15
Zcit odcr mit dem Eintritt ins Ewige Leben der Erlösungsproceßals völlig beschlossen und beendet gedacht werden, odcr, falls man
indem er sagte: „Wer die Dinge und wer sich selber last, da sie (imWesen) räumlich-zeitlich getrennt und zerstreut sind, der n i m m t (besizt)sie, da sie einig und nngetrennt sind" d. h. in ihrer Unterschiedenheit Einigund in ihrer Einigkeit unterschieden (womit eigentlich nur ihr Aufgenommen-seyn in Einen Organism besagt ist), weil das unnnterschiedne als Confun-dirtes eben so uneins ist als das getrennte, obschon man bisher irrigerWeise gewöhnlich den Begriff der Einheit der Vielheit dualistisch ent-gegen sezte, da ja Cvnfnsion und Getrenntheit sich gegenüber stehen,und die Einheit nur als ihre Mitte oder als sie vermittelnd zu begrei-fen ist. Goethe sah dieses nicht ein indem er sein Gedicht (Einsund alles zur N a tu rw issensch aft lH.smit den Worten anfängt:Zm Gränzenlosen sich zu finden,
Wird gern der Einzelne verschwinden.
Was sich doch widerspricht-falls man das sich Finden desselbenEinzelnen im G.änzenlosen nicht als ein Verschwinden im Begränztensich denkt, wobei also das Einzelne doch ein solches bliebe. Aber Goethelaborirt hier mit den deutschen Naturphilosophen (deren Papa er eigentlichwar) an der Spinozistischen Vermengung des Unendlichen mit dem Un-bestimmten so wie des Endlichen mit dem Bestimmten, oder des Einenmit dem Eonfusen. Da doch Spinozas Saz: om »is lwwi'uiinmio estI >sx!>lio nur in seiner Umkehrnng wahr ist als: om»is Netei-Miiimio ostz>o«nio giiia »>?A!»io Indelei'min-Nionis. — D. h. der Bestimmende bestimmtsich zwar selber in der Bestimmung eines von sich unterschiednen, abersein Bestimmt-werden negirend sezt er sich hiemit als frei und bestimmt,erfüllt und gestaltet sich, so wie man nicht sagen kann, daß das sichgliedernde Leben seine Freiheit hiemit aufgiebt, da es selbe hiedurch erstgewinnt. M. Eckart sagt ferner von allem in der Zeit nur von ihrund für sie Lebenden „daß alle Liebe dieser Welt nur Eigenliebe, folglichkeine Liebe ist, und daß der Mensch nur von Eigenliebe last, insoferner von der Lust der Zeitwelt last." — In der That gelangen die Wesendieser Zeitwelt nie zum freien (ganzen) Leben, weil sie immer nur mitNoth sich des Sterbens zu erwehren haben, und diese Lebensnoth, Lebens-armuth und Lebensgefahr auch keine Liebe aufkommen last. — Wennaber die Liebe nur als ein fremder dieser Welt nicht heimlicher Gast inihr erscheint, so gilt dasselbe, da ja nur das Schöne liebenswürdig istauch vom Schönen wir schon das Wort: Wunderschön sagt, womit näm-lich die Jndemonstrabilität des Schönen oder seine Unbegreiflichkeit aus-gesprochen ist, d. i. seine Divinität. Der von den Aesthetikern gemachtwerdende Unterschied des Erhabnen und Schönen hat darum keine andre Be-deutung als daß das Schöne das Erhabne im freien Descensus, das Erhabne,das Schöne im Ascensus ist. Welche Solidarität des Schönen und Erhab-