somit auch das ewige und zeitliche Thun im Menschen wieder vereinenden, dieses so zu sagen Doppclgangerlebcn wieder ergriffen hat. — Wie nun Jeder Apostel seine geistige Macht unmittelbar von» Herrn selber empsicng und einer Vermittlung Pctri hiezu nicht bedurste, so gilt dieses noch jetzt und bis ans Ende der Zcit- wclt für alle und jeden Menschen; welche unvermittelte wirkliche weil wirkende Gegenwart oder Vergegcnwartigbarkcit des Herrn (als des alleinigen Ccntrums der Kirche) als ein Erfahr- barcs und Erlcbbares in der Schrift dargestellt wird, und worüber der dritte obige Schrifttext auf die bestimmteste Weise sich ausspricht, so daß weder Zeit, noch Ort, noch irgend eine sterbliche Person uns vom Herrn zu scheiden oder unsrc Verbindung mit ihm hindern, stören oder ausschliesscnd bedingen könnten; obschon Rationalisten und Romanisten diese Ueber- zcugung mystisch nennen, was ihnen gleichbedeutend mit nichtmatcrialistisch ist. 26, 25 — 28. Ihr wisset daß die Fürsten der Nationen über diese herrschen, und daß die Grossen Gewalt über sie ausüben. Nicht also soll es bei Euch seyn, sondern Wer unter euch will groß scyn, der soll euer Diener seyn, und wer unter Euch der Erste scyn will, der soll aller Knecht seyn. Auch dieser Spruch reimt sich schlecht mit der Vorstellung eines Apostclfürsten, selbst als kriiims iittor pares, und eben so wenig mit einem zwinglichen Kirchenregimcnt, oder mit dem Begriff einer Unterthänigkcit, scy es des einen Priesters gegen den andern, sey es des Laien gegen den Priester. 23, 8 — 12. Ihr aber sollt euch nicht Rabbi (grosser Lehrmeister) nennen lassen, denn Einer ist Eurer Lehrmeister (der Gesalbte), ihr aber seyd alle Brüder; und Niemand auf Erden sollt ihr euren Vater nennen, denn Einer ist Cur Vater der in den Himmeln ist. Auch sollt ihr euch nicht Führer (maxiste! nach der Vulxata) nennen lassen, denn Einer ist solcher nämlich Christus. Wird denn hicmit weniger ausgesprochen als das Verbot, daß sich kein Sterblicher als Stellvertreter des gleich unsichtbaren Gesalbten des unsichtbaren Vaters und des unsichtbaren Geistes ausgeben soll? Nach den Romanisten hatte aber Christus den Petrus zum Naestro supremo Selber ernannt und bevollmächtigt. Marcus 9, 34 — 36. Denn sie hatten auf dem Wege ein Gesprach untereinander gehabt, wer der grössere (krimas) unter ihnen sey? Da sezte sich Jesus nieder und sprach zu ihnen: Wenn Jemand will unter euch der erste (nicht gleich mit den andern) seyn, so wird er (nicht freiwillig, sondern gezwungen) der lezte unter euch seyn. Lucas 22, 24. Es entstund auch ein Streit unter ihnen, welcher grösser als der andere zu achten scy. 43 Er aber sprach zu ihnen. Die Könige der Nationen herrschen über sie, und die welche Gewalt über sie haben, lassen sich gnadige Herren nennen. Ihr aber nicht also. Wo sohin von keinem Herrschen die Rede ist, da kann auch weder von einer Einhcrrscherei noch Viclhcrrschcrci die Rede scyn. '— Hatte aber, wie behauptet wird, Christus wirklich den Petrus vor den übrigen Aposteln bevorzugt, und bevoll- machtet, so würde kein Streit über eine solche Bevorzugung unter den Jüngern entstanden scpn. Dagegen behauptet der Verf. der Schrift „Geschichte der neugriechischen und russischen Kirche" ex eatbeära „daß eine höchste Regi crungsgc- walt in der Kirche nothwendig sey" S. 302. Johannes 21, 13 — 18. Da sie nun (der auferstandne Jesus und die Jünger am Mecrcsufer) zu Mittag gegessen hatten, sprach Jesus zu Simon Petrus: Simon Jonas, liebst du mich mehr als diese? Er sprach zu Ihm: Du weist daß ich dich lieb habe. Da sprach Er zu ihm: Weide meine Schafe. Daß Christus dreimal diese Frage und Austrag an Petrus stellte, bezog sich bekanntlich auf dessen dreimalige Verlaugnung. Da übrigens der Begriff eines Hirten mit dem eines Apostels und Vorstehers einer Gemeinde identisch ist, wie Sich denn Christus Selber einen Hirten nennt, so kann auch diesem Text keine Bevorzugung Pctri ansingirt werden, wonach di^ übrigen Apostel und Jünger das Patent: Gemeinden zu pflanzen und ihnen als Hirten vorzustehen, erst von Petrus zu erheben oder zu losen verbunden gewesen waren. Da ich mehrere Schriststcllcn welche einigen Bezug auf den Primat haben, bereits oben anführte, so will ich hier nur noch 44 aus Pauli Briefen jene Stellen anführen, welche beweisen daß dieser Apostel von einem Primat Petri weder wüste noch von ihm Notiz nahm, was aber ganz unmöglich gewesen, falls ein solches Primat durch Christus selber cingcsezt gewesen wäre. I. Korinth. 1, 11. Es ist mir, meine Brüder hin- tcrbracht worden, daß Trennungen und Mißhelligkci- ten unter euch seyen. Ich meine aber dieses, daß je einer unter euch sagt, Ich bin des Paulus, ich aber des Apollo, ich des Kephas, ich des Gesalbten. Wo aber (3, 3) noch solche Zwistigkeiten unter euch sind, so seyd ihr noch fleischlich und wandelt in ungeistlicher Weise. Paulus meint also nicht daß sie die Zwistigkeiten damit einzustellen hätten, daß sie sich alle z. B. zum Kephas als zum ausserlich sichtbaren und handgreiflichen Mittelpunkt halten sollten. Welche blos äussere Einheit als Unisornürung der Kirche freilich sich leicht machen läst, weil da wo nur Einer für alle denkt, diese alle also nicht denken, ein Gedanken- oder Meinungsstreit so wenig aufkommen kann, als wo einer nur für alle und statt aller will, kein Willensstrcit aufkömmt. Galater 1, 11. Die von mir verkündete gute B otschaft ist nicht menschlich (menschlichen Ursprungs) denn ich habe sie weder von Einem Menschen (Apostel) empfangen, noch durch (menschliche) Unterweisung begriffen, sondern durch Entdeckung Jesu des Gesalbten. Ibnl. 15. Da es aber Gott gefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich die gute Botschaft von ihm unter die Heiden verkündigen möchte, so überlegte ich's nicht mitFleisch und Blut; gieng auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen die vor mir Gesandte waren, sondern gieng alsbald nach Arabien und kehrte wieder um nach Damascus. H.icrauf, nach drei 45 Iahren gieng ich nach Jerusalem hinauf den Petrus kennen zu lernen; ich sähe aber keinen andern Gesandten als Iacobus den Bruder des Herrn. Nur im Vorbeigehen bemerke ich hier, daß es doch sonderbar ist, nachdem sie alle über den Grundtext einig sind, daß sie desscnohngeachtet behaupten: man dürfe hier nicht Bruder sondern Vetter des Herrn lesen, so wie Lucas 7, 19. zwar Mutter für Mutter aber Brüder" abcrmal für Vettern nur nehmen. — Ibicl. 2, 6. Was es aber von denen die im Ansehen stunden (nämlichIacobus, Kephas und Johannes die im Ansehen stunden Säulen der Kirche zu scyn) für Leute gewesen seyn mögen, liegt mir nichts daran. Gott achtet das äußerliche Ansehen eines Menschen nicht. IM. 11. Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstund ich ihm öffentlich, weil er sich selber (durch - widersprechendes Handeln) verurtheilt hatte. Denn bevor etliche gläubige Juden von Iacobus ankamen, aß er mit den gläubig wordnen Nationen. Da sie aber kamen, entzog er sich und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung (die noch Judaisirendcn Christen) fürchtete. Und es heuchelten auch die übrigen Jud.en mit ihm, also daß auch Barnabas in Ansehung ihrer Heuchelei sich mit fortreissen ließ. Da ich aber sähe, daß sie ihre Füsse nicht gerade sczen nach der Wahrheit der guten Botschaft, sprach ich zu Petrus vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist nach Art der Nationen und nicht Jüdisch lebst, warum nöthigest du die Nationen (durch deine jezige Absondrung von ihnen) Jüdisch zu leben? 46 Nachdem schon oben bemerkt worden ist, daß der allein giltige Beweist für den Primat (im römischen Sinn) als ein unmittelbar von Jesus Christus Selber gegründetes somit Göttliches Institut, unmittelbar auch nur aus der Schrift geschöpft werden kann; — was somit auch sür den Beweist gilt der dem Petrus crtheiltcn Bollmacht seine persönliche Bevorzugung allen seinen Nachfolgern durch Fixirung der Lcztern an einen Stuhl oder Amt erblich zu machen — ^) und da, wie wir so eben vernahmen ein solcher Beweist aus der Schrift nicht zu führen ist: so ist frcylich dieses Deficit auf keine andre Weise zu ersezcn, und zwar nicht aus den ältesten Sagen hierüber, die erst ziemlich spat auf den Namen einer Geschichte Anspruch machen können, so wie nicht aus den Behauptungen der Kirchenlehrer, von denen selbst die abendlandische hierüber (über den Primat) weder unter sich, zum Thcil selbst mit sich keineswegs einig sind, weswegen das ConsU. Irl- lleut. nur von der einstimmigen Lehre der Kirchenvater behauptet, daß selbe mit der Heil. Schrift gleiches Ansehen hat. Woraus denn folgt,.daß falls nicht alle Kirchenvater sich für den Primat erklären, die Erklärung Einiger für Selben selbst nicht als sccundaire, hier somit nichts beweisende Autorität gelten kann. — Zum Beweise nun, daß in den ersten sechs Jahrhunderten dcS Christcnthums die Meinungen der Kirchenlehrer über den Primat keineswegs übereinstimmend waren, daß einige sogar sich bestimmt gegen selben, andre nur unbestimmt sür ihn aussprachen, so daß selber bis dahin eigentlich nur angestrebt nicht aber effcktuirt war, so wie ferner, daß diesen ältesten Kirchenlehrern die Autorität der Schrift ungleich mehr galt als dieses später in der abendländischen Kirche der Fall war, mögen folgende wörtlich aus ihren Schriften ausgezogne Stellen dienen^). P Anstatt der einfachen Vermittlung des Menschen mit Gott erhält man hiemit eine dreifache, nämlich Christi durch Petrus mit Jedem seiner Nachfolger, so wie die Vermittlung des einzelnen Menschen durch diesen Nachfolger mit Petrus, und durch diesen mit Christus. Die in den Freyl>»rger Beyträgenzur Beförderung 47 Clemens, Bischof von Rom ff 81. Nur bei den Dcmüthigen ist Christus, nicht bei denen, die sich (als Regenten und oberste inappellable Richter) über die Heerde auswerfen. Jesus Christus unser alleiniger Herr ob Er gleich mächtig war, erschien doch nie in weltlicher Pracht (er gicng nicht zu Hof und hielt nicht Hof). ZZpist. I a,l Coi mili. e. I. Ä. Schon die Apostel sahen voraus daß in Betreff des Bischofthums Streitigkeiten entstehen würden, darum war es ihnen nicht genug nur schlechterdings Bischöfe und Diaconen für die von ihnen gepflanzten Gemeinden aufzustellen, sondern sie wollten daß dieses Amt auch nach ihrem Tode von tauglichen Männern verwaltet würde, (weil sie nämlich nicht der Meinung waren, daß das Amt hier schon den Verstand giebt). Wir halten es daher für unrecht wenn man Jene dieses Amts cntsczt, welche entweder von den Aposteln selbst oder nach diesen mit Einwilligung der Gemeinen von den treflichsten Männern aufgestellt wurden, welche das Hir- tcnamt ohne Tadel mit Dcmuth verwalteten und das allgemeine Zcugniß der Rcchtschaffcnhcit für sich haben. II>. o. 4. Man sieht hieraus daß zu dieser Zeit das Corporative Element in der Kirchcnadministration noch das allein dominircnde war. Ignatius. Märtyrer, Bischof zu Antiochia ff 108. Wer denen die vom Wege der Wahrheit abweichen, blindlings folgt, wird Gottes Reich nicht erben, und wer die Wahrheit vom Jrrthum zu unterscheiden vermag und dieses Vermögen ungebraucht läst, und einen lügenhaftigcn Prediger (Kastor ein) nicht verläst, wird von Gott gestraft werden. Iffnsi. all ?lüliule1pl>. u. all Iffchcs. des ältesten Christen thums 3 Bände. Ulm 1783—I7V3 enthaltenen Auszüge aus den Kirchenvätern sind völlig geeignet den Leser zum Nachschlagen in den Schriften derselben zu bestimmen; wenn schon die Uebersezungen mehrercmal vom Tort zwar nicht abweichen, ihn aber doch nicht genau geben. 48 Denn nicht umsonst ist die Vernunft uns von Gott gegeben, ^und es ist darum kein Wunder wenn wir unwissend bleiben oder in Jrrthümcr fallen, wenn wir diese herrliche Gottes Gabe nicht brauchen oder mißbrauchen. Ich,ist. all Ichllws. Der Nichtbrauch besteht darinn daß wir einen andern für uns vernünftig scyn lassen, so wie der Mißbrauch darin daß wir unsrc Vernunft der göttlichen entziehen, und selbe in Eigenheit verkehren. Nicht einmal den Feinden Gottes (osores voi) sollt' ihr fluchen, sie verfolgen oder im Geringsten beleidigen, all kbilallolgli. Anderwerts sagt Ignatius, daß so wir einen Feind gewahren, wir für ihn aufrichtig zu Gott beten sollen, wodurch wir nicht nur diesen Feind uns innerlich unschädlich machen, weil er keine Gcgcnfeindschaft mehr in uns entzünden kann, sondern wodurch es uns vielleicht möglich wird, innerlich, ohne sein Wissen sein Herz zu rühren, und ihn auf andre Gedanken zu bringen. — In der That haben neuere psychologische Erfahrungen erwiesen, daß ein unmittelbarer Gedanken-Rapport gleich einem geistigen Attraktionssystem zwischen den Menschen zwar ununterbrochen statt findet, wenn selber schon äusserst selten als solcher ihnen bemerkbar ist. Zustinus, Märtyrer ch 163. Wer die Wahrheit erkennt und sie verläugnet, der fällt Gottes Urthcil anhcim. In rita ao Lootr. llastini ab llalloix ollilis. Die Wahrheit erkennend, erkennt der Mensch auch, ob er sie sagen soll oder nicht. Es giebt nämlich Wahrheiten die man allen Menschen sagen muß, andre die man nur wenigen sagen darf, andre die man niemand sagen darf, und niemand sagen kann, ?), weil man dann doch das nicht eigentlich kann was man nicht darf oder soll, wenn man selbes schon wollen kann, und weil diese Wahrheiten sich nur selber Jedem Menschen sagen. 49 Wahrhaft Fromme und Weise sollen also die selbstcrkannte Wahrheit über alles schazcn und die Meinungen der Alten (majorum opiuiones) wenn sie diese falsch befinden, verwerfen, ^xol. 1. e. 2. Dasselbe lehrte Socrates, indem er sagte daß die selbsterkannte Wahrheit aller menschlichen Autorität vorzuziehen scy. ^.pol. o. 2. o. 3. Verlangst du daß ich dir glauben, dich als Autorität anerkennen soll, so kannst du dich doch nur auf einen Zeugen in mir berufen, der weder du bist, noch ich bin, und der über uns beiden steht. Ein vernünftiges (der Vernunft welche Gott selber ist, oder des Logos thcilhaft scycndcs) Geschöpf kann nichts Vessers thun als in allen Dingen dieser Vernunft sich unterwerfen, und unter ihrer Leitung (Weisung) die Jrrthümer und Handlungen der Menschen prüfen und erforschen, vial. o. ?r^pl>. Da Jedes Erforschen und Jntelligiren von Seite des Jntelli- gircndcn ein Eindringen und Durchdringen, jedes Erforscht- und Jntelligirtscyn ein Durchdrungenscyn ist (wie es denn einmal Zeit wäre, daß die Logiker den Begriff des Jntclligircns mit Jenem des Durchdringens verbanden und die Einsicht gewannen , daß nur der sich selber Durchdringende auch ein andres Durchdringende ist, somit Geist, dasi aber nur Gott als Sich Selber durchdringend, Sich von Sich Selber durchdringt, somit absoluter Geist ist)*) — so muß die creaturliche Intelligenz als von der Göttlichen Intelligenz intclligirt, (als *) Die Logiker sprechen zwar von einem Penetriren der Intelligenz, und von der Dunkelheit welche sich diesem Durchdringen als Widerstand entgegen sezt, ja behauptet (centrirt), so daß der Geist nur durch die siegreiche Aufhebung und Depotenzirung dieses Widerstehenden zum Durchbruch, Schauen oder Licht gelangt — aber diese Logiker haben noch nicht den Begriff des Durchdringens in ihre Doctrin aufgenommen, und noch weniger wissen sie uns vom Produkt des Durchdringens als vom Durchdrungenen zu sagen, welches in Bezug auf das Durchdringende L,go»» aus einem obsmeis zu einem Sio/s» verwandelt worden ist. Jedes Durchdringende macht sich das Durchdrungne zur Hülle und Gegenwurf. 4 50 InteUixentia. intelleola) nach unten aber als intclligircnd (InteUiKentia inteiliAeiis) gedacht werden, so mit durchdrungen von oben, durchdringend nach unten, welches Durchdringen ein Enthüllen, Ocffncn, Offenbaren, Entdecken ist, somit ein die Hülle, welche vbstaale ist, aufheben und sie zur Hülle welche moxen ist, sich machen, womit das Einfangcnde sich zum Umfangenden verwandelt. Der Platonische Begriff Einer alles durchdringenden und durchschauenden, selber allem undurchdringbaren und unschaulichen Intelligenz war aber derselbe, den Paulus (Hebräer 4, 12) von dem Wort Gottes aufstellt, als dem alles gleich einem scharfen, zwei oder drcischncidigcn Schwert durchdringenden (denn das durchdringende ist auch das scheidende) vor dem nichts unverdeckt, verborgen oder verschlossen bleibe. >— Weswegen Mosheim sagt (De rebus Dbi'isti-uiis ante 0oiista»t.) Lbristmii nemge Dbristiaui bi Dbiiasopbi ill esse -rrbitr-rbiriitar in Deo gnoll i'iUivnem in bomine. Inäe necesse erat ut existimareut, Ubristnm in omniuin boininnin inenlllius vivere, iUgnv in vmnibus gni rect-r intione nterenwr, ogerari et a«ere. — Das Jedem Menschen der in die Welt kämt, wie die Schrift sagt, leuchtende Licht. Ohne Philosophie (ohne Liebe zur Göttlichen Bernunft oder Weisheit) kann aber der Mensch dieser nicht thcilhast werden, in welchem Sinne jeder Mensch Philosophiren soll. Dinl. e. IrzPb.H *) Wie mesquin zeigt sich gegen diesen Kirchenlehrer die noch immer (besonders seit Cartes) herrschende Meinung von einer absoluten Opposition und Contradiction der Philosophie und Theologie! So z. B. liest man in der vergangnes Jahr erschienenen Schrift ,,Ueber Philosophie und Christenthum" von D. Feuerbach „daß die Aufgabe der Philosophie sey, das was ist und wie es ist, zu erkennen, wogegen die positive (freylich nicht negative) Religion uns nur von dem sagen soll können, was nicht ist, und wie es nicht ist." — Was es indessen mit den philosophischen Einsichten dieses Schriftstellers auf sich hat, kann man i>, 9 lesen, wo es Heist „daß die Basis der Philosophie das Denken und das Herz, die Basis der Religion aber das Gemüth und 51 (wogegen unsrc Philosophen weder von einer Sophia noch einer Liebe zu ihr wissen). Jedes Philosophirens Zweck ist Vcrahnlichung mit Gott, tlp. Ilalloix. p. 247. Was die Weisen und Gesczgcber des Altcrthums jemals Wahres, Schönes und Rechtes lehrten und geboten, das schöpften sie aus derselben Weisheit, welche noch jezt Jedem Menschen leuchtet und spricht der in die Welt kömt, (und mittelst welcher also Jeder jezt lebende Mensch Jene seine Borganger verstehen kann). 4pol. 2. II). Gerecht ist nach dem Evangelium nur Jener welcher Gott von g anzem Herzen und seinen Nächsten wie sich liebt (vial. o. Przpb. o. 92, 93) — Was hindert uns zu sagen daß solcher ein Christ ist! Ja, so ist es, denn da der Erstgeborne Gottes Jene Vernunft und Weisheit ist, deren Gott die gesummte Menschheit theilhast machen will, so kann man in Wahrheit sagen, daß alle in diesem Sinne nach der Vernunft Gesezcn und Weisungen leben, Christen waren und sind. Wohin Socrates, Heraclit und viele andre gehören. So wie man sagen muß daß Jene welche dieser Vernunft Weisungen nicht folgen, sie nicht zu Herz nehmen, oder ihnen widerstreben, und die ihnen folgenden Menschen hassen und verfolgen, Feinde Christi sind. ^xolvA. 1. v. 46. Die Wahrheit bedarf zu ihrem Bestand keines Zwanges, welcher sie vielmehr verdächtigt, und Jene welche dieses Zwanges (als Compelle iittraro) sich bedienen, den Strafscnraubcrn gleich stellt, welche gleichfalls nur Drohungen und Gewalt brauchen, ^pol. 1, v. 4. — Es ist nicht zu rechtfertigen, daß man Leute, die in Re- ligionssachcn anders denken, darum verfolgt weil sie ehrlich genug die Phantasie (das nichtdenkende Phantasiren) sey. Das Herz sey männlichen, das Gemüth weiblichen Geschlechts, Jenes das natürliche gesunde Gemüth, das Gemüth aber (welches also kein Herz ist) oder das weibliche, sey das kranke, übernatürliche Herz, welches kranke weil weibliche Gemüth denn doch wieder Herz.ist" und mit diesem confusen Gerede wollen sie die Religionsdoctrinen u? die Schule nehmen! — 4* 52 sind ihre Gesinnungen an Tag zu geben und nicht eine Ucbcrzcu- gung und Glauben zu heucheln und lügen, welche sie nicht haben. Es hat das Anschn als fürchteten die Grossen, es möchte lauter ehrliche geben, und es ihnen an Gelegenheit fehlen ihr Strafamt zu üben, was sich aber freilich nur für Henker nicht für Fürsten ziemt, ^pol. 1> o. 2. 4. 12. Richtet euer Augenmerk allein auf die Schrift, und gebt keinem Menschen Gehör, der sich nicht angelegen scyn last, alle Beweise aus ihr zu nehmen und alles auf sie zurück zu führen, viirl. c. ?rzplr. o. 56. — Das allen Nöthige ist in der Schrift so klar daß es keiner weitem Erklärung bedarf, zumahl wenn man mit dem Lesen der Bibel das Gebet verbindet, v. D-xpIi. c. 7. Das Heist: wenn man sein Gcmüth und Geist Jenem Geist zugewandt und geöffnet halt, in welchem diese Schriften geschrieben sind, wie denn dasselbe vom Verständniß selbst Jedes Kunstwerks gilt. Irenaus Bischof zu Lugdunum (Lyon) ss 201. Die Ordnung- unsers Heils (den Weg zur Seligkeit) erkannten wir durch eben dieselben durch welche das Evangelium zu uns kam, das sie anfangs mündlich lehrten, in der Folge aber als die Grundfeste und Säule unsers Glaubens und der Kirche uns schriftlich hintcrlicsscn. Ickb. 3, o. 11. Die H. Schriften sind vollständig (scripwrao perkectae sunt) jedem Verständniß zugänglich (in aporlo) unzweideutig und können von allen gelesen werden. illib. 2, o. 46. Besser weiß das frcylich z. B. der Verf. „der Geschichte der neugriechischen und russischen Kirche" wenn selber S. 452 sagt: „Ucbcrall wo das Volk zu seinem Unglück die H. Schrift in der Landessprache besizcnv, sie lesen und auslegen will, darf uns keine Art von Verwirrung des Privatgcistcs wundern". So wie im Gegcntheil uns keine Geistlosigkeit wundern darf, wo man die gegcntheilige Praxis befolgt, indem man die Assistenz des Geistes Jedem Menschen abspricht --- um sie Einem zuzulegen! Die H. Schrift, diese reine und zuverlässige Quelle der Wahrheit verlassen, Heist sich in die augenscheinlichste Gefahr des Irrthums stürzen, und sein Haus nicht auf einen Felsen, sondern auf einen Sandhaufen bauen. Ib. — Lcztres thun die Kezer häufig, indem sie die H. Schrift wenn man sie daraus widerlegen will, verdächtig zu machen suchen, als wäre sie dunkel, in- cvmplct, verfälscht (oder gar nur ein moralisches Mährlein oder Mythe) als könnte man darinn die Wahrheit nicht ohne Hilfe von andern Traditionen (und untrüglichen Auslegern) entdecken. Darum geben sie sich das Ansehen als wüsten sie mehr als in der Bibel steht. I.. 1. o. 1. Wenn schon manches in der Schrift dunkel scheint, so ist doch das was in ihr sofort klar ist, mehr als hinreichend sowohl zum gemeinsamen Einverständm'ß als zur gemeinsamen Folgegebung, (wie denn Jeder auf sich merken soll, ob es Zweifel oder Lügen, Werläugnung innerer Uebcrzeugung sind was sich ihm hier entgegen stellt). Was aber in der Schüft nicht deutlich gesagt wird, darüber sollen die Menschen nicht eigenmächtig bestimmen wollen. Ü,. 2.46. Man führt nun zwar desselben Irenaus Worte: Loclesia roiiiima. ml hnam potiorom yriiwssmlitatem oiime8 g»i saiit milligiKZ lAIelos, coiivenire clebent als einen schlagenden Beweis; an, daß man schon zu jener Zeit an die apostolische Machtvollkommenheit des Römischen Bischofs als Statthalters Christi, im Morgen- wie im Abendlande geglaubt hat, — da doch hicmit nur das grössere Ansehen (veneriUio) bedeutet wird, welches die Römische Kirche im Abendland als Muttcrkirche der in diesem gcpflanztcn Gemeinen hatte, ohne deren Rücksprache also auch lcztre nichts, wesentliches verfügen sollten, welches Verhältniß natürlich ein andres zu Jenen Gemeinden oder Kirchen im Morgenlande war, welche die Römische Kirche nicht als ihre Muttcrkirche erkannten. Cyprianus Bischof von Karthago st 253. Welcher Stolz und welche Anmafsimg ist es, menschliche Traditionen den Göttlichen Anordnungen gleich sezcn, oder diesen selbst vorziehen? Wogegen man, anstatt durch Autorität und Gewohnheit 54 zu entscheiden und damit prascribircn zu wollen, nur durch Grunde überzeugen, durch Beweise siegen soll! Illpist. 71. all giiint. Wenn ein Kanrrl in welchem bis dahin hausig Wasser floß, austrocknet, geht man nicht bis zur Quelle, um die Ursache des Wassermangels zu erfahren? — So müssen es auch die Priester machen. Wenn die Anerkcnntniß der Wahrheit zwcife Haft zu werden scheint, so erfordert es ihre Pflicht zur wahren Quelle, zur evangelischen und apostolischen Tradition zurück zu kehren! — Was für eine Tradition ist aber dieses? Ist sie vielleicht ungeschrieben? sfrcylich ungeschrieben, sagen die Romanisten und Mittelpunkts- lehrcr) oder ist sie im Evangelium und in den Schriften der Apostel bereits aufgezeichnet? Allerdings das leztre, denn Christus Selbst ermahnt uns in der Schrift zu forschen, die von Ihm zeuget. Lpistola ad koinpej.H Daher darf auch kein Bischof in der Welt sich zum Bischof der Bischöfe (Urimas) auswerfen (daß ein solcher von Christus bereits gleich im Anfang eingesczt war und ist, davon wüste Cyprian nichts) oder durch Drohungen und Strafen (llza-aimioo lorrore) seinen Amtsgcnossen einen Glaubens- und Handlungszwang auflegen. Denn jeder Bischof hat seine völlige Freiheit, er kann nach eigner Ucberzcugung seine geistige Macht brauchen, und wenn er dieses thüt eben so wenig von einem andern geurtheilt werden, als er selbst andre bcurthcilen darf. In xrolox. Lons. tlarllia^. de daplir. baoret.**) Lasset uns insgcsammt das Urthcil unsers Herrn und Oberhaupts Jesu Christi erwarten; der uns als Bischöfe Seiner Kirche *) lieber die Heiligen Schriften. 0 Ii e IN n i t. Examen. 6 0 neiI. 1' r i ll 6 n t. j,. Z97 führt hierüber gleichfalls Cyprians Worte an: Iloe mi^ne er.int cneleri ynocl ?etrn8 Luit, ji.-u'i ziraeäili et Iionoiis et ^otestalis. — Lpi- sevpatuL nnv8 est, eulnL in 80litlinu jiai'L tenetur. Lt (NnistnL ex neizuo viunibn8 clixit: On0tie8cun— sie auch zu verstehen zu beflissen scyn. Do l'rinit. I. 7. n. 14. — Denn Gott verlangt nicht daß wir uns mit blossen Worten begnügen, deren Sinn, Bedeutung und Kraft wir nicht inne werden, sondern Er will daß wir die uns von Ihm verliehene Vernunft dazu gebrauchen, um nach Vermögen in die Tiefen Seiner Offenbarung einzudringen. De llwiti». 1. 8. ». 52. Was freilich dem sich selber gelassnen Geist des Menschen nicht möglich (so wenig als dem sich lediglich einem andern Menschen überlassenden) ist, ohne der begegnenden Hilfe (Assistenz) 56 Desjenigen welcher den Bittenden erhört, dem Anklopfenden öffnet, und dem Forschenden den Weg weiset. II>. I. 1. ». 37. Sogt mein daß irgend ein Volk noch nicht reif scy, zum Lesen der Bibel, so wirst man die Schuld hievon auf seine berufnen Lehrer d. i. den Klerus. In der That waren beide (Wölk und Priester) im Mittelalter gleich unwissend über die Schrift und zwar nicht blos über ihren Innhalt, sondern die meisten über ihre Existenz. Wer aber die unmittelbare Assistenz des H. Geistes laugnct für Jenen der aufrichtig in der Schrift forschet, und den Glauben an diese Assistenz einen irrationalen Wunderglauben oder schwärmerischen Aberglauben, Mysticism ?c. :c. nennt, der will nur ein ungleich wunderbareres Wunder glauben machen, nämlich er will glauben machen, daß der H. Geist diese seine Assistenz nur einzelnen wenigen Sterblichen als lLrixile^inin exvlusivnin zugesagt hat. — Man glaube aber ja nicht daß dieser Zunftgeist blos unter dem römisch-katholischen Klerus sonst geherrscht hat, indem selber unterm protestantischen Klerus nicht minder sich geltend machte. So lese ich z.V. im Magikon h. v. vr. Ju- stinus Kcrner 1. Heft. 1840. S. 121. daß einem armen Knaben welcher sich herausnahm, vor seinem Tode Neligions- lchrcn zu geben, vom Pfarrer Loci sogar das ordentliche Bc- gräbniß verweigert ward, weil er ein Kezcr gewesen scy, indem er in ein fremdes Amt eingegriffen, gepredigt und darüber keine Busse gethan habe. — Die Irrlehrer betrügen unter der Larve der Wahrheit. Sie schimpfcn und fluchen (cxcommunicircu) im Namen Gottes. Religion ist ihr Fcldgeschrei, wenn sie ihr Brüder lästern. Nicht mit Gründen streiten sie, sondern mit Anathcmen, und indem sie verkezcrn und verdammen, machen sie die Untersuchung selbst zum Verbrechen. Inl>. kontra, ^.uxent. u. 12. — (6) Nehmt euch in Acht vor diesem Antichrist: male enim vos yarietnin ainor cepit: male eeelesiain Hei in teetis neäitioiisijne venernmini; inale snb bis yaois noinon inZeritis. — rVnrre nnlbi^nnm est in bis ^ntiebristnin esse sessn- 57 rum? »Wittes milii et svlvao, et Inous, et eaeeeres et v»eagi»es sunt tulioresH. 1>ib- oontrn vVuxeitt. u. 12. Ist es nicht zu bejammern daß man in unfern Tagen so thöricht ist zu glauben, man dürste und könnte die Sache Gottes durch menschliche (ja unmenschliche) Mittel fördern, um Christi Kirche mit weltlicher Macht zu sichern und zu schirmen. Sagt mir doch, ihr wirkliche oder eingebildete Bischöfe, welcher Mittel bedienten sich die Apostel um das Evangelium auszubreiten? befassen sie irgend eine irdische Macht (weltliche Selbstständigkeit und Glanz oder wie ihr sagt: Würde) um Christum zu predigen, und Ihm die Heidnischen Völker zuzuführen! Nahmen sie Titel und Würden vom Römischen Hof an? sie die selber in Banden und Gefängnissen lebten! Sind die Briefe der Apostel aus Residenzen und Hofgelagcn datirt? waren nicht in eben den Händen die Schlüssel des Himmelreichs, durch deren Arbeit sie sich nährten! Aber heut zu Tag sehen wir leider, wie überall das Gegen- theil hievon statt findet. Nicht durch Gründe sucht man das Christenthum zu beweisen (non inZeiil» et amore aiüinos «leviiwen- tos ao velut dlvmttas imperaittes), sondern selbes mit Gewalt aufzudringen. Die Kirche die sonst sich damit als die wahre bewiest, daß sie Kerker und Bann duldete, droht und schreckt jczt selber mit Bann, Kerker und Tod! Den Glauben der sich schlechterdings ") Wenn ein Korrespondent in der allgemeine» deutschen Zeitung (II. Zunius I8KH von jenem erhabnen Geist spricht welcher blos die römische Kirche beseelt, und sich in ihren Gotteshäusern, Gottesdienst, Gemählden, Musikw. als prächtig kund giebt, wogegen sich die gräco- russische Kirche nur arm, noch ärmer die protestantischen, am armseligsten aber die ältesten Christlichen Kirchen mit ihrem heiligen Geiste zeigen und zeigten — so ist zu wissen, daß dieser Geist kein andrer als der in Roma hausende klassische heidnische Kunstgeist war, der ins Christenthum nur übersezt ward, ohne damit selber ein christlicher Geist geworden zu seyn. Hätte die christliche Kirche im Abendland anderswo als in Rom sich ssrirt, so würde sie von all' diesen Herrlichkeiten die ihr doch nur ein vis Msinxi'llnt und eine xioi'io Iniinaiilo geben konnten, wenig gezeigt haben. So scheint es aber als ob man mit dem Heidenthum das Chri- ftenthum de» Menschen annehmbar machen wollte. 58 nicht äußerlich erzwingen last, will sie erzwingen mit derselben Welt Macht und Pracht ohne deren Haß sie nicht die Kirche Christi seyn konnte?*) In Gottes Augen ist jede gezwungene oder geheuchelte Verehrung ein Graucl (weil die Aufrichtigkeit (Orthodoxie) des Glaubens**) das Aufrechtstehcn des Gläubigen voraussezt); wie aber vertragt sich dieses damit, daß man unter der Decke der Religion sogar die Regenten verleitet und es ihnen zur Ncligionspflicht macht durch Einführung von Inquisitionen die Rechte der Menschheit zu Vcrlezen. ZmtM 'itale nominls sm in errarom Imperaloiom trnnsänonnt, reotnin nlkirninntos ut snl> spooie Pimoris vor in Iura perversitato subclrtos sibi trnännt. sinnestiones posoruit, juclioiorum snbsiclin elesiilernnt, nnotoritntein re^inin iinglornnt (spater hieß es: coiuinenllnmus i-oZniites et roxanlio inniulantos) et nee sie perversitntem seeleris sni einbeseunt. nä Conslnnt. I. 1. n. 6. Zum Glück ist das Urtheil dieser Zeloten wenn sie auch Bischöfe sind, nicht entscheidend. Was ehedem achtzig Bischöfe verwarfen, das wurde ohnlangst von dreihundert und acht Bischöfen gut geheißen. Bei solchen Widersprüchen müssen wir gleichwohl selber entscheiden und das wählen wovon wir überzeugt sind daß es schrist- und vernunftgemäßer scy. v. äe sziwä. n. 63.86. P Man glaube indessen ja nicht an einen wirklichen Frieden der wahren Kirche mit der Welt (dieses Wort im Sinne der Schrift genommen). Indem der Haß der Welt gegen Christus und Seine Kirche innerlich noch derselbe ist welcher er früher war, und welcher nur gegen Jene Priester sich nicht regt, die entweder völlig der Welt obscur bleiben, oder die sich durch Weltsinn und Weltdienst säcularisirt haben, von welchen Christus sagt: die Welt kann euch nicht hassen weil sie euch für die ihrigen erkennt, welche also besser Priester der Welt heißen, als Weltpriester. Wie also könnt ihr Thoren und Heuchler Orthodoxie fordern, wo ihr die erste Bedingung hiezu — die Aufrichtigkeit oder das Aufrecht- gehaltenseyn des Gemüths — beseitigt? und den Zweiflern sagt: Glaubt was ihr wollt und könnt, nur bleibt römisch-katholisch!— Wer keinen Glauben hat, der ändert ihn freilich nicht. 59 Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt, sagte der Herr — und wo auch nur zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist Er mitten unter ihnen —da ist die Kirche, denn Er ist die Kirche. Ipso onim est INolrsio per sacromontom Lorporis sui in so Universum eom oontinens. Irootot. in psolm. 124. n. 5 — 125. n. 6. Diese leztern Worte muß man nicht etwa sür eine erbauliche Redensart deuten, sondern Hilarius spricht hiemit eine physische Wahrheit aus — das Wort: Physi's in seiner richtigen Bedeutung genommen — nämlich die Einverleibung aller Glieder in Eine und dieselbe organische Substanz und Natur. Akhanasius Bischof von Alexandrien ff 372. Die H. Schrift ist die Lehrmeistcrinn der Wahrheit und des rechten Glaubens. Do Interpret. Usolm. — und ist sür sich zur Erkenntniß und zur Bcurtheilung der Wahrheit wie zur Tugend und Seligkeit hinreichend. Lontro Illol. Sie ist mächtiger als alle Synoden. Do sziroll. ^.rim. et Loleno. Es ist ein fürchterliches Ungeheuer das in unfern Tagen ausging, nämlich die Kczcrei, welche nicht blvs mehr mit Worten um sich bcis't, und rechtschaffne Männer verläumdct und beschimpft, sondern auch den weltlichen Arm zu Hilf nimmt. List. .-Vrioo. all Nonooli. klon gliulüs not telis, out militari mouu veritos praollicotur sock suolloinlo et oonsulenklo. sloao outem ii>i srunleiicli libertos nln Imperoluris est metns? 3.ot guoe coiisuleinli ratio nl>i gui coiitroäicit pro nrereecle miserioin et mortem reporlot? Ibicl. Man gebe einmal den Lehrern der Mathematik Waffen und Geld — so werden wir bald blutige Kriege um Mathematische Doctrincn sehen, und die Mathematik in Verfall kommen. — In der That kann man auch alle Tage in Wein- und Bicr- schenkcn sehen, was in den Ncformations- und andern Rcli- gionshändeln vorging, nämlich daß man zu Schlagen anfängt, wenn man nicht mehr mit Gründen auslangt. — Ich kann «0 nicht umhin in diesem Bezug aus Gcrber's Schrift über die Nachtseite der Natur folgendes hiehcr zu sezen. — Gerber führt nämlich Menzels Erklärung in den Litte- raturblättern N. 44. v. 29. April 183k an gegen den Glauben an Gcisterscheinungcn, indem M. sagt: „Mit einem Wort, wir glauben an keine Gespenster und Geisterseher«, wir wollen nicht daran glauben und wehren uns dagegen mit Händen und Füssen als gegen eine Gewalt die unsrcr Vernunft angcthan werden soll" — und bemerkt hierüber: „Wehrt euch doch nur mit allen Waffen der Vernunft und Wissenschaft, nicht aber mit Händen und Füssen, womit nichts gewonnen wird, und im Reich des Geistes noch nie etwas abgewehrt worden ist. Gerade daraus, daß man sich mit Händen und Füssen wehren muß, geht klar hervor, daß es keine Gewalt ist welche die Vernunft angreift, keine vernünftige Gewalt, sondern daß es hier blos eine egoistisch festgchaltne Meinung gilt, welche man nicht aufgeben will, und sie doch nicht anders als mit Händen und Füssen zu verthcidigcn oder zu verbreiten weiß." — Basilius Bischof von Cäsarca ss 379. Jeder Christ muß aus der Bibel schöpfen wenn er anders in Tugend, Frömmigkeit und Erleuchtung wachsen und sich nicht an blosse Mcnschcnsazungen gewöhnen will. Hex. Iwev. 95. Last uns die Reden und Schriften unsrer Lehrer mit den Lehren der Bibel vergleichen und das mit lcztern übereinstimmende annehmen. In nsoet. des. 72. Wie es ein Bewciß des Unglaubens ist, wenn Jemand etwas was ausdrücklich in der Schrift sich findet, verwirft, so ist es ein sichres Zeichen des Stolzes wenn Jemand was nicht geschrieben ist, als gleiche Autorität mit der Schrift habend, einführen will. Ilm!. Es genügt nicht auf altes Herkommen und Traditionen sich zu berufen, sondern wir sollen nur das mit der Schrift Ucbcreinstim- 61 mende für wahr halten. ssplslnlu ud üustatli. Nedicum. — Wenn wir lehren was unsre Bater, so geschieht es nicht darum weil sie es sind welche dieses lehren, sondern weil und in wiefern auch sie der Schrift folgen, ve Lpiritu s. o. 9. Wir werden uns nie von einer Kirche absondern welche nach der Schrift lehrt, und Gott im Geist und in der Wahrheit dient. In PS. 89. Ambrosius Bischof von Mailand ff 397. Nichts ist einem Regenten unanständiger als die Redefreiheit einzuschränken, und nichts macht ihn dem Volk so wcrth und liebenswürdig, als wenn er gegen die Rechte und Freiheit der Negierten Achtung hat (sich ihnen hierum als verpflichtet anerkennt). Dadurch unterscheidet sich der gute Fürst vom schlechten, daß Jener die Aufrichtigkeit und Frcimüthigkeit liebt, dieser aber die Heuchelei, Lüge und Scrvilism begünstigt (und hiemit die Ehrlosigkeit öffentlich decorirt). So wahr nun dieses ist, so wahr ist es auch daß gerade einem Priester nichts weniger ziemt, als sowohl gegen weltliche als geistliche Obern seine Gesinnungen zu verläugncn. Lglst. 28. ad Psieod. Imp.H Ich halte dafür, daß, zumal in Ncligionssachen nicht leichtgläubig scyn, das Criterium wahrer Weisheit scy, und daß man am besten thut, sich an die Schrift zu halten, weil, wenn wir auch erfahrnere Menschen als wir sind, um Rath fragen, sie doch unsre Zweifel nur aus derselben Schrift lösen können. Lorm. 19. In xsalm. 118. c. 4. *) Ich habe anderswo gezeigt, wie der gute Regent zur Befreiung des äussern Menschen nicht minder des den Menschen innerlich befreienden Priesters bedarf, als der den Menschen äusserlich bindende Despot des ihn innerlich verknechtenden Pfaffens. Es war darum eine ruchlose Stupidität der ersten französischen Revolutionairs, indem sie den Priester und Pfaffen vermengten, oder eigentlich gegen erster» nur darum den Haß fasten, weil sie in ihm, wenn schon dunkel Jenen erkannten, welcher sie von ihrer innen, Berknechtung befreien sollte, von welcher sie nicht frei werden wollten. <>2 Der Heiland befahl daß man in Religionssachcn Keinen Sterblichen einen (untrüglichen) Lehrmeister (inaestro supromo) nennen soll*) weil nur Einer unsrer Aller Lehrmeister sey, der Gesalbte, welcher immer bereitet ist unfern Verstand zu erleuchten (und uns in unserer Meinung und Glauben gewiß zu machen) wenn wir anders dieser Erleuchtung uns nicht verschließen. Seriu. 8. in psirlm. 118. o. 8. Diese Erleuchtung kömt uns sowohl von innen als von aussen, und nur das Zusammenstimmen beider giebt das Complcmcnt der Ucberzcugung. Wie viele bekennen sich äußerlich zu derselben Religion welche sie innerlich vcrlaugncn. Venit gnis in eoolosiam dum Iroirorem alkootat sul> ImgoriUoribiis lllnisliiriiis. Limulato motu oratio- nein so liiiZsit (lekerro. Iiioliiurlnr et solo steriütor gni xenu meutis iio» tlexerit. Villot illum lrniiro (Kaiser oder Papst) (llrri- sliaimm ropntat. Viclet lromo orantem simplieiter et ereclit, secl Ileus nullit nexnutei». lliseellit prolurtos all Iromiire, sell oou- lleinuatns a llullice. Lerm. 20. in psalm. 118. Auch der Glaube an die Kirche (an die zeitlichen Kirchenvorsteher) muß nach der Schrift Aussprüchen geprüft werden, und man darf Jene nicht eher zur Führcrinn wählen, bis erwiesen ist daß Christus bei ihr wohnt. In law. I. 6. e. 9. Ambrosius wußte somit noch nichts von der Behauptung, daß es dieselbe Autorität ist, welche früher den Kanon der Schrift fcstsczte, und die noch jezt die Macht ausschließend hat, diese Schrift auszulegen, weil (da ihre Decisioncn gleiche Autorität mit der Schrift haben) sie die Macht hat eine Schrift selber zu machen**). *) Noch jezt wird in der abendländischen Kirche nach P. Canisii Methode gelehrt:,!) Ich glaube alles was die Römische Kirche zu glauben befiehlt, weil diese untrüglich; 2) ich glaube daß diese Römische Kirche untrüglich ist, weil sie dieses zu glauben befiehlt. **) Andrer Meinung ist ein neuer Thcolog (der Agitator O'Connell) welcher in seinem Schreibe» an die Methodisten (all gem. Zeitung v 6? Wehe uns (Priestern) wenn wir die Schlüssel des Himmelreichs — welche wir alle mit, (nicht durch oder von) Petrus erhielten, nicht dazu anwenden um die Herzen der Christen damit zu eröffnen und die Finsternisse daraus zu vertreiben. So wie die Apostel, besonders Petrus, Jacobus und Johannes als Säulen der Kirche erschienen, so ist noch jezt jeder Christ der die Welt überwindet, eine solche Säule welche Gott Selber ausrichtet und ausrecht hält (Er scy Papst oder Kaiser, oder Vieh- hirte oder Bettler). Lerm. 5 in ps. 118. e. 6. Auf gleiche Weise gehen die Worte Christi zu Petrus: dir will ich die Schlüssel des Himmelreichs geben, du sollst meine Schafe weiden?c. — nicht den Petrus allein an, sondern alle Apostel, ja alle welche die christlichen Gemeinden lehren und belehren. Nur darum Heist Petrus ein Felsen weil er den Muth hatte in der öffentlichen Berkündung Christi in Jerusalem das Wort zuerst zu führen. Und nicht auf ihn als einzelne Person sondern auf sein Bekcnntniß und Glauben ist die Kirche (und wird täglich auf das gleiche Bekenntniß jedes Menschen) gegründet. De Ino-rrn. Lomiiii. Kaerain. I. 4. v. 1. ?iäes est ei'Ko eeelesiae Illimlamentum, non euim .H. Wenn der Herr sagt: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt, so sagte Er dieses nicht blos den Aposteln welche ja nicht bis ans Ende der Welt lebten, sondern allen Gläubigen. Noch jczt ist Christus Jedem gegenwartig, der wahrhaft an Ihn glaubt (wie nur Jener wahrhaft an Ihn glaubt dem Er effektiv gegenwärtig ist). Ilomil. 9, 15 in Na.lt!>. lix gno vbtinnit lureresis ülvoleslae, nnlln prodatio xotost esse verne 6Iwisti-r»iNUis negne relussium polest esse Elwistin- *) Sowohl bei den Römisch-Katholischen als bei den Protestanten findet man noch manches Mißverständnis; über die Schrift; und die richtige Ansicht derselben ist wohl Jene, welche diese Schriften als die Produktion desselben Geistes anerkennt, welcher in jedem Hörer und Leser wo nicht erweckt, wenigst erweckbar gegenwärtig ist. So daß also die Schrift obschon als Norm, Regel und Borschrift dienend, doch so wenig als Geistbindend zu betrachten ist, als dieses von Jedem elastischen genialen Kuustprodukt gilt. 67 norum aliud, voloutimii coFiiosocre?it1oi vcritalcm Ilisi scriptarae lliviuae. Ilnmil. 49. opus imperk. in Nattli. Wcnn darum derselbe Chrysostomus von Thomas Aquin angeführt wird, daß er (Irom. 87 in lloau. ä priuo.) die Worte Christi an Petrus: kasoe ovos rucas so erklärt, daß Christus hicmit sagen wollte, kslo looo wer praoposilus et caput kratrmu, ut !ps! 4 c in loo» moo assuuroutcs uliiguo Perraruia 4e in 4lrrouo tun selloulcm praellivont et confirinent — so crmangelt diese Auslegung alles schriftlichen Beweises, ohne welchem Chrysostomus doch selber keine Behauptung gelten last; so wie wenn derselbe Pctrum nicht blos das Haupt der Apostel nennt, sondern den Mund aus dem Jesus Christus (allein) gesprochen. Hieronymus ss 420. Lasset euch nicht durch sogenannte apostolische Traditionen tauschen. Schlagt sie viel mehr mit dem Schwcrdt (Wort) Gottes nieder. Und wcnn heuchlerische Priester euch zurufen „Hört und folgt uns!" — sie die alles um ihre weltliche Lust, Ansehen, Macht und Pracht thun, und gleich Zauberern bei ihren Beschwörungen, grossen Lcrmen und Spectakcl machen, so antwortet ihnen: Es ist kein Wunder wenn ihr nur eure Traditionen und Aussaze, wie Jedes andre Volk seine Gözen angebetet haben wollt, uns aber hat Gott das Gesez und die Zeugnisse der Schrift gegeben. In ksa). c. 8. Man kann die Kirchenlehrer hoch achten, ohne durchgangig sich zu ihrem Glauben zu bekennen, zumahl da sie meist unter sich uneinig sind (nur nicht im Wesentlichen der Christlichen Doctrin). krack, o. 10. in ksasi — Ich denke aber daß bei uns (Kirchenlehrern) nur Gründe und nicht wie bei Pythagoras Schülern das blosse Ansehen (Magister llixit) entscheiden soll. Issüst. all Kliucr. 119. Das erste Kennzeichen eines Kczers ist, daß sie von ihren Zuhörern verlangen, daß sie ihnen alles auss Wort glauben sollen. 5* 68 lVolaul disoipluos raliono, guao dooeut, dlscuteio sed so praecesso- res segai. In Ilsa). c. 50. Die Kczer haben auch ein Garn um die Fische zu fangen, welches Garn eine schmeichelnde Rede, vorgebliches oder heuchelndes Kasteien und Fasten, grobe, schlechte und schmuzige Kleidung, fromme Mienen und Worte — kurz der Phansäismus ist. In vsee. o. 4. Nichts ist leichter als das gemeine grossenthcils durch Schuld der Rcligionslchrcr selbst, unwissende Volk*) besonders das weibliche Geschlecht unter der Decke der Religion zu betrügen und zu belügen, üpist. ad blepot. 52 (al. 2). Es ist eine ausgemachte Sache daß in den ersten Kirchen kein Unterschied zwischen Bischofen und Presbytern war. IZpislola ad Kai. o. 4. Dieses ist nicht meine Privatmeinung, sondern die Schriftlehre selbst. Man vergleiche Apostclgcsch. 2V, 28. Philip I. I, 2. Timoth. I. 4, 14. Tit. 1, 5. Hebr. 13, 17. I. Pctri 5, 1. 2. II. Joh. 1. III. Joh. 1. lilpist. ad lilraiiA. 14k (al. 35). — tVutognam Viaboli iastiiiota stadia in rcli^ione siorout com- mnni presbxtororuiu oonsilio Looleslao Zuboriiabaa- tur. ^Vd Pitum o. 1. II»NM Iwe enrantes, »t lZImisti glori» Mensis LonNalur teneliris, et »il seiat »Iiis vulzns. — Anstatt den innern und äussern CultuS in Verbindung zu halten und diesen Jenem unterzuordnen, machen sie nicht nur leztern zur Hauptsache, sondern verdrängen den Innern durch den äussern Gottesdienst ganz, womit diese Pharisäi dem Teufelsdienst im Innern Raum machen, worüber die Französische und Spanische Revolution uns belehrte, in welchen dieses schon vorhandne Innre nur zum Vorschein kam. Wenn darum der Verfasser der griechisch-russischen Kirchengeschichte das Lob neuerer Protestanten anführt, welche sagen, daß vor der Klarheit eines solchen Katholicisms keine trübe Mystik aufkommen kann — so ist dagegen zu bemerken, daß ein völlig materialisirter und paganisirter CultuS den Menschen freilich sowohl gegen Geist als gegen Geister asseenrirt. 6!) Aber auch die Bischöfe selbst sind einander alle gleich *). Man bilde sich ja nicht ein, daß die Kirche der Stadt Rom und eine Kirche wo sonst immer in der Welt wesentlich verschieden scycn. Die Gallier, die Britancr, die Afrikaner, die Perser, die Jndier, und der ganze Orient, ja alle christliche Nationen anerkennen den nämlichen Jesus Christus für ihren gemeinsamen Erlöser, und Hachen (in diesem sich Halten an Ihn als Ihrer aller Oberhaupt) die nämliche Richtschnur des Glaubens — die Bibel. Ob einer im grossen Rom oder im kleinen Eugubium, oder im unbedeutenden Nhegium, oder im verachteten Tains, Bischof ftp — das ist in Absicht auf Verdienst und Würde gleichgiltig. Reichtthum und Macht, Armuth mit Niedrigkeit machen einen Bischof weder vornehmer, noch schlechter, und Jeder ist ein Nachfolger der Apostel (Jeder hat apostolische Machtvollkommenheit). üPistol-r ml lZvanxe- limn 146. — Versteht sich so lange sie dem Evangelium treu bleiben. .Denn nicht alle welche Bischöfe hcissen und für solche gelten, sind solche. Die Kirchenwürde (die nach obigem nicht auf einer Anordnung Christi beruht) macht einen nicht einmal zum Christen, geschweige zum Bischof. Der Hauptmann Cornelius war schon äusserlich als Heide mit dem Heil. Geist erfüllt, den so mancher (äußerlicher) Christ nicht hat. üPist. ml Ileliollormn 14 (al. 1.). P Wenn darum Hieronymus ausdrücklich sagt daß die Priester blos vermög einer Kirchenobservanz untergeordnet, und diese Unterordnung auf keiner wirklichen Anordnung Christi beruht—IZpist. .-»ll'l'iwm l. — so widerspricht sich Hieronymus offenbar wenn er anderswo sagt: „Aber sagst du, über den Fels wurde die Kirche gegründet, wiewohl in einer andern Stelle dieses über alle Apostel geschieht und die Starke der Kirche auf sie zu gleichen Theilen basirt ward — darum ward Einer aus den Zwölfen gewählt daß durch die Einsezung Eines Haupts die Veranlassung zur Trennung gehoben werde" — Ich sage Hieronymus widerspricht sich, falls nickt dem Wort: darum, dasselbe: Aber sagst du beigesezt verstanden wird. — Uebrigens ist dieser Widerspruch bei diesem und andern Kirchenlehrern begreiflich, indem sie die zu ihren Zeiten schon aufge- kommne, Nichlschriftgemässe Meinung von Einem supremen Bischof mit der Schriftlehre vereinen wollten, welcher sie doch die höchste Autorität zuerkannt. 70 Der Begriff der Gleichheit der Bischöfe unterscheidet eben die Morgenländische Kirche von der Abendländischen, und wenn man einmal diese Gleichheit in Einem Reiche anerkennt, so ist das Institut ihrer permanenten Gcmeinbcrathung in Einer Synode nur eine nothwendigc Folge hicvon. Welche Nationalsynode und Nationalkirche eben so wenig ihr Offenscyn für eine Wcltkirche ausschlicst, als das National-Institut einer Akademie der Wissenschaften diese von der Thcilnahmc an einem wissenschaftlichen Wcltinstitut ausschlieft. Wenn schon keine Akademie Eines Landes sich Jener eines Andern als einer obersten Akademie (als einer regierenden leibhaften Weltakade- mic) unterwerfen wird, und darum doch eben so wenig von einer prcussi'schcn, bayerischen, französischen und Staatsmacht, matik die Rede seyn kann. Wie denn eben so wenig Gefahr für den Bestand und die Einheit der Mathematik zu befürchten wäre, falls nicht irgendwo ein inapcllablcs oberstes mathematisches Tribunal und ein Jllaeslro snpremo eil inaleiiurlioa. für selbes bestünde. Augustinus st ä30. Gott wollte gegen schädliche Jrrthümcr einen Damm setzen und gab uns zu diesem Ende die Schrift welche Niemand bestreiten soll und kann, der sich zum Christcnthum bekennt. Als Christus irdisch unsichtbar ward, und sagte, daß diese seine Unsi'chtbarkeit seinen Jüngern und Anhängern gut und nöthig scy (wie denn auch Paulus sagt: haben wir auch Christum nach dem Fleisch erkannt, so erkennen wir ihn doch jetzt nicht mehr nach solchem!) so sezte Er gleich hinzu, daß seine Unsi'chtbarkeit die Bedingung der Sendung eines zwar gleichfalls unsichtbaren, sich nicht als Person in der Welt ihnen (äusscrlich) kund gebenden Beiständers scy*), dessen erstes *) Ich habe anderwärts gezeigt daß Jede Theorie eines Offenbar- odcr SichtbarseynS -r, schlecht ist, welche die Bedingung des Unsichtbar- 71 Werk der Canon der Schrift war, so daß die Christen vollkommen an diesen zweien, der Schrift und dem Geist genug haben können und sollen; womit denn auch alle sogenannte Mittelpunktstheoristcn oder Behauptungen von einem sichtbaren Oberhaupt ?c. (als -rooapirreew de I,r parole) widerlegt sind, welchen es frcylich sonderlich dünken muß daß Christus nicht geradezu seine Jünger an Petrus und seinen künftigen Stuhl als an etwas minder Mystisches angewiesen hat, sondern an den unsichtbaren Geist, vor welchem viele dieser. Geistlichen eine sonderbare Scheu zeigen. Wenn darum die Apostel an dm Herrn und dem Herrn glaubten, weil sie selbst nach seinem irdischen Tod Ihn mit Augen sahen und handlich betasteten, wie können wir zu derselben Ucbcr- zcugung Seines Lebens gelangen oder zu demselben Glauben, oder Verborgensehns U nicht kennt. Wer also die Offenbarung (der Natur und des Geistes) geschichtlich begreifen will, der suche vor allein zu begreifen, wie eben das Unsichtbarwerden des Einen das Sichtbarwerden des andern bedingt, und wie unverständig es ist, diese Bedingung nicht einzusehen, und etwa mit dem närrisch gewordnen Prinz Zerbiuo (u. Tieck) mitten im Stück dieses wieder von vorne herein spielen machen zu wollen. — Wie also im gegenwärtigen Fall die Gegenwart des Geistes durch das Unsichtbargewordenseyn des Oberhaupts der Kirche bedungen ward, so muß in der That jeder Versuch diese Un- sichtbarkeit doch wieder zur Sichtbarkeit zu machen, eine entsprechende Geistesabwesenheit bewirken, »t iii«wri-> Nocet — Noch muß ich hier in Betreff Jenes Offenbarungsgesezes folgendes bemerken: Wenn nämlich in der successiven oder zeitlichen Evolution eines Organisms (als seiner Geschichte) jeder frühere Moment durch sein Unsichtbarwerden das Sichtbarwerden des folgenden bedingt, wie z. B. die Knospe in der Blüthe, diese in der Frucht verschwindet, so muß die Einsicht gewonnen werden, daß hiemit doch nur die gesonderte Manifestation Jedes einzelnen Moments verschwindet, welche der gesammten Plaz macht. So daß alle diese Momente in ihrer Wirksamkeit fortbestehen, und das in der Knospe wirkende nur auf andre Weise in der Blüthe fortwirkt. Die einander in der Zeit sich ablösenden Momente müssen also mit der Bollendung der Zeit als simultan ineinander, wenn schon in un- terschiednen (weder geschieduen noch confundirten) Wirkungssphären oder Regionen bestehen. Womit der Saz klar wird, daß und wie alles Vergangne noch ist, und alles Zukünftige schon ist. 72 7rmre»>, assensnm et eonvlelioiioin consoientiae) ? Ich sage wir müssen unsre Ucbcrzcugung eben daher nehmen, woher sie im Grunde doch nur die Apostel nahmen, nämlich aus der Schrift die Er ihnen auslegte und wodurch Er ihnen bcwieß daß alles was sie an Ihm crsuhrcn und sahen so geschehen muste. Er eröffnete ihnen nämlich das Vcrstandniß der Schrift: Leo iitteinsecas inen- lem ürmante et illumiuaitte. Eoittra Iffiisl. I"uiulai». c. <>. Was wir sehen und hören, ohne es zu verstehen, das kann uns nicht erbauen, weil Erbauung ohne Verstand und Einsicht nicht denkbar ist. IIb. 22. cle Zenos, nä litt. e. 8. Wenn aber in der Kirche Streitigkeiten entstehen, wer soll Schiedsrichter scyn? Wer anders als Christus und die Apostel, nämlich ihre ausgeschriebnen Worte, vo nnit. Ilcclos. e. 5. Wenn schon hieraus folgt daß aller Schriftstrcit auf die unstreitigen und unbcstrittncn Schriftlichem zurück geführt werden muß, und man um das was hieraus nicht zurück geführt werden kann, auch nicht streiten sollte — so mache ich doch hier auf eine bis dahin nicht klar eingesehene Wahrheit aufmerksam daß Jeder Streit in einem von beiden streitenden Parthcien für Wahrheit angenommenen Jrrthum beruht, und man ihnen also zuerst das zeigen muß, worin keiner Recht hat. — Weder ich will mich aber (ausschlicsscnd) auf das Concilium von Nicäa noch sollst du dich auf Jenes zu Nimm! berufen. Du sollst dich nicht an die unbedingte Autorität des erstem kehren, wie ich mich nicht an eine solche der leztern kehre. Da aber die Heil. Schrift uns beiden als gleiche Autorität gilt, so wollen wir von ihr aus über alles was sonst als Autorität sich uns darstellt, uns vergleichen, lloittra Max. I. 3. e. 14. Die Kirche (die Zeitlichen Kirchenvorstehcr) soll sich nicht Christo gleich sezcn; denn nur dieser ist die Wahrheit und der Führer zu ihr selber. Wogegen alle sterblichen Kirchenvorstehcr und Lehrer dem Jrrthum unterworfen sind. Aus der Schrift (aus dcr Ucbercinsti'mmung dcr kirchlichen Lehren mit Jener dcr Schrift) und nicht aus der Folge dcr Bischöfe (dem apostolischen Stuhl), nicht aus dem Ansehen dcr Con- cilicn, nicht aus den Wundern w. ist die Wahrheit dcr Kirche zu erweisen. De miltate Deolos. c. 16. Christus berief Sich auf zwei Zeugen dcr Wahrheit Seiner Lehre. Nämlich auf die Erfahrung (wer meine Worte thut wird inne werden daß sie von Gott sind) und auf seine Werke (glaubt mir doch um meiner Werke wegen!). Da es nun von seinen Jüngern Heist (Marcus 16, 26): Jene aber gicn- gen aus und predigten überall, wobei dcr Herr mitwirkte, und das Wort durch die darauf folgende Zeichen besichtigte — so kann man doch dieses leztre Zeugniß nicht für unwesentlich halten. Die Kirche (Gemeine) welche auf einen Felsen gegründet, und welcher die Schlüsselgewalt (zur Oeffnung des Himmels und Schliessung dcr Hölle) anvertraut ist, besteht nur aus heiligen von Gotterwahlten und Gotterfüllten Menschen*); «u silis, riixliccs iu eos gar male a»r«itt. 8e«I alia Causa est pcoviaciae, alia cc- ekesiae. Illius terriliiliter Aeremla est aelministralro, lussns cle- ineirter caaiiueu«!autia cousuetullo. chpist. ILO. a«! ^.priu^. chi- (lreein. (I) Thcodorctus Bischof von Cyrus st 460. Aus welch' anderer Quelle konnte ich denn wohl gründliche Rcligionskcnntnissc schöpfen als aus der Schrift? oder ist etwa an klaren bestimmten Begriffen und Einsichten in der Religion wem- 7l; ger gelegen als in andern Dingen und soll allein hier mein Glaube ein blinder scyn? Konlea üiv. luroees. Keem. 2 (welche 7 Sermonen Photius dem Thcodorctus zuschreibt, andre dem Athanasius). Anstatt daß man in dem Menschen das Pflichtgefühl sich in Religiösen Dingen selber zu überzeugen, erwecken und erweckt halten soll, machen die einen dem Menschen weiß, daß er von diesen Dingen nichts, zu wissen braucht, andre daß er nichts wissen darf, weil ja die Hemmung des Vernunftgcbrauchs erste Neligionspflicht sey, endlich wieder andre daß er hierüber nichts wissen kann, weil hinter der ganzen Sache nichts sey. Jene Auslegung der Schrift ist vorzuziehen welche durch Ausgleichung mit ihrer Gegenschrift sich crgicbt, und wenn schon der Weltvcrnunst nicht entsprechend doch nicht unvernünftig ist. Auch muß man nicht am blossen Wortsinn, oder an der Schale hangen bleiben, sondern bis zum Kern einzudringen streben. (Denn die Schale ist gegeben aber ihr Durchbrechen ist aufgegeben), kontra, «livers. luror. Leeni. 9. Es gicbt Leute die alles anwenden um die Menschen von: freien Gebrauch der Vernunft in der Religion abzuhalten, und die denn doch Religiöse Uebcrzeugung zu-bewirken vorgeben. Hangt es denn aber von mir ab, überzeugt zu scyn oder nicht, und ist denn die Uebcrzeugung eines andern schon meine? Was nüzt es mir wenn ich daS eigne oder Selber forschen (welches nicht mit dem in Eigenheit forschen zu vermengen ist) und Prüfen unterlasse und einem andern überlasse? (und möchte ich nicht eben so gut einem andern es überlassen zu entscheiden ob eine Speise mir süß oder sauer schmeckt?) Soeni. 9. Im Gegcnthcil ist eben der blinde Glaube die Quelle aller Jrrthümcr und alles hlnhcils in der Kirche. Von allen Kezcreien ist aber keine schlimmer und furchtbarer als Jene welche in unfern Zeiten so stolz und machtig ihr Haupt erhebt, ich meine die Kc- zerci, welche die eben so widersinnige als ungerechte Fodrung an die Menschen macht, daß sie auf ihren Verstand verzichtend, ihre Religion nicht prüfen sollen, womit sie zu einer Lebendigen, un- 77 wankbarcn Rcligionsüberzeugung nie zu gelangen vermögen. ?i- dom nominanl inoousldoralain approbaiittnem inlirinorum, »ullis- gno doiiwuslrallouilrus snffultorrim doxmatum. Lcrin. 16. Wir müssen uns, sagen sie, nicht anmasscn das Uncrforschliche zu erforschen, und unter diesem Borwande suchen sie die Menschen vom Lesen und Forschen in der Schrift, und von der nähern Prüfung der Rcligivnsdoctrinen abzuhalten, d. h. damit sie, wenn sie der Welt ihre eigne Meinungen als Dogmen verkaufen, nicht des Irrthums und kraus pia überführt werden können, berauben sie die Menschen des Köstlichsten, nämlich der eignen unerschütterlichen allen Einreden und Zweifeln widerstehenden Religiösen Ucberzcu- gung. (Hicmit alles Religiösen Muths und Zuversicht, was nicht besser ist als die Menschen meinen machen, daß sie für sich zu Gott nicht beten*) können, weil sie nicht an und über Ihn denken können.) Ibid. Wer ein Surrogat einer Sache debitirt, dem liegt frcylich daran den Kaufern Leztcre und ihr Bedürfniß aus Aug' und Sinn zu halten. Wenn es übrigens gewiß ist, daß man die Unaus- schöpflichkeit einer Quelle nur durch wirkliches Schöpfen aus ihr inne werden kann, so ist es eben so gewiß, daß das was ich nicht forschen soll, nicht das ist was ich nicht forschen kann, denn wenn Adam nicht hatte in den Baum der Erkcnntniß forschen können, so wäre dieses Erkcnntniß ihm nicht verboten worden. Es giebt nämlich auch eine Lolenco orlminollo. *) Nur im Vorbeigehen mache ich hier auf jenen von mir anderwärts nachgewiesnen Jrrthum aufmerksam, nach welchem man die Menschen in gläubige und ungläubige, andächtige und nichtandächtige unterscheidet, da sie doch alle gläubig und andächtig sind und nur im Objekt ihres Glaubens und ihrer Andacht (Latrie, Gebet oder Cultus) sich unterscheiden. Dieses gilt excsiionvo von unfern Rationalisten welche vorgeben nur Wissende ohne Glauben und Affekt zu sepn, welchen Phi- lo>ophen man aber zurufen muß: an welche unglaubliche Dinge macht ihr euch und uns glauben, und welch' schlechten Affekten gebt ihr euch und uns preis, falls ihr den wahren Glauben und den guten Affekt verläugnet, denn der Glaube ist Affekt des Wissens. 78 Der weise Christ verlast sich auf die Stärke, d. h. auf die Jnamovibilität oder Unbcwegbarkcit des Wahrhaften ?rii>ms niotor in ihm. II>. Nur der Ucberzcugte überzeugt, wie nur der Freie befreit. Wer aber selber überzeugt d. h. in sich gefestet ist, den werden keine Widersprüche beunruhigen. Seine Polemik und sein Prosely- tifm (denn es ist falsch zu sagen, daß er solche aufgiebt) wird darum auch auf eine ganz andre Weise sich äussern, als bei dem nicht Ucbcrzeugtcn, welcher den geringsten Widerspruch so wenig vertragen kann, als der innerlich Ehrlose den geringsten Mangel an äusserer Ehrbezcugung. — In Bezug auf den Begriff des Unbewegten und Unbeweglichen bemerke ich übrigens hier noch, daß das absolut Unbewegliche zugleich das primitiv und absolut Bewegende (Uoimummovons) ist, wie denn schon die Mechanik lehrt, daß ein System beweglicher Körper sich nur damit unbeweglich und unbewegt erhält, daß es in der sich ausgleichenden Bewegung seiner Glieder sich als solches erhält (was nämlich nicht verändert, das wird verändert oder besteht nicht, so wie was nicht ausdehnt, ausgedehnt wird), so daß jede Weise oder Gcscz der Bcwegungsmittheilung sich als falsch zeigt, falls durch selbes der Massenpunkt des Systems bewegt wurde. Nur also gegen abnorme Bewegungen der Glieder erweiset sich Jenes Unbewegliche als solches, der abnormen Bewegung resistircnd, wogegen selbes sich motivircnd als primnm niovens und assistircnd gegen Jede nicht abnorme Bewegung erweiset. So wie das Attrahircndc und Rcpcllirendc das in seine Expansion aufnehmende und von ihr ausschlicssende im Grunde Eins und dasselbe ist. D. h. was das Gcscz giebt, gicbt auch die Kraft zu dessen Erfüllung, oder der Vater und der Sohn sind derselbe Gott, was eben die Vitalwahrhcit des Christcnthums ist. Da ich übrigens hier von dem Fundamcntalgcsez aller Bewegung spreche und den Saz aufstelle, daß überall nur das Unbewegte oder Unbewegliche das Bewegende ist, und die 7» Windication dcr Unbcwcgthcit nur durch dessen Bewegung und in Bewegung Erhaltung eines Schiedlichcn geschieht, so wie die Einheit nur in der Vielheit sich als solche afsirmirt — so muß ich auf eine fruchtbare bis dahin von Physiologen und Psychologen unerkannt gcblicbne Folge und Anwendung dieses Sazes aufmerksam machen, womit man zugleich die Einsicht gewinnen kann von dem solidaircn Verband des natürlichen und des religiösen Wissens und Nichtwissens. Nämlich Jedes Sey- ende besteht als unbewegt nur als Mitte eines dreifachen Aus- und Eingangs oder Bewegung und vindicirt diese seine innre Ruhe nur durch bestandige Erhaltung und Ausgleichung oder Compensation dieser Bewegung, als Strömungen, wie denn dieses Sternen-Getriebe Jedem Wesen gleich einem Orrcry eingeboren ist. So wie aber diese compcnsirende Ausgleichung gestört und gehemmt wird, so tritt anstatt dcr bewegenden Ruhe in der Mitte eine Unruhe und Bcwegtwcrdcn derselben hicmit aber das Unvermögen des selber Bewegens ein. Nichtig sagt man von einem solchen innerlich in Unruhe gekommnen Seyn daß hiemit die Angst (Enge und Gedränge) in ihm aufgeht und eben so richtig bezeichnet man dieses Angst- und Bangescyn mit einem Weder aus - noch Einkönncn, weil der Ausgang und Eingang anstatt sich einander hervorzurufen und zu erhalten, wie dieses im normalen Aus- und Einströmen oder Kreislauf geschieht, sich einander negieren und widerstreiten, und doch sich dem Imperativ jenes normalen Ein - und. Ausgangs nicht zu entziehen vermögen. Aber ein auf solche Weise in sich gcsallnes, Nuheflüchtig gcwordncs, dcr Entgründthcit hcimgc- fallncs Seycndcs kann, da das Fallen hier nur immanent zu fassen ist, nur als ein in sich Lausendes, sich in sich wircndes und gyrircndes erkannt werden. Und hier kann man sich von der Richtigkeit und der Tieft der Naturanschauung des klulo- soplias 'I'oalomous überzeugen, welcher nachwiest daß und wie in einem solchen aus dcr absolut unbewegten und alles bewegenden Mitte ab- und in sich verfallenen Seyenden mit jenen 80 drei nun sich würgenden und doch nicht abwürgenden ersten Naturgcstalten als Ccrbcrus, das bis dahin in ihm verschlossen und im Grund gehalten geblicbne Naturrad oder Naturccn- trum emporkömmt, als das wahre Jrionsrad des gestürzten Lebens, weil nämlich dieses Naturrad (wie es der Apostel Jaco- bus nennt 3, 0) unterm Leben, und vbschon in dessen Macht ihm doch Mysterium somper texeiulum bleiben sollte. I. Böhm zeigt seiner wie von diesem in der Kreatur im Finstcrn zirculi- rcndcn Fcuerwurm (welcher wie Christus sagt nie stirbt als ewigen Ursprungs) gesagt werden kann: omiiis vita iiwssüt a verme et ileslnit in vermein, worüber uns die Morphologie schon in der äussern Natur belehrt. Da nämlich jede Gyra- tion oder Kreisbewegung als eine auf sich beschlossene nur aus sich selber begreifliche, somit absolut primitive ist, so hat man ja an ihr bereits jenes Urimam und 1'erpeUmm Mobile, an welchen sie sich bis Dato blind suchten. — Ewig (ohne Anfang und Ende) ist aber dieses Primum mobile nach I. Böhm weil selbes ewig im Willen Gottes zu seiner Selbstoffenbarung entsteht und besteht. Denn die ewige Uebernatur sezt sich ewig ihre Natur um durch diese ewig sich zu offenbaren. Gregorius I. Bischof zu Rom ff 604. Gott antwortet durch die Schrift auf jede Frage, und indem Er zu allen spricht, spricht Er zu Jedem Einzelnen. Moral. 1, 23. I» 4ob. o. 33. 34. Nichts kann unverständiger und schristwidrigcr seyn als von einer Vorsehung zu sprechen die zwar im Ganzen («m Aros) Vorsicht, nicht aber ins Einzelne. Und doch lehrte Malebranchc von einem Generalwillen Gottes, welcher seinen Fortgang haben müsse wenn schon unzählige Creaturen darunter leiden müssen. Was aber von der Vorsehung im allgemeinen gilt, das gilt auch von der Erleuchtung. Ucbrigens ist der Ausdruck: Vor- 81 ficht schon darum zweideutig, weil man sich hiemit Gott als selber in der Zeit sehend und wirkend vorstellt, weswegen man den Begriff einer Borschau nie von dem einer Nachschau trennen sollte. Was immer für Zweifel in Ncligionssachen (durch Lesen der Schrift oder ohne solchem) in dir aufsteigen mögen, so findest du (wenn du anders aufrichtig forschest) eine befriedigende Lösung derselben in dieser Schrift. Lxgos. snxer ll-rnt. e. 5. u. 17. Was das Klare und Dunkle in der Schrift bctrist, so ist sie gleich einem Flusse, durch den das Lamm wadct, aber der Elc- phant schwimmt. Ulviiuis sermo sicnt inMeriis xrmlentes exer- cot, sie sngerkcie simglioes rekovet. In ü?eob. 1. lroin. 9. n. 39. Es wird hiemit gesagt, daß die Schrift sich nach der Nccep- tivität des Lesers modelt, was auch von der Naturschrist gilt. Es verhalt sich mit der Schrift wie mit der Bekanntschast eines Menschen, von dem wir gleichfalls anfangs nur das Acufsere (die Historie) oder den Buchstaben sehen, und von dem aufs Innre schlicsscn bis wir Leztrcs erkennen und auS ihm-das aussre deuten.' Alor-rl. I. 2. in lob. o. Z. xr-rokat. Insbesondere aber soll die Menschenliebe den Lehrer des Chri- stcnthums auszeichnen, wogegen es eine bis jezt unerhörte Sache ist, den Menschen den Glauben cinprügeln somit einen andern Glauben ihnen hcrausprügeln (wie doch es Karl der Grosse öfters für gut fand) zu wollen. Inb. 3. lZxist. 53 (52) -rcl lob. ügiseng. Oonstiuitlnog. Die wahre Kirche verfolgt nicht ihre Verfolger und gewinnt hiemit, falls die Verfolgung nur in Worten besteht, an Einsicht, sillls sie aber in Handlungen besteht, in der Kraft und Starke der Geduld. Nornl. lib. 19. in lob. e. 29. n. 16. . Wer andere Mittel zur Ucbcrzcugung anwendet als Gründe, wodurch er bestrebt ist dem andern dazu behilflich zu scyn, daß dasselbe oder derselbe der ihn überzeugt, auch den andern überzeugt, der beweiset daß es ihm nicht um Gottes Sache, sondern nur um 6 82 scinc eigne zu thun ist. IZxist. 12 (15). 1^. 13. ml I'-rsoli. Icx. b>oi>p. bleguo xroxtcr errorom vllio lueiieamus lumiinem, iiegno xroxter Iwininei» elllixaimis er eurem. lssn 1. 5. ex. 43 (al. 3K) keil klnlox. et A.iurstr«iviiwlii,e, ulür Ileolesüre, indem die Persönlichkeit in Jener sichtbar scyn muß, nicht aber in dieser. Wie denn der sichtbare Vorstand einer Gemeinde weder selber ein oberster Richter oder Monarch seyn noch einen solchen surrogireu oder rcprasentircn kann. Aber die Persönlichkeit des weltlichen Regenten, falls sie in Relation gegen das nichtpcrsönliche (durch Stimmenmehrheit cnt- standne) Gcsez tritt, muß als die Persönlichkeit jedes einzelnen Staatsbürgers oder Bewohners gegen dieses Gcsez insofern rc- präsentircnd, und vcrtrettcnd gefast werden, da auch das beste menschliche Gcsez in seiner unpersönlichen Abstraktheit mangelhaft ist (Amt lastitm et xereal Iinweeiis!); weswegen man sagen kann, daß der Einzelne Regent den Einzelnen vertritt wie die Vielen Gcsczbcrathendcn die Menge. In welcher noth- wcndigen Ausgleichung des Rechts mit Willigkeit auch das Begnadigungsrecht des Regenten sich gründet; so wie bicraus folgt daß die Vorsckrgc für den Prolctair unmittelbar nicht die Sache der Stande, sondern des Regenten ist, insofern der Proletair überall nur ein Einzelner ist und keiner Corporation fähig, die ganze Last des Gcsezes darum auf ihn drückt. Ich glaube nicht, daß der Begriff des Monarchthums höher, würdiger und richtiger gefast werden kam: als ich ihn hier fasse, indem sonach der Monarch durch seine lebendige, nicht abstrakte oder unfreie Persönlichkeit das 83 unentbehrliche Komplement zum unpersönlchen gleichsam unmenschlichen, weil noch unpersönlichen Gcsez gicbt, somit dieselbe Relation zwischen Ihm und dem Gesez eintritt, welche nach der Christlichen Doctrin zwischen dem Sohn und dem Vater (der Gnade und Gerechtigkeit) statt findet, wogegen andre z. B. noch Hegel das Monarchthum ä In Ilobbcs erklären. — Bei dem immer drohender werdenden Mißverhalt- niß zwischen den Prolctairs und den Sacheigcnthum bcsizenden Volksclasscn scheint es mir darum von der gröstcn Wichtigkeit zu scyn, daß die Monarchen Selber sich zu Schuzhern, Schir- mcrn und Helfern dieser keiner Kotporation fähigen, also nur ungesezlich sich verbündenden Prolctairs ipso facto dcclarircn, wozu freilich andre Institutionen als die bisherigen policeilichen erforderlich sind, und durch welche allein Jene Gefahr ftlbst- bclicbigcr Kundschaften bcscitigbar wird, worüber auch meine Schrift über die ProlctairS nachzulesen ist. Obschon Paulus vor seiner Bekehrung ein Verfolger Christi, und nach derselben der Leztc, nach Christi Auffahrt aber der Erste Apostel war (denn keiner empft'eng seine Ordination vom aufgc- fahrncn Christ als Er), so wurde er doch in der Folge, weil er mehr als alle Apostel arbeitete, gleichsam an die Spize der Nationen gestellt und erhielt mit Petrus den Ersten Rang (Primatie) in der Kirche, vial. I. c. 12.*) *) Da der neue Bund mit dem Pfingstfest beginnt, so fängt die Ordination der Apostel erst mit diesem an, und die Primatie Petri hätte darum auch mit der Sendung des Heil. Geistes sich gelten machen sollen, da mit solcher die christliche Kirche anfieng. Aber der Verf. der Geschichte der griechisch-russischen Kirche meint wie gesagt, daß die christliche Kirche erst im Vierten Jahrhundert eigentlich als solche sich ausgestaltet habe, da doch nichts gewisser ist, als daß nur ihre Verweltlichung hieniit sich ausbildete und der heilige Geist in demselben Verhältnisse sich in ihr zurück zog als der Weltgeist in ihr einzog. Gerade die Zeiten der weltlichen Obscurität waren die Zeiten des intensesten Lebens der Kirche. Und gerade weil die griechisch-russische Kirche so lange ausser der Europäischen Aktion gehalten blieb, wurzelte sie tiefer in den Herzen. 6* 84 In welchem Sinn Gregor das Wort: Erster Rang nimmt, zeigt das Folgende. Nach Paulus stunden aber zur Apostcl- zeit Petrus, Jacobus und Johannes, in gleichem Rang und Ansehn in der Kirche, so daß keiner einen Borrang hatte. Dieses ist aber nicht so zu verstehen, als wären Petrus und Paulus Häupter der allgemeinen Kirche; Nein, sie waren blosse Glieder derselben und wie die andern Apostel nur Haupter besondrer (von ihnen gcpflanztcr) Kirchen und Gemeinden. Denn alle Heilige vor dem Geseze, unterm Geseze, und unterm Evangelium, die Apostel nicht ausgenommen machen, nur den Leib Christi aus und sind Glieder der Kirche unter ihrem alleinigen Oberhaupt, Jesus Christus, üpist. I. 5. ep. 18 (al. 38) all lob. Ichüso. Eon- stairlmop. Zwar ward dem Bischof zu Rom vom Chalccdonischrn Con- cilium zu Ehren des Apostels Petrus der Namen (Titel) eines allgemeinen Bischofs angetragen, aber keiner der Römischen Bischöfe hat sich bisher dieses Titels bedient, damit es nicht das Ansehen habe als wollte man die allen gleich gebührende Erde allen nehmen und Einem Einzigen beilegen. Lpist. 1. 5. ex. 20 nä lVlaurll. ^VuA'ust. Wenn der Werf, der griechisch-russischen Ki'rchcngeschichte von Gregor sagt, „daß er den" Johannes (in Constantinopcl) fragt, ob er nicht wisse, daß schon die Kirchenvcrsammlung von Chal- cedon (I. 451) dem Bischof in Rom diesen Titel: allgemeiner Bischof beilegt, den aber kein Römischer Bischof angenommen habe um nicht den Schein zu haben als ob sie allein als Bischöfe wollten angesehen seyn" und wenn derselbe Verf. von Gregor die Behauptung anführt „daß zwar die Führung der Kirche in der ganzen Welt und für alle Zeiten dem Petrus anvertraut worden scy und man ihn doch nicht den allgemeinen Bischof nenne" — so ist die erste Behauptung ein schlechter Beweiß dafür, daß Gregor ein Obcrbischofamt in Rom als am Stuhl haftend und als göttliches Institut anerkannte, die zweite Behauptung aber intcrpolirt, weil Gregor hier wie in 85 folgender Stellen gegen den Titel und Namen eines allgemeinen Bischofs nur darum protestirt, weil er gegen die Sache protcstirt, und es ausserdem unziemlich ja amtsvcrgessen von ihm gewesen seyn würde, seine Suprematie zu vcrläugncn oder von andern vcrläugncn zu lassen. Aber freilich macht sichs dieser Verfasser in Betreff der Aeusscrungcn Gregors leicht, indem er sagt, daß es sich bei seinem Streit mit dem Patriarchen Johann nur um eine Patnarchalwürde handelte, nicht aber ums Primat „welches als unabhängig von allen solchen weltlichen Dignitatcn über die ganze Kirche sich erstreckte, und über welches als über eine göttliche Institution (in deren Erbbesiz vielleicht Gregor ohne seinem Wissen oder mit Thomas Aquin zu sprechen: Instrumentalster sich befand) nicht der geringste Anstand obwaltete, und welches darum auch keiner Bestätigung bedurfte" >— i ch seze hinzu auch keines Beweises! weswegen man auch diesen zu geben nie nöthig fand, vielmehr Jenen der nach einem solchen Beweist fragt, schon für einen Schismatiker erklärt. In praekatione epistolae ganin ast nie ipsum clirexisti snp v ebne apellationis Verdum universalem meLapam (lioentes, inipriniere enrnsti. (tuml, peto, (luleissinur milii sanolitas ultra non kaciat, guin vobis sudtraliitur gnocl nlteri gnnin ratio exIZit praelietnr. enim non lionorem esse clepnto, in gno kralres mens snnm lionorem perclere coxnosco. Mens namgne lionor est lionor universalis (nicht potestas universalis) eeelesiae. Mens lionor est kratrum meornm soliilus vipor. Inno e^o vvre lionoratns snm cum singiilis guilnisgue lionor cleliitns noii nexa- tnr. Li enim universalem me l'npnni vestra sanotitas ilieit, neKat se live esse guost nie latetnr, universnin. Lest alisit lioc, rece- claiit verba gune vanilatem inllant et caritatom vulnerant. Lp ist. l. 8. ep. 30. aä Lulox. epise. ^.lex. Li unils episoopns vocalur universalis, universa Loci es in corruit si unus universns caclit (Gregor wüste also noch nichts von der Jnfallibilität und Jllabilität eines Römischen Bischofs) »eck alisit Ilnec stultitia, adsit daec levitas ad anridns meis. Lp ist, 86 I. 7 üx. 27 (al. 21) ad ^tlianas. exise.— Li illud nouleu silii txdslxiam ariixit, nuiversa ev^o ooelesia, rxiod alisit, coiauit, rxlaudo is cxü axxollatiir iiiiivorsalis, eadit. Led alssit a 61>ri- sliauis oordilias vestris uoiiieu islud iilasxliemiae, in rx>o oiiiiiium Laoordolam iiouor aiiliititlir dum al, uno silii dmneiller atioxalnr. üxist. I. 5. ex. 20 (al. 32) ad sslauiit. tlux»- «tum. — In isla eniin vooaliiilo (?axae universalis) couseiilire, uil alind est cxiai» ?idem xeidere. Ii x. I. 5. ex. 19 (al. 39) ad Lallini annin Line. Veslia Leatitudo iniiii lorxiitur: sieut dassislis. s)iiod verlmm dassinuis, xelo a ine» auditn removete, ixria sein rxii sum, l^ui eslis. I.oeo eniin lstratres uiilii eslis, morilius kalres. Kon erAN dnssi sed rxiae ntilia visa sunt, indieare euiavi. üxist. I. 8. ex. 80 ad IZuloK, Lnavissiina inilli Lanctitas innlta in existolis snis de Laneti I'etli tlxostolornin xrincixis 6atl>edra loentns est, dicens: cxuld Ixse in ea nnne nsijue in omnilius snis sneeessorillns sedeat. lil cxnidein eZo indixnnin ine esse non solnm in lionore xrae- sidentinm sed eliain in nninero stantiuin aAnoseo. Led enneta ynae dieta sunt, in eo liiienter aeeexi, r^uod ille iniiii de kein ealliedra Inenlns est, ljni ?elri calliedrani tenet. üt enui nie sxeeialis lionor nnllo modo deleetet, valde tainen I^aeta- tus siiiil, cxii vos, saiietissiini stund iniiii inixendistis, voliisiuet ixsis dedislis. — dum eniin innili sint axosloii, xro ixso tainen I'iiiieixaln sola iVxosloloi'nin xinneexs sed es in auetorilate convaluit, stuae in Irilius locis unins est^). Ixse eniin snlli- *) Von einem Schriftbciveiß für eine solche Apostelfürstenwürde, spricht Gregor nickt, obschon er doch diese Würde eigentlich »nr als -»i Iw»ai-e5 oder als Präsidentschaft anerkennt. — In welchem Ehrenvorsiz indessen der Verfasser der griechisch-russischen Kirchcngesckichte bereits die uubezweifelbare Anerkennung des Göttlichen Primats findet, indem Er z. B. S. -tt>» sagt- „bei der sechsten allgemeinen Kirchenversammlung welche ini Zahr k>8d zur Unterdrückung der Monotheliten gehalten ward, erschienen von Seiten des römischen Stuhls zwei Bischöfe, zwei Priester 87 ninvil Lttlem s^Iexanül-ine) in gun IlviUixolislain (A'lni'ouiii) ssisoi- pulitin mlsit. Ipse lli'innvll solloin in gnn «oplom iuinis, gnninvis tlisoossmnis, seilit (^»lioobino). kluin crxo nnius ntgue nun sit seines, oni ex nnctovilnlo llivinn, tros inmo lZpiscnpi priresissent, gnitlguill exo sie voliis boni nmlio, Iiov müii impulo. 4i^ist. I. 7. er>. 40 (nl. 37) nä Lnloss. lüpiso. ^.lex. Gregor g!cbt hier dem Bischof von 'Alexandrien zu verstehen, daß auf dreien Stühlen Pctri nach Eulvgii Schlußart eigentlich drei Papste sizen, und sein Bcgrif des Stuhls oder wie es bald hieß, Throns Petri in Rom ist folglich ein andrer als der spater daselbst aufgekommne. Der Bischof zu Konstantinopel hat sich erdreistet sich selbst einen vcumcnischen Patriarchen (Pnpnin universalem) zu nennen, einen allgemeinen Bater, einen Bischof über alle Bischöfe^). Was ist aber dieser beispiellose Hochmuts) und straflicher Stolz anders als ein Vvrbothc des Antichrists? üpist. 1. 5. ep. 19 (nl. 39) ml Labininn. und lZpist. 21 (nl. 34) ml tlonstnirtinm vVnxnsta.ni. Wer anders könnte beim Gebrauch dieses vcrdammlichen Titels dem ehrsüchtigen Manne zum Muster dienen, als der, welcher sich mit Verachtung aller ihm zur gemeinschaftlichen Seligkeit crschaffnen Engel, zur Höhe eines Einzelnen ohne Gleichen erheben, und nicht nur keinem sich unterwerfen, sondern auch vor allen übrigen den Borzug haben wollte? all online» sinxnlii.vitalis conn- und zwei Subdiaconen. Diese Abgesandten der römische» Kirche fassen auf der linken oder C'hrenseite. — Und im siebenten allgemeinen Con- cilinm im Jahre 783, zur Steuerung des Bilderstreites, schickte der römische Bischof Adrianus seine Gesandten dahin, welche den Borsiz führten und die Verhandlungen der Shnode leiteten." —- Und nun sezt der Verfasser emphatisch hinzu: ,,Wer könnte diese laut sprechenden Denkmäler der Geschichte verstummen machen?" — Sicher hat die gräco- russische Kirche kein Interesse solche Denkmäler verstummen zu machen. *) Gregor wüste somit nichts von Jener Erfindung des Unterschieds zwischen einem göttlichen sich von selber verstehenden Primat und einem weltlichen Patriarchat, obschon H. Pf. Schmitt hierauf als ein unwiderlegbares Argument sich stüzt. 83 las elumporo. — Der welcher sagte: Ich will meinen Thron über den Sternen des Himmels aufschlagen, ich will mich über die Wolken hinauf schwingen und dem Höchsten hicmit gleich werden! IZpist. I. 5. ep, 18 (al. 38) all llolinn. episoop. (lnnslniUinnp. — Was sind aber sammtlichc Bischöfe der allgemeinen Kirche anders als Gestirne und leuchtende Wolken des Himmels? Und wann nun Einer unter ihnen, die alle Brüder unter einander sind, durch einen bcsondern Titel sich einen besonder:: Vorzug vor den übrigen anmaast, spricht er nicht gleichsam mit Jenem alten Feind alles Guten: Ich will über den Himmel hinaufsteigen, und meinen Stuhl über dessen Gestirne sezen. Gregor, widerlegt hiemit den der morgcnlandischcn (Griechischen) Kirche von der abendländischen gemacht werdenden Vorwurf eines Schisma oder Lostrcnnung von lcztcr als Muttcrkirche, mdcm er dem Patriarchen nicht etwa vorwirft, daß er sich zum Päpsten selber aufwerfen, hicmit aber gegen Gregor als welcher bereits Papst sey, auflehnen will, sondern Gregor wirst ihm vor, daß er ein solches Papstthum als ein völlig neues in die Kirche einführen will, als die Erhebung der Singularität eines Bischofaints zur Ecntralität oder Universalität. Zur Zeit Gregors bestund also eine Einheit beider Kirchen ohne der Subjection der Einen unter der andern*). Was aber Gregor *) Ihre Einigkeit zeigte sich in den gemeinsamen Eoncilien, in welchen man dem Römischen Bischof oder seinen Gesandten zwar den Ehrenvorsiz in Griechenland gab, nicht aber das Vorrecht der Suprematie einräumte, obschon die Romanisten unter solcher Einheit nichts anders verstanden wissen wollen, als eine mit der ersten Existenz des Römischen Bischofstuhls schon gegebne Unterwerfung aller andern Bischöfe als unter ihrer höchsten Autorität. — Wenn darum schon der Neugriechische Bischof, Hellas Meniates sagt: daß die Oberstelle des Petrus nur in der Ehre bestand und daß er zwar als der Erste die ganze Bruderschaft vertratt (doch nicht vor Gott und Menschen!) man ihm aber darum wohl eine obere Würde, nicht aber eine obere Macht zuerkennen könnte —, so zeigt er sich doch von einer nickt schriftgcmässen Vorstellung Eines Primats befangen, so wie er den Unterschied eines Borstands einer Brn- 89 am Patriarchen in Konstantinopcl tadelte und verfluchte, zu dem dcclarirte sich bereits sein Nachfolger Bvnifaz III., welcher von Phvkas (dem Mörder seines Herrn, des Kaisers Mauritius) als allgemeiner Bischof und Staathalter Christi promul- qirt, hicmit aber auch die Entzweiung der griechischen und römischen Kirche angebahnt ward. — Man glaube übrigens nicht daß die Schriften der altern Kirchenlehrer völlig unverfälscht bis zu uns gekommen sind. Sm z. B. gestehen die Herausgeber der Werke Augustins (Venedig 1584) selber auf dem Titel die Zerstümmlung derselben an, mit den Worten: I» gna oiwavillms reinovori ea <> III INN glino liileliiiiii Iiiciilos lureretivir pravilale posseul iukicoro — und der Engcllandcr Thomas Jamcsius spricht in seinen Vinelieüs krexari-rnis 1625. konev. von einer Unzahl Verfälschungen der Schriften Gregor M. welche in der Vaticanischen Edition Augustins von 1580 enthalten sind. Durch die vorliegende Zusammenstellung der Schrifttcxtc sowohl als durch Jene mehrerer bedeutender Kirchenlehrer crgiebt sich wenigst so viel, daß die abendlandische Kirche den Beweist ihrer Suprematie über die morgcnlandischc bis jezt noch schuldig geblieben ist, und daß also ihre Behauptung auf sich beruht, daß, um das Heil der Seelen zu gewinnen und zu erhalten, die erste Con- «liüo sine gna. non, die scp „daß alle Kirchen und alle Glaubige (vorerst also die Griechisch-russische Kirche) mit der Römischen Kirche derschaft oder Corporation von einem Regenten oder Monarchen völlig verkennt, und somit der Behauptung der Mittelpunktstheoristen „daß die Kirche nicht bestehen könnte ohne einer sichtbaren obersten Regierungs- gewalt (einenblasser» Li^romo), wenigst auf halbem Wege wieder begegnet. 00 (nach Irenaus Ausdruck: propler siolioreiu priu<üpalitateiu) durch Unterwerfung unter selbe vereint, mit ihr verbunden oder an sie gebunden, und in ihr verschlungen seycn, denn eben nur ein solches absolutes Subjicirt- und Bcrschlungenseyn meint sie mit der Ncunivn und Wiederkehr in ihren Schoost. Aus einem Schreiben des H. Doctor und Professor in Moscau 0t>euue de 01>evirelk an den Verfasser, ct. d. 22. Februar 1840. liittre' autres o^iuious aoereditees il )' a nne xar ra^port a I'ZZKÜse russe: yu'ou croit tougours et gu'ou avauee daus tous los douruanx, gue o'est lempereur gui en est le 01>el supreme.^) Nais co u'est xas xrai. U'luiigoi'our u'eu est gue le xremior Iiis fiieu aime et le Premier?rotectenr (adroeat) de ses droits, ll u'est pas au dessns de l'lZZ,lise> mais il est ä ses eotes avee tout sou pouroir pour maiuteuir sou iudependauee et sou iutexrite. l'ourrait - il pur exeiuple eliau^er guelgue eliose uon seuleuieut aux doxiues mais meine aux usa^os reyus de l lrAlise? t4uroit il le droit de Dublier uu deerot par rap- ziort au careme oomme le lait auuuellonieut le llfiel de l'1Z°1ise romaiue, et dirv ä ses Sujets: »res eulauts! eette auuee ei xons mau^erex de 1a riande— et ee sera votre iuaiZ,re?**) — ^t-il P Weil man nämlich die abendländische katholische Kirche nur als dem Papst, die protestantische Kirche nur dem weltlichen Regenten als dem -miimni« ?i,i»coii»s unterthänig erkennt, so meint man daß dasselbe Ilnterthansverhältniß auch in der Griechisch-russischen Kirche statt finde. Auch der Verfasser der Pentarchie sprach dieselbe Meinung ans. Wenn aber diese Unterthänigkeit in beiden erstern Confessionen wesentlich ist, so ist sie es nicht in der dritten. Der Russische Kaiser hat nie, wie noch vor nicht langer Zeit, der König von England „rast-Uuz's« ausgeschrieben, noch minder sind 91 10 äioil des iitäulAeircos, lle l'alisolniion lies xoolres, äo tonte sorte äe äissienses (>onr marriaxo, voenx ete. u'a-t-il pas nn con- sessenr? ä>! ne sais tvo(i si le siapo on a nn: connnv saintissiule 11 ne äevnoit (>as en avoir. — D'Duipevent' ne siaise-t-il pas Iii, main an äoeniev snetve ä'nn inisorasilo villaxe, ce sivetenäit Dsiel äe DDxlise, en eu reoevant la l>enväiction? — äe äirai i^no o'est 1a sonmission äe DDinsierene ä l'DAllse c(ni sanetionne soii xonvoiv anx zenx «In pendle vnsse.^) D'ettlise rosse ne s'est («ar eile ineine äeelaree inäe(,enäante ä» Datriarolral äe Donstantinoxle. II laut sionr cela entrer äans r(nel^nes äetails Ilistaricxnes. Dans les temps anciens gusorä inäiroeleinent j,ai- le Datriaiel«e äe Donstanlinoxlo, axres siar nn conseil on con- eile ä'eveiznes insses: Donr clroix äevoit tvnsours etre sanetionne ziar le Datriarclre äe Dz?anoe. — Doris Koäonnoss nn xarvonn «1>ii visoit an träne, a vtasili en D-nssle, sons le D?ar Dlieoäore äont 11 etoit le Dntenr on le Dement, nii Datriareliat inäepenäant ä l'instar äe eeux äo Donstantinople et ä'Xloxanärie. Lans äoute ce n'est xas xar la volonte äu D^ar yne eela s'est lait: les Da- triarolies 5 ont äonne lenr assentiineiit. Älais Doris Doäonnolk ne l'a lait l^ne s>onr äes niotiks politissnes. II vonloit se servir äu Datriareliat coniine ä'nn axpni (>onr ses vnes amsiitienses, et il vonloit ^oinäre eet applsii äe 1'D^lise ä 1a (inissanoe cjn'il avoil von Ihm Agenden erlassen worden. — Und doch behauptet ein Protestant (Evangelische Kirchenzeitung Septbr. 1834 Nr. 71) „daß in der russischen Kirche der Kaiser mehr sey und gelte als in der römischen der Papst!" — Derselbe nimmt es aber auch einem Theil des russischen Klerus übel, daß er sich mit Mysticism abgiebt, von dem sich freilich die pietistische Flachheit eben so fern hält, als eines Theils der irrationale Materialism als der sich fromm dünkende, andrerseits der rationale, als der unfromme. -9 Aufs bestimmteste erklärte Sich der Kaiser wieder ohnlängst in einer Verordnung „daß Er nicht Oberhaupt der Kirche, sondern ihr oberster Schirmherr sey." »2 Mr Iii. Zchxee äes xossleZ. — d'est sioxr Ix sireixiere sxis r^xe l^xlise rx88v x ete exisdoxee eeixxie xinzex ex eoxixie iii8irx- xreiit (Ix xoxvoir teixsiorel. ()x xext dire ijx'il x x ex ex 11x88!« sxxZ (ivdvxxgss le xiexie sxit (ex ixixixtxre s'exiexd) (sxi s'est xx38e 8VXS dlixrleixxAxe x l'oeeldoxt. ^U8si ee sxit eoixixe nixuxxi8 dxx8 8vx sirixeixe (pxi8stxe I/eglise xo doit jxxixi3 etre eixxle^ee eoixixe ixa)ex ox ix8trxxiext d'xxe ^xis8xxce texi^orelle) N0xs x vxlx toxt x sxit Ie8 xieixe8 rv8»!txl8 ex xelit, stxe xous vxxik8 se develo^izier ex Zrxud dxx8 Idlistoiee d'oeeidext. — I,e kxtrixrelie rxsse, dxxs Ix s,er80xxe de Hicex, 3gxs le s',?xr Alexis (^>ere deIsserre le krxxd) ^»rtx se8 ^retextiai!8 jx8^x' x vvxlxir se eox8titxer ex xelit ?xxe xio8covite, et xiexie jxsstx' x xro- dxire dxxs le xexsile rx88e le sexxdxle le xlxz dvsx8trexx, ex vnxlxxt excoixxixxier le cliek de I'IZlxt, le L?xr. — ^.xssi Nicox x ete jxge pxr les zixtrixrclles de I'lüKli8e xree^xe et destituv. Isserre le Krxxcl eoxxois8oit lxex le vice de vette ix8titxtiox dxe x l'xixliitiox xeesoxelle d'»x ixdividx. II x ex prescjxe soxs ses zexx llüstnire de 3vx xvro — et e'est, xoxr celx r^x'll x xssoll le kxtrixrelixt, ex le retxxlxexxt xxr xx Lvxede. (X) I^e 8)xode x'e8t s>x8 emn^nse (ooinixe ex dit) de ixeixliees eeele-ixs!i«j((es et eivlles. I.es wetroxelitxixs et c^xel^xes evecxxes ex 3»xt le5 xiexdx'es xxicsxes; ixxis l'üxisierexr ^ x xxs3l 3ox re^ire- sextxxt dxx8 lx xersoxxe dx xrecxrexr. s.e 8)xiode snddie ses deeeets, xixis eelx 8'extexd (sxe se« deerets xoxr etre ixis ex exeextiax dxirext etre rerxs xxr xx rejiresvxtxxt dx xoxvoir de l'etxt, (sxi deeide 8'lls 8»xt d'xeoord xxee 1v8 xxtre8 lol8 et ix- stitxtiox8 dx sixiZ.*) ) Es wird somit hier nur auf andre Weise Jenes Placet geltend gemacht dessen sich auch kein römisch-katholischer Regent begiebt. Es ist übrigens gleichgiltig ob ein solcher Procureur unmittelbar dem Collegiuni beiwohnt, oder nur in einer zweiten Versammlung die Beschlüsse ihm vorgelegt werden. — Eben so verlangt man bei der eignen Verwaltung des Gesammtkirchenvermögeno von Seite der Kirchenvorsteher nur die Staatscuratel wie solche bei jeder Verwaltung eines Gemeindevcrmögens 9? (>u doinnndei'n stent-etre: ssul est doue le Olies ver!tnl>Ie de l'lZ^lise russe? O'ost netre Loixnour desus Olirlst, d'npi-es les stnreles de lupdieo. II est so» Oliek invisilile, et personne, ni Vümperenr iil le Lt. Lvnode, ue ssirrroxe le droit lle lo repie- senter sei- cette teere. — de dlrni (j»e cette ssnestlon pur rnp- port au Oliek xisisile du l^zlise n'est pas du tollt ime l^uestion russe. — IZlle ne se presente pns meine n nans dnns le sens komme l'entend Voccident romilul c^ni ne pent pns exister sniis l'idee «lo pnpe. ^.dressee de Iii pnrt des killlivl. rnnuliiis, eette sjoestioil nons lait le meme eilet stne In c^nestion (Von enloilt l/»i voos demnnde: ssni est xotre lionne? (Inns I'Ileoreose illosion l^oe tont ie monde doli nvoir nne.^) — d'nvoue izoe l'Iüxlise rnsse depnis I'ierre le kroiul pur In reoel!ne oberen pur loi eontre le Vntriorcliot s'est trnove depuis co temps lo plus dependnnte do ponvoir temporel; — mnis il Innt esperer stn'elle recouvrcro ovee lo temps son etat d'independnnce primitive et (jo'oil rexiendrn sous ^losleors rnpports o eette eZlise de l'nneienne Ilussie xu lo tenclonee de l'Lmperenr oetool vers tont ee eoloxissnes et snnnlnntes. Laus notiou en deliors (sun evolution externe) est reservee pour l'nvenir. lVlnis en dednns les lzienlnits rpt'elle n rendus n In nnlion, sont incnl- culnfiles. lvlle se lie n tonte I'Iustpire, n tonte In vie dn penple rosse depnis ses finnls-snits )ns^n'nnx pelits Details de son exi- stenee. D'nfiord pcudnnt les teinps leodnnx, Zorsssne tont l'etnt etoit pnrtnze en invreennx entre des prinees ssni se les dispn- tolent en versnnt le snnK de lenrs snzets, c'est l'vKlise senle cpii inninteuoit l'nnite de In nntion. — kons le zonK des st'nr- tnres s'est 1'exlise oui snuvn l'existenee de In Dnssie. Lnns eile nons serions devenus nn roznmne 4'nrtnre tel cpt'etoient cenx de (lnsnn et d'4.strncnn. Dans l'lnstoire universelle on voit ees denx Arnnds snits dnns les denx nntions nlliees pnr In relixiun; In nntion rnsse et In nntion greessne. lontes les denx dieser Trennung sich nicht zu erwehren vermochte, sondern selber zu einem Theile neben und ausser den Theilen oder immer mehr zu einem solchen Bruchtheil wird. '9 Weil, wie gesagt, mit der Synodalverfassung das corporative Element (der Geist der Gemeinde, nicht der Casten- oder Zunftgeist) frei wird und somit weder die Unterthänigkeit der Gemeindeglieder unter Einen Vorstand statt findet, wie in der Römischen Kirche, noch Jene Delegirung der Kirchlichen Administration an den Regenten, wie solche in Protestantischen Kirchen nothwendig besteht, weil hier der Regent als Liuumu» üPi-ieogu» doch wieder das sichtbare Oberhaupt der Kirche ist. 95 otant sons le z'oaA mali0w6tan, elles out reoouvro lcur indcpeu- daace pur lc i»!ivi»ie kois lnihitisee aa l^om (daiis la paissaiicc) de dosas Lsirist, est iiuporissalile et coaservo an Kerme vital hm a tonznars la lorce de 1a rocoiistitacr eil etat: Lotio- meilt le priacipo social est imiee ä la voetrme Llirolieaiio.*) Koos deaii 1o Lcrrilile, le fauleax L)raii de l'aiieiemie Kassie, l'ezzlise daus la persoiiiro de soa melropolitaia s'est con- duite de la maiiieee la plus Zeiieeeuse et la plus ediliaiite pour la iiativii. La larat de la cliaire Lliretieniie, aa i»iliea de la Latlrodralc le inotropolikaiii kliilippe a eu l'aadace de doirner aae lecoa an ltxar avide de sairx. Il ea a sidii apres le maihv. Kt l'kAÜse rasse a caiioilise oette victime da poavvir teinporel. ---- Laus l'iiivasioa Polonaise de 1612 — e'est eircare I'eAlise Hai saava l'etat — les exploits da katriarclie keraloKeiie, da katriarclie kliilarete pere da Llrek de la dxaareliie reZiiaulo — lormeiit les plus lielles pazes de ldüstoire de Kassie. La Aaerre de l'aiiiiee 1812 — Hai apres delivra toate 1'karope de la Lvrauuie iiaiverselle de ?lapoleoii, avait aassi toat le caractere d'aiie Aaerre eelinieuse. — kiiüii, tous les plus lieaax soaveairs de untre passe smtt lies aax seiitimeiits reli- rrionx de la ilatioa — et pe»t oa avaacer, apres eela hae l'kKlise i'asse n'a zamais ete ha'aa corps saas vie iratioiiale? Lire hae le LlerAe rnsse a'a l'ait hae vexeter d'aiie i»aniere servile et stapide depnis les temps les plas aiioieas ^asha'ä nos So paradox der hier aufgestellte Begriff der Taufe einer Nation unfern neuen Publicisten dünken mag, welchen die Taufe eines Individuums eine Nichts bedeutende Ceremvnie ist — so richtig und wahr ist dieser Begriff eines Vli.'io.'tvioi' iaiieiolüii» Jeder zum Christenthum sich einmal bekannt habenden Nation. — Und wenn eine solche Nation sich auch faktisch völlig dechristiauisirt wird sie doch Jenes Charakters zu ihrem Fluche nicht ganz wieder los werde». »6 Honrs, e'esl 5n!re preuve d'nne iZnornuee yni est iV plnindre, innis xns n reluter. — Im ^>lns Arnude ^inrtie des lienutvs de untre Instoire Init 1'nxnnnxe de untre derKv. (7est le elerxe dnetieu xnr excelleuee, inornl, servnul Dien, desiulvressee, zuuivre eoinine les njuttres, soninis nu ^inuvoir eoiume enx et soullrnnt nsse? souxnut Ig innrlvr eoiume eux. D'D»lise rnsse u'n xns n se rn^prodier ui les xnerres snnxlnutes enutre les liereti^nes ui les lenx de l'in^nisitiou, in Ktnue e Dnrllielenii, in nu Dnesnr Ilnr«in; e'est ^ionr celn ^u'clle u'n xns ^roxo^ue nu Dutlier. — Des eziitres de uns metroxolitniiis et evec^nes ndressees nnx Krnuds-Dues et nnx (!?nrs de 1'nudeune Ilnssre sont nu luoinnuent lilternire et rdiKieux c^ni sern iunnninjnnlile- uieut xnlilie sons l'IZni^ereur regnnut et mettrn eu evideure les relntious dnus lesc^nelles se tronvoit 1'ÜAlise rnsse xüs-n-xis du xouxoir teuixorel. D'Duroxe ^ tronxern xeut-etre ineine des uvis xonr eile. — 'luxer le derxe russe d'iAnornuce, e'est doue nxoir soi-möine nue iKiiornnee ooinjilete nu luoius dnus tont ce c^ni ooueerus I'Instoire de In llnssie. — Des uoms de Nestor moiue du XI siede, ol>M d'ndiuirntiou et d'etude du xrninl Lddo/er, de llieo^linne, l'rnenjinritseli, uietroziolitniu, orntenr et liounne d'etnt sons I'ierre le Krnnd, de I'intou Inmenx orntenr sons l'.ntlieriue II., des inetroxolitnin Isngeue de Xioxv, uiort il u'^ n ^>ns louKleuis — sout eouuns meine dnus le moude snxnnt de 1'Dnroxo. de ue xnrle ^ns d'nue lonle d'nutres eeolesinsti- rjues rnsses dout les uoius resterout i^uores ton^onrs, tnut (^u'ou xersistern n ne xonloir xns uons couuoitre. d'nurois pu ciler linr exenijile nu orntenr du XII. siede, nu Dxe^ue de lonrorx l!vr!IIe, dout 1'eloljneuoe xeut etre eomxnree nnx plus liennx iuorcennx de I'elo^neuee de ln Dlinir de L)^nuoe. — Dt ^e xnrie l'XlleiunKiie u n rieu de xnreil dnus les nininles des sn lillerniure du meine siede — Nnis hui eonnoit nnlre ll^rülv? de ponrrois eiter Nnxiine le jkree, lielleniste du XVI. siede, Demetrius, I'ierre Nvlnln, Dexnudn, Dliilnrvte, «jui v!t eneore, »7 luuooeut Lrodieatonr couloiustoraiu dos plus strnlouds et taut d'aulros! — »uns lous oos uoius Iii uo paroitroivut li»ies, et ziviii- eaieul etie «ziialiliees d'euiaueipatious de 1a lisierte et de l'es- zusst iiumaiu. ülais coiniue taute reavtiou ziurte ä l'exlrviue (et eomiue daus le ken>z>s le zuiiieipe ueMlil se lexville loiMurs avee le xiiudzie zwsitil) 11 eu est resultv de ees deux crises un viee oexanicxue xoue dialzue zia^s Mi eu kut 1a seeue — et c'est la ve Mi miue eneoie les lorces de 1'^lleinaAue et de la keanee, cae ees deux eomsials ue sout xas aetieves, Iis dureut euevee, —. et iiiaiuteuaut ee u'est pliis la l'uiee reaxissaute «I'aulreluis czui Ziousse (vires n«tai«e »liedieutrice«) -— uiais e'esl I'extreiue — le xirus czui s'est dexelozipe star la suite de la lualadle. — IIu laux zuiiuip«; (soit eu luiuiiuuiu) zierte eu sei u« xeriue d'uu autre laux zidudpe. Le xremler l'aee Mi s'est arrttKe le titre de reiuzilacaut de nolre desus Lsiiist eii»ei>dra eu sei Lulsier czui uie le xazie, et Ltrauss Mi ule desus tliirist. I.). llu aeeorde zivurtant ä uotre exlise d'axnir uiaiutenu les kiiucipes eu doxiues de l'e^Iise ziriiuitixe dans leur inte^rite: a la livune lieure! ^— uiais u'est ee zias ineritnire de la ziart du eler^e russe de les avoir luaiuteuus et eouserxes iutaets ä tiavers taut de Liedes et laut des eliauMineus? ZZst eela xeui' ideii? — Lette z>ersvveraues de la Kassie daus les ziiiueipes de sa reli^iou, izui a resisle ä taut des lentatious, u'eulre l' eile tet, und ihren Klerus durch Pensionen aus dem gemeinsam verwalteten Kirchenfond unterhält nie zu Jenem Verfall sowohl in sich kommen kann, welcher eine Umwälzung hervorrufen könnte, so wie sie auch nie mit der weltlichen Macht in Opposition trotten kann. Wie ich mich denn überzeugt halte, daß nur durch Anwendung dieses doppelten Instituts die eigentliche Reformation der christlichen Kirchen im Abendland zu Stand und Bestand kommen, und der Kirchendiener oder Clerus seine wahre Dignität und Unabhängigkeit gegen die übrigen Volksklassen gewinnen wird, wie dieses von dem aus dem StaatSfond besoldeten Staatsdiener gilt. So schlecht nämlich dem Staat mit bettelnden oder auf 99 pus duns los vnos de lu I'rovi«le.iioo ponr le dovolostpoment du t)I>iisliunismo u I uvenil ? 1'6Z,lise Areo«zne-rnsse, ne eessenilde-t- eile xus' ü ee kled czno Ion seine vn untomne et «zui eeste lo»A- teins sons des inonts de nei^e, se consvrvunt intuct et xlein de vi^nenr pour.voz>uiu!lre un znäiilkinzm uvee une nonvolle lorce de vogotulion? tin lotronvoroit-on cette sonico de I'eAÜse zni- initive sl on vonloit ^ revonir, duns son intoZoito, sl ee n'est en kussie! ()u!, e'est nn ^eiine zneoienx «zui n'uttend «zne son develozissoment. — I.e develozPeinont soienlisi«zne de lu reliKion en .ssllemuKno unroit xu s'enixueor de ee gerine, et-conteiliner ü son develozPement ziour le Kien inninel de denx xuz's. ssluis inulkeui'euseinent depnis «zuel«zne temzis tont ee czni est nnsse semkle i'ezwgnee unx ^.llemunds, ze ne suis trop xone «zueile euison, e'est nn deZont dexontunt, et on zient «live iiuekuee xone nne nution unssi nniveeseiie et toleeunte! Pundis czne i'eKlise romuine s'okstine ü mettee un kun tonte xiüiosozdne *) tundis «zne le zieotestunlisine ukonlit de son eote ü lu doniinution exelnsive de lu ruison Inunuine eZoisti- «zne — ee n'est «zuo duns l'esznöt insse (ni ziuziiste ni z>role- stunte duns ee sens deenier) lu niediulion (1'w'tium c<,>uz>«>«tto- ni«) entee ces denx extremes. l )n i^nore coi»z>Ietoinent en kiurozn! eomine nolee eleexe est un luit de tont le inonveinent Kosten der Staatsbürger sich bereichernde» StaatSdienern gedient ist, so. schlecht, ist der Kirche mit solchen Kirchendienern gedient. *) So wie die abendländische Römische Kirche einen Zirkel um sich schlieft, ausser welchem jede Bewegung der Intelligenz als Kezerei verpönt ist, so hat auch die Rationalistische Philosophie im Abendlandc (wie Gerber in seiner Schrift: das Nachtgcbiet der Natur 1830. S. 333 sehr richtig bemerkt) einen Zirkel uin sich gezogen, ausser welchem von ihr aller Vernunftgebrauch als Aberglauben decretirt wird. —- In der That stüzt sich aber dieser Rationalistische Unglauben lediglich auf das Mechanische System (>e inoixla M-Ivlxns at tNx»»nxz niaclixio) welchem der bei weitem gröste Theil der Theologen noch zugethan ist, und welche Brateuwendertheorie (indem Gott die Maschine nur ablaufen last) besonders die Franzosen (Cartes) recht seientivisch herausgepuzt 7 * 100 zddloscstlliffue >ini s'est zrussc et czui Pnsso en vVllcmuAne, nn jnuovo «zuil ^ u des Iloiumes czul »ut etudie et uzMosoudi tnus les nuvrilKes lies sillilosozdies ulleiullnds depuls kelliui? MSffu'ü liefet, et czue les zdülosnzdieiues ueKutiks «In dviulev nnt trouve duus les eccleslustlczues lies nutilKouistes decides et lnels"). Kulm eil lxuoie eu ^lleiuuAiie czue xlusieurs kcelesiustltzues eusses eauuolsseut lres Ilieil les ouviuxes de ces ki^slosnziltes et 1'lmosnplies ullemnuds lzui se ne seilt pus lnlssv eutvilluei' ziur le eolieiliit iiioetlleie de In zlsillososihie de (l-utese, luczuelle en sezulenut et en i»ella»t eu oztzinsltlou le Hielsiue et le un- tlllulisnie, est deveime le suünclzie kutul de ce Dnullsine, czul tieut eueaie les xenseurs duus l occideiit zii'esczue tous en teu- vuil peiiilile, zlueeelsiie z»ue sou ulisteuetloii de l'eszuit et de lu iiutilie, eile leui- uinulve ce czui s'uccoed ziuv le zieeiiiier coiliiiie nn szieotee et In deeuieie coniiuo uu cuduvie, sulteiuen' uvev In sezielliie de untre vie szilrltnelle et In liussesse de untre vle luaterlelle. kustu il »')' u xäs de xuxs -liissi toleruut czue In kessle ziliur les nplninns etrnu^eres, umls ziour lzu'elles ^ preii- neut rnclue, il sunt czu'elles se untlouilllsent, czit'elles s'udvsttent ü I'esprlt de ln ililtioii. — 0'est eu kessle surtnut czu'ou zieel esperer »il develnstpvineut du (dulstleelsiiie. niiiversel, lmrs des zirezuAes kurvsteeus, de l'kxnlsuie ^etriliuut de l'kKlise romulue et de prluclpe dissnlvilut czee le zievtestiliitisilie lel u iililllieei- eusemeut lnoenle "). haben: so wie ihnen hierin die deutschen Naturalisten mit ihrer Vorstellung von den unveränderlichen Gesezen der materiellen Natur folgten. *) Insofern die Negative der Negation der Affirmation Bahn macht, kann man auch sagen, daß Hegels Philosopheme, indem sie die Kantische, Fichtische und Schellingische negiren, einer positiven Philosophie Raum gemacht haben. **) Der Begriff des Selberlebens sagt, daß alles was ein solch Sel- berlebendes von andern (von aussen) empfängt, dieses erst in sich aufzuheben, in seine Natur zu verwandeln hat, und daß ohne einer I»i»ü- 5»iic>?i>lio keine »i> l»«uü z»'o>iul!lio statt hat) wie wir denn sehen, daß alles Z01 dn veut sinrnei' lout le inorilv fl«z I'nxlisc; Ki ecstno - insse n nvoir couservo iiänlemeut los ävKmos flu o!uis!iuiiisi»o firimi- Leben feuriger, somit selbstischer Natur ist, das Feuer aber nicht gebären oder poniren kann ohne zu verzehren und zu negiren. — Dieses gilt i>. ex», von der Wissenschaft und Kunst, und die Mission Rußlands ist darum in Bezug auf diese nicht, das Wissen andrer Nationen sich blos anzulernen oder wie man sagt au sw endig zu lernen, sondern selbes in sich aufzuheben um es sich wahrhaft anzueignen, und das ->»cd' io son pillore ! auszusprechen. Dieses gilt aber umsomehr für Rußland, bezüglich auf das Religiöse Wissen, da das Ihm vom Abendland importirte Wissen nichts weniger als ein gesundes, sondern seit lange infieirtes und inficirendes ist, und es nicht genügt daß ein Organism sich eines Giftes erwehrt,, sondern dieses erst in sich verzehren soll, um dem vergiftenden Einfluß von aussen einen heilenden gleichfalls selbst in sich erzeugten, nach aussen entgegen zu sezen. — Dieser Korruption der sich früher entwickelt habenden abendländischen Wissenschaft, gegen deren Jmporta- tion sich Nußland zu erwehren hat (so wie Griechenland) liegt ein doppelter Jrrthum zum Grund. Nämlich erstens jener, bereite erwähnte, welcher die unmittelbare Gegenwart Gottes in Bezug auf die Creatur sowohl in deren Natur (als llebernatur) als in deren Geist (als lleber- geist) ignorirt oder läugnet, womit Naturalis«! und Theism in Jenem feindlichen Dualism festgerannt sich erhalten, in welchen zuerst Cartes sie im Abendland brachte. Der zweyte Jrrthum besteht aber darin, daß der neuere Nationalism das Selb erwissen des Menschen mit dessen von sich selber wissen vermengt, und meint daß das eine das andre ausschliest. — Gott gab uns aber unsere Bernunft ().o/o?, Wort- oder Sprcchvermögen) nicht dazu, daß wir selbe in Eigenheit brauchen sollten (wie Er uns unsern Willen nicht hiezu gab), sondern daß wir auf Gottes Wort innerlich hörend, als dessen Beiwort >,5 il NL verde pas) wie denn Johannes Gottes Wort im Menschen den Saamen Gottes Heist der in ihm ist. Philosophen und Theologen sahen nun nicht ein, daß und wie der M cnsch durch eigne Schuld der I n nern , primitive n u n d centralen Einsprache Gottes verlustig wird, selber auch das Vermögen seines eignen primitiven und centralen 102 lik, »Ulis «I nous comstinoiis son dovelopsiemont aveo oelui de l'LKlise de' 1'oovidenl, nons vorrous czn'olle en ooinple Iiien d'nntres. liulee les immenses seeviees eendus n In pnleie, eile n eneoie les merites de n'nvoir zninnis en nn ^eacitttus de n'nvoii' znmnis eeeoniln linsnllilrililv d'iuieun inorlel snr In, ?eire, de n'nvoie xns en une insinisillon, ei de n'nvnir Irrnle xeisonne ponr 1e snlut de son nme; de n'nvoie ^nuinis tiee son revenn d'un I'urANloire, de n'nvoie znninis snil trnde de Iiiens Ljnillnels, de n'nvoii' znmnis pris de I'nr^ent poue les indnl- Kenees, dispenses elv., de n'nvoir exelle nnenne Knerre reliKieuse eonlie des OIrretiens, comme eelles des Xllssxeois et nittees, de n'nvoir xns en d'oiKies xnzinles vomme cenx du XV. et XVI. Sprechens verliert, und er darum nur noch, wie I. Böhm sagt, in und mit der äussern, Centrum leeren Form sprechen kann, welche als der innern Einheit leer sofort in sich wechselseitig verschliessende (unverständliche) Multiplicität sich zersplittert, worüber die babylonische Sprachverwirrung und die im Pfingstfest geschehene Spracheneinigung Zeugniß geben*). Deren Gegeneinanderstellung als der zween Hauptepochen der Religion die Theologen uns bis jezt noch schuldig blieben. Hieraus sieht man aber ein was es mit Jenem verlornen Wort auf sich hat, von welchem unsre Wissenschaftler seit lange nichts mehr wissen. Mit welchem Begriff eines verlornen Worts auch Jener der dem Menschen verloren gegangnen sowohl göttlichen als natürlichen Hieroglyphik zusammenfällt, weil so wie der Mensch die innre Centrale Urschrift nicht mehr zu lesen vermag, er hiemit auch das Bermögen selbe zu schreiben verliert. Einzelne Reminiscenzen einer solchen primitiven Naturhicroglyphik haben uns in neuern Zeiten einige Magnetische gegeben, welchen wenn auch unvollkommen der centrale Natursinn wieder aufgieng. X. *) DZ» übrigmS dir hi-r auSgrspwchne Thcühaftwcrdnng drS (rrraturlichcn) OrgnnS an der creaturisirenden Centralen und universellen Wirksamkeit des Princips (seiner Omni- präscns, Omniseienz und Omnipotenz) begreift, dem wird auch ein Licht über Jenen wundersamen magnetischen Rapport aufgehen, welcher sich im Denken als dem heimlichsten, a-Nes durchdringenden Wirken kund gicdt (von welchem man sagen kann: l'cius lek e«. prits pensenk ü In suis comuw tous 1^8 U8tra8 80 mauvont a. In suis) — so wie aber die Bedingung eines solchen Theilhaftwcrdcns, nämlich daß nur der Gedanke an Gott — die Andacht, als das Gottes Gedanken in sich Stätte gehen (in seinem eignen Denken) worinn das wahre Gehet hesteht, jenen Rapport möglich macht. 103 siede, äe n'nvoir xrele inntieee i> nuenne prnlestnli«)!«, ,Ie n'in oir ^nmnis sei vi nnenn souvei'ni» ^uui- i!e 1'neAent, «le n'n- v«ir xns en «le lesnites, «lont le nein se««l emnpte xoue une innere pneini le xonxle eccsse; cle n'-nvir pns eicliave iicccuic xroxres cle l'esprit linmnin nn sein cle ln jintiie, «l'nv«»ie n>« eonlrniee louMN's ete nu nivenn cles lnmieees cln siede, cl'avttie xroleKe les einlies elnssic^nes et In xlcilosc^iliie, cl'nvnie reene et etnclie les oenvees cle kons les Kenncls es^eits (lntl«. eoinnins et xi'otestnnls, «le n'nvoir ^jninnis snnlvvv les snMs ecintre les sonveenins AI «l'nvoir inniiltenn I cieclee et In mornle reliKieccse «ln xn^s, cle n'nvoir ^jnmnis pris ^nrt nnx intriznes cle ln eour (le sz'iwcle ne tieut xns eonr eoinnce le 1'npe), «le n'nvoir jn- innis espionnee les knmilles, cletruit ln jinix interienre «Inns lenr sein, et «l'nvoir «Inns lautes ses netions lnit jnenve «le li«le- lite exnete nnx xnroles «le l'Lvnn^ilv. Erlcui- 104 Erläuternde Zusätze. rV) Der richtige Begriff des Unterschieds einer natürlichen und übernatürlichen Offenbarung, welcher mit jenem einer materiellen und supramatcriellcn Acufscrung der Natur nicht zu vermengen ist, ist kein andrer als jener einer nichtsprachlichcn und einer sprachlichen (in Wort und Schrift sich kundgebenden) Offenbarung, Eröffnung oder Mitthcilung. Jene Offenbarung nämlich des an sich verborgnen Gedankens welche nicht durch Wort und That zugleich geschieht (als: Er sprach und es ward!) ist eine unganzc, und wenn der Mensch sich in dieser Zcitwclt in einer Umgebung (Region) befindet, die nicht zu ihm spricht, so wie er nicht zu ihr elims la guelle 1'aclion imretto o'est subslituöe ä la parvlo — so befindet er sich in selber beengt, unganz und unheimlich, somit versczt (dislocirt), welche Bcrsezthcit als Nerrükthcit das Nicht- vcrstandniß, ja den Wahnsinn des so Vcrrükten zur Folge hat, wie denn auch der Apostel sagt, daß die Weisheit dieser Welt doch nur bezüglich auf Jene der Göttlichen Welt eine Thorheit ist. Und wie S. Martin bemerkt, daß die Benennung einer andern Welt nicht dieser Göttlichen als der primitiven Welt zukamt, sondern der Zcitwelt, indem wir diese lcztcre nur aus Jener begreifen, durchdringen und bewältigen können, nicht aber umgekehrt. Was man darum Offenbarung im cngcrn Sinne nennt, kann nur als Rcminisccnz aus der primitiven oder Ersten Welt oder als Anticipation des Wiedereintritts in selbe begriffen werden. Und eben weil im Menschen durch seinen Fall undBcschlosscnseyn in diese sccundaire oder Zcitwclt sein Rapport mit der primitiven erlosch und verschlossen ward, musten Organe und Missi aus der leztcrn ausscr- lich zu ihm hinzutrcttcn, damit er durch ihre Hilfe sein vcrschloss- nes Innres wieder aufzuschliefsin vermöchte. Wenn aber diese 105 Offenbarungen sich nicht anders als in Wort und Schrift äussern, so ist die Ursache hicvon die, daß nur der Selber Sprechende auch der Selbsthandelndc ist, und wogegen alles was nur in der Zcitwelt, und nur von ihr, also auch nur für sie lebt, nur gesprochen (geschrieben) und gethan wird, wenn schon das Selbcr- sprcchcn und Sclbcrthun nicht mit dem Gott allein Zukommenden absolut von Sich Selber Sprechen und Thun zu vcrcincrleien ist. >— Bon einer solchen Berscztheit, Degradation oder Fall der Menschen, von welcher hier die Rede ist, wissen nun frcylich unsre Naturphilosophen nichts, welche den Menschen als auf die Spize der Thicrpyramide gestellt, hoch genug gestellt meinen. Wenn aber schon andre (Theologen und Physiologen oder Anthropologen) die Dignität des Menschen höher fassen, aber doch nicht höher als daß selber über die Thiere der Erde herrscht — so spricht dagegen die Schrift des alten Bundes (besonders die Psalmen) und noch mehr des neuen von einem Theilhaftwerdcn (Nicht Theilwerden) des Menschen an der Herrlichkeit Gottes Selber. Ich habe nun bereits anderswo gezeigt, daß der Schlüssel zum richtigen Verständnis; einer solchen Herrlichkeit in der einfachen Verbindung zweier Schriftbegriffe liegt, nämlich des, Bcgrifs des Menschen als Schlußgeschöpfs und Jenes des ewigen Sabbaths (S. Paulus, an *) Mit Recht kann man es unfern Psychologen zum Borwurf machen daß sie nicht zur klaren Erkenntniß durchgedrungen sind. Der Solidarität des Selber Sprechens (also auch einen Sprechenden Hörens) und des Selber Handelns, als Person, oder yer so ->gs»s. Wenn darum St. Martin den richtigen Saz aufstellt, gus clisgue ctio-is -lote s-iii-g »!> yroyrs rävvislion > so gilt dieses auch für die nicht selber sich offenbarenden Wesen, insofern nämlich ihr geoffenbart werden doch nicht ohne ihnen geschieht. Wenn übrigens das primitive Schaffen (Thun) zugleich ein Aussprechen (Nennen) war und ist, so begreift man, daß alle Faktoren und Potenzen, welche in Jenem primitiven Thun und Sprechen wirksam waren und sind, sno »w-ia dieses auch im Nachschaffenden und Nachsprechenden Menschen sehn müssen, worauf das Verständnis) einer Natursprache beruht, von welcher Lei b n i z und andre bei ihren Projekten einer Universalsprache nichts wüsten, wohl aber der I'I>iIoso^>ll»s ll'oiuouions. l0i> die Hebräer). Lczter fällt nämlich mit dem Begriff des absoluten, sich bezüglich auf seine Jdea abfolvircndcn und Jntegrircndcn Seyns zusammen *), welche Bollcndtheit der Kreatur als Produkts nicht anders möglich ist, als durch wechselseitigen Eingang dcS Produccns und Produkts, hier des Schöpfers und Geschöpfs, als die wechselseitige Ruhe und Bewegung bedingend, indem das Geschöpf ruht, in der Bewegung des Schöpfers, dieser in der Bewegung Jenes was die Schrift mit dem Wort: posnit se ausspricht. Da nun aber der Mensch das Schlußgcschöpf für die gesamte Creation ist, in welchem der Schöpfer roasoeiuleiulo Jene gleichsam rccapitulirt, so ist auch er allein zu einem solchen unmittelbaren Eingang des Schöpfers ins Geschöpf bestimmt, als vermittelnd diesen Eingang d. i. den Sabbath. Wie denn ein alter Kirchenlehrer sagt daß vor der Schöpfung des Menschen Gott noch keinen Raum in der gcsammten Ereation fand, um in diese eingehen oder ihr innwohnen zu können. Hiermit sieht man aber ein, daß die Iloimlioatia verbi eine tiefere Bedeutung hat, als man ihr bis dahin gab, indem der Begriff derselben bereits mit Jenem der Bollendung und Firirung der Creation (als deren Sabbath) zusammenfällt, daß folglich die Schöpfung des Menschen doch statt gefunden haben würde, falls auch Jene Katastrophe (die Empörung Lucifers) nicht eingetrettcn wäre, wonach der Mensch nur als Postscript der ohne ihn fertigen Schöpfung und als blosser Ersazmann Lucifers aufgetreten seyn würde; so wie auch diese llomismatia verbi nur auf andre Weise geschehen seyn würde, falls der Mensch auch nicht gefallen *) Bekanntlich spielt das Wort: Absolut in der neuern Philosophie eine grosse Rolle. Da man aber hierunter nur das absolute (vollendete) Schöpferische und das der Vollendung bedürftige geschöpfliche Seyn verstehen kann, so hätte diese Philosophie vor allem die Momente dieser SeynSvollendung sowohl in ihrer Succession als Simulta- neirät narbweisen sollen, was sie aber nicht that, und hiemit ihren Begriff des Absoluten selber unabsolvirt ließ; wie sie die Vereinerleiung der Begriffe des Unendlichen und Vollendeten, so wie des Endlichen und Unvollendeten hätte meiden sollen. 107 wäre und also zwar keines Erlösers im cngcrn Sinne, als eines Erretters wohl aber eines Integrators bedurft hatte und Conslrmators. L) Für den Akt der Erlösung gilt der Saz, daß der Mensch sich zwar nicht von sich selber zu erlösen vermag, jedoch eben so wenig ohne sich selber, und daß der Mensch seinen Befreier und Wicdcrgcbärcr oder Auferweckcr erst selbst in sich (sreylich nicht ohne Ergreifung der ihm gcbotnen Befreiungskräfte) befreien, erwecken und gebären muß, um durch Ihn befreit und wiedergeboren zu werden. So paradox nun auch vielen dieser Saz klingen mag, so haben doch ältere erleuchtete Natur-Schriftsorscher ihn ins Licht gestellt. Mit welcher Einsicht aber auch Jene verbunden ist, „daß der Begriff eines sich vollendenden (absolvircnden) Lcbcns- gcburtsproccsscs von Jenem eines Befrciungs- somit eines Er- lösungsproccsses nicht zu trennen ist. Falls man nämlich leztres Wort im weiter» Sinn nimmt, indem alle Vollendung als Erfüllung des Seyns die Aufhebung oder Umwandlung desjenigen, somit die Befreiung von dem aussagt, was als der Ergänzung nicht entsprechend oder vollends ihr widersprechend sich erweiset. Scy es nun daß solches nur in acta primo (wie die Scholastiker sagten oder blos noch in der Möglichkeit) sich befindet oder bereits in uolu seoniulo hervor- und heraustritt. Wo denn im ersten Fall auch der Erlösungsproceß nicht als solcher hervortritt, sondern als Vcrwandlungsproccß sich verborgen hält, wohl aber im zweytcn Fall in welchem eine aktuose Hemmung der Evolution und Jnte- grirung als solche sich erhebt And hicmit den Erlösungsproceß aus seiner Verborgenheit als vis nuturae sen vitae mellioalrix et viuäieti'ix hervorruft. — Wenn sonach das erste Stadium des Seyns der Kreatur ihr Gcschaffenscyn ist, so ist das zweite Stadium derselben ihr Geborcnseyn, in Folge des Eingehens in eine Gebärerinn, scy es nun in Jene welche sie vor sich ins Licht gebiert, scy es in Jene welche sie zurück in die Unvollendthcit ihres Seyns gebiert und in dieser Unvollendthcit und Differenz fest hält, worüber man nirgend als bei dem I'bilosoplms l'outoiuous Aufschluß erhalten kann, und sich mit einigem Nachdenken davon überzeugen, 108 daß diese zwei Stadien der Lcbcnsgeburt Jeder Kreatur der Geburt des Gott-Sohns durch die Aufhebung und doch Erhebung der Erstgeburt der Natur entsprechen sonnt durch eine Erhebung, Urstandt und Erlösung der Natur, welche nur durch Aufgabe ihres Sichsclbstcrhcbungsstrcbcns erhoben wird (wer sich selbst erniedrigt, wird erhoben werden). Ucbrigcns unterscheidet die Schrift sehr bestimmt diese zwei Stadien des Gcschaffcnscyns und Geborenseyns der Kreatur (lez- trcs Wort nämlich im engem Sinne genommen, da Bara auch Schaffen Heist) indem z. B. Jesus den Juden sagt daß sie nicht Kinder Gottes, sondcn des Teufels sind, obschon sie wie lcztcr selber Geschöpfe Gottes sind. Denn Jede, nicht willenlose Kreatur muß sofort aus ihrem blossen Gcschaffcnscyn in ihr Gcborcnscyn übergehen, und jeder Bater einen Sohn sich eingeboren, selben in sich, nicht von sich gebarend. 0) Vergleicht man mit allen altern Theologen (z. B. mit Thomas Aquin) die Taufe mit der Generation (voZtinolio rmins Inxeiieratio altorins) und die Eucharistie mit der Alimentation (gemäß Aristoteles Saz: IZx üs mrtriiimr soonsermiimrj ex gaibus Aener-mmr) so langt man schon mit der Zweizahl der Sacramcnte nicht mehr aus, wenn man nämlich, wie man doch muß, auch die Consirmation im physiologischen Sinn nimmt, welche als Jncorporation des Aliments und als Operation des Geistes, der Alimentation eben so folgt als diese der Generation«. — Es wird aber gewöhnlich nicht bemerkt, daß der Begriff der Alimentation (des Essens und Trinkens^) auch in der Schrift als ein wechselseitiger Akt oder als eine wechselseitige Inlussnscepllon gcfast wird, daß also bcyde (der Alimentirende und der Alimcntirte) von cinan- *) Festes und Flüssiges, jenes als Discretheit dieses als Confundirtes gcfast sind beides nur Abstracta des lebendigen Leibes der nur in ihrer Union, als weder abstrakt fest noch flüssig besteht. Nur ist überhaupt der Leib als Selbstisches, das Aliment als SelbloseS zu begreifen, so daß also das Geben des Leibes als Speise ein Entselbstigen Jenes ist. 109 der empfangen und einander geben, weil ausserdem die Conforma- tiem bcydcr oder ihre Einverleibung nicht möglich wäre (was auch von der Eingcistung gilt und worauf das Verständniß des Athmcns beruht). Wenn es darum z. B. bei Ezechiel Heist, daß er das ihm vom Engel gereichte Buch essen soll, so Heist dieses daß er mit diesem Eins, Ein Geist werden soll, daß sich gleichsam der Geist und Verstand des Vuchs an die Natur des Propheten lege, und dieser hiezu selbe dem Buch lasse und hergebe, daß das Buch Ezechiel, und dieser das Buch werde, wie das Wort Mensch und der Mensch das Wort. Nämlich das ausgesprochne, nicht das sprechende Wort, weil Gott nie Selber Kreatur, diese nie Gott wird, oder Deuz manikestaiis (das sprechende Wort) nicht als uumisestirtus zu nehmen ist — welche Mensch- und Wort- wcrdung übrigens erst mit dem lezten Menschen vollendet scyn wird. Wenn übrigens der Begriff des Sacramcnts überhaupt mit Jenem der Gnade zusammenfallt, so gilt dieses p. e. von der Eucharistie falls man selbe nicht im beschrankten Sinn fast. Der Begriff der Gnade ist nämlich Jener des Desccnsus (Zraiitr cleseen- ll!t ul elo^et, und im Altdeutsch Heist: die Sonne geht zu Gnaden, sie geht nieder), mit welchem Begriff des Dcscensus aber Jener des sich einer niedrigem Fassungskraft Accommodircns, gleichsam aus Geist zu Wesen oder Materie Werdens verbunden ist, jedoch so, daß nachdem sich dieser Geist einem niedrigem Geist zum Wesen (Alimcnt) herabsczt, dieser niedrige Geist im Aufheben (Jntus- suscipircn) dieses Wesens sich selber dcpotcnzirt und in Verbindung mit der nun freigewordnen Kraft des Alimcnts zur Wohnstätte (Tempel) des Geistes wird, von dem dieses Alimcnt kam. — Sagt nun Meister Eckart daß die Zeit oder Zeitlichkcit der Crca- tion nur in der Separatio ?atris et?ilü bezüglich auf Erstrc ihre Ursache hat, und daß also die Entzcitlichung mit der Ikeuiüo ?atris et ?ilii in der Crcatur zusammenfällt, so mag folgende Darstellung des Alimcntationsproccsses, insofern dieser als befreiend, erlösend und elcvirend begriffen wird, dazu dienen Jenen Spruch Eckarts zu verstehen. 110 Es scy nämlich n ans der ihm nativm und con- stitutiven Region in die niedrigere 1> gesczt und abgeschlossen, so wird zwar dasselbe ^ noch in ihm aber verborgen und wie erloschen seyn. Nun kann sich, n als von l> verschlungen nicht zusammennehmen um sich selbst erst nur dem b entgegen-, geschweige über selbes zu sezcn, falls ihm nicht durch eine Emission vom offenbaren ausser ihm ein xaiut ckappuie gegeben wird, an dem sich selbes fassend nicht nur wie der Prophet in der Grube an den hinunter gclassnen Kleidungsstücken, sich erhebe, sondern, welche Gabe in sich als in das verborgen scyendc ^ fassend, dieses wieder in Conjunction mit demselben Jene Hilfe gereicht habenden ausser n, geht. — v) Man darf sich nicht darüber wundern daß nach allen unblutigen und blutigen Streithandeln das Verständnis; über das Wesen des Sacramcnts (somit des Cultus und Opfers) noch so wenig aufgeschlossen ist. Dieses Verstandniß sezt nämlich Erstens die Einsicht in die Untrcnnbarkeit dcr Thcosophic und Physiosophie voraus, und seit langer Zeit, besonders seit Cartes meinen Theologen und Philosophen daß Thcism und Naturlism von einander nicht fern genug gehalten werden können, und daß die Ucbernatur eben naturlos, die Natur übcrnaturlos sey und seyn müsse. Jenes Verständniß sezt ferner die Einsicht in den Unterschied eines Materiellen und Immateriellen Natürlichen Wirkens voraus, als einer secundaircn und primitiven, einer zeitlichen und ewigen Natur, welche Einsicht aber gleichfalls mangelt, weshalb man das mir-r- eulum inateri-re sofort für ein miraoulum lurturuo nimmt, und alle nichtmatcriellc Sinnlichkeit oder Sensation für absolut nichtsinnlich, übersinnlich oder sinnlos hält. Endlich haben dieselben Theologen und Philosophen keine Kcnntniß davon, daß der Rapport mit hohern Potenzen und Agcnticn welcher im Sacramcnt und Cultus effektiv werden soll, eine wenn auch nur vorübergehende Dcmaterialisirung (Spiritualisirung) des zeitlich-irdischen Naturwescns voraussczt, als die Enthüllung einer Jenen Rapport III (als Dcsccnsus) bedingenden Base (als Weihe, Segnung oder Consccrativn), in welcher Hinsicht die gleichen Sinn und gleichen Laut habenden Worte: Im.iAo, Nahnes, bluxiu bedeutend sind.— Mit der hier aufgestellten Behauptung des solidaircn Verbands der Ucbernatur und der Natur oder des übernatürlichen Lebens mit dem natürlichen, wird indessen nur der Begriff der Physiologen von der Untrennbarkeit des zeitlichen Lebens und Leidens*) auf das ewige Leben und Leiben ausgedehnt, welche Uebcrzcugung von der Nvthwcndigkcit eines ewigen Leidens besonders Paulus im Brief an die Römer urgirt. Er sagt nämlich daß, falls auch der Willcngcist des Menschen bereits nach seiner guten Eigenschaft afficirt oder erregt ist, dieser Wille als Affekt es darum noch nicht zum Effekt bringt (blosse veUvitas bleibt) als lange der ihm entsprechende Leib (die Physis als Macht und Werkzeug des Thuns Vollbringens und Handelns **) micht frei, sondern von einem andern *) Den bis dahin unerkannten Grund vom solidairen Verband des innern Lebens und äussern Leibens habe ich bereits oben nachgewiesen, indem ich zeigte, daß ein wie sie sagen, indifferentes, unbestimmtes und unerfülltes somit nichtformirtes, nicht anders sich zu bestimmen und zu erfüllen vermag, als daß es ein von sich unterschiednes, andres (wenn auch nur immanent) sezt, und dieses erfüllt und bestimmt, so daß jede äussre Formation auf eine Innre, diese auf Jene weiset. *) Der Geist der keine Hände hat, oder dem sie gebunden sind, kann auch nicht handeln (sich manifestiren). Der handlose Geist ist aber der Leib- und Naturlose — die Natur für sich und abstrakt gesast, ist nur Macht, welche als unbestimmt weil ungeregelt in sich nur streitig und verzehrend ist, es zu Nichts bestehendem, und der Idee ermangelnd es nur zur Phantasie bringt. Es muß aber sagt I. B. die Natur aus des Baters Eigenschaft immer das Erste seyn, soll eine Kreatur werden, Cain vor Abel, Jsmael vor Jsaac, Esau vor Jacob, Adam vor Christus; der natürliche Mensch, sagt Paulus vor dem göttlich-geistigen. — Das in der Natur unmittelbar entstand»? Leben muß sein Erstgeburtsrecht, als Esau dem Jacob, der Stärkere und grössere Wilde dem Kleinern und Schwächern Milden frei aufgeben, damit selber in und durch den nach ihm kommenden, und doch vor ihm seyenden (wie Johannes der Täufer sagt) sein vermitteltes Leben und Selbheit erhält. Ueber welches nach einem andern kommen und doch vor diesem Seyn, den Physiologen in Jeder Evolution oder Geschichte des Lebens, ein Licht aufgehen kann und sollte. 112 Willcngcist (dem widerstreitenden Gcscz in den Gliedern) gebunden und besessen ist. Weswegen auch der Apostel sagt, daß das (gute) Gcscz als geistlich den zu seinem Vollbringen nöthigcn Leib zwar an uns sodcrt, ihn aber nicht gicbt. Wie denn der Zwang (Imperativ) im Organism mit der Impotenz des funktionircndcn Werkzeugs eintritt, und der ethische Gewissenszwang Jenem Schmerz vergleichbar ist, welchen die Menschen an ihren durch die Amputation verlornen Gliedern suhlen. Des Apostels Wunsch von diesem der Sünde und dem Tod verknechtcten Leib erlöset zu werden, von dem es in einem alten Kirchenlied Heist: Vom Leib will nicht heraus der Geist, Vom G'sez erfodert allermeist! Dieser Wunsch, sage ich, ist folglich nicht als der Wunsch zu mißdeuten, entleibt d. h. zum lcibloscn Geist zu werden (zu einem Schwebenborgisehen oder auch Hegel'scheu Geist) — sondern man muß diesen Wunsch des Paulus als Jenen erkennen zu einen andern Leib oder zu einer andern Leibescigcnschastsoffcn- barung zu gelangen, welcher als geistlicher Leib jenem geistlichen Gesez entspricht, selbes als Willen erfüllend, befriedigend und ergänzend. Vis ejus iutoKvn si oonversus in Lorpus. >— Nun hat der einzelne der Sünde und dem Leibestod lebende Mensch durch seine erste Willcnszukehr zu Gottes Willen seinen diesem entsprechenden Lichtleib (als Eine der drei Eigenschaften des Leibes)*) noch *) Nach I. Böhm machen im Normalstand der äussre (Elementen- und Sternen-Mensch, die Seele und der Innre himmlische Lichtmensch die 3 Principien oder Anfänge desselben Einen (zeitlich - oder irdischen) Menschen, und da die Seele als Feuergeist, ewiger Natur ist, hiemit die für sich finstre Feuerwurzel in sich bergend, so fällt sie so wie sie der Emporhaltung des innern Lichtmenschen ermangelt, in ihre eigne finstre Wur- zclregion oder in ihren eignen hiemit geöffneten Abgrund zurück.— Denn Jedes Seyende hat eine solche Untiefe in sich, und ohne seinem eignen Abyme wäre dessen Abymation nicht begreiflich. — In welchem Fall auch der zeitlich-lebende Mensch seine Triplicität verliert, und nur noch dualistisch, als zeitlicher Elementar-Sternen-Mensch und als ewiger finstrer Fenergeist sich kund giebt, als Centaur von Vieh und Teufel — 113 nicht als cnvekt erlangt; da aber dieser Lichtleib (als Vollbrin- gungskraft des Willens >— denn Geist und Leib gehen in ihrer obschon die Seele doch nie ohne Geist oder Geistbildniß ist, wie das Feuer nie ohne seinem Odem, wie denn I. B. sagt, daß die Gottlosen, des Lichtgeistbildes ermangelnden an ihre Seele ein Bild des Wesens oder Unwesens der finstern Regionen bekommen, nnr daß dieser finstre Geist nicht, wie jener Lichtgeist sich von der Seele unterscheidet, nnd in seiner Unterschiedenheit sich mit ihr vereint, sondern beide sich ineinander wirrend verschlungen bleiben. — Wie nun aber dieser finstre Geist oder Bild nnr durch Conjunction der Seele (des Feuergeistes) mit jener finstern Wurzelregion (die zwar an sich i» nceu xeiino gehalten als daö Leben bedingend keineswegs böse ist) entsteht und besteht, so entsteht und besteht der innre Lichtmensch als Geistbild gleichfalls nur durch Conjunction der Seele mit dem Princip des Lichts (in demselben Menschen). Dieser himmlische Mensch (oder dieses Innre des Menschen) ist der Engel welcher bereits in der Zeitwelt als himmlische Substanz oder dieser theilhaft geworden geboren wird und keiner Auferstehung bedarf, weil er unsterblich ist, es sey denn daß die Seele im Zeitleben ihn wieder vergifte, — und welcher also nur der Wiedererweckung und Aneignung all Jener Wunder und Werke bedarf die er in der Zeitregion ausgewirkt, diese aber wieder in sich verschlungen hat und gleich einem Solvens den Krystall in sich aufgelöset und unsichtbar hält, bis beim Eintritt des Weltgerichts alle Elemente und Oerter das in ihnen verschlungne wieder darstellen müssen. Mit welcher Wiedererweckung der gewirkten Wunder der Auferstehungsleib gleich einer Glorie (Herrlichkeit) jenes bereits gebornen ewigen inner» Lichtleibs diesen umgeben und der Mensch in diesen seinen Wirken seinen ewigen Sabbath seiern wird, wie Gott in Seinen Werken. Wie denn alle Kreatur nicht für sich geschaffen ist, als Selbstzweck, sondern als dem Schöpfer (mitwirkend oder werkzeuglich) dienend zu Seinem Zweck und Werk. Das partielle wie das universelle Weltgericht hat man sich nämlich als die zu sich Kehrung zum Kreise jener in iaiielliiilunr in einer dem Anscheine nach als geradlinigt ablaufenden Zeitreihe (Geschichte) zu denken, durch welche Schliessung zum Kreise die Successivität des Zeitlich geschehenden in eine Simultaneität desselben umschlägt, womit das begrifflose begreiflich und der Arensch mit seinen Zeitwerten confrontirt wird. — Wie nun I. V. hiemit die Meinung Jener widerlegt, welche den innern Geistmenschen, als ein bereits ohne seiner Seele fertiges und darum zu dieser nur hinzu - und wieder abtrettendes betrachten, so ist er auch Jener Vorstellung fern, welche den indivisiblen und immiseiblen Menschen aus Seele, Geist und Leib als bereits fertigen Bestandstücken gleich einer Uhr componirbar und wieder decomponirbar sich vorstellen, wogegen wir sehen, daß die Eigenschaften eines lebendigen Individuums ihre propri» als relative Selbstständigkeit und Persön- 8 114 Trennung, Icncr in das Nichtbcstimmcnkönncn, dieser in das Nichtbcstimmtwcrden oder Seyn zurück und beide sind nur in lichkeit (in I >ei-L»»is proprigtas) nur in ihrer Union gewinnen, selbe also weder vor noch nach dieser erhalten und behalten. Endlich statuirt I. B. keine absolute Trennung dieser constitutiven Prineipien oder Eigenschaften des Menschen oder vollends keine Vernichtung des einen, wie er denn Morgenröthe 21, SS sagt: „Weil die Seele die Zeit über, in welcher der äussre Leib (jene Werke und Wunder) im Tode war, im Wort verborgen liegt oder ruht, und dasselbe Wort auch innerlich die Erde hält, so inqualirt sie auch durch dieses Wort die Zeit ihrer Verborgenheit mit ihrem gleichfalls verborgenen Leib und ist Leib und Seele bis zur Auferstehung nie von einander geschieden."— Spricht man also von einem sich Heraussezen eines dieser drei Prineipien aus dem andern, oder einem ausser sich oder von sich kommen des Menschen, so muß man hiebet bemerken I) daß derlei Versezungen nur am noch irdischen Menschen statt finden, 2) daß hiemit nur das dominirende Hervortretten der Einen Eigenschaft über die andren gemeint ist, so daß derselbe Mensch sich abstrakt, seelisch, geistig, leiblich manifestirt nicht aber als conereter oder ganzer Mensch, weswegen Christus nach seiner Auferstehung seinen Jüngern sagt, daß sie Ihn nicht etwa für Seinen Geist nehmen sollten, sondern daß Er es selber sey, der sich ihnen zeigte. — Endlich daß 3) der Mensch in seinem Jrdischseyn allerdings als aus seinen Anfängen nn- zusammengesezt scheint oder erscheint, und zwar in Folge seines (durch den Fall) Herausgeseztseyns — auf Art wie dieselben Glieder eines Or- ganisms in ihrer Verrenkung und Versezung dem Organism den Anschein einer Zusammcngeseztheit geben- welcher Anschein mit der Wiedereinrichtung der luxirten Glieder.verschwindet. — Da aber bei jeder solchen anscheinenden Zusammengeseztheit, somit auch anscheinenden Zersez- barkeit, eine Alteration (Differenz) dieser constitntiven Prineipien statt findet, welche aufzuheben ist, weil sie in ihrem Fortbestand nur äussres Znsammengehalteuseyn bei innerer Getrenntheit möglich macht (in io> >i'»n!on !>>>!>I. Nax. Vom. XIX. p. 2<>4) worin er, empört daß Luther von ihm als einem Mitrichter an den Papst und sogar an ein Concilium zu appelliren gewagt habe, demselben vor allem zu beweisen sucht, daß es keinen Nichter über den Papst geben könne, daß dieser der infallible Entschcidcr aller Streitfragen, aller Zweifel sey, und worin er denn weiter auseinander sezt, die päpstliche Herrschaft sey die einzige wahre Monarchie, die fünfte Monarchie die im Daniel vorkomme, der Papst sey der Fürst aller Geistlichen, der Vater aller weltlichen Fürsten, das Haupt der ganzen Welt, ja er sey, dem Wesen nach die ganze Welt (gleich einer Spinozistischcn Substanz I. o. IV.). Früher hatte er nur gesagt, die gesammte Kirche sey in dem Papst, jezt beweist er, er selber sey die ganze Welt. Dann auch anderwärts (Do Vapa. et echis Votostato) tragt er kein Bedenken alle fürstliche Gewalt für eine Subdelegation der päpstlichen zu erklären: der Papst sagt er, sey erhaben über den Kaiser, mehr als das Gold über das Blei: ein Papst könne den Kaiser einsezcn und absezen: (potest eli^ere Imperatoren: per se ipsma ii»»ie«liate) Churfürsien einsezen und absezen: positive Rechte geben und vernichten: der Kaiser, ruft er aus, mit allen Gcsczen, mit allen christlichen Völkern würde gegen den Willen des Papstes nicht das mindeste statuiren können. — Die Beweise die er für seine-Meinung vorbringt, sind nun freilich höchst seltsam; auch lag an ihrer Durchführung nicht so viel: schon genug daß sie von einem so hochgestellten Mann vom päpstlichen Pallast auS geäussert wurde; unverzüglich kam deutsche Dicnstbcflisscnheit den römischen Anmaassungen mit etwas besserer Begründung entgegen. Im Februar 1520 brachte auch Eck eine Schrift über den Primat zu Stande, in der er Luthers Behauptung „daß derselbe nicht vom Göttlichen Recht sey" stattlich und klar zu widerlegen und dabei viele andre seltne und lesenswürdige Dinge vorzutragen verspricht, welche er mit grosser Mühe zusammen gebracht, zun: Thcil aus Handschriften, die er mit äußerster Wachsamkeit verglichen habe: „Merk auf Leser, sagt er, und du sollst sehen daß ich mein Wort 117 halte*)". Auch ist sein Werk gar nicht ohne Gelehrsamkeit und Talent, eine Rüstkammer der mannichfaltigsten Argumente. Aber man sieht dabei recht, welche wissenschaftliche Bedeutung diesem Streit auch noch ausser den theologischen Beziehungen beiwohnte, in wie tiefem Dunkel alle wahrhafte und critische Geschichte noch begraben lag. Eck hat kein Arg dabei daß sich Petrus ganzer 25 Jahre in Rom aufgehalten habe, recht ein Borbild aller Papste, wahrend es der historischen Critik zweifelhaft bleibt, ob er jemals dahin gelangt ist**); er findet Cardinale selbst mit diesem Namen schon im Jahr 770, ja schon Hieronymus nimmt die Stellung eines Cardinals ein. Im zweiten Buch will er die Zeugnisse der Kirchenvater für Jenes göttliche Recht zusammenstellen, und beginnt dabei mit Dionysius Arcopagita, dessen Werke nur leider untergeschoben sind. Eins seiner vornehmsten Beweismittel sind die Dccretalen der ältesten Päpste, aus denen sich freylich gar vieles ergiebt was man sonst nicht glauben würde: ein Unglück nur, daß sie sammtlich *) Eck giebt also wenigst zu, daß die Sache die er beweiset, eines Beweises bedarf, und appellirt also au die Vernunft seines Lesers als an das Oberste Tribunal. — Auf welches Tribunal sich denn auch v>'. Manzo Capellari beruft wenn Selber gleich Eingangs seiner Schrift der Triumph des Heil. Stuhls mit den Waffen der Gegner desselben diese zu widerlegen verspricht, aus V»sol-. vom. 2. die Worte anführend: Voliclis odögug liudio Iiililui' inivilggiis gui causam (Ig odvglSUl 'ii iliLti'UiuentiL. **) Wenn schon, bemerkt ein älterer Schriftsteller, Eusebius, Clemens und Irenaus vou dem Märtyrer-Tod Petri in Rom schreiben, so sind doch die chronologischen Angaben über Petri Aufenthalt in Rom und seinen Tod so widersprechend, daß man diesen Angaben so wenig trauen kann, als der mit ihnen verbundnen Legende daß Petrus seinem Märtyrer-Tod erst entfliehen wollte, und von Christus der ihm ausser der Stadt begegnete wieder in selbe zurück gewiesen worden sey. Auch wird weder in der Apostelgeschichte noch in Pauli Briefen die geringste Erwähnung von einem Aufenthalt Petri in Rom gemacht, was doch allerdings geschehen hätte seyn müssen, falls Petrus in der in jener Legende angegebnen Zeit in Rom gewesen wäre. Dagegen zeigen noch jezt die Griechen in Argos die Grabstätte Petri und erzählen von dort geschehen seyn sollenden Wundern. 118 untergeschoben sind^), besonders hält er Luthern vor, daß er von den alten Concilien nicht das mindeste verstehe: den sechsten Canon des nicanischcn Concils, aus welchem Luther die Gleichheit der alten Patriarchen gefolgert, weiß er ihm auf eine ganz andre Weise auszulegen; allein auch dabei begegnet es ihm, daß er sich auf Jenen unächtcn Canon stüzt, welcher der sardicensischen Synode, nicht der nicänischen angehört. Und so geht das nun fort. Man verberge sich die Lage der Dinge nicht. Zu Jenen Ansprüchen einer unbedingten, alle andre umfassenden, irdischen Gewalt gehört, so wie das Dogma in seiner scholastisch-hierarchischen Ausbildung, so diese gigantische Fiction, diese falsche Geschichte, auf so zahllose erdichtete Documcntc gcstüzt, welche, wenn sie nicht durchbrochen ward, wie das spater — und zwar großentheils durch achtere Gelehrte der katholischen Kirche selbst — geschehen ist, das Aufkommen aller wahrhaftigen und gegründeten Historie unmöglich gemacht haben würde: der menschliche Geist würde nie zu unverhülltcr Kunde der alten Jahrhundertc, zum Bewustseyn seiner Vergangenheit gelangt scyn." — In der That kann man aus den bei der Reformation vorgefallncn theologischen Disputationen nur die Ucber- zcugung fassen von einer grossen in Jener Zeit noch allgemein geherrscht habenden Nichtkenntniß sowohl im Fache der Geschichte als der Physiologie, oder Naturkunde. ?) Da besonders in Betreff der leztern Behauptung unsrc Wisscnslehrcr nicht das Recht uns lehren und also auch nicht wissen, so finde ich für gut hierüber folgendes, zum Theil schon anderwärts gesagte in Erinnerung zu bringen. Forscht man dem Verhältnis von Wort und Schrift tiefer nach, sowohl in Bezug auf ein heimliches Sagen (Kebcl oder Nunncn, entsprechend einem heimlichen Zeigen oder Weisen), als in Bezug auf die Ucbcrzcu- gung welche ein Mensch (Crcatur) durch oder von einem andern nur erlangen kann, - so zeigt es sich daß alles was der Mensch selber *) Waö selbst den ersten Reformatoren nicht bekannt war. Iii) weiß, dieses doch so wenig von selber, in leztcr Instanz von einem andern Menschen weiß, daß er sein Selbstübcrzeugtseyn nicht unmittelbar einem andern cingiessen, sondern nur dahin wirken kann und soll, daß dasselbe Princip welches in ihm die Ucberzeugung hervorbringt, auch im andern Menschen frei werde und zu Schrift und Sprache komme. Woraus aber folgt daß die Menschen im Grunde nur von dem überzeugt sind was sie sich unmittelbar selber weder sagen noch schreiben können*). Was sich schon im Lernen und Wissen der sogenannten exacten Wissenschaften erweiset, indem der Lehrer dem Hörer zwar die aufgegebne Con- struction bekannt machen, nicht aber den Beweist ohne dem eignen Thun (Nachconstruircn) des leztern ihm geben kann. Anerkennt nun aber jeder Mensch in seinem Wissen und Gewissen, scy es freiwillig oder nicht, die Gegenwart einer ihn durchdringenden Macht (als absoluten Hcrrns) so soll er dieser ihre Gegenwart auch in Jedem andern Menschen rcspektiren. Ist foglich in leztcr Instanz nicht der Mensch dem Menschen Auctoritat (so wenig einem andern als sich selber) so ergicbt sich hieraus das Rechtswidrige alles H So drückt man sich z. B. ungeschickt aus wenn man sagt, daß ein Mensch dem andern Gottes Existenz beweisen kann oder soll, da doch nach S. Martins richtigem Saz: gns cli.igus euo >Ivit Uu>s «a i'LveliUion, Gott Sich nur Selber der Creatnr erweisen kann, wenn schon die Weise dieser Erweisung verschieden ist. —- Mit Recht sagt darum vi-. Staupiz (in seinem Büchlein von Gottes Liebe) ,,daß alle Ding die nicht anders als empfindlich erlebt und erkannt werden, ein Mensch den andern nicht lehren mag. Als Niemand mag den andern lehren sehen, hören, riechen, empfinden, viel weniger glauben, Hessen, sreuen, betrüben. — Kein Mensch kann den andern Gott lieben und Glauben lehren, so wie er sich selber nicht, auch der Buchstabe der Schrift nicht, ohne Gottes Geist."— Gottes-Wort loder vielmehr Gott- Wort) Heist darum das Sprechende p-»- exoLiisuco, weil es kein von der Creatnr sprechbares ist, und sich nur selber in der ihm gelassnen Creatnr spricht. — Anstatt darum das Wort, die Offenbarung des Vaters zu nennen sollte man selbes den Offenbarer (numikoLwus) heissen, so wie man das: lu l->Znest,ic> erst verbnnl mit dem: In I'iluvchio '»t »I'g.iuon xoo ijuad omni» a I'rilicstuo xroNuota et laota suut, verständlich machen sollte. ,20 Wissens- und Gcwissenzwangs oder aller logischen Vcrkncchtung, auf welche sowohl die religiöse Verkncchtung als die bürgerliche basirt ist, von welchen Jene dahin zielt den Menschen innerlich (vor Gott) gewissenlos, diese ihn innerlich ehrlos zu machen. Wenn es darum (zwar nicht immer) schlimm ist, falls Staat und Kirche d. h. die weltliche Regierung und die iiwnems der religiösen Secietät in Zwietracht, so ist es doch ungleich schlimmer wenn selbe in Jener doppelten Absicht miteinander einverstanden sind. tt) Man sieht hieraus daß die Vorsteher der abendlandischen Kirche schon frühe vom Fluchen Gebrauch zu machen anfiengcn, und es kann darum nicht schaden, wenn man jenen, welche, wie Ettendorf sagt, thun als ob diese Kirchenvorstehcr nie ein Wässerchen in der Welt getrübt hatten, bisweilen das Gcgentheil hicvon aus der Geschichte in Erinnerung bringt. In welcher Hinsicht ich nur aus zwccn Kczerbullcn folgende Formalia hiehcr sczen will. So Heist es in der Bulle vom Papst Clemens IV. vom Jahr 1265, „Ein Haus in dem ein Kczcr oder eine Kezcrinn gefunden wird, soll ganz niedergerissen und nie wieder aufgebaut werden; so sollen auch mit einem solchen Hause zusammenhangende Gebäude ebenfalls niedergerissen werden, und die Güter, die in einem solchen Hause samt den dazu gehörigen Gebäuden gefunden werden, sollen conssscirt werden, und denen gehören welche sich ihrer bemächtigen". >— Und in der Bannbulle Johanns XXII. gegen Ludwig den Baicr, deutschen Kaiser vom I. 1313 —1347 Heist es: „Verflucht sei dieser Ludwig, verflucht wenn er eingeht, verflucht wenn er ausgeht. Der Herr schlage ihn mit Verstandeslosigkeit, Blindheit und Tollheit! der Himmel sende seine Blize auf ihn herab! der Zorn des allmächtigen Gottes und der seligsten Apostel Petrus und Paulus, deren Kirche er zu verwirren gedachte und noch gedenkt, entbrenne über ihn in dieser und der zukünftigen Welt! die Erde öffne sich und verschlinge ihn lebendig! In einer einzigen Generation schwinde sein Namen und Angedenken von der Erde! Möchten doch alle Elemente ihm zuwider scyn, und sein Haus wüste werden! Möchten seine Kinder von ihren Wohnungen ver- trieben werden, und vor den Augen ihres Vaters in ihrer Feinde Hände fallen!" — Pctrc! du rasest, deine grosse Hoffart anacht dich rasen. II) Es ist ein eben so grosser Wahn zu meinen, daß im Zcitlebcn die wahre Kirche im Frieden leben oder aufhören konnte, eoolesia milit-ms zu scyn, als es ein Wahn ist am eine schon im Zcitlebcn mögliche wahrhafte Scheidung der Kirche von der Nicht- kirche zu glauben. Ilommes pen rolloosiis, vous eiiseig'»o? gue los liommos enncmis de la, vorilv vreudroiit sioiseculor los zienzilos olirötiens, oommo autlelois des uations xaz'eiiiies sont Vennes xerseouter et tonriiieiiter le zeugte zoll: iiinls an sont ils les xensiles ollretieus xour gn'on pnlsse les altagaee en eorxs?") üst-ce sur des eiroonserixtions loe-rles gne vons zion- ve? etnlilir nii znrreil iiom? llt vons meine gni parte? le nom de ebretien, guelles sont les portians de volre etre gni meritent veritnlilement oe nom, et ne seilte? von» pns gne ee p e o p I e eIiolsi est dissemlne dans tviites les snlidivisions de votre existenee corrompne et tenelirense, eomme le penple znil est snl>dlvise sons vos veux parmis les Aentils, et parmis tontes les nntions Imilmres et 'iinples gui oomposent le xlobe. I(l> liieii il en est de meine da pendle ebretlen, Il est dissemine dans tontes les rexions, dans lons les elimnts, dans toiites les nations, dnus tnns les peuples; sa koroe est trop snbdivlsee pviir reveüler meine In ziiloidsle de ses enneniis; et ils no tronldent point sn pnix, taut gn'Zl ne lenr konrnit pns le suzet et l'oeension de le poorsnivre et de l'nttnguer — en personne on corps^). ?aites-en l'expe- Kn eoixs wird hier gleichbedeutend mit en I>ersänne genommen, weil man unter lezterm Wort auch üspril Ne corps versteht. **) So lange darum das Haupt des guten Princips nicht in die Welt kam, hielt sich das Haupt der Schlange gleichsam versteckt, als aber Jenes in die Welt gekommen war, muste auch dieses sich zusammennehmen (oder be ha u pten) — damit der Kopf der Schlange zertretten werhen konte, und damit wir in dieser Kopfzertrettenden Macht der Schlange Glieder zertretten tonten. 122 rionee sar vous-momo. Pant gne vous laisso^ volre noi» de cbrolion lirnZnir et romparer dims so. diszierslon, e. a. <>. danslir servitudo et 1'i^nomlnie obo? le dllkoreiis pouplos, Iis vous 1-ris- senk temikxmlle, Iis ne vons demandont rien, paroe Wallis vous vnt doponillo d'arnriwe et Wil lis n'out xlns ä i eolwreber en r ous: inais essave? de rassembler im instant vas loroes disxersees: rappelle^ ce penplo de tonle nation, de tonte tribn, et vons verre? bienlot 1'ennemi s'oziposer ä ee easseiidilemeilt (eil personne) et essaz'er par 1'elkort de toutes ses pnissnnces d'aperer en vons une nonvelle dispersion (dissolntron de volre I'ersonnalitv) pnis- Me e'est In sonlement on son rexne pent s'vtalillr et od il pont vsperer de trlompbes. — Laebe? done c^nil on est de meine dn ponplo olwvtren pris en xrand, et considere eoiume In snniille dlvine on 1'eAllse ete. ete. llle nonvel boinme. Paris 1798. S. 81. — Man gewinnt hieraus eine Einsicht, welche unsre Theologen und Philosophen darum nicht geben, weit sie solche selber nicht haben. Nämlich: daß der Mensch (im Zeitlcbcn) die Persönlichkeit des bösen Geistes'so lange nicht zu erkennen vermag, als lange er in dessen Macht sich befindet, welche sich in der Dispersion der Kräfte des Menschen also in der Dissolvirthaltung seiner Persönlichkeit in Bezug auf ihn, den bösen Geist geltend macht. — Wogegen der gute Geist diese Dissolution aufhebend, hiemit die Persönlichkeit des Menschen wieder sammelnd und zu sich erhebend, sich als Persönlich der Person offenbart, und eben hiemit den Menschen befähigt auch die Persönlichkeit des bösen Geistes von dem er sich los gemacht oder dessen Bindung der gute Geist suspcndirt, zu erkennen. Man kann also jenem keine Theorie des Bösen als Geistes zu- muthen welcher das Böse in sich nicht bekämpft und wenigst zum Theil besiegt hat. 1. Ich kann nicht umhin, indem ich der Humanität August ins in Bezug auf Irrgläubige aus seinen eignen Worten Zeug- niß gebe, auch die Schattenseite dieses Kirchenlehrers nicht zu verschweigen.— Auffallend ist es (sagt der Werf, der Schrift: Was will Rom. Zürich 1839), wie der sonst in manchen Beziehungen 123 so milde August in die strengen Maaßregeln später gegen die Kczcr billigte, so dost gerade seinem unbedingten Ansehen zuzuschreiben ist, daß die Kezerverfolgung im Mittelalter vom Katheder gelehrt wurde (Vbomas Kecninla Looaiulae. Heurest. 10. art. 8. 10. Huaest. 11 ort. 3. Hu. 12. ort. 2). Augustin gesteht selbst wie er in Widerspruch mit seinen frühem Grundsäzcn kam. Ichist. 93 ml Vineeut. §. 47 sagt er: ich hatte früher ausgesprochen, Niemand scy zur Einheit mit Christus anders zu zwingen, als durch Worte, durch Kraft der Ucbcrredung und den Sieg der Vernunft, damit wir Jene welche offne Kczcr sind nicht als heuchelnde Schcinkatholikcn erhalten. Aber diese meine Ansicht ward nicht durch Worte, sondern durch Beispiele widerlegt. Und er führt da das Beispiel an wie in kurzer Zeit eine ganze Provinz durch den Schrecken des Gcsezcs zur katholischen Einheit zurück gekehrt scy. (Was aber aus einer solchen durch Schrecken erzwungenen katholischen Einheit gleichfalls in kurzer Zeit werden kann bewiest der Abfall der afrikanischen Kirche an den Mahometism.) Augustin war dann durch diese Meinung so geblendet, daß er die Worte Lukas 14,23. „Nöthigt sie hereinzukommen" dahin deutet, daß unter den auf sanfte Weise hereingeführten,'die Gehorsamen verstanden werden, unter den Gezwungenen aber die in denen der Ungehorsam gezügclt wird. — Und diese widersinnige Deutung zweier Worte neuste die blutigen Kezergerichte entschuldigen, mit denen man den Geboten der H. Schrift und der ältesten Kirchenväter entgegen, alle Kezer zu vertilgen strebte welche der irdischen Macht der Geistlichkeit gefährlich wurden. Wenn man die strengen Gcseze gegen die Donatistcn >— Codex Mwoclosiainis XVI. 5, 52 — welche durch Verbannung, Ueberliefrung ihrer Kirchen an die Katholiken und zulczt durch die gänzliche Entziehung bürgerlicher Rechte (Inkaim-r) vertilgt wurden, durch die oft staatsgefährlichen Schwärmereien derselben entschuldigen will, so muß man nicht vergessen, daß sie erst durch die strengen von der katholischen Geistlichkeit veranlasten Maßregeln so weit getrieben wurden. Ein schönes Beispiel dagegen wie früher fromme Wi- 124 schöfc blutige Gcseze gegen Kezer verabscheuten, gab der Bischof Martin von Tours. Als Priscillian auf Befehl des Usurpators Maximus (Z. 386) hingerichtet wurde, der sich durch diese That den Katholiken wie Herodcs den Juden gefällig machen wollte — so bat Martin den Zclothen Jthazius dringend, von dieser Verfolgung abzulassen, und stellte dem Maximus vor: Es sep genug wenn die Kezer durch des Bischofs Urtheil von der Gemeine ausgeschlossen ftycn, und es sey eine Neue ganz unerhörte Ungerechtigkeit, wenn die Angelegenheiten der Kirche durch weltliche Gerichte entschieden, und durch weltlichen Arm die Kirchcnstrafcn ausgeübt würden. Lulp. Lovoe. Irrst. sner. II. e. 56 — und als man seine Vorstellungen nicht horte, schloß er sich von jeder. Gemeinschaft mit Jthazius ab. Auch Ambrosius,, der 388 als Valcntinians II. Gesandter bei Maximus war, ricth ihm auf jene Bischöfe nicht zu hören, welche Abfall vom Glauben mit Tod bestrafen wollten. ^Vmlwos. epist. 24 ml Valeut. — So galt allerdings hier noch bei allen frommen und erleuchteten Bischöfen der Grundsaz: eeelesia. Irorret smexume — weswegen es ein Jrrthuin oder Unredlichkeit ist wenn der Verf. der Schrift: „die Unduldsamkeit der christlichen Consessionen" den Tadel des heidnischen Redners Latinus Placatus anführt, und diesen Tadel katholischer Bischöfe verschweigt. Wogegen der redliche Giesel er in seiner Kirchcngeschichte I B. S. 162 sagt: „Prieillians Hinrichtung wurde noch allgemein verabscheut, indessen ließ sich Augustin schon bereden, daß Lcibcsstrafcn gegen Kezer erlaubt und zweckmässig scycn, und Leo der Grosse billigte selbst die Hinrichtung Priscillians." — Es war nämlich Augustin der so sehr auf Leo einwirkte (IZpist. ml Im-ribim»), denn so wie erster sagte: Vielen war es nüzlich zuerst durch Furcht und Schmerz gezwungen zu werden, damit man sie nachher belehren könnte. Zssnst. 125 ml Loml. (womit also die Tortur sanctionirt wird) >— so sagte Iwo I. o. indem er billigt, daß die weltliche.Obrigkeit den Urheber der sacrilcgischcn Priscillianischcn Thorheiten mit seinen Schülern durchs Schwerdt vernichtet habe: Urolml, diu ista. dli-lrietio üeelesüre loiritati, gerne etsi snoerdoliUi eonlenla sirdieio, 125 orneiilns reinst ultiouos, severls tumen?i iiieipnm tloiwlitulloiiibnZ ustjuvulur, ,lum ml spiritunle iioniluiignum loonruiit remellium, >j»i liineirt eorpoiulo siulicinm. — Hier wird also schon gesagt daß die Kirche es gern sieht, wenn die Regenten sich zu ihren Bütteln oder Henkersknechten hergeben, und die Maxime ausgesprochen, daß der Zweck der Kirche (die sreie Gemüthsbckehrung) aucH den Mord als Mittel hiezu, heiligt. — Falls wir nun auch Lco's Hochmüthigcs und herrschsüchtiges Verfahren gegen Hilarius von Arclbate nicht kennen würden, so sollte uns doch dieser von H. Arendt und andern Ultramontancrn, auch unter den Protestanten so vergötterte grosse Leo schon aus jener einzigen Stelle nach christlichem Maaßstabe nur als ein kleiner Oberhirt erscheinen. — Und so ward denn Jener blutige Kczcrhaß entzündet, den wir bald als herrschende Römische Hof- und Staatsmaxime durch die Papste und die von ihnen geleiteten sogenannten öcumcnischen Konzilien im Lateran (als ob nach der Trennung der morgen- und abendländischen Kirche ein solches ökumenisches Konzilium noch möglich gewesen wäre) ausgesprochen und ausgeübt sehen, zum Beispiel in jener Verfolgung der Albigcnscr unter Jnnoccnz III.*) X) Gerade diesen wichtigsten Moment in der Gestaltung der russischen Kirche hat der osterwähnte Geschichtsschreiber dieser Kirche ignorirt. Man ersieht aber hieraus, daß wenn schon Peter der Grosse nur aus Nothwehr zu dieser Maaßrcgel griff, indem er den Kir- *) Von der grausamen Verfolgung der Albingenser giebt besonders die Einnahme der 3b,Mb Seelen gefast habenden Stadt Veziers ein schreckliches Zeugniß (i»»ov. ügist, i. III. IV8). — Als nämlich die Kreuzfahrer oder Kreuzsoldaten den an ihrer Spize stehenden Legaten Arnold srugen- „Herr wie können wir Gute und Böse (Katholiken und Kezer) unterscheiden?" antwortete er- „Hauet sie nieder, der Herr kennt die Seinen schon" — dem Papst berichtete er triumphirend „wir haben weder Stand, Alter noch Geschlecht geschont — ohngcfähr 2b,t>stb fielen durchs Schwerdt! Groß ist die Niederlage des Feindes, die ganze Gegend ist verwüstet und verbrannt; so hat die Rache Gottes wunderbar gewüthet!" — Derselben Kirche welcher Anfangs das Blut der Märtyrer gleichsam als Ccment diente, sollte, so wie sie sich verweltlicht oder säcularisirt hatte, das Blut der Kezer hiezu dienen. — 126 chcnvorstehcrn die Möglichkeit benahm sich als sichtbare Kirchcn- obcrhäuptcr neben, oder über ihm, als gleichfalls sichtbares Staatsoberhaupt zu sczen, — so traf er doch wie man zu sagen Pflegt, den Nagel auf den Kopf, indem er mit der Zusammenberufung einer ständigen Synode einerseits, so wie mit der Administration oder Verwaltung des Kirchenguts andrerseits, die Kirche allein, jener doppelten Quelle ihres Vcr- derbnisscs entzog, welches einerseits in der Hcrrschcrlust der Kirchcn- vorstchcr, andrerseits in ihrer Begierde weltliche Schaze zu sammeln, mit ihnen zu geizen oder sie zu verschwenden besteht. Durch welche beide Reformen, die Kirche dem Corporativen ursprünglichen, somit volksthümlichen Element wieder naher gebracht ward. Wobei ich bemerke, daß hier es sich nur um das Princip der Kirchen- rcformation handelt, nicht aber von der policcylichcn Art und Weise, wie solches zu Jener Zeit iv Rußland in Ausübung gebracht oder auch jezt noch werden könnte, welches Princip wie gesagt kein andres ist, als die Kirch cnverwaltung durch permanente Synoden in Jedem Lande, so wie die Besoldung des Klerus aus dem gesammten Kirchcnfond desselben Landes. Da übrigens Pf. Schmitt bei Aschaffcnburg in seiner Geschichte der russischen Geschichte die Motive wie er sagt, sehr gesucht und gröstenthcils gehaltlos scheinen, welche Peter der Grosse in seiner geistlichen Regulation 1720 zur Errichtung einer Synode bekannt machte, so will ich selbe zum Bcwciß ihrer Richtigkeit und Triftigkeit hichcr sezcn: Es Heist nämlich in dieser Regulation. 1) Es sey ein Eoncilium der Geistlichkeit geschickter zu unterscheiden und zu urtheilcn, als ein einzelner Mann. 2) Die Schlüsse eines solchen Cvnciliums welches zugleich ein permanenter kirchlicher Landtag ist, scyen von grösserm Gewicht und Ansehen und müssen daher mit mehr Bereitwilligkeit vollzogen werden, als die Verordnungen eines Einzelnen Mannes^). Da 3) das *) Eine Commune welche sich nicht in Ein sichtbares Oberhaupt punktualisirt, kann sich gegen das sichtbare Oberhaupt als Regenten nicht 127 Coucilium unter den Augen des Monarchen Selber gcsezt scy (was eben auch im Abendlande unter Konstantin, Carl dem Grossen und dessen Nachfolgern geschah) so scycn weder Betrug noch Jntrigucn zu befürchten, (indem der Monarch von allen Eingriffen in die geistliche Wirkungssphäre der Synode sich fern hielte). 4) Die Angelegenheiten könnten auf solche Weise in guter Ordnung und ungestört durch Krankheit oder Tod der Vorgesezten besorgt werden. 5) Da eine solche Versammlung aus Personen besteht, die aus verschleimen Klassen erwählt sind, so sey auch wenig Gefahr von separatistischem Interesse und Leidenschaft, weil es nicht möglich ist daß so viele darinn übereinstimmen könnten, einen Schuldigen loszusprechen oder einen Schuldlosen zu verdammen. 6) Viele Personen welche auf solche Weise zusammenwirken, haben nichts von der Rache der Grossen und Mächtigen zu fürchten, welchen ein Einzelner Mann bloß gestellt ist. (Ich scze hinzu: daß eine solche korporative Union nichts von der Aufmerksamkeit der weltlichen Policey zu fürchten hat, weil Jene nicht ihre Schranken übertritt). 7) Aufruhr und Empörung werden hiedurch verhindert, denn das gemeine Volk welches den Unterschied einer weltlichen und geistlichen Macht nicht kennt, ist leicht in Gefahr durch die Bewunderung, durch den Glanz und Ansehen eines hohen Prälaten geblendet zu werden und zu glauben, daß ein solch geistliches Oberhaupt nicht nur den weltlichen gleich, sondern weltlich über Lcztcrcm steht, und eine von der weltlichen Obrigkeit ganz unabhängige auch weltliche Herrschaft ausübe. — Und wie oft wurde denn auch nicht erheben, — eben darum ist ihre eigne Tödtung als Enthauptung unmöglich. — Ist aber auf solche Weise der Staat der Kirche gegenüber vor einem Mains int,-» Ltatnin gesichert, so liegt es in seiner Pflicht und seinem Interesse Jener volle Freiheit in ihrer Wirkungssphäre zu gewähren und zu sichern, weil es der Zweck der Kirche ist, die Nation von der innern Verknechtung durch antisvciale Leidenschaften, so wie durch Unwissenheit und Jrrthümer zu befreien, welchem Kultus der Liebe und des Lichts der Priester dient, wogegen der Pfaff dem Kultus des Hasses und der Finsterniß stöhnt. 128 (wie noch lczthln in Polen geschah) die Empörung gegen den Lan- dcsfürstcn zu einer Ncligionspflicht gemacht? 9) Eine solche Sy- nodalvcrwaltung (als in Mitte des Regiments eines Einzelnen und eines blos tcmporaircn Conciliums stehend) wird nicht nur sich in beständiger Kcnntm'ß vom Jedesmaligen Zustand der Kirche erhalten, sondern auch eine Pflanzschule kundiger und geschickter Geistlichen scyn, und die Besitzer zur Verwaltung geistlicher Dinge durch tagliche Erfahrung geschickt machen. — Eben so verstandig sprach sich Peter der Grosse in der Ukas vom 31. Jcnncr 1724 über die Reform der Klöster aus. — Ich sage Reform, nicht wie selbst im römisch-katholischen Abcndlande oft geschah, ganzliche Tilgung derselben und Vcrschlingung ihres Vermögens zu wahrhaft nicht religiösen Zwecken. 4,. Es mag ein historisches Faktum als solches noch so un- läugbar scyn, so wird doch oft der Mensch (wie man zu sagen pflegt) selbst seinen Augen nicht trauen, wenn ein solches Faktum absolut isolirt und unverstanden sich ihm darstellt, und man ihm selbst alle Hoffnung zu solchem Verständlich zu gelangen, benimmt und noch mehr wird dieser historische Glaube dem historischen Zweifel Plaz machen, wenn selber im Fortgang der Zeit verbleicht, und nicht das Fortwirken Jenes Gcschchcnseyns im gegenwärtigen Geschehen nachgewiesen wird. Darum Heist es daß Christus nach Seiner Auferstehung seinen Jüngern das Verständlich der Schrift damit eröffnete, daß Er ihnen bewiest daß alles so geschehen neuste/ uni das Gegenwärtige zu Stand zu bringen. Und eben darum weil die berufenen Religionslchrer diesen Erweist (des Vergangenen aus dem Gegenwärtigen) seit lange nicht mehr fortführten, konnte und muste der Nationalismus dccretircn, daß das Vergangne darum nicht geschehen sey, weil es einerseits mit dem gegenwärtigen Geschehen in ganz keinem Verband stehe, und weil selbes andrerseits schon darum nicht geschehen sey, weil es ihren (der Nationalisten) Captum übersteigt oder nach ihren bornirtcn Vorstellungen darüber: c^inl Dens et Doi Kalma possiut nicht geschehen konnte. Ein Dogmatism welcher dem Pfafsischcn wahrlich nichts vorzuwcr- 129 scn hat, indem er sich nicht weniger untrüglich declarirt als lcztcr, und auf gleiche Weise dem Verstand Stillstand gebietet. Man muß darum die Erscheinung von Strauß für eben so unvermeidlich erklären als die Luthers, und es gilt für den blind historischen Glauben dasselbe was von dein bornirtcn Nationalistischen Nichtglanben gilt: Luspeotn lex est gun xrobarl so iwn vnll. KI. Nachdem einmal die Vorsteher der christlichen Corporation im Abendlande zu weltlichen Regenten theils gemacht wurden, theils sich selber gemacht hatten, und einzelnen Staaten nicht blos gegenüber sondern über selbe Ein Kirchenstaat als allgemeine oder Wcltmonarchie sich erhoben hatte, so war die Differenz zwischen dieser und den einzelnen Monarchien im Prinzip gegeben, und Jene konnte nur so lange und insofern nicht zum Ausbruch kommen, als lange entweder der Eine oder die andern keinen vollständigen Gebrauch ihrer Macht machten oder als lange sie glaubten, durch ihre Subjcktion unter die päpstliche Gewalt ihre eigne, sey es gegen andre Regenten, sey es gegen ihre Stände und Volk zu schirmen oder zu steigern. Wie denn der bei weitem größere Thcil dessen was man Kirchengcschichte im Mittelalter nennt, mit weiter nichts angefüllt ist, als mit den Erzählungen von derlei politischen Händeln, Bünden, Mäckelcien, Jntriguen, Bestechungen und Meutereien mittelst welcher der eine Regent den päpstlichen Hof gegen oder für einen andern Regenten, oder der päpstliche Hof den einen H Grössern Theils im Konflikt der Monarchie mit den Magnaten nicht machen konnten. In demselben Verhältnisse als der Staatliche Monarchism sich auebildete, fieng der Kirchliche Monarchism zn verfallen an, zum Heil der Kirche selber, weil hiemit ihr corporatives Element wieder emporkommen sollte. Die Foderung der Conservation oder des Stillstands der kirchlichen Monarchie wäre darum eine Fodrnng des Rückgangs der weltlichen Monarchiecn, und es ist völlig falsch wenn man sagt daß Leztere indem sie gegen einen solchen Rückgang protesti- ren, durch ein antireligiöses oder religiöses Motiv hiebei geleitet werden Wie sich dieses in den Cöllner Händeln zu zeigen anfieng. 9 130 Regenten für und gegen den andern zu stimmen und zu bestimmen bedacht und beflissen war. Weswegen es denn nicht befremden darf, wenn wir die Vorsteher der Kirche ihr Ansehen und Macht nicht selten auch dazu brauchen sahen nm jene Völker der Herrschaft ihrer Regenten zu entziehen, welche sich ihrer Suprematie entzogen oder gegen diese sich sczten. >— Wenn darum noch in der jüngsten Zeit Lamennais auf Veranlassung des sich gänzlichen Lossagcus der französischen Regierung (cle claln 30. Juli 1830) von allein Cultus (gemäß Jener bekannten auf der Tribüne ausgesprochncn Maxime: U'Utut osl atlwe et rloit l'etr-e) den Gedanken gesast hat, die Regierung bei dieser ihrer absoluten Trennung von der Kirche beim Wort zu nehmen, hiemit aber, den Katholicism mit dem Nevolutionsprincip idcntisicirend, den Barricaden dieselbe Weihe und Segnung zu ertheilen, welche sonst der Königskrone in Rheims gegeben ward. — Wenn Lamennais dieses Vorhaben durch eine servile Unterwerfung unter den römischen Stuhl*) zu sanctioniren und zu virtualisiren hoffte, somit von Rom aus den ror-oilozen zu stürzen, hiemit aber eine katholische Demokratie ins Leben zu rufen, welche ihr Uonlio ,1'mrlou in Rom wenigst vorerst haben sollte — So muß man doch nicht glauben daß Lamennais der Erfinder dieses Systems war, weil er dessen Principien bei altern katholischen Theologen bereits vor- *) Lamen n chts.fezte diesen servilen Ultramontanism der gallicanischen Kirche entgegen, welche schon dem K.Napoleon in seinen Kram nicht taugte, indem er von einer freien Corporation keinen Begriff hatte und den Papst nach altrömischer Manier nur als ?o»iikox inaxinnis nahm — weswegen er durch das Concordat dem Ultramontanism in Frankreich nur wieder neue Bahn öffnete; wie denn auch selbst die dermaligen Legitimisten wie Romanisten in Frankreich die Frömmigkeit Napoleons rühmen. Bei der leichtbeweglichen Natur der Franzose» wird es ihnen schwer zwischen dem religiös-politischen Atheism und dem religiös-politischen Bigotism im g»sio-»>iiik!» sich zu halten. Wenn aber dieser Bigotism eben den Alheism herbeiführte, so ist eS ja thöricht diesen wieder durch Jenen bannen zu wollen. 131 fand. — Schon auf dem Prillout. llouoil. erklarte nämlich der Jesuitergcncral Lainez „daß der Unterschied des Kirchenregimcnts vom weltlichen darin bestände, daß Jenes unmittelbar von Gott, dieses von den Gemeinden (Volk) seine Macht habe." Woraus von selber folgt, daß die nicht unmittelbar von Gott seycnde Macht der unmittelbar Göttlichen unterworfen ist. >— Bellarmin (gleichfalls Jesuit) sagt: „daß Gott nur der gesammtcn Menge der Menschen, nicht einem Einzelnem, die Hcrrschcrmacht gegeben habe. („Ueixlet -r consensu multitullinis seiger so consliluere rexein vel oonsnles, vel ulios inaxistrntns, et si causa, lexitiina, ullsit, polest mullituclo mutare luonai'cbiuni in nristoorntinin ant cleinoeratinm," — wobei nur der gute Mann vcrgist, daß ursprünglich und lange Zeit eben die Vorsteher der Kirchen durch eine solche vox populi gewählt und wieder abgcsezt wurden, ohne welcher Volksstimme früher selbst kein Papst gewählt werden konnte.) — Und so erklärt sich der Jesuit Mariana, indem er sagt: daß die voluntus publica, alle Regierungsinstitutc, welche dieselbe eingcsczt hat, wieder abschaffen kann, wenn sie solche der Salus publica nicht mehr gemäß findet."^) — So wenig aber Lamcnnais der Erfinder des llaosaro-papismns war, so wenig waren dieses die Jesuiten, indem sie jenen bereits in mchrcrn *) Wenn nun schon der römische Stuhl diesen kühnen oder vielmehr phantastischen Plan Lamcnnais, als besonders den Zeitumständen entgegen, höchlich mißbilligte, so faste doch Lamcnnais' Gedanke „das revolutionaire Princip mit dem Katholicism zu verbinden" in und ausser Frankreich um so leichter Wurzel als dieser Gedanke nur alte Reminiscenzen wieder erweckte. Wie darum das ki-iimim mo-rons bei Lamcnnais doch nur politischer Natur war, so muß man dieses schier von allen dermaligen Faiseurs, Agitators und Propagandisten des römischen Katholieisms in Frankreich und England sagen. **) Ueber diese und andre Maximen der Jesuiten sehe man Ellendorfs kürzlich erschienenes ausführliches und aus den Quellen geschöpftes Werk über die Moral und Politik der Jesuiten nach. 9 * 132 päpstlichen Brcvcn, Decretcn und Bullen fix und fertig fanden. So z. B. hat man eine Bulle von Bonifaz VIII. (Uiurm sau- etiim Lxtrav. llomin.) in welcher dieser Papst decrctirt: „daß Jeder Glaubige bei Verlust des ewigen Heils verbunden scy zu glauben, daß die weltliche Macht dem Papst unterworfen sey, daß selber das Recht zu den zwei Schwcrdtern habe und daß er Kaiser und Könige ein - und abfezcn könne. — Desgleichen haben wir eine Bulle von Paul IV. (vom 15. Februar 1558 von ihm unterschrieben, mit Einstimmung des ganzen heil. Kollegiums bekannt gemacht, und am 21. Octobcr 1567 von Pius V. bestattigt) in welcher es Heist: daß alle Erzbischöfe, Bischöfe, Cardinale, Patriarchen, Kaiser und Könige welche in das Schisma oder in die Häresie fallen (worüber der Papst allein zu entscheiden hat), ipso liwlo all' ihrer Würden, Gerichtsbarkeiten, Reiche, Kaiser- und Königsthümcr verlustig und für immer zur Wicdcrcin- sezung unfähig scycn, daß dieselben der weltlichen Macht (sey es eines andern Regenten oder des eignen Volks) überliefert und preisgegeben, oder in ein Kloster eingesperrt werden sollen, wenn der Papst auf ihre dcmüthige Reue ihnen diese Gnade bewilligen würde, um daselbst ihre Lebenszeit bei Wasser und Brod hinzubringen: daß man sie vermeiden, hilflos lassen, alles menschlichen Beistands berauben soll, unter der Strafe des nämlichen Banns, derselben Ehrlosigkeit (Infamie) und Beraubung oder rechtlichen Unfähigkeit gegen Jene, welche dieselben ausnehmen oder auf was immer für eine Art in Schuz nehmen würden; daß ihre Verhandlungen, Urthcilssprüche u. s. w. völlig null und nichtig scyn sollen, daß es Jcderman nicht nur erlaubt, sondern anbefohlen sey, ihnen den Gehorsam aufzukündcn und äussre Gewalt gegen sie zu brauchen oder aufzusodcrn, ohne eine Censur befürchten zu dürfen. Und dieses wird von dem Sanctissimus Pater befohlen, ohne Rücksicht auf frühere Verordnungen, Eidschwüre und Privilegien dagegen und mit der Bedingung, daß die Kundmachung davon zu Rom allein hinlänglich scy, alle 13.1 Gläubige in der ganzen Welt zu verbinden. *) S. der römische Stuhl und die Cöllner Angelegenheit. Stuttgart 1838. — Endlich und zum Beweise, daß der römische Stuhl doch hierin noch immer seinem Princip treu bleibt, und daß selber wie Ellendorf (der erste Triarier) sagt, aus seiner gegen die protestantischen Staaten und Fürsten genommenen unmöglichen Stellung der Kirche nicht weicht, kann folgendes in der Instruction des Papstes Pius VII. im Jahr 1805 an seinen Nuntius in Wien wörtlich Enthaltene dienen. „Es ist der Grundsaz des canvnischen Rechts (Vsisolnt. 10. de lurerelieich, daß die Untcrthanen eines (nach der Entscheidung des römischen Stuhls) offenbar kezerischen Fürsten von jeder Huldigung, Treue und allein Gehorsam gegen ihn entbunden bleiben. Und leben wir auch gegenwartig in so ungünstigen Zeiten der Erniedrigung der Braut Jesu, also daß es ihr unmöglich ist, jenen Grundsaz *) Der Erzbischos von Cöln meinte also bloß diesem päpstliche» Fluch (der seitdem nicht wiederrufen ward) zn entgehen, wenn er sich an das päpstliche Schreiben ohne das Königliche Placet hielt. Und in der That, wer einmal des Elanbens ist daß vox itaxlxz vox Osi sey (ein Glaube der mit dem an ein sichtbares Kirchenoberhaupt derselbe ist), der muß z. B. mit Görres (diesem eifrigen Vertheidiger des Papisms gegen den Katholicism, xaraegiig Is calliolicisuie jgit Ii> koico yapiijmo !>i>iL»uz U>it I,> tailNesss Na calliolioisimz) auch des Glaubens seyn, daß in den oben angeführten Decreten dreier Päpste derselbe infal- lible, weil göttliche Geist gesprochen hat, der bei der Kirche (d. h. beim Jedesmaligen Päpsten) bleibt für und für, und welcher sich wieder in der lezten Allocntion Gregors in Betreff der Cöllner Händel aussprach. — Wer immer dieses Glaubens ist, sage ick,, der muß sich auch in seinem Gewissen vor Gott verbunden halten „Gott mehr als dem Menschen" d. h. dem Papst in Rom mehr als seinem Landechcrrn zu gehorchen, folglich entweder zum Märtyrer zu werden oder zum Rebellen. Da nun aber unsre Zeit nicht zum Märtyrerthum disponirt ist, so wird Jeder der diesen Glauben predigt, selbst wenn er es nicht wollte, doch nur die Rebellion predigen, selbst wenn er Oel ins Feuer giessend, dieses noch so angelegentlich ersuchte, ja nicht zu brennen, oder Funken ins Sckneßpulver werfend dieses bäte ja von der Explosion sich zu enthalten. 1.14 wirklich auch geltend zu machen, sc» ist es dach nüzli'ch an die heiligsten Regeln der gerechtesten Strenge gegen die Feinde des Glaubens zu erinnern." — bl. Der hier aufgestellte Saz: daß der Mensch (die freie intelligente Kreatur) seine wahrhaste Selbheit die er als Organ Gottes (seines Princips) hat, nur damit gewinnt, daß er die ihm unmittelbar angeschaffnc natürliche Selbheit (welche darum noch nicht zur Selbstsucht entzündet und böse ist, wie denn auch Paulus sagt daß die Kreatur an sich das Göttliche oder Gute nicht vermag) an Eine ihm von Gott gesendete Gabe (Kralia, Charis, ^.iiZ'olus) als Adjutor aufgicbt, welcher seiner scits seine Selbheit suspendircnd und also sclblos sich ihm dargiebt und cin- giebt, lediglich um den Menschen von seiner unmittelbaren blos natürlichen *) somit unvollendeten, nicht integren und unbcwähr- tcn oder noch unwahren Selbheit zu befreien und zu erlösen, und ihm zur wahrhaften Selbheit behilflich zu seyn, d. h. zum Organ und Bild Gottesseyn, zu welchem nicht als welches der Mensch (wie die Schrift sagt) geschaffen ward. Da nämlich diese unmittelbare Selbheit als solche aufgehoben werden soll, aber diese Aufhebung der Unmittelbarkeit der Natur (scy diese in Selbheit oder Sclblosigkeit sich äussernd) nicht anders möglich ist als durch den Bei- und Eintritt einer dieser Unmittelbarkeit sich zur Unmittelbarkeit herablassenden der natürlichen Unmittelbarkeit sich gleich sezcnden Ucbernatur^) — so sendete Gott, welcher als *) Der Begriff des Natürlichen für sich ist jener des unvollendeten, weswegen ältere Theologen sagten: iVainr» lnsigentia gratis?. **) Dieses Gesez dessen Berständniß für die Religionslehre unentbehrlich ist, habe ich bereits anderswo in seiner allgemeinen Bedentung, als das Gesez aller Offenbarung ausgesprochen. Ein nicht in sich offenbares somit Nichtbcstimmtes und Nichterfülltes, welches in diesem abstrakt gefasten Moment seines Seyns, unmittelbar frei (oder frei in po- ton,!») ist, will in seiner Freiheit bestimmt und in seiner 135 Schöpfer die Natürliche unmittelbare Selbhcit lJchhcit) hervar- ricf, dieser Creatur sofort als Bat er aus Seinem Herzen den Bestimmtheit frei sehn, und indem ihm in seiner Bewegung und seinem Sich zusammennehmen zum Offenbarseyn eine unmittelbare Bestimmtheit und Erfülltheit als vorerst ein andres entsteht, so geräth es als unmittelbar frei mit dieser unmittelbaren Bestimmtheit in Widerspruch, und diese Crisis des Seyns wird nur damit gelöset, daß beide, die Freiheit und Bestimmtheit ihre Unmittelbarkeit gegen und ineinander aufheben (nämlich in einander geführt werdend) und eben so die unmittelbare Bestimmtheit durch die Freiheit zur vermittelten wird, als die unmittelbare Freiheit eben durch diesen Akt des Aufhebens jener Unmittelbarkeit sich selber zur aktuellen Freiheit vermittelt und potenzirt. Denn der Gesezgeber (hier die Uebernatur) wird eben nur durch das Geben des Gesezes (durch die Bestimmung der Natur) wahrhaft frei und zugleich in sich bestimmt, welche Selbstbestimmung, die nie ohne der Bestimmung eines in sich oder ausser sich unterschiednen ist — wie denn alles bildende, erfüllende sich selber bildet und erfüllt — von den Philosophen gewöhnlich schlecht begriffen wird, indem sie die Selbstbestimmung nach Spinoza für eine Selbstbeschränkung, somit für ein Unfrei werden nehmen. Ich habe ferner gezeigt daß weder Hegel noch Schölling dieses Offenba- rungsgesez welches man auch Jenes der Identität der Kontinuität und Discretheit des Seyns nennen könnte, bestimmt anerkannten, weil sie sonst ihre im Grunde dasselbe sagende Trilogieen (des Seyns, Nichtseyns und Daseyns, so wie des Seynkönnens, des Seyns und des Seyns des Seynkönnens) als aus Jenem Gesez nur folgend ausgesprochen hätten. — Obiger Saz, daß jedes als erfüllend, bestimmend und formirend sich äussernde eben hiemit sich innerlick selber erfüllt, bestimmt und formirt, ist übrigens wichtig I) für die Lehre der Solidarität der Uebernatur mit Natur, so wie des Geistes mit seinem Wesen und folglich Leib, so wie man aus diesem Saz auch Einsicht in den Dienst einer blos zeitlichen Leiblichkeit gewinnt, durch dessen Formi- rung der innre geistige Leib seine bleibende Formation erhält, in welchem Sinn Paulus den irdischen Leib hiemit die gesammte dermalige äussre Schöpfung, und nicht blos den irdischen Leib des Menschen, eine Bauhütte oder Baugerüste eines himmlischen ewigen Leibs nennt. Dieser Saz spricht aber 2) das Gesez der Liebe selber aus, welche nur als den Geliebten erfüllend sich selber erfüllt, so wie nur der erleuchtende sich selber mit Licht erfüllt, oder wie ich nur das Wort habe das ick gebe, den Odem empfange den ich lasse. Oms ei -laiüwr -rai-is oder: Liebe steht mit vollem Herzen, Bittend daß man ihr soll nehmen; Denn den Fluß des Gebens hemmen, Das allein nur macht ihr Schmerzen. 136 Adjutor entgegen, welcher vorerst gleichfalls als unmittelbar und seiner Vermittlung (durch die Crcatur) verlangend sich darbietet, damit durch Eingang und Conjunction beider <— der Natur und Ucbernatur beide ihrer Unmittelbarkeit ersterben, und als indissv- lubel vereint, aus diesem Sterben — nun als Kind Gottes ur- standen*), Dieses allgemeine Gcsez der Geburt des Lebens, „daß *) Sagt man daß hiemit eine wechselseitige Verwandlung (Trans- substantiation) vorgeht, der Natur und Uebernatur, so versteht man hierunter den solidairen Verband des Niedriger» und Höhern welcher sowohl die Coufundirung beider ausschliest, als die Tilgung der niedriger» Natur. Nun hat aber I. Böhm gezeigt, daß eine solche Verbin d u n g n i ch t a n d e r s m ö g l i ch ist, als durch innre Sch ei - dung und Unterscheidung der niedrigen Natur — in Krone, Stamm und Wurzel, so daß lezte nicht selber erhoben wird, sondern heraus und herabgefallen bleibt. Was schon der Saz: «Uvi-Is m Im- per» ausspricht, so wie daß die hiemit in sich getheilte und unterschiedne Natur sich nicht in sich, sondern nur in der höhern Natur als Einheit begreift und erhält, ausserdem aber in sich selber zerfällt. — Als eine Wirkung des viviUs ei iu>i»->'-> muß man auch die Geschlechtspotenz Spaltung in der zeitlich-thierischen oder irdischen Kreatur erkennen, in und zu welcher der Mensch primitiv nicht geschaffen ward, obschon er durch eigne Schuld ihr heimfiel. Wenn nämlich der Apostel sagt: daß wir in Christo weder Mann noch Weib mehr sind, und wenn wir in Christo unser verlornes Gottesbild wieder erlangen, so leidet es wohl keinen Zweifel daß der Mensch als Kreatur ursprünglich ins Gottesbild und zu ihm geschaffen und gestellt, nicht als Mannes- nnd WeibeSbild ursprünglich konnte geschaffen seyn, so daß also die noch schier allgemein herrschende Meinung daß der Mensch ursprünglich als Mannes- und Weiöthier geschaffen ward, Schristwidrig ist. Indessen würde die Behauptung daß der Mensch als Androgyne geschaffen worden sey, doch ebenso irrig seyn als Jene daß selber als Mann- und Weibthier primitiv geschaffen worden sey, und man muß erkennen, daß so wie der Erste Mensch (wie Augustin sagt) mit dem i>osse moi-i geschaffen ward, dieses auch mit dem mas «i loowina llsi'i der Fall war, welches nmu-s mit Jenem falschen Gelüsten Adams und seines hierauf Nächtlichgewor- denseyns, ->s -icnim gieng. — Noch muß ich bemerken daß mehrere Asteten, besonders weiblichen Geschlechts diese Restitution des Gottesbildcs durch Christus (als himmlischer Braut und Bräutigams) nur schlecht, Nämlich durch eine eheliche Verbindung des Männleins und Weibleins mit Christus und nicht in der Innern Verläugnung und Tödtung der Mannes- und Weibesbegierde suchten. Wozu aber der Mann dem 137 nämlich jede Natürliche Selbhcit ihre Wollendung und Wahrheit nicht von sich, sondern nur durch ihre Auf- und Eingabe in eine ihr von oben (aus einer hohem Region) kommenden Hilfe erlangen und erhalten (conscrviren) kann — dieses allgemeine Gesez des Lebens, sage ich, wird noch allgemein von Philosophen igno- rirt, welche entweder die anscheinende Selblosigkeit dieser Ucbcr- natur (als der sich zu der Natürlichen Selbhcit herablassenden und ihre Kncchtsgcstalt annehmenden Liebe) für was geringeres achten, als ihre eigne Natürliche Selbheit, an der sie allein sich festhalten zu müssen wähnen, was denn auch des Teufels Wahnsinn mit seinem nan oram, non erocssnam, non servlain ist —> oder welche Philosophen von dieser Liebe der Uebernatur sich ab- zu einer blos natürlichen und schlechten Selblosigkeit sich wenden. Wie nämlich die Erhabenheit des Lebens nicht ohne Demuth, so kann die Hoffart nicht ohne Niederträchtigkeit sepn, und wie wir den äusserlich niederträchtigen innerlich hoffärtig, so sehen wir den ausscrlich hoffartigcn innerlich niederträchtig, d. h. der sich einem ihn Entsclbstigendcn entzieht, was ihn erhebt, giebt sich einer Ent- selbstigung anHeim, die ihn erniedrigt.*) — Dieses Gesczes Wirk- Weib, dieses Jenem im Zeitleben zwar behilflich seyn soll, aber solches nicht kann, insofern nicht beide in demselben Christ verbunden sind, in welchem wie Panlus Galater 3, 23 sagt, weder männliches noch weibliches Geschlecht ist. Derselbe Apostel sagt anch ausdrücklich daß Adam vor der Eva, nicht mit ihr zugleich wie die übrigen Thiere geschaffen ward, wie man gewöhnlich aus Christi Worten schlieft (daß Gott den Menschen anfangs als Männlein und Weiblein schuf) und hiemit die Frage beseitigt nach dem was zwischen Adams und Eva'S Schaffung vorfiel. *) Dieses Trachten nach Niedrigem als Karricatur der Demuth af- ficirt die deutsche Naturphilosophie als Hingabe an die willenlose (nur in Trieben sich kund gebende) Natur, so wie die geistige Hoffart die Fichtische und dieser wenigst hierin folgende Hegelsche Philosophie afficirt. Aber beide diese Philosopheme sind nur Reflere jenes Dualisms, in welchen im Abendlande Wissenschaft und Kunst, Staat und Kirche zerfallen sind. In welcher Hinsicht man uns mit einem 138 samkeit zeigt sich übrigens in seiner völligen Wirksamkeit in der Eucharistie, falls man diese in ihrem wahrhasten Sinne nimmt. Denn der sich zur Speise herab- und hcraussezende, in die beiden Elemente seines Leibs zcrsezcnde und entleibende macht sich hinwieder die ihn essenden dach zum Leib, wie denn der Zweck aller Commun'on die gemeinsame Einverleibung in den Spciscgcbcr und sich als Spciscvcrtheiler ist, was ohne Zweifel schon in den Mysterien des Dionysos und der Eercs (Weins und Brods) gelehrt ward. Diese Speise, sagt ein alter Thcolog legt sich an meine Natur, ifsct, überwältigt und verzehrt mich, daß ich nicht mehr der alte Leib bin, sondern ein Neuer (erneuerter). Diese Speise kann Niemand, keine Kreatur verdauen, sondern sie selber verzehrt und verdaut alle Ding, stellt aber diese als oder in ihrem Leib dem sie innwohnt und in dem sie sich verherrlicht wieder her. — Endlich will ich zum Beweist meiner in obiger Anmerkung aufgestellten Behauptung von der radicalen Verdcrbtheit der im Abendland herrschenden moralisch-religiösen Doctrincn, hier nur Jene bemcrklich machen, welche Kant aufstellte, welche dermalen in allen Moralsystemen angenommen ist, und welche darin besteht, „daß der blosse Imperativ (die Erkenntniß der Sündhaftigkeit) hinreichend scy den Menschen sittlich gut (des alleinig guten, göttlichen Willens theilhaft) zu machen, wo aber dieses nicht geschehe, ihm auch nicht zu helfen sey (weder von Menschen noch von Gott)." Diese Irrlehre straft aber Christi Behauptung direkt Lügen, welcher sagt: „Sezet einen guten Baum, so wird die Frucht gut, sezt ihr aber einen bösen Baum, so wird sie böse." — Nun fangt aber der Baum nicht mit seinen Früchten an, ein andrer zu werden, sondern mit seiner Bcrsczung, Impfung und EinPfropfung, und der moralisch-impotente dem Göttlichen Leben und Fruchtbringcn abgestorbne Mensch muß vor Thiere vergleichen könnte, dem die rechte Mitte, und der rechte Mittler — das Herz fehlt, und das nur »och Kopf- und Bauchthier ist. i.;<) allem in eine höhere (ihm native oder ursprünglich hcimathliche) Lcbcnssphäre gehoben, versezt, diese in ihm wieder eröffnet (quellend) werden, um dein Leben und nicht dem Tode Frucht zu bringen. Auf dieselbe Weise sehen wir wie die Chemischen Afsini- täts- oder Wahlanziehungsgeseze sich verwandeln, so wie dasselbe Gebilde aus einer niedrigem Region in eine höhere gehoben wird, ohne daß jemand es einfiele von dem Aufhalten eines ewigen Naturgesezes zu sprechen, wenn er sieht wie ein bereits in Faulniß scyendcr Stoff in dieser aufgehalten wird, so wie selber in die Wirkungssphäre eines kräftigen Organisms kömmt. Werbessermtgen msb NeBchiräge. S. Z. 23. nach „erhielt" l. sie sich S. 2 Z. 10. nach „sagt" l. man. S. 3 zur Z. 2. — Was noch nicht bewiesen ist (hier das Primat) das ist darum noch nicht widerlegt. Wer aber immer einer solchen offnen und freien Bewcißführung Hindernisse in Weg legt, der meint es sicher nicht gut mit der Wahrheit und beraubt die Menschen ihrer religiösen Ueberzeugung, macht sie darum falsch und unaufrichtig gegen Gott und Menschen. Nur im Vorbeigehen bemerke ich hier noch, daß man es Gewissens- und Wissenszwang nennen müste, falls z. B. mehrere Katholiken in einem Lande die Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Trennung des Papisms vom Katholicism gefaßt hatten, man es ihnen verwehren würde, diese ihre Ueberzeugung auch ausscrlich (als Gemeinde) auszusprechen. S. 3 3. 16, Nach „nicht" l. sich. S. 3 zur ersten Anmerkung. Diese Publicistcn welche so eifersüchtig sich zeigen, ihre Jungfrau (das Uorzms Aeriiiemiomu) vorzüglich vor dem Russischen Einfluß zu bewahren, als dem wie sie sagen absolut antivolksthümlichen — fahren auf solche Weise fort Drackcnzähne zu säen und Jeden Fortschritt in der Ausbildung des Volksthums bei andern Nationen als Gegenstand des Hasses und der 11 I Eifersucht aufzustellen. Wenn aber Nationen wie einzelne Menschen sich hassen, so liegt diesem Haß doch nur Jener unselige Jrrthum zum Grund, nämlich Jener daß der eigentliche Feind des Menschen ein Mensch ist, da ja die Menschen die wahre Quelle ihrer Eintracht und Liebe nur über sich (also übermenschlich entsprungen) so wie die Quelle ihres Hasses uur unter sich (als un- termcnschlich) anerkennen sollten. Welche Anerkenntnis die Summa der Christlichen Doctrin ist. S. 4. z. Z. 11 — Anstatt sich einander auszulegen, widerlegen sich aber bekanntlich seit langer Zeit biblische Theologie und Naturphilosophie so, daß-eine die andre als Wissenschaft unmöglich macht, wobei doch Niemand einsehen will daß die Quelle dieses scandalösen Widerstreits, welcher einzelne Menschen, wie Völker innerlich zerrissen halt, nicht in der Wissenschaft sondern in der Nichtwisscnschaft in beiden diesen Wissenszweigen zu suchen ist. Da nun dieser Widerstreit vorzüglich von dreien Begriffen ausgeht, nämlich vom Begriff des Lebens und Todes, von Jenem des Sinnlichen (Natürlichen) und Uebersinnlichcn (Ucbcrnatürlichcn), endlich vom Begriff des Gesezcs — so will ich hier nur kurz und als in einer Summe in Jedem dieser Begriffe jenes Mißverständnis und Irrige nachweisen, welche dermalen mehr als Je, die Schrift- und Naturforscher von- und gegeneinander halten. Was nun vorerst den Begriff des Lebens und Todes betriff, so statuirt die Schristlehre die Wirklichkeit und also Möglichkeit des zum Vorscheinkommens eines ewigen Lebens, wogegen die Naturphilosophen zwar ohne Beweis die Behauptung aufstellen, daß alles Leben nur als räumlich-zeitlich gcbundnes sohin als Nichtewi- gcs in die Erscheinung trotten, somit von jenem ewigen Leben ganz nicht die Rede scyn kann. Die Schrift anerkennt aber eine Tri- plicität des Lebens, indem selbe das unauflösliche, göttliche Leben sowohl vom auflöslichen, zeitlichen als vom in der Auflösung scy- enden — infernalen Leben (dem lebendigen Tod) unterscheidet. Wenn nämlich Paulus das göttliche Leben das absolut unauf- 142 lösliche nennt (womit selber die schlechte monothelistische und mo- nadologischc Vorstellung der Einfachheit des Lebens als innere Leerheit zurück weise!) so unterscheidet der Apostel dieses unauflösliche Leben als das Göttliche par exoellenoo weil es Gott nicht von Sich weggeben und der Kreatur anerschaffen, wohl aber diese desselben theilhaft machen kann, so wie sich dieses göttliche Leben in der Kreatur von dem krcaturlichen Leben im engem Sinn des Worts, selbst dann unterscheidet, wenn beide unauflösbar miteinander verbunden sind, wie z. B. das Kind vorerst nur die Frucht der Substanz der Mutter ist, aber so wie sein Herzleiden beginnt, zum Kind des Herzens der Mutter wird. >— Weswegen es auch nur vom Menschcnsohn (welcher zugleich Gott ist) Heist, daß ihm die Macht gegeben sey, das Leben in sich selber zu haben, welche Macht mit Jener zusammenfallt, selbes frei zu lassen und wieder zu nehmen. Ferner ist in Betreff des Schriftbcgriffs von dem in der Auflösung seyenden Leben zu wissen, daß hiebci weder von einem Abgang noch Zugang der constitutivcn Elemente des Lebens die Rede ist, so wie daß die Schrift bei Jenen Kreaturen welche nicht aus der zeitlichen Natur urstanden, diese Auslosung keineswegs als radical oder als Vernichtung gelten last, sondern nur bis zur individuellen (indivisiblcn) Wurzel desselben, als gleichsam bis zum geistigen Knochengerippe gehend, wogegen die Naturphilosophen von einer solchen Wurzel nichts wissen, und die Individualität blos in äussern Zeit- und Raumrelationcn bestehend begreifen wollen. Hauptsächlich unterscheidet sich aber die Schrift- lchre von der Naturphilosophischcn im Begriff des Todes, indem Jene von diesem als einer durch Usurpation und durch Schuld der freien Kreatur in der Kreation aufgckommnen, dieser feindlichen Macht spricht, welche von ihrer eignen Region ausgehend, alles in ihren Bereich kommende in diese herabzuziehen und in ihr festzuhalten strebr — wogegen die Naturphilosophen simplioiter im Tod der Kreatur nichts sehen als das nothwcndige Aufhören jedes endlichen Lebens wobei sie die Vollcndthcit des creaturlichen Lebens als seine Vcrnichttmg nehmen. — Entgegen der Schristlchre welche 143 (Weisheit Salomons 73) behauptet, „daß Gott de» Tod nicht gemacht und nicht Lust hat am Verderben der lebendigen (wie der Indische Gott Schiwa oder Saturnus), sondern daß Er alles geschaffen daß es im Wesen bleiben soll; daß die Geburten (Anfange) heilsam und kein schädlich Gift in sich haben, auch das Höllenreich nicht auf Erden, und das Rechte ein unzcrstörli- chcs sey. — Wogegen wie gesagt die Naturphilosophen eben nur im beständigen Vergehen als Entblättern des Baumes dessen Erhaltung, d. i. die Verjüngung und Fortdauer des Ganzen sehen, welches Ganze sie also abstrakt sich vorstellen, und dem Saz zuwider: bmmin ex inlkKrir Lauso, malmn ex guvlilwt vekootn in der That, wie Or. Martin sagt, der Meinung sind, gue le «los- oräre xortleiilier prmliiit I'orclre mnversel. Diese Naturphilosophen meinen daß eben aus dem von der Erde überall sich erhebenden Tvdesrvcheln das grosse Lebensconcert entsteht, und in ihrem Aberglauben an die Primitivität und Divinität dieser materiellen Natur scst gerannt sind sie blind und taub für alle Gräucs, Schrecken, Schmerzen und für allen Jammer und Elend welche das zeitliche Leben verfolgen, und es befremdet sie nicht zu sehen daß diese Natur als rLInro mater ihr Banquct des Lebens nicht anders zu erhalten weiß, als daß sie ihre Kinder sich unter sich würgen und aufspeiscn läst, so wie es diesen Naturphilosophen gar nicht in Sinn kömmt, ob denn nicht falls das Ganze nicht wechselt, sondern sich nur erneuert dasselbe nicht auch für die Glieder gelten könnte, die also so wenig zu sterben oder zu vergehen brauchten als Jenes. Wie denn die Komposition eines ewigen Wesens aus blos zeitlichen einen Widerspruch involvirt. Was diese Philosophen im Grunde auch zugeben, indem sie z. B. die Individualität (des Menschen) für nichts Wahres und Wescnhastes (mit dem Wahren als Gott in unmittelbaren Verband stehendes nach Jenem Spruch: Gott leben sie alle!) achten sondern für einen unwesenhaften vorüber gehenden Nollas der Einen Substanz, womit nach dem Lvangeliam Lenoel. 8piiu,?oe sowohl die schaffende als geschaffne Substanz geläugnet wird. Wenn sich in- 144 dessen diese Naturphilosophcn auf den Saz: ißeo inorimur gu!a vn'wmz als ein Axiom berufen, so hat dagegen langst ein deutscher Naturphilosoph, I. Böhm den cntgcgcngesezten Saz ausgestellt: Illoo vivilims guia morinuir. Dieser Naturforscher hat nämlich nachgewiesen, daß was man Tod Heist, die Wurzel des Lebens selber ist, als solche aber (nämlich in der Occultation oder Latenz ihres Wirkens) im Grunde gehalten, nicht als tödtend, sondern als das Leben in seiner Offenbarung bedingend somit als Gut oder dem Guten dienend sich erweiset, und daß nur das abnorme sich Erheben, Vcrsclbstigen und nicht Wurzel zu scyn Streben sich als das Leben (Gewächs aus der Wurzel) vergiftend, verwirrend, verfinsternd und verzehrend kund giebt — so daß nicht das Losscyn von der Wurzel, sondern das Freiscyn von ihr das normale Leben und Wachsthum bedingt, oder daß wie -Tauler sagt, der Zorn des Lebens gut ist wenn er gut angewendet, oder in seinen gcsezlichcn Schranken wirkt. Man sieht aber leicht, falls man nur dcn Muth und Verstand hat sich hierüber bei I. Böhm selber zu belehren, daß eben nur dieser Begriff des Todes wie ihn I. Böhm fast mit der Schristlchxe übereinstimmt, indem nur von diesem Standpunkt aus Jene Katastrophe begreiflich wird, durch welche der Tod gleich einem wilden Feuer in der Schöpfung aufkam und auskam. — Zugleich wird man aber auch einsehen daß I. Böhm hiemit zuerst den Manichäism widerlegte, indem man in dem Dualism der Zcitwclt zwar zwei Principien anerkennt, aber nur so daß falls das Eine Princip in seinem Wirken dem andern, als untergeordnet dient, keine Dualität derselben als Zwietracht sich kund giebt, und man darum von keinem Princip des Bösen sprechen sollte, indem dasselbe Princip sich als gut erweiset falls selbes in der normalen Relation mit einem andern wirkt. — Wenn übrigens nach dieser Schristlchre alles kreaturliche Leben und Leiben auflöslich ist, welches nicht des göttlichen unauflöslichen Lebens theilhaft ist, so gewinnt man hiemit Licht für den Verband des zeitlichen und kreaturlichcn Lebens überhaupt (welche Zeitlichkeit und Kreaturlichkcit die Naturphilosophen ohne Beweiß 145 für Identisch nehmen). Die Schrift spricht nämlich vom ewigen Leben in des Baters Schooß und beim Vater scycnd welches auch in der Welt durch die Sendung des Menschcnsohns offenbar geworden sey (Johannes 1, 2), wenn schon gewiß ist daß die Kreatur, namentlich der Mensch doch bereits in und zu demselben Leben primitiv geschaffen war, aber sich in selbem, selbes in sich nicht sirirte, womit also die effektive wesentliche Offenbarung dieses ewigen Lebens unterblieb, und der Mensch sich von ihm abkehrend, und sich gegen selbes cntaussernd, seine blosse kolentia. tempoialis ?ieri acl aotum brachte, wodurch er dem auflüslichcn Leben anhcim siel, und sich in dieselbe Zeitsphäre einschloß in welcher bereits die Creation sich befand, in die er doch zur Wicder- aushebung dieses Beschlusses gesendet ward. Mit diesem Abschluß vom unauflöslichen Leben ward aber der Mensch im auflöslichen Leben seycnd, den Einfluß und die Infektion des aufgelösten und auflösenden Lebens oder vielmehr des lebendigen Todes inne, und es war, um den Menschen vom gänzlichen Sturz in leztern zu retten, kein ander Mittel als daß das unauflösliche Leben selber die Gestalt des auflöslichen annehmend, in dieses eintratt, und hicmit dem Menschen es möglich machte die ihm gereichte Hand zu erfassen. Der Christ Heist aber der Erretter weil Er dem Menschen Jene Schirmung brachte welche ihn gegen die Einwirkungen dieser lebensauflöscnden Macht schüzte, d. h. den unzerstörlichcn Leib, wie denn das Wort: Soma die Bedeutung einer Errettung, Absondrung und Geborgenscyns mit sich bringt. Weswegen die Apostel Recht hatten diese wesentliche Verbindung des Menschen als Schlußgcschöpfs mit Gottes Herzleben als zuerst mit der Menschwerdung desselben beginnend, zu begrüßen, und in ihr den Anfang des Eintritts des ewigen Sabbalhs als des ewigen Jn- wohnens des Schöpfers im Geschöpf, in welcher Gott Sein Herz mit der gesammten Creation thcilt. Ein zweiter in der Philosophie seit lange im Abcndlande sich geltend und die Religionswissenschaft gänzlich unmöglich gemacht habender Jrrthum, besteht darin daß diese Philosophie von keine 10 Z56 andern als der materiellen Sensibilität weiß, und daß sie alles nicht materiell sensible und doch natürliche für nicht oder übersinnlich und übernatürlich halt. Diese Naturphilosophie, so viel sie auch vom Geist spricht, ist doch nur materialistisch, weil sie den Geist nur als Geist dieser Materie nimmt, und von keinem Koma, piwmmUicoii weiß, von keinem herrlichen verklärten Leib im Gegen- saz dessen welcher nur seine Larve ist. Diese Naturphilosophie hat also keine Vorstellung von Jenem Double-Dbzsigne wie S.Martin sich ausdrückt, als Ill^siguo superieur primilik et Immateriel und als 1ll>)'sigue oder sensible seooiulaire — oder richtiger von einer Untiere primitive und secouelairo (somit von einer mutiere peuetrunte und einer mutiere peiietree) weil man doch eben s» unrecht thut, unter dem Wort: Geist nur den unsterblichen und nicht auch den sterblichen zu befassen als unterm Worte Materie nur die vergängliche und nicht auch die unverwesliche. — Von dieser Duplicität hatten alle tiefere Naturforscher klare oder unklare Einsicht, und gerade unsre dcrmaligen Beobachtungen und Erfahrungen weisen uns auf selbe neuerdings wieder unabwcislich hin, wie denn alle Sagen, Mythen und Religionen ein solches Double 1'bvsigu«; im Sinuc haben, und die Summa ihrer Lehren dahin geht „daß so wie durch eine frühere und erste Wcltcatastrophe, die primitive Natur sich zur Larve und Rinde vcrgcstaltet (entstellt) hat, in welcher sie als verblichen verborgen und vergraben liegt, womit aber auch die göttlichen Wunder in die Verborgenheit traten, deren alleiniger Träger, Leiter, Schirmer und Behälter diese primitive Natur und Substanz nur ist >— daß, sage ich, spater der Mensch derselben Katastrophe heim siel (obschon er wie gesagt in diese Welt gesendet ward, um das Dbzsigue Luperieur in ihr wieder zu erwecken), daß folglich auch im Menschen die in seine Seele zur Offenbarung gelegten göttlichen Wunder mit seiner primitiven Lciblichkcit zugleich in die Verborgenheit gicngcn, Jene somit der Auferstehung der Leztcrn warten, weil die Organe nicht ohne der Entwickclung der ihnen entsprechenden Werkzeuge sich zu entwickeln vermögen, wie wir denn gewahr werden daß mit Jeder 147 Wirksamkeit der hohem Intelligenz und Liebe im Menschen der ewige Leib desselben als die alleinige Wohnstättc Jener Aktionen fortwachst, indem für das ewige Leben so gut wie für das zeitliche der Saz der Untrcnnbarkcit des Leidens und Lebens gilt. — Mit der Laugnung eines vonblo-pbz'signe ausscrm Menschen wird somit auch Jenes in ihm gcläugnet, womit aber auch der Grundbegriff der Religion gcläugnet wird, daß nämlich einer Befreiung oder Bindung dieses hohem?b)'s!gno im Menschen auch eine in der äussern Natur entspricht, so wie umgekehrt, daß also die sogenannte Wiedergeburt sich nicht auf ihn beschränkt, sondern sich der äussern Natur mitthcilt, wenn schon diese Mitthcilung im Zeitlcbcn sich nur selten kund gicbt. Folgende auS S. Martin Esprit äes oboses entnommene Stelle mag den Leser hierüber zum völligen Berständniß bringen zugleich aber ihm als Bcweiß dienen, wie wenig es zum Ruhm der französischen wie deutschen Theologen gereicht daß sie von dieser von I. Böhm und S. Martin aufgestellten die ewige und die zeitliche Nalur befassenden Naturphilosophie ganz keinen Gebrauch machten und die auffallende Ucbcreinstimmung derselben mit der Schriftlchrc völlig ignorirtcn. — lke meine gn il kernt gno los inervoilles «liviues aienl lull pe- netrer los traees lio co soiisiblo priinitik an lravers lio oe moiille lönobreux, pour gn'elles pnissont etro appercues, Ie snporienr gni est evnoonlro llaiis l'Ilommo ansonrnr so lloveloppe (so snbstantialiso) et traverse so propre pi lsoir oorrnptiblo, ponr gne liiomme pnisso irltelinlro ä In connoissiriiee et an sontimont lio oe gnr Ine est commune- gno. — De tont cool rosulto la lieinonstratioir gn'il v a eu primilrveinent lies eoiiimuiricirlioiis et lies »lirnikestalions ll'oistols llllrllmiration (et llalloratron) ponr i'Iiniiimo oZaro (der sich nämlich von einer falschen Admiration und Adoration fangen ließ) n«»r senlement parcegn'll x a lies reli^ions on lies siWies iinir- eatiks u> Inn»- me s»r gni ollos eusseiit pu ftriiuris prondio irnou» ompioo, si olles » irvoieiit pas en cle I'murloKie -rvee sa baso et aveo sa soik ll'iulmiicUion et de I'adorativn, et le nein de relixiou svroit eiieaee ä 11 nitre s»r ln terre. — Nur im Vorbei- gehcn bemerke ich hier daß der hier ausgestellte Saz eines Denble pliz-signe oder sensil>1e auch für das Streben und Thun der dichtenden und bildenden Kunst gilt, welche wenn sie himmlischer Abkunft ist, überall den Durchblick der ewigen Natur in der Zeitlichen geltend macht: Wie durch des Nordlichts bewegliche Strahlen Ewige Sterne schimmern! somit das Vergängliche in Dienst des ewigen nimmt, wenn sie aber irdischer Herkunft ist, diese Lichtsunkcn der ewigen Natur nur gleich dem Prometheus dem Himmel abstiehlt, um mit selben die schlechte Natur zu apotheosircn und über dieser Jene vergessen zu machen. Ein dritter Begriff über welchem die Schristdoctrin und die Philosophie völlig uneinvcrstandcn sind, ist Jener des Gesezcs, welchen Leztre sogar der Religion cntgcgcnsezt, so daß der Purismus des moralischen Gesezcs keine Religion vertrüge. Ich habe aber anderswo gezeigt, daß der Begriff des Gesczes Jener des Gesezt - Locirt - und Gcgründetscyns Eines Wesens in einem andern ist (wie denn das Zugescztsein, «Vn/mc/ das Hcraus- oder Wcggcseztscyn aussagt) so daß alle Gebote Gottes und Verbote nur die Erhaltung, Schirmung und Restitution dieser Location der Kreatur in Bezug auf Gott und das ganze Schopfungssystem zum Zweck haben, wonach der Begriff des Gesezcs als Stellung mit Jenem der Gestaltung, jener der Entstellung (Enlsczung) mit Jenem der Entstaltung zusammcnsallt. Wenn darum Christus von sich als einer Rebe spricht, in welcher seine Jünger als Zweige bleiben sollen, und wenn Er sagt: ohne und ausser mir könnt ihr 149 nichts thun, so Heist dieses: ausser mir euch sezcn und gründen wollend könnt ihr nichts thun, weil ihr euch hiemit selber entsezt oder cntgründct, und euer effektives Thun doch nur durch dieses euer Geseztscyn bedungen ist, wie denn nur das ruhende sich bewegen kann, das nicht ruhende nur unfrei bewegt wird. So lange a in ^ gcsezt ist, kann sich a dem 3. nicht widcrsezen, sondern, um dieses zu können, — um gegen ^ sündigen zu können (Joh. 1, 3. 4) muß selbes aus 4, gcsezt sich befinden. Bon welchem Sczm, Entsezen und Widcrsezen Fichte so wenig als die Natur- philosophcn wüste. Die vom Schöpfer geiezte Kreatur soll sich srrylich in der ihr zum Wirken angewiesenen Region hinwieder selber sezcn, was sie aber nur vermag insofern sie inner ihrem primitiven bestimmten Gcscztseyn sich halt und consirniirt, wogegen sie sich diesem cntsezend oder widersezcnd, sich in sich selber entsezt (cntgründct oder abymirt) und zcrfczt (alles Entgründcn ist ein Zerfallen), oder ihren eignen Abgrund (I. B. tlentrmu hiatm-ae als Zentrum der Vervielfältigung) in sich öffnend, selbem anheimfällt. Sagt darum I. B. „Alles nicht ewige wird zur Sünde, falls du dein ewiges Herz darein sezest, als Ziel deiner Ruhe und Sabbalh, und wenn IRomas a kempis sagt: Liiil. aetermr iu llesnlerw, ^empewolin in usn — so sagen sie beydc daß die zum Gescztseyn ins Ewige Wesen bestimmte Kreatur, indem sie diesem Geseztscyn sich entzieht, sich selber entsezt oder abymirt, und daß in ihr anstatt der Ruhe die Unruhe (instabilis Kellas, nnmbilis nmla) aufgeht, mit Lezter die Impotenz. — Wenn nun aber schon auf solche Weise das Eine Princip a desselben Lebens (als Subjekts) eine abnorme Wirkungsweise gegen ein andres I, erlangt und ein solches Derangcment sich als Krankheit dieses Subjekts kund gicbt, so könnte man doch von keinem Schmarozerlcben des Princips a in Bezug auf b sprechen, wie dieses allerdings vom Baudwurme gesagt werden könnte, als einem für sich seyenden Subjekt und nicht als einem blossen Princip dcZ Lebens, wenn schon dieser Bandwurm sein Leben nur auf Kosten des Mutierlebeus und in dieses störend einwirkend erhalt. In der 150 That gicbt uns aber freylich die Natur den Beweist des Schma- rozerlcbens als einer Ursache der Krankheit. Wenn man nämlich diese materielle Natur in Bezug auf die primitive die zweite nennt, so sieht man daß sich ihr eine dritte Natur (Jene apogryphe der Kryptogamen, Infusorien, Insekten ?c., ja selbst der sogenannten räuberischen Metalle) in ihren drei Neichen wie eingeschoben hat, welche vbschon sie für sich ein ganzes System bildet, doch nicht für sich besteht, sondern von der zweiten Natur und gegen diese entsteht und besteht. Wie es denn nicht angeht diese dritte Natur (in welcher sich die infernale Region nicht selten austhut) mit der zweiten Natur in Eine Reihe, etwa wie z. B. Okcn will, als ihren Anfang zu stellen. Von welcher dritten Natur man auch sagen kann, daß sie zur Plage und Zerstörung der zweiten vorhanden ist, wie wir denn Pflanzen und Thicrc dieser zerstörenden Einwirkung sich beständig erwehren und endlich unterliegen sehen — wie wir die Psyche im Menschen von dem psychischen Ungeziefer der Leidenschaften (als Schmarozerlebens) leiden und gekrankt sehen. S. 6. Z. 14. Wenn man sich darum nicht wundern kann, daß die Franzosen, indem sie beim Ausbruch der Revolution zu einem falschen, alle corporativcn und ständischen, germanisch organischen Elemente radical tilgenden und selbe zu einem elementaren Grundbrci auflösenden Princip der Volksrcpräscntation griffen, noch jetzt einer Begründung oder Constituirung ihrer bürgerlichen Freiheit ermangeln — so muß man sich dagegen darüber wundern, daß noch jetzt viele außer Frankreich durch das Beispiel nicht klug werden, und noch immer das schlechte Princip der französischen Volksrcpräscntation als Muster aufstellen. S- 9. Z. 5. Melanchton zweifelte noch immer an der Möglichkeit der Erhaltung der Kirche ohne Primat, auch protestir- tcn zwar die Reformatoren gegen die Autocratic und Zwinghcrr- schast Roms, dclegirtcn aber doch dieselbe päpstliche Gewalt den Landeshcrrn, Bischofen oder Gemeinen, so daß es schien, als ob 151 picht davon die Rede sey, daß oder ob cin Papst, sondern nur, wer dieser Papst ftyn sollte. S. 13 lczte Zeile. D. h. Jede Offenbarung geschieht durch Vermittlung eines ^.soonsus und llescoiisns. S. 16 zur 9. Zeile. In diesem Sinne wird dic Natur in ihrem normalen Verhalten zum Geist als an sich, nicht für sich scyend sondern für die Manifestation und Vcrselbstigung Jenes dienend, begriffen, zu welchem Begriff der Natur aber weder die Naturphilosophie noch die ihr hierin nur folgende Hcgel'schc Geistesphilosophie kam, woraus sich auch die Irreligiosität dieser Phi- losopheme begreiflich macht. Wenn z. B. Hegel dic Philosophie die Versöhnung der sclbstbcwusten Vernunft mit der nur an sich scycndcn Vernunft nennt, und unter Jener die Intelligente Kreatur, unter dieser Gott (ohne Kreatur) meint, wenn er ferner sagt daß das Universum (der noch nicht zu sich selber gekommnc, nicht bei sich seyende Gott) als cin durch alle Stufen sich rcalisircndes Weltlcbcn im zeitlichen Individuum (Geschöpf) zur Sclbstbcschauung und Selbstbcgriff gelangt — so muß der Theolog diese Weise über Gott und das Geschöpf zu philosophircn darum für Gottesläugne- risch erklären, weil solches das ohne Kreatur fertig- und für sich- scpn Gottes läugnct, und das An und für sich seyn der Kreatur nicht aus dem An- und für Sich Seyn Gottes begreift. Woraus folgt daß der Nadicalirrthum dieser Pbilosophemc darinn besteht, daß selbe das Ansichscyn in Gott (dessen Natur) bereits für den ganzen Gott nimmt, so wie die schlechten Spiritualisten ihm dieses Sein Ansichscyn oder Natur ablaugnen. Auch in der neuen Auflage der Naturphilosophie hebt diese ihre Konstruktion mit einem solchen Ansichscyn (dem Potenzialen Seyn) an, als mit dem Indifferenten, da doch in und aus dieser Indifferenz unmittelbar eine Differenz entsteht, welche als aufgehoben und im Grund gehalten, als An sich der Manifestation des für sich seycndcn dient. Wogegen wir im abnormen Seyn der Intelligenten, wollenden und also auch selbstthucndcn Kreatur wahrnehmen, daß, falls selbe sich von Gott oder gegen Gott wollend kehrt, auch ihre eigne Natur sich von und 152 gegen sie kehrt. I.« mal (la manvaise Volonto) ne peut janueis xrenilre lurlnro, et II est au eniilraire tonjams en prise avee eile. So daß also die Ursache der Vcrdcrbtheit der Natur nicht in ihr m suchen ist. — Uebrigens muß bemerkt werden daß das Naturleben und Wirken in seinem Ursprung nur ein csscntialcs (darum verstandlo- scs) ist und ohne dem Geist nicht zur Substanzialität gelangt, so wie selbes ohne der Jdea es nur zur regellosen unstandhaften Phantascy bringt. — Da nun die Philosophen das Gesez und die Momente der Lebensgeburt überhaupt mißkcnnen, so ist es kein Wunder daß sie von der Wiedergeburt des primitiven Lebens im Menschen, wie solche die Religion lehrt nichts verstehen. Sie unterscheiden nämlich nicht zwischen Indifferenz, Differenz und sich gliedernder Evolution, und meinen daß lezte unmittelbar aus der ersten oder zweiten hervorgeht, was aber nicht ist, das selbe nur da- mit entsteht und besteht, daß die Indifferenz in Differenz geht, diese aber wieder aufgehoben wird. Diese Philosophen kommen ferner damit mit der Religionsdoctrin in Widerstreit weil sie die ^ Scheidung der Natur bei ihrer Erhebung und Verklarung nicht kennend, meinen daß die ganze Natur in die Ucbernatur erhoben oder von ihr niedergehalten wird. — Ohne dieser Scheidung der Natur (des Natürlichen Willens) — deren einer Thcil sich fort in sich erhebt, der andre dieser Erhebung abstirbt und in die Freiheit ausser der Natur sinkt als Immns (Immiiis) dem Aufsteigen der Ucbernatur dienend — wo es dann recht Heist: läea vivimns guia morimiw begreift man die Resignation im Gebet, ja dieses selber nicht. Sagt man nämlich daß Gott Sich creaturlich offenbaren will, so Heist dieses daß Gott mit und durch die Kreatur ausgehen will, was Er aber nicht kann, falls diese nicht wollend in Ihn eingeht. Dieses Eingehen des Krcaturwillens in Gottes Willen oder dieses sich Verbergen in Gott ist aber Gebet — dein Wille geschehe! denn Gottes Wille geschieht im Himmel mit der Kreatur Willen, aus Erden ohne, in der Hölle gegen Gottes Willen und nur der Geber des Gebets ist dessen Erhörcr! Die ganze scan- dalöse Prädestinationslchrc und Streit wäre folglich unterblieben, 153 falls man die Einsicht gewonnen hatte, daß zwar das effektive Geschehen prädestinirt ist, nicht aber das Wollen und die subjektive Willensthat der Kreatur. Nur daß man unter solchem prädestinir- tcn Geschehen, nicht das blos zeitliche, sondern das in die Ewigkeit gehende, versteht. S. 17. Z. 11 nach „uns" l. schon. — — Z. 34 nach „und" l. sie. S. 18. Z. 9. nach Schenkungen l. diesseits. S. W. Z. 8. Es ist nur eine höchst billige Fodrung, die man an die Christen macht, wenn man von ihnen verlangt, daß sie als vernünftige Leute wissen, was sie bei ihrem Cultus thun, und daß sie dieses ihr Wissen auch andern mitzuthcilcn vermögen. Wenn nämlich schon das Hoffen und Glauben selber beim Wissen ist, so muß doch der Grund desselben ein Gcwustcs und Gewisses scyn, weswegen auch Petrus (1. Petri 3, 15) von den Christen verlangt, „daß sie allezeit jedem der Rechenschaft (raison) wegen ihres Glaubens fodcrt zur Verantwortung hierüber sich bereit zeigen sollen." — Jene Theologen der abendländischen Kirche befolgen darum schlecht die Ermahnung des Apostels, welche z. B. über die Eucharistie als ein wie sie sagen absolut unverständliches keinen Bescheid zu geben für nöthig achten, und ihren Unverstand hinter das Dogma verbergen zu können meinen. In der That hat auch hier, nachdem der Verstand über die Eucharistie der Christen ausgegangen war, und diese anstatt hierüber zu discutiren, sich mit einander rauften und einander tod schlugen, ein Laie (I. Böhm) zuerst die Bahn zu einem richtigen Verstandniß und Einvcrständniß gebrochen, wie ich bei anderer Gelegenheit zeigen werde, und hier vorläufig nur Folgendes, dem des Forschcns nicht unfähigen Leser mittheilcn will. I. B. geht nämlich von der Ue- berzcugung aus, daß Christus mit den Worten: „dieses Brod ist mein Leib, dieser Wein mein Blut" vorerst nicht seinen kreaturlichcn Leib meinte, welcher beim Abcndmal eben so unzcrrisscn blieb, als nach der Auferstehung als verklärter Leib; daß folglich die zwar 154 gemeine Verstellung einer Alimentation des Einen kreaturlichen Individuums durchs andre hier eine absurde seyn würde, indem bei einer solchen als Ilio in partes das zur^Speise gcwordne Individuum zu Grunde geht, wogegen in der Eucharistie der Speisende die von ihm gespeist werdenden sich einverleibt oder seines Lebens und Leidens thcilhaft macht. I. B. zeigt nun ferner, daß man hierum mit dem Begriff einer Centralen Alimentation auslangt, welchen Begriff auch Christus aufstellt, wenn Er sagt, daß wer das lebendige Wasser von Ihm empfängt sich hicmit in sich die von innen heraus strömende Quelle dieses Wassers öffnet, was also auch von Ihm als Lebcusbrod gilt. Dieser Begriff einer Centralen Alimentalion führt aber aus Jenen des Speisenden als eines Ccntralwcscns in Bezug auf die alimentirtwcrdendcn welches Ccntralwcsen zugleich kreaturlich, einzeln, und in so fern der einzelnen Kreatur gleich, zugleich aber nicht kreaturlich, sondern universell und überall, in dieser Univcrscllhcit aber real und Einzig^ nicht abstrakt (gleich der Jdca der modernen Philosophie als Gespenst) obschon unkrcaturlich und verborgen ihnen gegenwärtig ist, d. h. wie I. B. sagt: als eine Kreatur die zugleich Gott ist. — Diesen beim ersten Anschein paradoxen Begriff (an dessen Para- doxic übrigens die modernen Heiden ungleich mehr Anstoß nehmen, als die alten, der Natur noch naher gestanden habenden Heiden gcthan) erläutert I. B. beyspiclswcisc an der Sonne, indem auch diese zwar als Einzelner Himmelskörper sichtbar ist und doch mit ihrer nicht krcaturlich d. h. nicht einzeln geformten Substanz den ganzen Himmel erfüllt, und unsichtbar allen ii? diesem befahlen Geschöpfen innen gegenwärtig ist. Wie nun die Sonne als Einzelner Himmelskörper sich nicht zcrrcist, indem sie diese Geschöpfe und Gewächse ihres überall seyendcn Sonncnlcibs thcilhaft macht und wie man sagen muß -daß es doch nur ihr Leib ist, den sie Jenen hiermit gicbt, so gilt dasselbe bei der Eucharistie. Wobei ich noch bemerke daß dieselbe solidärc Verbindung der Singularität und Universalität sich auch im Begriff der Majestät des Regenten eines Volks kund gicbt, welcher, obschon nur eine Einzelne 135 Person, doch zugleich der Träger der Idea des Volks ist oder seyn soll. S. 20. Z. 32. Paulus spricht vom vollendeten (wiedergc- borncn) Menschen, nicht blos als von einem verherrlichten, sondern als von einem, die umgebende und mit ihm solidair vcr- bundne Natur als Kreatur, verherrlichenden. Diese jetzt noch wie bei Jesu da Er im irdischen Fleisch noch verborgen war, durchs Leiden verdeckte und doch durch selbes ins Wachsthum ge- kommne Herrlichkeit der Kinder Gottes wird nach Pauli Lehre „am Tage des wieder in der Welt sich offenbarenden Gesalbten mit Ihm offenbar werden, worauf alles Geschöpf mit Schmerzen wartet" woran die ganze Schöpfung Theil nehmen und mit uns von Grund aus erneuert und verherrlicht werden wird, indem daS ganze Schöpfungsall der Schauplaz der Herrlichkeit der Kinder Gottes und ihr Erbe werden soll. — „Denn ich achte, sagt der Apostel, daß die Leiden der jczigcn Zeit für nichts zu achten scycn gegen die Herrlichkeit welche in uns entdeckt werden wird. Denn das Sehnen des Geschöpfs erwartet die Entdeckung der Sühne Gottes, weil selbes der Eitelkeit (Zcitlichkeit als Leerheit ohne göttlichen bcstandhaltcndcn Grund und ohne bleibender Frucht) unterworfen worden ist, nicht freiwillig, sondern um dessen Willen der sie unterworfen hat auf Hofnung, indem auch selbst das Geschöpf vom Dienst der Vcrderbthcit und Zerstörung frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes und seines Dienstes. Denn wir wissen, daß das Geschöpf insgesammt zusammen seufzet und sich zusammen schmerzlich angstct den Tag der Erlösung erwartend" — Es ist folglich Paulus Lehre, daß eine solche durch den Menschen zcitfrci gcwordnc oder intcgrirte Kreatur keineswegs zu Grunde geht, sondern so wie der ewige (auSgczeitigte) Mensch hervortritt, ihrer eignen Zeitlichkeit los wird. — Man vergleiche nun mit dieser Paulinischcn Theodicoe alle seitdem von christlichen Theologen und Philosophen vorgebrachte flache, mesguinc und Gott, die Natur und den Menschen herabwürdigende wo nicht blasphcmirende Vorstellungen! 15 t! S. 25. Z. 7. Petrus nennt nur Jene Apostel welche Ic- sum noch im irdischen Leben kannten, und Zeugen seines Todes, wie seiner Auferstehung waren. S. 26 Z. 29. Die Epoche der Befreiung der Regierten vom willkührlichcn Zwang des Wcltregimcnts tratt allerdings mit dem Christcnthum ein, d. h. mit der auch von den Weltregcnten öffentlich ausgesprochnen aufrichtigen Anerkenntnis; daß auch sie Einem und demselben unsichtbaren Oberherrn mit den Priestern und samtlichen Untcrthancn zu dienen verantwortlich sind. So lange nun der Klerus diese Uebcrzeugung ausrecht hielt, erwies; er sich als wahrhast das Wcltregiment vermittelnd, welche Vermittlung aber aufhörte, so wie att selber sich dieses Wcltregiment arrogirte. S. 28. Z. 16. Wenn die Protestanten den Römischkatholischen nicht mit Unrecht vorwerfen, daß diese sich auf ein Opus operatm» da verlassen wo doch ihr eigen Mitwirken in Anspruch genommen wird, so trist dieser Vorwurf sie selber, wenn sie ihre Erlösung ganz als ein solches llpns oper-Uum betrachten, und sagen daß der Mensch hiebci so wenig zu thun hat, als Jener für den ein andrer eine Schuld bezahlt. — Wenn aber die Gabe (der Erlösung, Befreiung ;c.) in -V concentrirt sich befindet für Viele (a. b. o.) so begreift man aus dem Gesez der Dcrivation, daß alle diese Gebrechen welche bis dahin (bis zum Auftritt von vV) unter diesen Vielen zerstreut blieben, sich dem vV nun in ihrem sich zusammennehmen sensibel machen würde, nach der Schrift als Kopf der Schlange welcher sich ausserdem in seinen Gliedern verborgen und unfaßlich halt. In welchem Sinne es Heist, daß der Eine Erlöser alle unsre Sünden auf Sich genommen oder an sich gezogen hat und halt. So lange aber vi. diesen Effekt leistet, so ist es doch hicmit noch nicht gethan, indem die Wurzel oder Basis der Sünde (das Glied der Schlange) doch ungetilgt in a bleibt, wenn schon seine Aktion auf a. suspendirt ist, bis dieses mit der Kraft die es in ^ schöpft, diese Wurzel wirklich in sich tilgt, womit aber auch vi. seinerseits von der derivirendcn, die Sünde in a tragenden Aktion frei wird, und nun erst beide miteinander in Conjunktion tretten können. Man sehe meine Theorie des Opfers. — Der hier den Protestanten gemachte Vorwurf trist übrigens nicht den ersten Lutherischen Glaubcnsbcgriff, wohl aber dessen spatere Entstellung, indem jener Begriff sehr bestimmt das Selber gut und Gcrechtseyn wollen und Thun von dem von Selber dieses Wollen und Thun, und also dem Pharisäism unterscheidet. S. 29. Z. 22. Ohne jenes doppelten Jrrthums zu erwähnen, von welchen der eine den magnetischen Zustand zu niedrig, der andre zu hoch fast, soll hier nur Jener noch herrschende Jrr- thum gerügt werden, welcher nicht einsieht daß in Jedem Magnetischen oder solchem verwandten Zustand eine innigere Vcrcinung des Affekts mit der Apperccption statt findet, somit eine Exaltation beider, geschehe dieses nun im guten oder nicht guten Sinne. Was auch mit dem Saz übereinstimmt, gue «Inns le vorilable ordre des clmses In comioissance et In douissmioe de I'olsiel oomm lloiveilt mnrelier enseinble. — Bedeutender ist der gegen den Magnetism gemachte Einwurf, daß er die Seele von der sie schirmenden Hülle (Organisation) losmacht und gleichsam ihre Wurzel allen äussern Einflüssen, prnmiseue preis giebt, wie e>'n unreifes Kind aus dem Leib der Mutter gcsezt das aussre Cosmi- sche Leben nicht ertrüge. Woraus denn freylich vorerst folgt, daß jeder auch der spontane Magnetism der Assistenz des Guten d. i. göttlichen Willens oder des Gebets bedarf, welches wie gesagt, überall den Rapport mit dem Göttlichen Willen und Thun öffnet. Ucbrigcns hat S. Martin über die Gefahr eines Hcraustritts aus den voivs interienres in die voies exlerienres die richtigste Einsicht gegeben. Da nämlich der Mensch konstitutiv dazu bestimmt ist, unmittelbar mit Gott nicht blos cssential sondern aktual in Verbindung zu scyn, und diese unmittelbare Verbindung in Jeder mittelbaren zu erhalten (weswegen der wahrhafte Mittler des Menschen mit Gott nur Gott Selber und keine blos Göttliche Kreatur seyn konnte) so ist es seine erste Pflicht bei Jedem Ausgang aus sich und Eingang in ein Andres, doch in Gott zu 158 bleiben, und sich von keinem Teufel noch Engel oder einer Gott > am nächsten stehenden Kreatur aus diesem in Gottseyn bringen zu lassen, worum es bekanntlich die Religionslchrcr meistens versehen. — Welcher richtige Begriff der voios inlörienres und extörionros übrigens auch allein dem Psychologen zur Unterscheidung der Innerlichkeit und Aeusserlichkcit der Seele dient, indem wie S. Martin lehrte jedes Scyende seinen Ursprung nur in sich (sich inncrnd), seine Ata cht nur ausser sich (sich äussernd) innc wird und erfährt. Wenn übrigens schon die Theologen mit Recht gegen die Apothco- sirnng deS magnetischen Zustandcs protestircn, indem auch in seiner grasten Reinheit der lwmme mirnolo sich doch nur als Spiegelbild und phantasmagorisch zeigt und alle Herrlichkeiten ohne der geringsten am oder im Sonncnwachcn Menschen hastenden Spur vorüber gehen — so hätten diese Theologen doch Ursach genug den Magnetism als Zeichen der Zeit ins Auge zu fassen, indem selber sie hatte belehren können, daß wie er einerseits eine Anticipation unscrs Zustands nach dem Tode ist, er andererseits uns als Nc- miniscenz an den primitiven Zustand des Menschen dienen kann, als zwar nicht Erdelosen wohl aber als Erdcfrcicn, somit auch Bauchfrcicn Zustand und Gestaltung. Entgegen jener altern miserablen Vorstellung einer neuen materiellen Bindung der von ihren materiellen Basen als Werkzeugen (den Sinnenncrvcn und Gehirn) bereits frei gewordenen Sinncnkraftc oder Organe. Wirklich schweigen auch in der Regel im magnetischen Zustand die Bedürfnisse und Triebe der Bauchglieder und selbst in seinem noch unreinen Zustand, wenn nämlich der Geschlechtstrieb noch sich regt, äußert sich dieser doch nur in phantasmagorischcr Verklarung. — Die Theologen hätten endlich im Verhalten des Magnetischen zu seinem Magnetiscur und in der wundersamen Macht die letzter auf erstem ausübt, indem er diesem zugleich Arzt und Arznei, Heiland und Heilmittel ist, einen Schluß n minor! nä nursiis ziehen, nämlich auf Jene Macht schließen können, welche ein Einzelner Mensch, der aber zugleich Iwmmo prinripo ist, ans Jeden mit Ihm mittelst seines Willens in rnp^ort und zwar in wesentlichen und leibhasten 1.10 trettcndcn Menschen auszuüben vermag. Ich sage aufJcncn Menschen, der sich zugleich als Gottes- und Mcnschensvhn kund giebt, und welcher einerseits als Kreatur allen Menschen gleich und crfaß- lich, andrerseits als Nichtkrcatur über allen ist, und sie als Welt- wcsen in Sich besäst, welche cosmischc Virtualität Christus Selber von Sich ausspricht, indem Er sagt: In der Welt habt ihr Angst und Unfrieden, in mir aber Frieden, Genügen und Freude. S. 29. Z. 28 statt „um" l. nur. S. 33. Z. 35 sind a 1> o zu streichen. — — Z. 37 nach „Moment" l. unmittelbar. S. 38 lezte Zeile. Ich werde anderswo nachweisen daß sich in altern Schriften Spuren einer primitiven nicht blos nicht gc- schricbncn, sondern nicht schreibbarcn Tradition im Christenthum vorfinden, so daß der jüdische Begriff derKebcl (ins Ohr sagen, oder blos von Mund zu Mund) sich noch ins Christcnthum hineinzieht. S. 41. Z. 27. Die Ucbcrzcugung oder die Hosnung und Glaube an die crlebbarc (erfahrbare und erfahrne) wirkliche weil wirksame Gegenwart oder Vcrgcgcnwärligung Eines bereits irdisch abgcschiedncn, in Jedem von uns >— machte die Basis des Christenthums im Entstehen desselben, und kann selbe auch jetzt nur machen, als Ancrkcnntniß der Jdcnditat und Solidarität der historischen und mystischen Manifestation desselben Christs, als der sichtbaren und der unsichtbaren Sonne. S. 49 letzte Zeile. Ein unbcgriffncs Anschauen ist ein unvermitteltes welches durchs Begreifen (Jntclligircn) zum vcrmiltel- ten wird. Es ist aber irrig, wenn Hegel behauptet, daß der Mensch bestimmt scy, schlechterdings alle Anschauungen zu begreifen, indem ihm sodann nichts bliebe, was er als über sich scyend, wahrhaft und ohne seine Intelligenz zu verläugncn, bewundern konnte. Worauf sich auch der Begriff der Lubstmitnr lutea 8ub- sl-rittiaiir gründet, denn was gegen ein Höheres, Durchdringendes nicht Substanz ist, kann doch gegen ein nicdrigcrs sich als Substanz (als undurchdringlich) gelten machen. 160 S. "51 letzte Zeile. Mit derselben Assm-aiice und Luttis-mee mit welcher diese soi-elisants Philosophen uns versichern, den heitern Lebensgenuß im blossen Weltdienst (somit ohne Wcltkreuz, Weltnoth und Verzweiflung) mit Beseitigung des Gottesdienstes gesunden zu hoben, — mit derselben Unwahrheit, sage ich, versichern sie uns die allein wissenden gegenüber den unwissenden Rc- ligionsgläubigen zu seyn. — Wobei man sich nur darüber zu wundern hat, daß selbst die bessern Verthcidiger des Religiösen Wissens ihnen in der Hauptsache einräumen, daß sie wirklich im Besitz des wahren Wissens sind, und daß ihnen nur der Glaube mangelt, als ob in irgend einer Wissens- und Glaubcnssphare Beide von einander trennbar waren, als ob der Mensch nicht überall wissen müßte um zu glauben, und glauben um zu wissen, und als ob dieser Philosophirenden religiöser Unglaube nicht von ihrer Unwissenheit in Religiösen Dingen zeugte. Wenn S. Martin sagt: ue pas almer, «'est In plus pi-anilo prenve ele I'i^noranoe so gilt dasselbe von dem: ne pas oroire. S. 52. Z. 15. Wäre nämlich der Geist nicht zeitfrei, so könnte nicht derselbe Geist welcher in der Schrift sich manifestirte sich in mir als Leser derselben manifeststen. S. 55. Z. 20. Womit doch nur die Klassicität der Schrift behauptet wird, nicht der Stillstand des Geistes. S. 50. Z. 23. wird das zweite „zu" gestrichen. S. 68. lcztc Zeile. Eben so verschieden zeigt sich der Paulinische Begriff der Kinder aus sogenannten gemischten Ehen von Jenem modernen welcher sie Bastarden nennt, indem der Apostel (1 Corinther 7, 14) sagt: „der ungläubige Mann ist geheiligt durch das gläubige Weib u. u. Sonst wären eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig." — S. 65 Z. 14 nach „andre" l. äussre. S. 67 Z. 30. Gerade zu unsrer Zeit wo man von keiner Autorität wissen will, übt solche ihre gröste Herrschaft über die Menschen aus. Wie wenige Leithämmel sieht man z. B. in der Philosophie und wie viele Schafe! 161 S. 69 Z. 6 für „Hachen" l. haben. S. 71. lczte Zeile. So ist das nichtscheincndc Licht wie das stille Wort zwar wie man sich ausdrückt vor der sinstcrn Natur als unvermitteltes, und das scheinende Licht, wie das laute Wort gehen aus dieser Natur hervor, als dem Anschein zufolge nach ihr. Dessenungeachtet sezt sich das Wirken dieser an sich sinstcrn Natur heimlich im scheinenden Licht fort, wie Jene nicht entstünde und bestünde ohne dem heimlichen Wirken des Lichts in ihm, so daß das Licht in sich nicht in der Finstcrniß scycnd ist, die Finstcrniß in sich nicht im Licht sinstcrnd. Ich habe bereits anderswo den Saz aufgestellt, daß in jeder Produktion, das Producens und Produkt im ersten Moment als gegeneinander unvermittelt gedacht werden müssen, und daß sie nur durch wechselseitige Aufhebung ihres unmittelbaren Seyns sich wahrhast verbinden und beide zur vollen Existenz gelangen können. Wogegen Hegel diese Aufhebung z. B. der Natur durch den Geist mit einer gänzlichen Aufhebung der erstem vermengte, und folglich nichts von einer Erhebung und Verklarung der Natur wüste, so wie selber nicht einsah — was freylich kein neuerer Philosoph einsah — daß die Vermittlung des Geistes (hier Idca) durch die Natur, und dieser durch Jenen, eine über beeden seyende Mitte d. h. Gott vor- aussezt, womit die langst vcrgessnc und ignorirte Triplicität von Gott, Geist (Jdea, welche Hegel mit Gott vereinerlcit) und Natur wieder ihre Begründung erhalt. Freylich auf andre Weise gilt nun dieser Begriff der Vermittlung für die ewige nicht krcaturliche Selbstmanifestation Gottes als Geist (Ucbcrnatur, Jdea) und Natur, als von der kreaturliche'n Manifestation desselben Gottes, welch' letzte indessen neuerlich auch D. Mutten wieder mit der ersten gegen I. Böhm) in seiner Schrift: I. Böhms Lehre S. 49) vermengt, in welcher Vermengung eben der Pantheism wurzelt. — Aus dem oben gesagten gewinnt man übrigens noch die wichtige Einsicht, daß die Zeillichkeit der Dinge, falls man darunter nur ihre Succcssivitat 11 162 versteht, ohne ihrer zugleich bestehenden Simultancitat so wenig denkbar wäre, als die Oertlichkeit (als Neben- und Aussereinandcr) ohne der Ubiquitat, so wie die Sempitcrnitat nicht ohne der Suc- ccssivitat, die Ubiquitat ohne der Localitat. — Die Zeitbewegung im engern Sinne ist aber für eine Kreatur nur darum die diese beunruhigende, weil und so lange sie außer der Sempitcrnitat für diese Kreatur gehalten bleibt, welche somit die Zeitscrne nur durch die Zeit-Nahe oder Zugleichseyn dessen, was nicht zugleich scyn sollte, wahrnimmt, was auch für die Raum- oder Ortsfcrne gilt. Das sogenannte fernsehen und fernwirkcn in einer Region ist darum so zu begreifen, daß der Sehende und Wirkende vom (Zentrum oder der Scmpiternität und Ubiquitat aus, in dieser Region sieht und wirkt, wo ihm die Vcrgegenwartigung Jedes Einzelnen möglich wird. — S. 73. Z. 29. In welchem Sinn das ewige Leben in der Schrift auch das Leben xar excollouoe Heist. S. 77 Z. 39. Denn der Mensch lebt nur bewundernd, verehrend und dem bewunderten und verehrten Folge gebend. Worauf einige die infernale Lehre stüztcn, daß es glcichgiltig sey, was oder wer das Objekt der Andacht und Religion des Menschen sey. S. 78. Z. 22. für „wurde" l. würde. S. 79. Z. 39. Denn Jedes Leben kann unmittelbar nur in seinen eigenen Abgrund und Hölle stürzen, welcher Abgrund und Hölle in sich gut und fix ist, wie I. Böhm sagt. Falls das Leben sich über ihm oder Abgrundfrei halt, und nur im entgegcngeseztcn Fall ihm zur Hölle wird, im cngcrn Sinne des Worts. S. 84. Z. 18. für Erde l. Ehre. S. 88 Z. 15 für Kundschaften l. Bundschaften. Dem hier aufgestellten Begriff einer bleibenden Persönlichkeit im Gegensaz des Gesczcs stellt sich der Begriff einer nichtbleibendcn Persönlichkeit (z. B. im Geschwornengcricht) entgegen, welcher noch keineswegs seine erfodcrliche Entwicklung in der Societat erhielt. S. 91. letzte Zeile. Dcmohngeachtct sagt man sich im 163 Abendlandc einander nach, daß früher der Patriarch in Constan- tinopcl der Papst der Morgcnländischen Kirche war, und spater die Zars sich diese papstliche Gewalt arrogirt haben. S. 93 Z. 93. Ist einmal der Kirchcnfond so wenig mit dem Staatsfond vermengt, als der Fond irgend einer Corporation, und beziehen die Diener der Kirche ihre Subsistenz aus selbem, so kann man nicht sagen daß selbe Staatsdiener im cngern Sinn des Worts und Staatspensionairc sind. S. 95. Z. 17. Die Meinung von der Divinitat und Jn- fallibilität des Primats war zur Zeit des Ausbruchs der Reformation noch so tief gewurzelt, daß die Reformatoren nicht ohne Gcwissensscrupel den öffentlichen Angriff thaten, wogegen Doktor Strauß sich frcplich weniger Effert zu geben brauchte bei dem schier allgemein erloschnen Glauben an Christus und bei dem allgemein verbreiteten Wunsch, daß doch kein Christus wäre! indessen zeigt sich bei beedcn Angriffen das Rcvolutionaire Princip wirksam. In Betreff der von Letztcrm nur unter mehr kritischer Form versuchten Mystifikation der Geschichte Jesu habe ich bereits bemerkt, daß selbe sich guten Theils auf die Nichteinsicht in den solidairen Verband des zeitlich-räumlichen (äussern oder peripherischen), somit, wie man meint, spurlos vorübergehenden Geschehens (der Historie im cngern Sinne) mit dein Centralen, inncrn universellen und bleibenden oder immanenten Geschehen stüzt. Es gehört z. B. nur wenige Aufmerksamkeit dazu, um die Ucbcrzcu- gung zu gewinnen, daß dieselben Ereignisse, welche in den Schriften des neuen Bundes als äusseres, wcltkundigcs Geschehen aufgezeichnet sind, sich in ihren Hauptmomenten in Jedem Einzelnen Menschen als so viele Momente seines Innern Lebens selber wiederholen, so daß hier gilt: mutato Camino liistoria (uon lAlmIir wie Strauß meint) äe te imrimtur, oder daß die Geschichte des Christs die jedes einzelnen Christen ist, vorüber besonders S. Martin's uuuvel stamme lehrreiche Aufschlüsse giebt.— Man rühmt übrigens zwar den in v. Strauß Schrift sich zeigenden kritischen Scharfsinn, wogegen aber schon das von ihm 1l* 164 aufgestellte Erste negative Kriterium (ob ein in den Evangelien erzähltes Factum wahr oder nur Mythe scy) spricht, v. Strauß sagt nämlich „daß Jedes in den Evangelien erzählte Ercigniß als nicht historisch anzuerkennen scy, falls es nicht mit den allgemein angenommenen Gesetzen der Erfahrung übereinstimmt." — Sonach wäre aber alles in der Geschichte als zuerst und neu vorkommende als Nichtgcschchcn zu dcclariren, und das Herabfallen eines oder mehrerer Aerolithcn in irgend einer Gegend, wäre so lange zu den Mythen zu zählen, bis es überall Aerolithcn regnete. Es ist aber hier (beim Geschehen eines Wunders) ganz nicht von einem den Gcsezcn der Erfahrung, somit der Erfahrbarkeit widerstreitenden die Rede, weil ein wunderbares Ercigniß eben so gut gesehen, gehört ic. werden kann, als jedes alltägliche, und der Charakter des Wunders eben darin besteht, daß es ein Geschehen ist dessen Läug- nung zugleich die des mit ihm untrennbar verbundenen in einer Region nicht wunderbaren, und alltäglichen, obschon darum noch nicht als Gesezlich begriffenen Geschehen scyn würde, obschon selbes nicht aus letzten» begreiflich ist, und man durch selbes auf eine andere Region gewiesen wird, welche sich in einer Niedriger» Region offenbart. — Woraus man also sieht daß I>. Strauß mit diesem Kriterium eigentlich nichts bestimmt, und nur den bekannten flachen und schaalcn Einwurf der Rationalisten gegen Jedes Wunder wiederholt. S. 96 Z. 8 f. ui Lluiio e l. in nne. S. 199 nach moulre l. le Premier comme im speetre, lu der- niere eomme nu ouduvre, ee gui s'uvoordo purkuitemont, wonach also die Worte: „Ke gui s'uocvrd pur le Premier comme im speetre et lu derniere eomme im euduvre kuileineut" zu streichen sind. S. 191. Z. 4. Die Auflösung des hier bcmerklich gemachten in allen Regionen des Scyns und Lebens wiederkehrenden Simsonischen Räthsels „Wie Süsse aus dem Starken und Speise aus dem Fresser geht" d. h. wie das finstere verzehrende Zornfcuer in das lichte gebärende Liebcfeuer umschlägt — dieses Räthsels Auflösung, sage ich, hat uns zuerst I. Böhm gegeben. Er 165 wicß nämlich nach, wie Jedes Feuer (Leben als Selbhcit) in der Enge und Strenge als seiner sinstcrn Wurzel zwar entsteht, aber falls es an seiner Befreiung (Hcrvorgang) aus Jener wie immer zurück gehalten wird, als Feucrbrandung grimmig und verzehrend sich kund gicbt, daß es dagegen so wie es die Sanfte aus der stillen Freiheit (als Ucbernatur) in sich gewinnt, seine verzehrende Begierde ablegt, und diese Sanfte in seiner verwandelten Begierde zu Wesen, d. i. zu Wasser und Stof seines Leibes anzieht. Wobei aber I. Böhm auf den simultanen Ursprung des Wassers und des Oels (Tinctur) zuerst aufmerksam machte, indem Jenes als schirmender Leib des Oels den verzehrenden Grimm des Feuers löscht, dieses als ZUwtoxene oder als Lichlbasis sich erweiset. Wie denn kein Feuerlebcn oder Feucrgeisi seines Naturrechts änderst abstirbt, und hiemit ins Lichtleben eingeht, als durch die Massertause gehend ^). Oel und Wasser gebären zugleich zum feurigen Licht sich, Jenes giebt Speise dem Licht, dieses stillt das verzehrende Brennen. So wirkt als Fluth und als Glut die Thräne des reuigen Sünders, Löschend den brennenden Haß, entzündend die wärmende Liebe! Aber es strebt dieser Ehe des Feuers und Lichts der Geist des Verderbers Rastlos entgegen, das Licht in Kälte haltend, das Feuer im Finstern. Es ist nun nicht in Abrede zu stellen, daß der Geist unsrer herrschenden Philosophie, indem er den guten Affekt und die wahre Erkenntniß auseinander halt, mit diesem Geist des Verdcrbers sich verwandt zeigt, und durch Abhalten einer legitimen Verbindung als Kupler einer schlechten dient. S. 105 Z. 23. Nach „sind" ist der Punkt zu streichen. S. 114. Z. 21. Von der hier bemerklich gemachten, noch allgemein unverstandenen Triplicitat der Seele, Geistes und Leibs, gab I. Böhm zuerst einen bestimmten Begrif, indem er zeigte, daß man hier unterm Wort: Geist das Gcistbild (Ideal zu verstehen hat, als unterschieden (nicht geschieden) von der feurigen *) Die Chemiker würden darum das Ilzulrogene als das entzündliche besser das PI>oto>;öne nennen, und das nichtentzündliche das II^liwZöiw, weil ja das Wasser die Mutter der Salze ist. 1 tili Seele als dessen Odem, van jener ans und wieder in sie eingc- ^ hcnd. Indem aber die Seele ihren Willen in irgend ein Bildendes wirst, so wird dieser Wille als gleichsam noch flüssiger Geist zum bestimmten Gcistbild von dem, worum er einging, conformirt. In der Normalitat ist also das Geistbild die im Menschen lebhaft (gestellt) und leibhast wordne Jdca, und hicmit Tempel oder krea- turlichc Wohnstatte des heil. Tcrnars. I. Böhm wicß somit nach Paracclsus und vor Helmont das Princip der Morphologie in dem sogenannten Versehen nach, d. i. durch sinnendes und imaginircndes Eingehen in ^ wird mein Wille dem glcich- gcformt, wie denn Paulus sagt, daß wir im Schauen der Herrlichkeit Gottes in Sein Bild verwandelt werden. Wie nun dieses Jmaginiren mittelst der Conjunction der Tincturcn Einen Tinctur- lcib erzeugt, so versieht sich an diesen Tincturlcib als Gcistlcib (und als (loiistollutuiu) hinwieder das oder die Elemente und wird hicmit der Elemcntarlcib gestaltet. Die Sophia entspricht darum als Spiritus mmuli «llviiii dem ewigen Element wie der Spiritus IM!Ulli szulereus den vier Elementen. Wie sich übrigens der normale (gesunde) Leib zu seinem normalen Gcistbild (Jdca) verhalt, so verhalt sich der ungesunde und verstaltete Leib zum Krankheitsgeist. S. 117 Z. 24. Wenn nämlich schon der Herr Verf. dieser Schrift in der Vorrede sagt, daß Er seine Gegner (nämlich die Gegner des absolutmonarchischcn Kirchcnregiments als obersten Gerichtshofs und der Divinitat oder Jnfallibilitat des Papstes als maestro «uproiuo) mit ihren eignen Waffen besiegt hat, und zwar mit folgendem einfachen Schlußsaz: „Es ist Lehre der Kirche und von jenen Gegnern selbst behauptet daß sich die wesentliche Form der Kirchenverfassung nicht andern kann, ohne daß die ganze Kirche zu Grund geht — nun aber behaupten diese Gegner selber daß diese wesentliche Form dermalen die absolut autocratische sey, woraus folge daß sie dieses entweder seit ihrer Entstehung oder daß sie umgestürzt sey, somit nicht mehr bestehe" — So weiß man doch daß diese Gegner einen nicht minder einfachen Saz entgegenstellen, indem sie sagen: ES ist faktisch erwiesen daß die älteste Kirchcnvcrfas- Iii? jung nicht automatisch war, weswegen diese Form nicht wesentlich scyn kann oder man hehaupten müste, daß die christliche Kirche gleich bei ihrem Entstehen und ersten Bestehen — gar nicht cxistirt habe. S. 118 Z. 24 für „Recht" l. Rechte. S. 119 Z. 1 nach „selber" l. als. — — lezte Zeile für gor l. « nun guo. S. 123 Z. 7 f. hatte l. hatte. S. 157. Z. 28. Ueber diesen Gegenstand, nämlich über den Begriff des Gottesbildes im Menschen als Androgyne (welcher nicht mit dem Begriff des Hermaphrodisms zu vermengen ist) sprechen sich die altern Theologen ganz nicht, oder meist unrichtig aus. Nur Gregor von Nyssa unterscheidet, nach dem ersten und zweiten Capitel der Genesis eine doppelte Schöpfung des Menschen, bei deren erster dieser zum Gottcsbild bestimmt, bei der zweiten zum Mannes- und Wcibesbild geschaffen ward, so daß Adams Schlaf bereits ein Gelüsten als erster Schritt zur kraerarioation vorgicng. Eben so sagt auch Scotus üriZena (Do divisione natnrae) „Homo reatu suao praovarioatio- uis obrutus, naturae suae divisiuuem in masculum et koeiniiurm est passus, et guouiain ille e-relesteui multiplicatioiiis suae mo- llnin olisorvare noluit, in peooriuam corruptibilcmgue ex mas- eulo et loomiiia numerositateiii ffisto ludicio redactns est, gua Oivisio in (Aristo adunatioiiis sninpsit exordium, gui in se lui- manne natnrae restanrativnis et Inturae resnrreetiouis Initinm praeslilit. Es erhellt aber selbst aus den zwar nur kurzen dunklen und gleichsam apokalyptischen Worten der kenesis, daß Adam und Eva doch noch im Paradicß (im Garten Eden) hätten bleiben und paradiesisch sich fortpflanzen können, was aber nicht mehr möglich war, nachdem sie becde vollends in die Gestirn- und Elc- mentcnwelt eingingen (von dieser äffen) und ihr passe auimal ter- restre üeri in actum gicng. Es ist darum ganz irrig, wenn die Theologen (was auch Augustin that) diese lezte Entstellung und Vcrgcstaltung des Menschen, bei welcher in diesem der Bauch mit seinen Gliedern hervortrat, für den primitiv geschaffenen Menschen Iti8 Halten, und somit die Worte Pauli (I. Corinth. 15, 45) mißdeuten, indem sie zwischen Natur und Verdorbncr Natur nicht unterscheiden. Da doch Paulus zwischen Bauch und Leib unterscheidet, indem er sagt, daß Gott den Bauch wie die Speise abschaffen wird, nicht aber den Leib, so wie derselbe Apostel (Römer 5, 12, I. Corinth. 15, 21) sagt, daß der Leibes Tod erst mit der Sünde eingetroffen ist. Hatte nun aber Adam vor seinem Fall im Quell der 4 Elemente bereits gelebt, so wäre er bereits zum Tode geschaffen gewesen. Endlich sagt derselbe Apostel, daß wir in Christo als Restaurator unseres Gottcsbildes weder Mann noch Weib sind. Die Göttliche Lopirin, (Jdca) war Gchilsc (nel- sirtor) des primitiven weder Mann noch Weib scycndcn Menschen, welcher eben durch seine Verbindung mit ihr (die also keine Geschlechtliche scyn konnte) die Androgpneitat hatte in sich consirmircn, und das P08SK iiurs et loominn tieri als noch irr patentier in sich hatte tilgen sollen. Wie denn noch jetzt, nachdem der Mensch Mann und Weib geworden ist, dieselbe Lopirin,, so wie selber sich innerlich ihr zuwendet, wenigst innerlich den Mann, so wie das Weib der androgyncn, englischen Natur theilhaft macht. »ISSSV^^SSSSSSSSSSST^'? , iQ Druck u. Pupierdcr Hofbuchdruckerei III Zlltcuburg